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Runhardt Westruf

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Runhardt Westruf ist ein Mann von sechsundreißig Jahren. Er ist unabhängier Kampfmagier.

Leben vor dem SanktumBearbeiten

Runhardt wurde vor etwa dreiundzwanzig Jahren in Seenhain geboren. Sein Vater, Geleb Westruf (inzw. verstorben) übernahm die Erziehung des Jungen, denn die Mutter verstarb bei der Geburt. Die Kinderjahre waren relativ ruhig. Runhardt lernte früh das Schwimmen und entwickelte es zu einer Leidenschaft. Früh wurde er von seinem Vater mit zur Fischerei genommen - so lernte er Verantwortungsbewusstsein und harte Arbeit kennen. Die Fischereiausflüge führten Runhardt oft an die Küste von Westfall. Die Reisen prägten ihn sehr. Sein Vater war in seiner Kindheit immer ein großes Vorbild; Seine Standhaftigkeit, Entschlossenheit und Höflichkeit spornten ihn an, genau so ein guter Mensch zu werden. Die fehlende Mutter wärend seiner Kindheit blieb nicht ohne Konsequenzen; Emotionen sind kompliziert für ihn. Frauen waren ihm - bis er einige interessante Bekanntschaften machte, ein Rätsel.

Jahrelang half Runhardt bei der Fischerei, lernte Lesen und Schreiben bei seinem Onkel Ogen Halfstrom, der später auch seine Ausbildung beim Sanktum und sein kostspieliges Leben in Sturmwind finanzieren sollte. Owen war immer der Meinung, das "der Junge" in der Stadt besser aufgehoben wäre als in Seenhain. Er müsse "richtig Leben" lernen. Oft sprach er von den Magiern in Sturmwind, die Wunder vollbrächten. Auch Runhardt begann sich für die Magischen Künste zu interessieren, denn immer öfter geschahen Dinge um ihn herum, die er nicht kontrollieren konnte. Stühle fielen um, Gräser fingen Feuer, einmal, als er im Begriff war im Immerruhsee zu ertrinken, befand er sich ein Blinzeln später wieder am Ufer. Das war auch der Moment, in dem er den abtrünnigen Magier Holgar Vienklau traf. Denn er stand am Ufer, als es geschah.

Die folgenden Monate wurden zu den interessantesten in Runhardts jungem Leben. Er traf Marge, die Tochter eines Durchreisenden, die ihm die Nähe zu Frauen beibrachte und ihn zu Mann machte. Er achtete und liebte sie - bis sie verschwand. Außerdem besuchte er oft Magus Vienklau, der sich immer in seiner Nähe aufzuhalten schien - oft war er im Rotkammgebirge zu finden, wo er sein Lager aufschlug und verträumt in den Himmel starrte. Runhardt redete viel mit ihm, lernte vieles über die Geschichte von Azeroth, den Völkern, den Kriegen, und vor allem : Magie. Vienklau bestätigte Runhardts verborgenes Talent, Magie zu nutzen und legte ihm Nahe, sich beim Sanktum in Sturmwind ausbilden zu lassen. Dieser war sich jedoch nicht sicher, ob er dazu in der Lage wäre. Vienklau lehrte Runhardt den Kampf mit den Schwert und überließ diesem seine alte Klinge, als sein Leben sich dem Ende näherte. Bis heute nutzt Runhardt das Schwert, pflegt es, und denkt nicht daran sich davon zu trennen.

So kam es also, das Onkel Ogen ihm einen Brief schrieb, in dem er Runhardt darum bat, sich beim Sanktum zu melden und dort eine Ausbildung anzufangen, sollten die Mitglieder des Sanktums sich dazu entschließen, ihn aufzunehmen. Runhardt tat es. Aber nur, weil Magus Vienklau ihn ebenfalls darum gebeten hatte...

Nun vergingen die Monate und Runhardt machte seine ersten großen Schritte im Leben eines Magiers.

ErscheinungsbildBearbeiten

Sein Leben im warmen Seenhain ließ seine Haut braunbrennen. Die vom Kindesalter an begonnene Arbeit ließ seinen Körper drahtig und recht muskolös werden. Sein ausgeprägtes Kinn und die kantigen Wangenknochen lassen sein Gesicht nicht unförmlich, aber auch nicht besonders, erscheinen. Oft ist er in recht edlen Roben anzutreffen, immer mit Schwert, oft mit Hut. In seiner Freizeit, also außerhalb von Unterricht und Dienst, trägt er schwarze, einfache, aber saubere und ordentlich aussehende Kleidung, vor allem Hemden und Hosen.


