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Unwissenheit

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Fort. Sie war fort. Wie hatte das passieren können?

Wie gehetzt sah sich Eolarios um, als er durch die Tür des Hauses trat und Scarlets Hand in Seiner sich plötzlich in Luft auflöste. Es schnürte ihm die Kehle zu.

Nein. Es durfte nicht sein. Nicht schon wieder. Nein, nein, nein!

Er hatte sie enttäuscht. Er hatte sie nicht beschützt, obwohl es direkt neben ihm geschehen war.

Knurrend schüttelte Eolarios den Kopf. Dafür war jetzt keine Zeit. Darenthin! Er sollte sie finden. Sofort verließ er das Haus mit großen Schritten wieder, machte sich nicht einmal die Mühe, die Tür hinter sich zuzuziehen. Immer schneller wurde er auf dem Weg hinab. Wie. Wie hatte das geschehen können. Sein Blick fiel auf den Boden und er stutzte. Stirnrunzelnd hielt er inne und kniete sich auf den Trampelpfad, der vom vorigen Regen noch ein wenig aufgeweicht war. Eine Fußspur. Seine. Aber Scarlet war doch noch bei ihm gewesen. Sie hatte geschwiegen und ihn angelächelt. So sanft. So liebevoll. Er hatte ihre Hand gehalten. Die ganze Zeit. Wieder schüttelte er den Kopf, richtete sich wieder auf und sah über den Fluß zu den Hütten.

"Darenthin!" entfuhr es ihm bereits jetzt, aus vollem Halse und Eolarios spürte, wie ihn seine Füße den Weg weitertrugen. Doch er war nicht laut genug. Die Hütte war zu weit entfernt und der Wasserfall rauschte viel zu laut. Er würde die Fußspuren später untersuchen. Was brachte es ihm jetzt schon, herauszufinden wo es geschehen war. Stehmer war ohnehin schon längst nicht mehr dort, das war ihm völlig klar. Endlich. Nur noch ein paar Schritte trennten den Fürsten von der Hütte seines Magiers. Er stürzte regelrecht darauf zu und hämmerte mit beiden Fäusten dagegen. "Darenthin!" brüllte er wieder, doch er bekam keine Antwort. Er war fort.

Wie erstarrt hielt Eolarios plötzlich inne und starrte die Tür an, an der seine Fäuste immer noch ruhten. Erschaudernd trat er rasch einen Schritt zurück, ließ die Hände sinken und blinzelte. War er etwa..? Nein. Eolarios schnaubte und zwang sich, tief durchzuatmen. Nein. Das würde Darenthin nicht tun. Er hatte ihm Treue geschworen. Er hatte sich Stehmer schon einmal entgegengestellt. Aber wo war er? Warum war er ausgerechnet jetzt nicht zu Hause?!

Es fiel Eolarios schwer, sich zu konzentrieren. Seine Gedanken schwankten zwischen Qualen, die er Stehmer erleiden lassen wollte, Sorge um Scarlet und grenzenloser Wut. Sumpfland. Menethil. Er wußte wo er suchen mußte, aber wie kam er jetzt am Schnellsten dorthin? Immer wieder schossen ihm Bilder ihrer Reise durch den Kopf. Das Bild von Mia drängte sich dazwischen, wie sie dagestanden und ihn angesehen hatte. Soviel Hass hatte in ihrem Blick gelegen.

"Nein!" entfuhr es Eolarios wieder. Es durfte nicht nochmal passieren. Ev. Er würde sie da rausholen. 'Halt durch.' flehte er sie stumm an, in der Hoffnung, dass es irgendwie helfen könnte. 'Halt durch. Ich komme.'

Wieder war er auf dem Weg zurück zum Haus. Er stolperte auf einem glitschigen Felsen und landet mit den Knien im Matsch. Es interessierte ihn nicht. Unbeirrt rappelte er sich auf und hastete weiter. 'Denk nach. Denk nach.' Eolarios mußte sich zwingen, ruhig zu bleiben. Es half ihr nicht, wenn er nun die Kontrolle verlor. Doch er konnte ihr nicht einfach hinterher.

