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Die Aldor Wiki

Wüstenbann

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Rylraen war an diesem Abend rastlos von der einen Ecke der Stadt zur anderen gelaufen und hatte mit sich selbst gehadert. Da war einfach zu viel passiert in den letzten Tagen. Zu viel und das machte ihr Bauchschmerzen. Nicht alles davon war schlimm gewesen. Manches war sogar richtig erfreulich. Dieser Brief zum Beispiel, den man ihr geschrieben und von dem sie immer noch nicht wusste, wer ihn verfasst hatte. Nicht einmal im Traum hätte sie gedacht, dass jemand ihr so schöne Dinge schreiben würde. Komplimente über ihr Aussehen, nicht zu eindeutig, einfach nur angenehm lieb gemeint, hatte jemand dort auf das Papier geschrieben. Wer der Unbekannte wohl war? Sie würde es vielleicht nie herausfinden.

Langsam wanderten ihre Gedanken zu den weniger schönen Dingen. Den Harfnern beispielsweise. Nicht, dass sie davon nun wirklich Schlechtes berichten konnte. Immerhin hatte sie noch nie einen anderen Harfner getroffen. Doch genau das war ja das Problem. In den letzten Tagen hatte sie immer mehr daran gezweifelt, dass es diese ominöse Gruppierung überhaupt gab. Diese Streiter für das "Gute". Wollte man ihr vielleicht nur einen Streich spielen? Vielleicht gehörte dies ja zu dem Spiel des Briefeschreibers. Vielleicht wollte er ihr durch das, was sie nun tun konnte, ein gutes Gefühl geben. Denn so verhielt es sich letztendlich: Sie hatte ein gutes Gefühl dabei.

Woher genau der Drahtzieher hinter den Harfnern wusste, wo sie gebraucht wurde, wusste sie nicht. Vielleicht gab es auch nicht DEN Anführer. Rylraen hatte schon oft von Organisationen gehört, de ein ganzes Netz von geheimen Mitarbeitern beschäftigten. So war es also durchaus möglich, dass die Harfner ein weites Informationsnetz besaßen. Immerhin hatten sie Rylraen bisher immer zur richtigen Zeit an den richtigen Ort geschickt. Es begann immer mit einem Brief und endete mit einem solchem, oft in Verbindung mit einer Belohnung.

Während sie so durch die Straßen lief, kamen ihr ihre letzten "Aufträge" in den Sinn. Ihr größter Triumph war dabei jener Moment gewesen, als sie alleine zwei Räuber in die Flucht geschlagen hatte. Nun gut, Catori war auch mit von der Partie gewesen und hatte den beiden Männern einen ganz schönen Schrecken eingejagt, als diese des Nachts in ein Haus einbrechen wollten. Rylraen bildete sich jedoch gerne ein, dass auch sie mit ihren lauten "Uhuuu" und "Buhuuu"-Rufen das Übrige dazu getan hatte. Sie musste grinsen. Vielleicht sollte sie üben das Heulen eines Worgen zu imitieren.

Dann dachte sie wieder an den anderen Plan, irgendwo eine Anstellung zu finden. Das war alles andere als leicht und sie selbst machte es sich dabei nicht leichter. Sie war zu nervös, zu unsicher. Sie seufzte schwer. Wenn sie nur etwas Selbstvertrauen von ihrer Mutter geerbt hätte. Die hätte sich schon längst eine Stelle gesichert...

...

Rylrean hatte es nicht bemerkt, aber durch ihre Träumerei hatte sie sich in eine verrufene Straße verlaufen. Sie bemerkte ihren Fehler erst, als die vermummte Gestalt bereits vor ihr stand. Rylraen war zuvor noch nie überfallen worden, doch die Art und Weise, wie die Gestalt ihr den Weg abgeschnitten hatte, ließ keinen Zweifel daran, auf was er es abgesehen hatte. Merkwürdigerweise trug er keine Waffe bei sich. Sie ballte die Fäuste und überlegte. Ihre Mutter würde den Dieb sicher bekämpfen und ihren Besitz behalten, aber Rylraen war nicht wie ihre Mutter. Sie hatte ziemliche Angst und wenn sie ehrlich war, konnte dieser Kerl ruhig ihr weniges Gold haben, wenn sie dafür ihr Leben behalten konnte. Sie wollte gerade etwas sagen, als sie etwas an sich vorbeifliegen sah. Sie musste mehrmals blinzeln, bevor sie erkannte, dass sich soeben ihre Geldbörse von ihrem Gürtel gelöst hatte und in der Hand des fremden gelandet war. Prompt traf sie eine Speerspitze aus reiner Arkanenergie und schleuderte sie gegen die Wand. "Ein Zauberdieb", ging es ihr durch den Kopf. Doch diese Erkenntnis half ihr nun auch nicht.

