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Die Aldor Wiki

Von Reisen und Liebe

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Hoch stand die Sonne am Himmel, als die Wagen sich endlich wieder in Bewegung setzten. Es war heiß in diesen Tagen, doch sie konnten nicht halten. Tyldron zog mit den Priestern im hinteren Wagen mit. Schwüle und stickige Luft herrschte im Inneren, auch draußen war es nicht viel angenehmer. Die anderen Priester vertrieben sich die Zeit mit belanglosem Zeug. Es interessierte Tyldron nicht. Schweigend ertrug er die Hitze, den Schweißgeruch der Männer um sich. Nur selten gelang ihm ein Blick nach draußen, doch er wußte, wie es dort aussah. Vor vier Tagen hatten sie Elwynn hinter sich gelassen. Aufgebrochen in ein fremdes Land. Doch Sturmwind war gefallen, es gab kein Zurück mehr. Maylian fuhr in einem Wagen vor ihm mit. Er hatte darauf bestanden, bei ihr zu bleiben, doch sie hatten es nicht zugelassen. Männer und Frauen dürfen sich keinen Wagen teilen, sagten sie. Während die Männer offenbar über irgendeinen Witz lachten, drängte sich das Bild einer Frau in Tyldrons Gedanken. Sie. Darshana. Ihr Name klang wie flüssiges Gold in seinen Ohren. Darshana. Engelsgleich erschien sie ihm. Seit sie aufgebrochen waren, seit er sie das erste Mal gesehen hatte, beherrschte sie seine Gedanken. Er verstand es nicht. Er wollte es nicht. Doch sie war da. Immer wieder fragte er sich, wie es ihr wohl gehe, was sie gerade mache. Ausgelacht hatte sie ihn. Sie und ihre Freundinnen. Noch immer wortlos ballte Tyldron eine Hand zur Faust, schloß die andere Hand darum. Darshana.




"Wie kannst du es wagen!" Fast schrill hallte Tyldron ihre aufgebrachte Stimme entgegen. Darshana. Er hatte ihr doch nur eine Freude machen wollen. Das Lederband lag am Boden, der Holzanhänger im Matsch. Stumme Wut stieg in Tyldron auf, sein Blick hing an dem mühevoll geschnitzten Bären. Tage hatte er dafür gebraucht, viele Nächte im schwachen Feuerschein zugebracht, die Figur immer weiter verbessert. Stolz bäumte sich das Tier schlußendlich auf, riss die Pranken in die Höhe. Fast konnte man den Bären brüllen hören, wenn man ihn ansah. Nun lag er im Dreck, wertlos, abgelehnt. Darshana war längst wütend davonstolziert, mit ihren kichernden Freundinnen im Schlepptau. Langsam beugte er sich zu der Kette, hob sie aus dem Dreck. Der Regen war in diesem Herbst erst sehr spät gekommen, dafür mit größerer Stärke als gedacht. Seit fast einer Woche rasteten sie nun schon an diesem Ort. Sie mußten bald weiter. Tyldron ertrug es nicht mehr. Seine Finger schlossen sich um das dreckige Lederband, ließen den kunstvoll geschnitzten Bären baumeln. "Mir gefällt er", klang eine junge, leise Stimme an seine Ohren. Zornig warf er das Produkt seiner mühevollen Arbeit zu Boden, zurück in den Matsch und stapfte wortlos zurück zu seinem Wagen. Maylians kleine Finger tasteten nach dem Anhänger und hoben ihn auf, als Tyldron schon längst verschwunden war.