Mia. Es zerriss ihn. Noch vor wenigen Tagen hatte er Scarlet gesagt, dass er diese Entscheidung niemals treffen müssen wollte. Darenthin. Verdammt! Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Er hatte es doch gelernt. Ruhig zu bleiben, Lösungen zu finden, auch wenn es um nahestehende Personen geht. Angehörige. Er hatte es doch schon früher getan. Warum fiel es ihm jetzt so schwer? Ihr Kleeblatt. Vielleicht konnte es auch ihm helfen. Vor der Tür des Hauses sank er auf die Stufen, stützte den Kopf in die Hände und atmete tief durch. Immer wieder. Er zwang sich zur Ruhe. Zwang sich, diese Gedanken loszuwerden. Es mußte aufhören. Ein Kleeblatt. Grün. Golden. Vierblättrig. So wunderbar hatte es ausgesehen, wie es um ihren Hals lag. Ihr Hals. Scarlets Lächeln. Kopfschmerzen durchzuckten ihn, als sich Scarlets Lächeln plötzlich zu einer schmerzverzerrten Fratze verzog. Nein, nein! Das Kleeblatt! Knurrend presste Eolarios die Hände gegen die Schläfen.

Zu allem Überfluß kamen auch die anderen Kopfschmerzen zurück. Das Verlangen. Die Gier. Warum mußte es immer alles auf einmal geschehen?! Er hatte Scarlet versprochen, sie und die Kinder niemals in Gefahr zu bringen. Aber er konnte doch jetzt nicht gehen, sich einschließen und abwarten. Es mußte warten. Er hatte es schon früher bis zur letzten Sekunde hinausgezögert und er würde es wieder schaffen. Alkohol half. Schnaubend schüttelte Eolarios abermals den Kopf, verzog das Gesicht, als die Kopfschmerzen stärker wurden und presste die Handballen wieder gegen die Schläfen. 'Denk nach!'

Immer wieder flammten die Bilder auf, die Stehmer ihn hatte sehen lassen. Stehmer und diese verdammte Rothaarige. Jamie. Er hatte es gesehen. Eolarios fielen die wüstesten Beschimpfungen für Stehmer und seine rothaarige Schlampe ein. Kopflose Rattenscheiße war noch das Netteste. Er sprang von einem Gedanken zum Nächsten, ließ sich tragen und war nicht fähig, sich dagegen zu wehren. Immer wieder zwang er sich zu dem Kleeblatt zurück, doch es half nicht. Darenthin. Wieder war er dort angelangt. Wie sollte er wissen, dass Eolarios ihn sehen wollte, gesucht hatte? Er mußte ihm eine Nachricht schreiben. Über eine Strafe oder sonst etwas würde er später nachdenken. Dafür war jetzt keine Zeit.

Mühsam erhob er sich von den Stufen. Er hatte keine Ahnung, wie lange er dort gesessen hatte, aber es war auch nicht wichtig. Hastig stapfte er ins Haus, sammelte einen Hammer, Nagel, Stift und Papier zusammen und kritzelte rasch eine Nachricht auf den halb zerfetzten Zettel. Unwichtig.

'Scarlet ist fort! Finde sie! Zu mir, sobald du wieder da bist!'

Wieder trugen ihn seine Schritte in halsbrecherischem Tempo den Bergpfad hinab. Wieder stolperte er, der Hammer landete im Matsch. Seine Hose wurde noch mehr beschmiert, ebenso seine Hände. Eolarios kümmerte es nicht. Er steckte den Hammer achtlos wieder unter den Gürtel, stemmte sich hoch und lief weiter. Wie eine Ewigkeit schien ihm dieser Weg. Was hatte ihn damals bloß geritten, den Weg so unglaublich lang zu machen?

Endlich. Darenthins Türe. Mit aller Kraft schlug er den verdreckten Hammer auf den kleinen Nagel, der den leicht zerissenen Zettel an der Türe hielt. Eolarios wollte warten. Er mußte warten. Er hatte keine Chance, Scarlet allein zu finden. Nicht rechtzeitig. Es galt, keine Zeit zu verlieren. Wo blieb er! Unruhig ging der Fürst, der nun gar nicht mehr so fürstlich wirkte, vor der Hütte auf und ab, hinterließ plattgetretenes Gras.