Der UmgangBearbeiten

Man kann sagen was man will, höflich ist er. Zumindest wenn sein Gegenüber es ebenso ist. Hochnäsigkeit und Arroganz erträgt er nicht, bekämpft er förmlich. Das macht ihn nicht gerade beliebt bei einigen der strengeren Magier des Sanktums. Und das ist auch der Grund, warum Runhardt sich größtenteils mit Leuten aus dem "einfachen Volk" umgibt. Er versteht sich gut mit den Leuten von der Sturmwinder Stadtwache und den Wirten des Blauen Eremiten, der Schenke im Magierviertel Sturmwinds. Diverse Bekanntschaften in ganz Sturmwind sind vorhanden.

Der CharakterBearbeiten

Höflich, zuvorkommend und Freundlich. Das ist er. Wenn man es auch zu ihm ist. Sicherlich ist er auch frech - das eine schließt das Andere schließlich nicht aus. Respektpersonen gegenüber zollt er jedoch immer den nötigen Respekt - mit einer Ausnahme. Er ist sehr zielstrebig, allerdings auch ungeduldig. Er lernt schnell, ist aber auch anfällig für Fehler. Von den Damen versteht er - bei aller Freundschaft - nur Bahnhof. Noch.

Das SanktumBearbeiten

Kurz nach seiner Aufnahme im Sanktum übernahm Magus Leandra Daeris seine Ausbildung. Ihre rauhe und entschlossene Art ergänzt sich gut mit ihm und die beiden bilden ein gutes Team. Als Kampfmagierin wurde sie bald sein neues Vorbild und prägte seinen Wunsch, ebenfalls Kampfmagier zu werden. Nach einer Weile schloß Runhardt mit einigen Mitgliedern des Sanktums Freundschaft, zum Beispiel mit der Erzmagierin Amonia "Ami" von Weißhochwaden und der Alchemistin Damisa Serran. Besonders viel Respekt zollt er Vergil Zischelfunk, Mitglied des Rates der Drei und gnomischer Magus, sowie Ixalla Gyrostrom, gnomische Magus. Nach einigen Monaten freundete er sich zudem mit Meyanna Veleren an, ebenfalls Novizin des Sanktums.

KurzgeschichtenBearbeiten

"Nur ein Traum"Bearbeiten

Er läuft eine Straße entlang. Es regnet. Menschen laufen neben ihm, die er irgendwoher kennt, genau identifizieren kann er sie jedoch nicht. Der Regen peitscht ihm ins Gesicht, schickt kleine Lanzen aus Schmerz durch seine Haut, macht das ganze realer. Tatsächlich fühlt er kaum etwas anderes als den Regen. Und durch den Schleier, der sich über sein Bewusstsein gelegt hat, bricht die Erkenntnis, dass das nur ein Traum sein kann...

