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Schicksal

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Das Schicksal verband die Menschen. Es wandelte in wirren Pfaden, war jedoch immer irgendwie dazu in der Lage, die Menschen zusammenzuführen, die zusammengehörten.

Eolarios realisierte das während ihrer Erzählung immer mehr. Von Lordaeron nach Eisenschmiede und wieder zurück. Ihr Weg war lang und schmerzhaft gewesen, doch sie war standhaft geblieben. Auch wenn sie ihr Ziel nie erreicht hatte, hatte doch das Schicksal gesiegt und sie zu dem Mann geführt, mit dem sie ihr Leben hatte verbringen sollen.

Immer angespannter wurde Eolarios bei ihrer Geschichte. Immer mehr merkte er, dass er nicht der Mann war, an dessen Seite sie gehörte. Sie war nicht für sein Leben geboren worden. Doch er wollte sie nicht mehr gehen lassen und er wußte, dass sie auch gar nicht mehr gehen wollte. Sie hatte es ihm versprochen.

Ian. Eolarios wollte seinen Namen nicht hören. Es war Ians Familie, die nun in sein Haus einziehen würde. Die Familie eines Fremden. Eines Toten. Eines Mannes, an dessen Seite Ev glücklich gewesen war. Niemals würde er den ersetzen können und er wollte es auch gar nicht. Es erinnerte Eolarios an seine eigene Familie. Wieviel Leid hatte er ihr gebracht. Das Schicksal war grausam.

Er konnte und wollte ihrer Erzählung nicht weiter zuhören. Es fiel ihm schwer, sich zusammenzureißen. Nur mit Mühe stand er ruhig auf und ging zur Tür, verließ trotz ihrer verständnislosen Bitte wortlos den Raum, sogar das Haus. Er wollte doch nur Ruhe. Sovieles ging ihm durch den Kopf. Sovieles, das für immer verloren war. Ausatmend lehnte er sich an die Hauswand, wandte den Blick über die Klippe aufs Meer hinaus. Das Meer. Schon als Kind hatte er es gesehen, erkannte es wieder. Doch es hatte damals anders ausgesehen. Dunkler, bedrohlicher. Näher. Jeden Sommer hatten sie in der Mark am Meer verbracht.

"Was ist los?" Evs Stimme durchschnitt seine Gedanken wie eine Dolchklinge. Gerade als er begonnen hatte, ruhiger zu werden. Seine Hände umschlossen das Leder der Schwertscheide. Sein Schwert. Wie ein Bruder war es für ihn geworden. Eolarios mußte sich zwingen, ruhig zu bleiben. Sie sollte nur gehen. Er wollte ihr gegenüber nicht laut werden. Sie konnte nichts dafür. Es ging doch gar nicht um sie. Doch sie blieb. Sie wollte nicht gehen. Warum konnte sie nicht einfach gehen? Erneut bat er sie, so ruhig wie er noch konnte. Er liebte sie, doch er wollte sie nicht bei sich haben. Nicht jetzt. Nicht in dieser Situation. Doch sie überging seine Bitte. Wieder.

"Geh einfach!" Noch in dem Moment, als er sie so anherrschte, bereute er es. Doch es ging nicht anders. Nicht einmal zu ihr gesehen hatte er. Zu sehr fürchtete er, Alicias Gesicht dort zu erkennen. Endlich ging sie. War sie wütend? Ängstlich? Eolarios schloß die Augen und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Er konnte sich darum nun nicht kümmern. Nicht jetzt.

Durchatmend drückte er sich hoch, umschloss den Schwertgriff mit der rechten Hand, bereit, die Klinge zu ziehen. Doch gegen wen? Gegen die Verräter, die ihr Land und ihren König verraten und damit den Untoten den Weg geebnet hatten? Sein Land. Seinen König. Eolarios schloß die Augen und senkte den Kopf. Langsam zog er das Schwert aus der schweren, verstärkten Lederscheide. So vertraut war ihm das Gefühl dieses Stücks Stahl in der Hand. So oft hatte es ihm das Leben gerettet. Im Dienste für sein Land. Für seinen König. Langsam senkte er die Spitze der Klinge auf ein bemoostes Stück Felsen. Er würde nicht zulassen, dass der Stein die Klinge zerstörte. Noch während das Schwert auf das Moos traf, sank auch er auf ein Knie. Beide Hände fanden ihren Weg an die Parierstange der Waffe, umschlossen diese. Sein Kopf sank nach vorne, mit geschlossenen Augen lehnte er die Stirn an den Griff. Eine Position, die er ebenfalls oft innegehabt hatte. Wie von selbst begannen seine Lippen Worte zu formen, die als leises Murmeln in die Nacht drangen.