Genug. Er konnte nicht mehr warten. So beschloß Eolarios nun, seine Spuren zurückzuverfolgen. Wann war sie verschwunden? Immer noch sah er ihr Gesicht vor sich. So liebevoll lächelnd hatte sie ihn den ganzen Weg über angesehen. 'Ev. Halt durch. Ich komme.'

Den ganzen Weg, den sie gerade erst gekommen waren, lief Eolarios zurück. Im Halbdunkel. Der Mond schien immerhin hell heute Nacht. Der Mond? Hatte er so lange dort gesessen? Es hatte gerade erst gedämmert, als sie nach Hause gekommen waren. Leise knurrte Eolarios, als er zum Himmel aufsah. Doch es war nun auch egal. Schnell fand er die Spur wieder. Seine eigene. Allein. Erschaudernd schüttelte er den Kopf und lief weiter. Immer weiter.




Eingesperrt. Wie ein Tier.

Knurrend starrte Eolarios auf die massive Doppeltür, die sein Haus so gut zu schützen wußte. Heute hielt sie ihn gefangen. Er kniete auf den schwarzen Fliesen im Flur und stützte sich mit den Händen auf dem Boden ab. Zum Sprung bereit. Wie hatte Darenthin es wagen können, ihn einzusperren. In seinem eigenen Haus. Und Ev? Wer garantierte ihm, dass Darenthin sich nicht mit Stehmer verbündete.

Wütend knurrte Eolarios wieder auf und schüttelte verzweifelt den Kopf. Nein, Darenthin würde sie zurückholen. Zurückbringen. Heim. Er mußte darauf vertrauen, er hatte keine Wahl. Erschaudernd ließ er sich zurücksinken, setzte im Schneidersitz auf die kalten Fliesen und starrte weiterhin die Eingangstür an. Wer wußte schon, was Stehmers krankes Hirn sich diesmal für Scarlet ausgedacht hatte. Viel zu lang war sie schon bei ihm. Sie hatten kaum die Stadt verlassen.

Fast bis nach Sturmwind war er zurückgelaufen, bis er ihre Spur gefunden hatte. Und seine. Hinter einen Baum hatten sie geführt und dort einfach aufgehört. Wie hatte Stehmer ihn so täuschen können? Es durfte nicht wieder geschehen. Eolarios presste die Handballen gegen die Schläfen und schloß die Augen. Die Kopfschmerzen versuchte er, so gut es ging zu ignorieren. Es war keine Zeit dafür. Er mußte bereit sein. Bereit, wenn Scarlet zurückkam. Bereit, wenn Darenthin zurückkam. Bereit, wenn Mia ihn brauchte. Und bereit, wenn Stehmer kam, um auch ihn zu holen. Oder zu verspotten. Es war Eolarios egal. Er würde ihn töten. Ohne mit der Wimper zu zucken. Das war er nicht nur Scarlet, sondern mittlerweile auch Mia schuldig.

Sein Magen zog sich bei diesem Gedanken zusammen. Nur bruchstückhaft zeigte sich in letzter Zeit, was mit Mia in den fast zwei Jahren geschehen war. Eolarios wollte es nicht wahrhaben, aber es half weder ihm noch Mia, wenn er sich dagegen wehrte. Alles was er tun konnte, war, nun für sie da zu sein. Sie jetzt zu beschützen. Und das würde er tun. Selbst, wenn er dabei sterben würde.

Der Tod war allgegenwärtig. Eolarios hatte ihm schon oft ins Auge gesehen und war mehr als einmal bereit gewesen, sich ihm hinzugeben. Auch Scarlet war schon an diesem Punkt gewesen, das wußte er. Doch nun hatten sie einander, gaben sich gegenseitig Halt. Niemals würde er sie aufgeben. Niemals aufhören, sie zu beschützen. Und wenn er es nicht mehr konnte, würde er Leute finden, die es taten.

Er würde sie nie im Stich lassen.

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