Er öffnete die Augen. Ein Regentropfen traf eines davon, kein schlimmer Schmerz, jedoch unangenehm. Er zuckte zusammen und drehte sich auf die Seite. Dabei durchfuhr ihn ein deutlich stärkerer, dumpfer Schmerz. Der Regen trommelte weiter auf ihn ein, wärend er versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Dabei erfasste sein Verstand erst einmal die unmittelbare Umgebung. Er lag hart... auf dem Boden. Irgendetwas kitzelte seinen Rücken – hohe Gräser, gelbgrün. Überall um ihn herum. Sie wogen im Wind – es gab Wind, starken Wind, der den Regen vorrantrieb und das Grasmeer beinahe lebendig wirken ließ – wie eine euphorische Menschenmenge, die ihre Arme im Takt eines geliebten Musikstücks bewegten. Er erfasste den seltsamen Geschmack im Mund, metallen und bittersüß, widerlich und Gänsehauterregend. Er richtete sich auf, blinzelte. Es war nicht sonderlich hell. Der Himmel war dunkelgrau, wie von Abgasen gefärbter Schnee. Natürlich konnte er diesen Vergleich nicht heranziehen. Er registrierte die Dinge, die er sah, mehr nicht. Vorerst herrschte Funkstille im Oberstübchen. Irgendetwas in ihm fühlte sich unangenehm an, das spürte er. Aus Reflex – zu mehr war er gerade nicht fähig – beugte er sich nach vorne und übergab sich herzhaft. Wasser, größtenteils. Mehrere Minuten lang saß er da, durchnässt, keuchend, instinktiv den Mund abwischend, wenn ein neuer Würgreiz ihn Wasser speien ließ. Er spürte inzwischen auch einen höllischen Kopfschmerz. Pochend, im Takt seines rasenden Herzens. Er gibt einen Laut von sich. Kein Würgen mehr, eher ein verkrampftes Stöhnen. Sein Magen schmerzte, schien sich zusammenzuziehen. Und da, da war er, der erste Gedanke. Atmen. Tief sog er die Luft ein, krampfhaft, stieß sie aus, stoßhaft. Noch einmal. Und noch einmal. Er musste husten, heftig husten, ein weiterer Gedanke durchzuckte ihn: Irgendetwas wird reißen. Es tut so verdammt weh.
Aber auch das ging vorbei. Er atmete jetzt ruhiger, immer noch röchelnd, irgendwie nass. Der Regen peitschte weiter auf ihn ein, offenbar unbeeindruckt von seinem Leiden. Keuchend ließ er sich zurück in den Rasen fallen und ein Drang zu lachen überkam ihm, völlig unvorbereitet, völlig unpassend, doch er lachte, bis er nicht mehr konnte. Später würde er begreifen, dass er es aus Erleichterung getan hatte. Erleichterung darüber, noch am Leben zu sein. Er würde später auch schwören, er hätte in diesen Augenblicken des Gelächters nichts gedacht. Doch er irrte sich. Er dachte, ununterbrochen: Nicht tot, ich lebe, muss leben, ich spüre es doch... er merkte auch nicht, dass ihm Tränen an beiden Wangen herunterliefen.
Und langsam gingen die Lämpchen in seinem Kopf wieder an. Kalt. Weg. Er versuchte aufzustehen, schaffte es nicht, fiel wieder auf den Hintern und wurde von einem Krampf durchschüttelt, der ihn am ganzen Leib schlottern ließ. Als der Krampf vorbei war versuchte er es noch einmal, kämpfte gegen die Dunkelheit an, die sich über seine Augen legen wollte, drängte die Schatten zurück, die von den Außenseiten seiner Augen auf den Mittelpunkt seines Sichtfeldes zukrochen, ihn wieder mitnehmen wollten. Eine Weile stand er dort, weiterhin dem Regen ausgesetzt, wankend, zitternd. Dann setzte er sich Schritt für Schritt in Bewegung. Er nahm dabei Instinktiv den Weg, den er immer vom Pfad aus genommen hatte, als er jünger gewesen war. Der Rasen unter sich fühlte sich gut an, machte ein quietschendes Geräusch, wenn er mit dem Fuß darüberglitt. Das muss der Regen machen, denkt er sich, ein weiterer klarer Gedanke. Seine Füße trugen ihn weiter, die Gräser schwanden, der Boden wurde zunehmend felsiger. Grün wurde zur orange, rot. Der Boden fühlte sich nicht mehr so angenehm an.Steil, dachte er, und das war es auch, er kletterte einen kleinen Hang hoch. Dahinter befand sich eine alte Straße, überwuchert und dem Laufe der Zeit ausgesetzt. Niemand zu sehen, niemand zu hören, außer das stetige plätschern des Regens und das Pfeifen des Windes. Er stolperte mehrmals, schlug sich ein Knie an. Immer noch weinte er unbewusst. Er bekam nicht mit, dass im Gebüsch um ihn herum einige Orks berieten, ob sie ihn töten sollten. Sie entschieden sich dagegen. Dieses Wesen war hilflos, jämmerlich, ehrlos. Es würde eher dem Erschlagen einer Fliege ohne Flügel gleichen. Sie zogen weiter. Er wankte mehrere Stunden umher, immer in die richtige Richtung. Einmal gaben die Beine komplett nach, er stürzte vorneüber in den felsigen Boden und brach sich die Nase. Er spürte es, irgendwo weit hinten, unwichtig, weiter. Kriechend bewegte er sich vorwärts, bis er wieder stark genug war, aufzustehen. Weitere Zeit verging, der Regen ließ nach, die Nacht brach heran. Um ihn herum begann es bereits zu trocknen.
Irgendwann tauchten Lichter in der Dunkelheit auf, flackernd, verschwindend, winzig. Sie kamen näher. Er hörte Stimmen, aufgeregt, ängstlich. Rufe. Hunde bellten. Hilfe, dachte er. "..Fe" krächzte er, jämmerlich leise. Er stolperte über etwas langes, haariges. Er fiel vornüber. Tapsende Geräusche. Etwas bohrte sich in sein Bein, scharf und kräftig. Er schrie auf, lauter, als sein Zustand eigentlich zuließ. Im Dunklen erkannte er nicht genau was es war, aber es hatte Beine, viele Beine, und riss kleine Stücke aus seinem Bein. "..in, nein.." krächzte er, versuchte zu kriechen, zu laufen, nur weg. Er trat mit seinem gesunden Bein nach dem Geschöpf, traf etwas glitschiges, nasses. Das Wesen gab ein zischendes, klackendes Geräusch von sich und löste sich von ihm. Mit den Beinen und Armen wild um sich strampelnd kroch er rückwärts von dem Ding weg, zu langsam, das wusste er. Und jetzt roch er etwas.. Haare, brennende Haare, brennendes Fleisch... weg.. und das Vieh begann planlos umherzulaufen, stolperte über die eigenen Beine, gab Laute von sich, und rauchte. Ein platzendes Geräusch war zu hören, gefolgt von mehreren Knisterlauten, und beinahe banal kraftlos fiel das Wesen in sich zusammen. Kleine Flammen züngelten daraus hervor und würden den Kadaver schon bald verzehren. Etwas packte ihn an den Schultern. Nicht mehr, nicht noch mehr, jemand muss ihr helfen, wieso tut er das, zog ihn hoch und trug ihn davon. Er wehrte sich, strampelte noch mehr. "Ruhig, ist gut, wir bringen dich nach Hause..." Eine menschliche Stimme, ruhig, dunkel, beruhigend. Er hörte auf sich zu wehren. Schon wieder kroch die Dunkelheit auf ihn zu, wollte ihn zu sich holen, und warum eigentlich nicht, noch ein bisschen träumen...

