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Vergangenheit und Wirklichkeit

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Warum war er noch da? Warum – war – er – noch – da! Diese Frage wiederholte sich in ihrem Kopf, immer wieder und wieder. Sie zitterte, konnte es nicht kontrollieren – und sie hasste es. Sie wollte es nicht. Sie wollte nicht zittern, nicht beben, nicht ständig nur Schwäche zeigen. Die letzten Monate waren so gut gelaufen. Es lief so gut. Bis Tyldron aufgetaucht war. Doch auch mit seiner Allgegenwart hatte sie es geschafft, stark zu bleiben. Den Alltag zu meistern. Es hatte keine Zusammenbrüche mehr gegeben, seit sie in Sturmwind angekommen war und sich von dem Vergangenen hatte distanzieren können.

Und jetzt? Jetzt wagte dieser... Eolarios... es, aufzutauchen und alles zunichte zu machen. Sie wollte ihn weg stoßen, anschreien, dass er sie in Ruhe lassen sollte. Sie wollte ihn am Liebsten ins Wasser werfen! Sie wollte es, aber sie konnte es ihrem Körper nicht befehlen. Es funktionierte nicht mehr nach dem Schema.

Hirn an Arme, Hirn an Arme, werft das Arschloch ins Wasser!

Nein. So klappte es nicht. Ihr Kopf funktionierte so nicht. Ihre Arme legten sich um seine Taille, und ihre Stirn sank auf seine Schulter. Tränen liefen über ihre Wangen, schon wieder. Sie hasste sich dafür schon fast. Warum geschah das ständig? Warum? Ein Fragewort, das sie in letzter Zeit zu häufig nutzen musste. Binnen weniger Tage, so kam es ihr vor, verstand sie die halbe Welt nicht mehr. Es musste an Ian liegen. Ian war allgegenwärtig. Ian war überall. Ian war noch lang nicht fort. Ian war immer da. Ian war aber nicht greifbar. Ian's Abwesenheit war zermürbend. In Arathi hatte es sich angefühlt, als würde er jede Minute nach Hause kommen. Er war aber nicht nach Hause gekommen. Wo war er stattdessen? Im Dreck, im eigenen Blut, im Blut der Kameraden.

Ian. Sein blondes Haar, die grau-blauen Augen. Ian's Lächeln. Ian's Atemzüge. Eolarios' Atemzüge.

»Es wird gut werden.« Ian's Bassstimme drang an ihr Ohr, so real. So... greifbar. »Ich verspreche es.«

Ihre Hände gruben sich in seine Schultern. Die kräftigen Schultern eines Schwertkämpfers. Ian's Kopf lehnte sich an den ihren, und seine Hände fuhren über ihren Rücken. Sie erschauderte. Als sie sich etwas aufrichtete, blickte sie in grau-blaue Augen und in das kantige Gesicht, umrahmt mit blonden, kurzen Locken und einem Bart, in dem ein paar rötliche Stoppeln schimmerten. Sie hob wie von selbst die Hand und legte sie an seine bärtige Wange. Ihr Blick drang in seine Augen. Sie tauchte in ihm ab, bis sie vollkommen versank. So lang hatte sie nicht mehr in diese Augen blicken dürfen. So lang waren sie nicht real gewesen. Dies war besser, als jedes Bild, das sie besaß. Es war echt.

Er beugte sich ihr weiter entgegen, erwiderte ihren Blick. Das Herz schlug ihr bis in den Hals. Sie wagte nicht, den Blick abzuwenden.

'Deine Augen sind wie Ozeane, Ev.', hatte er gesagt, auf dem kleinen Sofa, das sie vor dem Kamin stehen hatten. Sie hatte in seinem Arm gelegen, und er beide Beine neben ihrem Körper ausgestreckt. Weil ihr Kopf in seiner Armbeuge geruht hatte, hatte er sie die ganze Zeit ansehen können. Die ganze Zeit hatte er in ihre Augen gesehen. Und sie in seine. Sie hatten sich so verbunden gefühlt. 'Wenn ich einmal sterbe, Ev, möchte ich hier ertrinken.' Sein Finger war unter ihrem unteren Augenlid entlang geglitten, warm und ein bisschen rau. Dann hatte er sich hinabgebeugt, sie gleichzeitig angehoben und dann hatten sie sich geküsst.

Und jetzt küssten sie sich erneut. Wieder trafen seine Lippen auf ihre. Doch dieses Mal hielten sie einander. Sie hielten sich, als könnte eine falsche Bewegung den anderen in tausend Stücke brechen lassen. Und es wurde zu einer Ewigkeit. Sie verschmolzen miteinander, ihre Herzschläge passten sich aneinander an, so schien es. So war es immer gewesen, zwischen ihnen. Sie hatten es beide empfunden.

Sie lösten sich sehr, sehr langsam und Scarlet wagte kaum, die Augen zu öffnen. Sie fürchtete zu sehr, dass er verschwunden sein könnte. Aber die Hände auf ihrem Rücken waren noch immer da. Langsam öffnete sie die Augen – und es durchfuhr sie, wie ein Blitzschlag. Eolarios.

Er sah sie immer noch an. Seine grün-grauen Augen blickten in ihre Ozean-Augen. Aber er atmete tief durch, wirkte irgendwie entschlossen, als er aufstand und ihr eine Hand reichte. Sie ergriff sie, und er führte sie fort. Nicht Ian – Eolarios.

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