Dies ist mein Schwert. Es gibt viele die ihm gleichen, aber dieses ist meins.

Mein Schwert ist mein bester Freund. Es ist mein Leben. Ich muss es meistern, so wie ich mein Leben meistern muss.

Mein Schwert ohne mich ist nutzlos. Ohne mein Schwert bin ich nutzlos. Ich muss mein Schwert richtig führen. Ich muss besser kämpfen als mein Feind, der versucht, mich zu töten. Ich muss ihn erschlagen, bevor er mich erschlägt.

Das werde ich...


Eolarios fand Ruhe in diesen Worten. Worte, die von Anfang an seine Ausbildung begleitet hatten, seine Beziehung zu seiner Waffe geformt hatten. Ihnen hatte er es zu verdanken, dass dieses einfache Stück Stahl auch nach sovielen Jahren immer noch an seiner Seite war.

Wie lange er so dort gekniet hatte, wußte er nicht mehr. Auch nicht, wie oft er diese Worte wiederholt hatte, den ganzen Text aufgesagt hatte. Immer wieder. Seine Gedanken drehten sich um seine Zeit als Soldat. Drifteten ab zu Alicia und Mia und kamen wieder bei seinem König an. Graumähne. Das Gefühl, als er Eolarios zum Ritter geschlagen hatte. Nie hatte er sich geehrter gefühlt, nie war er seinem König ergebener, seinem Land verbundener gewesen.

Sein Land. Sein Volk. Sie alle waren einst so stolz gewesen. So treu. Jedes Übel hätten sie besiegen können. Nun waren sie verraten. Verstoßene aus dem eigenen Land. Verstreut in der Welt. Verflucht. Geschändet. Beschmutzt. Ein Volk aus Bestien, wie er selbst eine war. Wut überkam Eolarios. Er wußte nicht einmal genau, wogegen sie sich richtete, aber sie schien plötzlich übermächtig. Zu lange hatte er sie zurückgehalten. Zu lange war sie in ihm eingesperrt gewesen. Wie ein Feuer brach sie nun aus ihm heraus, verwandelte seinen Körper in die Bestie, die er so hasste. Das Tier, das sein Volk entehrt hatte. Ein wütendes, tiefes Brüllen drängte sich aus seiner raubtierhaften Kehle, brach sich an den Felsen und hallte über das Plateau auf dem das Haus lag. Sicher hatte auch Ev ihn gehört, doch daran dachte er in diesem Moment nicht. Als ihm bewußt wurde, dass seine klauenbewehrten Pranken nun am Griff seines Schwertes lagen, riss er die Augen auf und die Arme zurück. Klirrend landete die Klinge auf dem Stein vor ihm. Einige Momente dauerte es, ehe er die rechte Pranke langsam auf den Schwertgriff legte. Als der jadeverzierte Stahl seine Haut, besser gesagt, das Fell berührte, schloß Eolarios die Augen. Er würde es akzeptieren müssen. Es gab kein Zurück. Besser als so würde es nicht werden. Wieder entfuhr ihm ein wütendes Knurren, als er ganz zu Boden sank.

Ein Volk aus Bestien. War es ihr Schicksal gewesen? War es sein Schicksal? Hatte all das geschehen müssen? Hatte er all das tun müssen? Das Schicksal war grausam. Hatte er sein Land verraten? Tausende Fragen prasselten plötzlich auf ihn herein. Reflexartig umschloß seine Pranke den Schwertgriff, hob die Waffe auf und verstaute die Klinge wieder in der Schwertscheide. Merkwürdigerweise hatte ihm das befestigen der Scheide am Gürtel in dieser Gestalt nie Probleme gemacht. Vielleicht war diese Bewegung einfach zu sehr in ihn übergegangen. War es klug gewesen, in diesen Zeiten sein Erbe anzutreten, sein eigenes Haus zu gründen? Hätte er nicht besser in Gilneas stehen sollen, mit dem Schwert in der Hand, an der Seite seiner Kameraden? Sein Kopf begann zu dröhnen, immer lauter wurden diese Fragen. Die Zweifel. Seine fellbesetzten Pfoten trugen ihn derweil schon in einem irrsinnigen Tempo durch den Wald. Er rannte. Raste. Eolarios wußte nicht, wohin. Wußte nicht, was ihn erwarten würde, wie es enden würde. Wußte nicht einmal, ob er in der Lage sein würde, sich zu beherrschen, wenn es zum Kampf kommen würde. Doch das war jetzt nicht wichtig. Er gab sich diesem Rausch hin. Genoss den kalten Wind, den dieses Tempo ihm durchs Fell trieb. Stunden mochte er vielleicht so gerannt sein. Stunden, in denen immer wieder die Bilder von Mia und Alicia vor ihm auftauchten. Bilder von seinen blutigen Klauen, ihren panischen Gesichtern.

