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Von den Sandstürmen

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Myrmoda war ein Dschinn.

Zumindest erzählte sie das dem Wachposten der Wüstenläufer, als es darum ging, den Preis für Rylraen auszuhandeln. Der Reaktion des Mannes nach, konnte er mit diesem Begriff etwas anfangen und auch Rylraen hatte in der Zeit ihrer Gefangenschaft einiges über diese Wesen aufschnappen könne. Das wenige, was sie gehört hatte, reichte ihr aus um ihr Angst einzujagen. Dschinn – die Wüstengeister. So grausam und flüchtig wie die Wüste selbst, kleideten sie sich in lange Gewänder und verhüllten ihre Gesichter, da sie nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Sand und den Wüstenwinden bestanden. Und obwohl Rylraen nichts sehnlicher wollte, als aus den Klauen der Wüstenläufer zu entfliehen, war die Aussicht von einem Dschinn gekauft zu werden nicht gerade verlockend.

Dschinn – Ammenmärchen. Schauergeschichten. Oder doch nicht…?

Die Augen des Dschinns glitten zu ihr und Rylraen zuckte unter dem Blick zusammen. Ein Auge des Dschinns schimmerte matt und bläulich, dass andere jedoch glich dem eines Reptils – geschlitzt und starr. „Ich will sie für meinen Herrn.“, sprach der Dschinn, als er sie ausreichend betrachtet hatte. Seine Stimme klang gedämpft unter dem Tuch hervor, mit dem er sein Gesicht verbarg. Rylraen konnte nicht sagen, ob es eine weibliche, oder eine männliche Stimme war die da sprach. Hatten Wüstengeister überhaupt Geschlechter?

„Er bevorzugt weißhäutige Frauen. Ihr Anblick gefällt ihm.“, sprach der Dschinn erneut.

Es war, als hätte man Rylraen in eiskaltes Wasser geworfen. Sie war keine Frau von Welt, aber auch nicht so naiv, um nicht hinter die verborgene Botschaft dieser Aussage zu kommen. Von dem einen Übel in das nächste verkauft. Die Wüstenläufer, die sie gefangen hatten waren grob zu ihr gewesen, ja. Ohne Zweifel hatten sie Rylraen wie Dreck behandelt, wie Beute. In den letzten Wochen hatte sie nahezu jede auch nur erdenkliche Aufgabe für die Männer und Frauen der Wüste übernehmen müssen und war an jedem Abend erschöpft zusammengebrochen. Doch hatte niemand sie angerührt und eines hatten sie dem Dschinn sowieso voraus: Sie waren Menschen. Mit Menschen konnte man reden. Man konnte sie bitten und anflehen. Aber ein Dschinn? Was bedeutet einem Dschinn das Flehen einer Halbelfe?

In diesem Moment wünschte sich Rylraen, dass man sie nicht verkaufen würde und für einen kurzen Moment sah es wirklich ganz danach aus, als würde der Handel nicht zustande kommen. Der Wachposten war gierig. Hundert Goldstücke verlangte er für Rylraen. Diese war sich später nicht mehr sicher, was dann geschah. Der Sand um den Dschinn herum wurde…lebendig. Er wirbelte auf, obwohl es windstill war. Die Bewegung des Sandes wirkte bedrohlich. Sie schrie innerlich vor Verzweiflung auf, als der Mann, eingeschüchtert von dieser Darbietung, Rylraen zum Geschenk des Dschinns machte.

Sie wurde abgekettet und auf die Füße gezogen. Der Dschinn packte sie am Handgelenk und sein Griff fühlte sich endgültig an, eine Umklammerung aus der man nicht entkommen konnte. Natürlich versuchte sie sich loszureißen. Natürlich wollte sie fliehen und gegen ihr Schicksal ankämpfen. Doch der Dschinn dachte nicht daran sie gehen zulassen. Er hielt sie fest und ignorierte ihre kläglichen Befreiungsversuche. Rylraen wusste, dass es ohnehin keine Rolle spielte. Selbst wenn sie sich losreißen könnte, was schon allein auf Grund ihrer Verfassung unwahrscheinlich war, so hätte sie doch keinen Ort an den sie hätte fliehen können. Sie würde wahrscheinlich in der Wüste verdursten. Keine rosigen Aussichten.

In diesem Augenblick drehte sich der Dschinn ihr zu, als hätte er ihre Gedanken gelesen. Seine beiden ungleichen Augen starrten sie an und sie zuckte erneut zusammen, hielt jedoch inne, als er zu sprechen begann.

„Ich habe kein Interesse daran, dich in den Tod laufen zu lassen. Wo würdest du denn auch hingehen wollen? In die Wüste? Zu denen, die dich gefangen hielten? Ich kann dich gehen lassen, oder aber mitnehmen, damit du lebst. Mir ist es egal. Entscheide dich.“

Konnte das eine Falle sein? Vielleicht, doch im Grunde war es egal, denn sie hatte kaum eine wirkliche Wahl.

„Ja…“, sprach Rylraen daher.

„Ich will leben.“


Natürlich war Myrmoda kein Dschinn. Sie war nicht aus Sand oder Wind, hatte keine Macht über die Wüste, oder die Stürme. Sie war einfach nur eine Hochelfe. Nun gut, vielleicht keine ganz normale Hochelfe, doch das wusste Rylraen zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das würde sie erst später erfahren. Ebenfalls würde Myrmoda erst dann den ganzen Schwindel aufklären und Rylraen würde bei dem Gedanken lachen, wie leichtgläubig sie doch gewesen war.

Dschinn - Ammenmärchen. Schauergeschichten...definitiv.

Warum Myrmoda sie gerettet hatte? Vielleicht hatte sie in ihr etwas gesehen. Vielleicht hatte sie die Hochelfe an etwas erinnert. Es war ihr egal. Für sie zählte nur, dass der vermeintliche Dschinn sie gerettet hatte und nach Hause bringen wollte. Doch wie stand es in den Büchern? Die Geretteten sind ihren Rettern etwas schuldig und Rylraen, die sich nicht erklären konnte wie sie zu der „Gnade“ kam, von einem Wüstengeist gerettet zu werden, war fest entschlossen diese Schuld zu begleichen, wenn nötig ein Leben lang. Ein Leben lang in ihrem Dienst. Im Dienst von…

Rylraen runzelte die Stirn. „Haben Dschinn Namen? Wie...heißt ihr?

Ihre Retterin sagte es ihr und Rylraen wiederholte den Namen in Gedanken.

„Myrmoda von den Sandstürmen.“

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