Endlich hatte es aufgehört zu schneien. Seit Wochen schon waren die Wagen bedeckt mit der weißen Masse. Viele hatten sie in diesem Winter verloren. Auch einer der Priester aus Tyldrons Wagen hatte es nicht geschafft. Er spürte keine Trauer. Maylian war noch da. Darshana hatte zwei ihrer Freundinnen verloren. Zwei weniger, die Tyldron auslachten. Ruhiger wurden die Fahrten, es wurde weniger geredet. Die Pferde konnten in der Kälte nicht mehr soviel laufen, viel öfter machten sie Rast. Auch jetzt wurden die Wagen wieder angehalten. Das Nachtlager sollte aufgebaut werden. Tyldron sollte die Decken im Wagen vorbereiten. Doch er war schnell damit fertig, hatte er doch seit Monaten jeden Abend diese Tätigkeit verrichtet. Wie so oft schlich er sich fort, an den Rand der Kolonne. In der Nähe war ein Abhang, von dem man weit in die Ferne sehen konnte. Dort wollte er hin. Doch als eben dieser Abhang in Sichtweite kam, stockte Tyldron. Dort stand bereits jemand. Eine Frau. Sie schien zu weinen. Langsam trat Tyldron näher. Mit jedem Schritt schlug sein Herz höher. Er kannte sie. Darshana. Dort stand sie, völlig allein. Seit Monaten konnte er kaum noch einen Gedanken fassen, in dem sie nicht vorkam. Mit leisen Schritten trat er zu ihr, neben sie. Schweigend zog er ein Tuch aus seiner Hosentasche und reichte es ihr. Es dauerte eine Weile, bis sie ihn bemerkte. Rasch riss sie ihm das Tuch aus der Hand und wandte sich ab, als sie begann ihre Tränen zu trocknen. Und doch vernahm er ein leises "Danke" das ihre Lippen verließ. Wortlos sah er sie an. Bedurfte es doch in diesem Moment keinerlei Worte. Langsam drehte sie sich ihm wieder zu und reichte ihm das Tuch zurück, das er auch wieder einsteckte. Doch wieder fiel sein Blick auf sie, wanderte über ihr reines Gesicht. Der dunkle Schal bedeckte ihr Kinn, doch ihr Mund war frei. Ihre Lippen bewegten sich, doch er konnte ihre Worte nicht verstehen. Sein Blick war gebannt von ihrer Schönheit, die unter soviel Kleidung verborgen war. Ein blaues Tuch verbarg ihre schwarze Haarpracht, schützte ihren Kopf vor der Kälte. "Warum du mich so ansiehst, fragte ich." Wie durch einen Schleier drang ihre Stimme an sein Ohr. "Du bist hübsch.." erwiderte Tyldron nach einer langen Weile, in der es ihm schien, als käme sie immer näher. Nie war er ihr so nahe gewesen, ohne, dass sie ihn beleidigt hatte. Ohne, dass ihre Freundinnen aufgetaucht waren und ihn ausgelacht hatten. Auch nun erwartete er nichts anderes, doch sie schwieg. Ihr Blick ging die ganze Zeit in die Ferne, doch nun sah sie zu ihm. Ihre blauen Augen spiegelten den Mond wider, fast vermochte Tyldron darin zu versinken. Ewig hätte er in diese Augen sehen können. "Machst du deswegen immer so dumme Sachen?" Ihre Stimme war leise geworden. Ruhiger als sonst. Und wieder schien es Tyldron als käme sie immer näher. Als könnte sie seine Gedanken lesen, seinen Herzschlag spüren. Ihm wurde wärmer, seine Hände begannen in den klammen Handschuhen zu schwitzen. Langsam, wie in Zeitlupe nickte sein Kopf ganz von selbst. Ein Ruf schallte vom Lager her, doch Tyldron wollte ihn nicht hören. Wie gebannt hing sein Blick in diesen blauen, seengleichen Augen, die immer näherkamen. Ihr Geruch drang in seine Nase, er erschauderte, als er ihn in sich aufnahm. Nie würde er diesen Moment vergessen. Diesen Moment, an dem er das erste Mal ihren Atem auf seiner Haut spürte. Den Moment, an dem ihre Lippen sich berührten und tausend Stromstöße durch seinen Körper jagten. Süßer als Honig schmeckte sie, kostbarer als der teuerste Wein war dieser Moment. Darshana.