Irgendwann tauchten Lichter in der Ferne auf. Eolarios konnte die Stimmen, das Lachen schon von Weitem hören, roch den Alkohol, das billige Essen. Noch immer wollten die Fragen nicht verstummen, noch immer trieben die Zweifel ihn weiter. Er zwang sich, langsamer zu werden, stehenzubleiben. Mit einem unterdrückten Grollen sank er auf alle Viere, ehe er sich zusammenkauerte. Ruhiger. Er mußte ruhiger werden. Länger als sonst dauerte es, bis er die Bestie in sich zurückdrängen, wieder seine menschliche Form annehmen konnte. Der Alkohol würde helfen. Wieder einmal. So oft hatte er seinen Dienst getan. Auch diesmal würde es klappen.

Eolarios wußte nicht einmal, wo er war. Doch es interessierte ihn in diesem Moment auch nicht. Es war lange hergewesen, dass er sich so gefühlt hatte. So leer, so fehl am Platz. Ev war an seiner Seite, das war ihm bewußt. Auch um Leryla und Daraline wußte er. Doch das war es nicht, was ihm dieses Gefühl gab. Wo hatte er seine Ehre verloren? War es noch in Gilneas gewesen, als er im Blutrausch sein eigenes Volk abgeschlachtet hatte? Oder war es in Kalimdor passiert, als er den Nachtelfen half, die sein Volk erst in dieses Unheil gestürzt hatten? Oder hatte er gar bis Sturmwind durchgehalten? Diese Stadt hatte ihn viel gekostet. Nerven, vor Allem.

Langsam führten ihn seine Schritte näher an das, was er für eine Taverne hielt. Es roch nach Alkohol und irgendetwas, das Eolarios gar nicht identifizieren wollte. Es hätte ihm sicher nicht gefallen. Einen Stuhl konnte er ergattern und ließ sich einen Krug Whiskey bringen. Zu seinem Erstaunen hatten sie sogar den, den er in dieser Gegend am Liebsten trank. Der war zwar nicht aus Gilneas, aber weit besser als der aus Sturmwind. Als er den Blick schweifen ließ, wurde ihm bald bewußt, dass er hier wohl im Moment am Besten aufgehoben war. Unter seinesgleichen. Gesindel. Bastarde. Halunken und Taugenichtse. Schläger. Was hatte er denn noch? Alicia war tot, Mia in den Händen von.. Eolarios konnte es nichtmal sagen.

'Du wirst sie finden, mein Geliebter.' Langsam begann er sogar, an Alicias Worten zu zweifeln. Wann? Wo? Wie? Würde sie ihn überhaupt noch akzeptieren, nach allem, was er getan hatte? Sie mußte. Sie war seine Tochter. Sein einziges Kind, das wirklich erbberechtigt war. Gleich gefolgt von diesem Bastard, den er ja unbedingt in die Welt hatte setzen müssen. Grimmig leerte Eolarios mittlerweile den zweiten Becher. Der Alkohol tat seine Wirkung. Er merkte, wie er schon etwas ruhiger wurde. Ein Sohn. Warum hatte ausgerechnet Madeleine ihm einen Sohn schenken müssen. Immer hatte er einen männlichen Erben gewollt und den einzigen, den er nun bekam, war ein Bastard. Den dritten Becher anbrechend schloß Eolarios die Augen. Irgendjemand prügelte sich und wurde hinausgeworfen.

Leryla. Daraline. Ev. Sie alle würden nichts bekommen, wenn es Mia nicht so wollte. Wie war er bloß hierhergekommen. Warum beschäftigte ihn in letzter Zeit so stark, was geschehen würde, wenn er starb? Sechs Kinder, nicht eines davon war sein Eigenes. Das war es doch, wofür er sein Haus wieder aufgebaut hatte. Um seine Familie nicht sterben zu lassen. Und nun würden Mitglieder einer fremden Familie sein Haus weiterführen. Leryla war stark. Sie würde es schaffen. Aber sie war keine Nethander. Sie hatte nicht sein Blut. Eolarios kippte den Inhalt des nächsten Bechers hinunter und knallte ihn auf den Tisch. Sein Haus war verloren. Dem Untergang geweiht. Es gab nichts, was er dagegen tun konnte. Er mußte es akzeptieren. Wie so vieles. Alles mußte er akzeptieren. Was half es, wenn er sich aufregte.