"Es funktioniert. Es funktioniert immer!", kreischte die Gestalt hämisch und lachte während sie das Gewicht der Börse wog. In diesem Moment hatte Rylraen genug. Ihre Heimat hatte man zerstört. Alle ihre geliebten Pferde waren zu Staub geworden. Jeder, der einmal ihr Freund gewesen war, war tot. Sie würde sich nicht auch noch das letzte bisschen nehmen lassen, was sie hatte. Mit einem Ächzen stemmte sie sich in die Höhe und stürtzte mit einem Schrei auf den Zauberdieb zu, doch dieser hob nur die Hand. Etwas geschah. Rylraen wusste nicht genau was, aber es fühlte sich plötzlich so an, als würde sie im Sprung verlangsamt werden. Vermutlich verhielt es sich genau so. Sie befand sich mitten in der Luft, aber sie bewegte sich nur Millimeter für Millimeter vorwärts, während der Fremde mit einem unbekümmerten Grinsen und in normaler Geschwindigkeite vor ihr auf und ab hüpfte.

"Kannst mich nicht erwischen, eh? Kannst mich nicht fangen? Niemand fängt den fabelhaften Fabius! Meister-Zauberdieb-Meister! Ja, die zwei 'Meister' sind gewollt! Wo ich dich nun auch hinschicke, sagst du ihnen also 'Der fabelhafte Meister-Zauberdieb-meister Fabius hat mich geschickt!"

Wenn es funktioniert hätte, dann hätte Rylrean wohl noch schnell die Stirn gerunzelt. Wo ich dich nun auch hinschicke? Was sollte das bedeuten? Langsam keimte in ihr ein schrecklicher Verdacht und mit einem Mal wehrte sie sich heftig gegen den Lähmungszauber, doch vergebens. Direkt vor ihr, wob der Zauberdieb aus den arkanen Strömen eine Art bläulich schimmernde Blase, die sich letztendlich halb manifestierte. Rylraen wusste was das war. Sie hatte es schon oft genug gesehen. "Ein Portalzauber...", dachte sie panisch. Er würde sie irgendwo aussetzen, vermutlich irgendwo am Ende der Welt. In dem Portal sah sie Bilder von verschiedenen Landschaften aufflackern und verschwinden. Es wäre reiner Zufall wo sie landete und wenn sie ganz besonderes Pech hatte...

"Auf Wiedersehen!", schrie der Zauberdieb hämisch und löste mit einem Fingerschnipsen den Verlangsamungszauber um ihre Glieder. Sie flog, als wäre sie nie verlangsamt worden. Doch jetzt fog sie nicht auf den Dieb zu, sondern mitten in das Portal. Rylreaen schrie, doch der Laut wurde von den Arkanwinden hinfortgerissen. Dann fühlte sie kurze Zeit nichts, als sie mit ihrem gesamten Körper durch das Portal hindurch war. "Seltsam...", dachte sie. "Eigentlich sehr friedlich. Fast wünschte ich, dieser Fall könnte ewig..."

Hart prallte sie auf. Nicht auf Erde. Nicht auf Stein. Sie spürte, wie feine Körner ihre Haut leicht aufrissen. Sand. Überall Sand. Sie spürte, wie er ihr den Nacken herunter rieselte, unter ihre Kleidung. Ächzend rappelte sie sich auf und spuckte aus. Sandkörner klebten in ihrem Mund und kratzen über ihre Zähne. Sie schüttelte sich. Dann sah sie sich panisch um. Wo war sie? Wo sie auch hinsah, sah sie nur...Sand. Sand, der sich zu gewaltigen Dünen auftürmte. Sand, der die ausgebleichten Knochen gewaltiger Untiere halb bedeckte. Sand, der zu einer endlosen Wüste gehörte. Die Sonne brannte heiß auf ihren Kopf und sie spürte bereits jetzt einen so großen Durst, dass sie schon gar nicht mehr wusste, wie Wasser überhaupt schmeckte.

Sie war allein, mitten in einer ihr unbekannten Wüste und über ihr kreisten die schattenhaften Silouetten von drei Geiern. Rylreaen schluchzte verzweifelt.

Sollte dies hier ihr Ende sein?

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