"Ich weiß, dass du mich willst." Darshanas engelsgleiche Stimme klang nur mehr als ein Raunen an Tyldrons Ohr. Der Frühling kam früh dieses Jahr. Endlich hatten sie den Silberwald erreicht. Am Lordameresee war genug Platz gewesen um eine kleine Stadt aufzubauen. Selten waren die Tage, an denen Tyldron und Darshana am See sitzen konnten, ohne dass jemand sie störte. Der kleine Fleck hinter einem moosbedeckten, großen Felsen gehörte nur ihnen allein. Ihre Worte ließen seine Ohren klingeln, wieder wurde ihm heiß und kalt. Er spürte ihre Hand auf seinem Bein, wie sie sich langsam höherschob. Wieder verlor er sich in ihrem verheißungsvollem Blick. Langsam richtete sie sich auf und streckte eine Hand nach ihm aus. Bereitwillig ließ er sich von ihr fortführen, kannte er doch mittlerweile jeden Winkel in dieser Ecke. Ein umgestürzter Baum versperrte einen alten Höhleneingang. Hierhin hatten sie sich oft zurückgezogen. Viele Küsse, viele Berührungen hatte sie ihm hier geschenkt. So erhoffte er es sich auch diesmal, als sie ihn gegen den Baum drückte, mit diesem kessen Grinsen im Gesicht. Das ebenholzfarbene Haar schlang sich in Wellen um ihre vollen Brüste, legte sich auf die weiche Haut, die mit diesem teuren Kleid bedeckt war. Ja, sie hatte Recht, er wollte sie. Mehr als alles auf der Welt begehrte er sie, alles würde er für sie tun. Einen weiteren Kuss schenkte sie ihm mit diesen warmen, blutroten Lippen, als sie ihre Hände auf seine Schultern legte und ihn mit sanftem Druck zu Boden zwang. Hungrig ging sein Blick zu ihr auf als er vor ihr auf die Knie sank. Mit allem hatte er gerechnet. Doch nicht damit, dass ihre Freundinnen plötzlich kichernd und lachend hinter den Büschen auftauchten. Verspottend lachten sie ihn aus, standen da und zeigten mit dem Finger auf ihn. Allen voran Darshana. Darshana. Hass stieg in Tyldron auf. So unbändig, so schmerzhaft wie er ihn noch nie gespürt hatte. Bebend vor Zorn erhob er sich, starrte Darshana wortlos an. Doch die hielt sich den Bauch vor Lachen. Ohne auch nur einmal zurückzusehen, ging Tyldron davon. Er verließ den Wald, die Stadt, die Straße. Immer weiter führte sein Weg fort. Nichts sah er mehr an sich vorbeiziehen, nur die Bilder der lachenden Frauen, der lachenden Darshana blieben in seinem Kopf. So sah er auch nicht, wie Maylian ihm noch ein Stück hinterherlief. Doch auch sie blieb irgendwann stehen und sah ihm stumm nach. Tyldron wandte sich nicht um. Er ging weiter. Darshana.




Es wurde dunkel. Tyldron wußte nicht wo er war, wie lang er gelaufen war. Es war ihm egal. Er wollte Rache. Hass, Wut und unbändiger Zorn bahnten sich seit Stunden den Weg in seine Seele. Doch er konnte es nicht ordnen, keinen klaren Gedanken fassen. "Du wirst deine Rache bekommen." Eine dunkle Stimme klang hinter ihm aus dem Wald. Tyldron kannte sie nicht, doch schlagartig hielt er inne und fuhr herum, versuchte in dem Dunkel etwas zu erkennen. Doch er sah nichts. Woher wußte dieser Mann was passiert war? Hatten sie es etwa schon in der ganzen Stadt herumerzählt? "Komm mit mir und du wirst deine Rache bekommen", sprach die dunkle Stimme. Verlockend klang es. Was hatte er zu verlieren. Schweigend nickte Tyldron und ging in die Richtung, aus der die Stimme kam. Ein alter Mann empfing ihn, als Tyldron die Zweige zweier Bäume auseinanderschob und in das Dunkel des Waldes trat. "Nenn mich Katass, Tyldron." Der alte Mann kannte seinen Namen. Wer war er? Doch momentan war das unwichtig. Er wollte ihm seine Rache gewähren. "Wie kann ich mich rächen?" Ungeduldig platzte die Frage aus Tyldron heraus, seine Stimme kochte vor Wut. Doch Katass hob nur eine Hand. "Folge mir. Du wirst es sehen." Wieder verschwand er hinter ein paar Zweigen im Dunkel des Waldes. Nur ein schwacher Mondschein wies Tyldron inzwischen den Weg, es war Nacht geworden. Darshana. Noch immer beherrschte sie seine Gedanken. Doch es hatte sich geändert.

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