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Zerschmetterte Träume

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An diesem Morgen erwachte Eolarios wie immer kurz vor Sonnenaufgang. Die Nacht war kurz gewesen, doch auch das war nicht anders als sonst. Anders war nur das leise, ruhige regelmäßige Atmen neben ihm. In seinem Bett.

Madeleine. Es durchfuhr ihn wie ein Stich. Sie war bei ihm? Er wagte nicht, die noch von Schlaf beherrschten Augen zu öffnen. Die Wärme, die Anwesenheit dieser Frau neben ihm, er spürte sie. Madeleine. Elias. War es ein Traum gewesen, dass sie zu ihm gekommen war? Ihn seinen Sohn hat in den Arm nehmen lassen. Seinen Sohn. Ein Mischling, wie er es war. Ein Wesen, verdonnert zum Dasein zwischen dem Leben eines Menschen und dem eines Tieres. Vielleicht würde er besser damit umgehen können.

Langsam öffnete Eolarios die Augen, rieb sich den Schlaf heraus, während er an all das dachte. Madeleine. Sie fehlte ihm. Ihre Haut. Ihr Lachen. Ihr Geruch. Ein leichtes, kaum sichtbares Heben der Mundwinkel erlaubte er sich, als er den Kopf zu der Frau neben sich drehte. Madeleine. Ein Funken Hoffnung keimte in ihm auf, dass er all das doch nicht nur geträumt hatte. Das Licht der Laternen und des Mondes drang nur schwer ins Zimmer, ließ ihn nur Umrisse erkennen. Er beugte den Kopf etwas zu ihr und sog ihren Geruch ein, hob eine Hand und berührte ihr schwarzes Haar.

Schwarzes Haar. Der Geruch. Schlagartig erstarrte er. Schwarzes Haar. Scarlet. Warum roch sie nicht nach Sandelholz und Vanille. Warum hatte sie nicht dieses rotgefärbte Haar. Leise und vorsichtig richtete er sich auf. Er wollte sie nicht wecken. Er wollte nicht reden. Nicht jetzt. Nicht mit ihr.

Ohne noch einmal zu ihr zu sehen, griff er nach seinen Stiefeln und verließ das Bett. Mit leisen Schritten und den Stiefeln in der Hand ging er die Treppe herunter. Erst unten wechselte er in die Kleidung, die er jeden Morgen zum Laufen trug. Tief durchatmend fuhr er sich mit den Händen durchs Gesicht und stieg dann in die Stiefel. Das Schwert würde, wie jeden Morgen, daheim bleiben. Fast lautlos öffnete er die Tür und verließ das Haus.

Auf dem Weg in den Park verschnellerten sich seine Schritte, bis er schon rannte, ehe er dort angekommen war. Madeleine. Scarlet. Seine Füße trugen ihn über die Steinstraßen auf die Wiesen am See. Er lief immer weiter, floh regelrecht. Warum war sie nicht Madeleine? Warum konnte er nicht einfach neben Madeleine aufwachen, neben seinem Sohn. Elias. Die aufgehende Sonne warf tiefe Schatten über die Wiesen. Es interessierte Eolarios nicht. Der Schweiß rann ihm übers Gesicht, vermischte sich mit stillen Tränen, während er wie von Sinnen immer weiter seine Runden um den See und durch den angrenzenden kleinen Wald drehte.

Stunden dürfte er so gelaufen sein. Seine Beine brannten, jeder Schritt sandte einen schmerzhaften Stoß durch seinen Körper. Doch er spürte es nicht mehr. Seine Gedanken waren bei Madeleine. Bei seinem Sohn. Er wollte ihn doch nur im Arm halten. Für ihn da sein. Ihn aufwachsen sehen. Alles würde er verpassen. Seine ersten Worte. Seine ersten Schritte. Und Madeleine? Sie hatte sicher längst einen Anderen. Hatte ihn vergessen. Dieser Bastard durfte nun seine Finger an seinen Sohn legen.

Außer Atem hielt Eolarios an einem der Bäume inne, hob die schon lang fest geballten Fäuste und prügelte auf den Baum ein. Immer wieder ließ er die blanken Fäuste auf die harte Rinde hinabrasen, ließ sie das gesichtslose Schwein verprügeln, das seinem Sohn zu nahe kam.

Alle ihre sogenannten Freunde hätte er am liebsten über die Stadtmauer in den Hafen gestoßen. Familie nannte sie sie. Zornig schnaubte er, während die Fäuste sich an der Rinde blutig schlugen. Er spürte keinen Schmerz. Nur noch unbändige Wut, diese Hilflosigkeit. Welche Familie ließ zu, dass sie immer wieder in neue Gefahren rutschte? Welche Familie ließ sie allein wenn sie schwanger war, ließ zu, dass sie vergiftet wird mit einem Kind im Bauch? Sie hat sich nie halten lassen. Mehr als einmal hatte er mit dem Gedanken gespielt, sie einfach einzusperren.

Warum. Warum konnte sie nicht einsehen, dass sie so nicht weitermachen konnte? Warum konnte sie ihn nicht einfach an ihrer Seite dulden? Langsam verloren seine Schläge an Kraft, hinterließen blutige Spuren an der Rinde. Seine Hände pochten.

Wie hatte er sich so in sie verlieben können. Hatte er Alicia Unrecht getan? Vielleicht hätte sie gewollt, dass er jemand Anderen findet. Aber vielleicht hatte auch Leryla Recht. So still und doch soviel zu erzählen. Sie war erwachsen geworden. Hatte ihren eigenen Kopf entwickelt. Doch sie sorgte sich um ihn. Immer war sie bei ihm geblieben.

Nie hatte Madeleine diese Worte ausgesprochen, nach denen er sich so sehnte. Die Worte, die sie an ihn binden würden. Doch ihre Küsse waren so weich gewesen. So zart. So ehrlich. Konnte man sich so verstellen? Hatte sie ihn wirklich nur benutzt?

Verzweifelt schüttelte er den Kopf und ließ sich gegen den Baum sinken, rutschte daran hinab und vergrub das Gesicht in den Händen. Sein Sohn. Elias. Elias. Halt durch, mein Sohn..

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