"Du bist Gilneer. Du bist die Familie, Jamiro." Aufrecht, kerzengerade saß er plötzlich auf dem Stuhl in dieser heruntergekommenen Taverne mitten im Nirgendwo. Alles um ihn schien zu verschwimmen. Auf einmal fand er sich in seinem Elternhaus wieder. Mitten in Gilneas. Es war spät. Vater saß mit seinem Lieblingswein in seinem Lieblingssessel und erzählte dem jungen Eolarios Lebensweisheiten, bereitete ihn auf die Zeit vor, wenn er einmal nicht mehr sein würde. Damals war er kaum älter gewesen als Eolarios heute. Dumpfe Kopfschmerzen pochten von innen gegen seine Schläfen, als die Stimme seines Vaters durch den Raum hallte.

"Du wirst dieses Haus zu großem Ruhm führen, mein Sohn. Ich weiß es." Zufrieden lächelnd nahm der grauhaarige Mann einen Schluck von dem roten Wein. "Dieses Mädchen wird dir guttun. Sie kommt aus gutem Hause und wird dir viele Söhne schenken." Eolarios schwieg. Er selbst hatte dazu nicht viel zu sagen, das wußte er. "Es wird deine Hand sein, die dafür sorgen wird, dass dein Haus wieder so berühmt wird, wie es einst war. Lass dich niemals davon abbringen, Jamiro. Niemals!" Beim letzten Wort richtete er sich in dem Sessel auf und Eolarios konnte seinen Blick regelrecht spüren. Selbst jetzt noch.

Wieder sank er auf dem Stuhl zurück, fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht und schloß die Augen. Doch Vaters Bild verschwand nicht. Hatte er ihn enttäuscht? Hatte er etwa schon dort seine Ehre verloren, indem er alles mißachtet hatte, das seine Eltern für ihn geplant hatten? War das sein Schicksal? Ehrenlos sein Haus wieder aufzubauen, auf dass jemand anderes dessen Ehre wieder herstellt? Das würde er nicht zulassen. Er würde nicht seine Erben für seine Fehler bezahlen lassen. Blinzelnd sah er wieder auf. Alicia war nicht für dieses Leben gemacht gewesen. Sie war eine einfache Frau.

Das Schicksal war grausam. Doch es fand immer seinen Weg. Hatte Alicia sterben müssen, damit er mit Ev nun sein Haus zu altem Ruhm führen konnte? Eolarios sank kraftlos nach vorn, stützte die Ellbogen auf die Knie und warf dabei fast den Whiskeykrug um. Den Kopf vergrub er in den Händen, presste die Handballen auf die nun wieder hämmernd schmerzenden Schläfen. Warum so? Warum hatte sie ausgerechnet so sterben müssen? Einige Tränen tropften ungesehen zwischen Eolarios' Füßen auf die schmutzigen Bodendielen der genauso heruntergekommenen Taverne. Niemand beachtete sie. Niemand bemerkte sie.

Gröhlend erzählte jemand am Nachbartisch einen Witz. Genauso laut begannen dessen Freunde zu lachen. Nur langsam hob Eolarios den Kopf wieder, wischte sich mit dem Handrücken so beiläufig wie er konnte, über die Augen. Er mußte hier raus. Was hatte er sich nur gedacht, hierherzukommen. Mit einem großen Schluck leerte er den Krug, ließ einige Münzen danebenliegen und verließ die Taverne. Dunkle, kühle Nacht empfing ihn draußen, ließ seine Gedanken wieder in etwas ruhigeren Bahnen laufen. Noch einmal atmete er durch, ehe er sich auf den Weg nach Hause machte. Auf den Namen der Taverne hatte er nicht geachtet, doch den Weg kannte er.

Wenn es sein Schicksal war, mit Ev sein Haus aufzubauen, gab es nur eine Lösung. Er brauchte Erben. Wenigstens einen, doch mehr wären ihm noch lieber. In der Ferne konnte er den Wasserfall rauschen hören. Sein Haus lag so malerisch auf diesem Plateau. Kurz hielt er inne und genoss diesen Anblick. Ein mattes Lächeln legte sich auf seine Lippen.

Das Schicksal war grausam. Doch trotz allem Schmerz war es immer irgendwie dazu in der Lage, die Menschen zusammenzuführen, die zusammengehörten.

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