Er kam noch einmal zu sich. Stimmengewirr, weiblich und männlich, der erleichterter Schrei eines Mannes, Schritte. Er öffnete die Augen. Vor ihm lag Seenhain, die meisten Fenster waren beleuchtet und ein Großteil der Einwohnerschaft war auf den Beinen. Ein hochgewachsener, braungebrannter Mann brach sich einen Weg durch die Menge. "Ogen, sag mir das er es ist, er ist es doch.." Der Mann, der ihn trug, nickte. "Er ist übel zugerichtet. Er braucht sofort einen Heiler. Cel, ich weiß nicht ob er überlebt." Doch der andere lachte nur rauh. "Er ist ein Westruf, wir haben schon ganz anderes durchgemacht." Und dann, durch das Stimmengewirr deutlich zu hören, die Stimme des Jungen. "Vater..? Nur noch ein bisschen, dann steh ich auf und rette Marge, ja?"
"Er redet wirr, ich glaube er hat Fieber.", sagte der, der wohl Ogen hieß. Den Jungen interessierte das nicht mehr. Er empfing die Dunkelheit mit Freuden, als sie an seinen Verstand klopfte.

Der alte Mann steht auf einer Anhöhe und starrt wie immer streng in den Himmel. Neben ihm befindet sich sein Teleskop und ein alter Stuhl aus Schilfholz. Er lässt sich darauf sinken, sieht dem Jungen entgegen, der lächelnd den Weg zur Anhöhe entlangschreitet. Eine kleine Lektion, mehr würde nicht nötig sein. Er ermahnt sich selbst zur Vorsicht, zur Beherrschung, droht sie ihm in letzter Zeit doch so oft zu entgleiten. Große Macht bringt große Verantwortung mit sich. Das weiß er jetzt, und die anderen im Grunde auch. Sie fürchten sich davor, schrecken zurück, trauen sich nichts. Er atmet tief durch und überlegt sich, was er dem Jungen erzählen würde.
"Guten Abend, Magus Vienklaw. Ihr seht wieder ins Weltenall?"
"Weltall, junge. All steht für jenes, das uns alle umgibt. Merke dir das."
"Ja, Magus. Magus, ich habe gute Nachrichten."
"Ich höre."
"Onkel Ogen nimmt mich nach Sturmwind. Ich kann meine Ausbildung im Magiersanktum beginnen. Er bezahlt sie. Ich wohne bei ihm, oder dort."
"Du gehst? Jetzt? Wir haben noch nichtmal mit der magischen Theorie begonnen."
"Magus, das ist eine einmalige Chance, ich muss..."
"Dummkopf, was sie dir dort beibringen wird dich nicht vorranbringen. Sie lehren dich vielleicht die Hälfte von dem was ich dir zeigen kann."
"Aber Magus, ich las von Korruption, vom Nether.."
"Der Nether ist ein Werkzeug, junger Mann, und wie bei jedem Werkzeug muss man lernen damit umzugehen. Sonst verletzt man sich vielleicht."
"Ihr seht krank aus, Magus."
"Mir geht es gut."
"Sicher?"
Vienklau ballt die Hände zu Fäusten... der junge hat Potenzial gehabt, denkt er sich. Doch wie so viele glaubt er die Lügen, die verbreitet werden.
"Du machst mich wütend, Junge."
"Magus, ich wollte nicht.."
"Du tust es aber. Du bist undankbar." Er erhebt sich aus seinem Stuhl, der auf den jungen Mann inzwischen wie ein Thron wirkt. Das hätte ich früher merken sollen, denkt er sich.
"Du kommst zu mir, jeden Tag, hörst dir meine Geschichten an, fragst mich aus. Ich habe Geduld mit dir, bringe dir Lesen und Schreiben bei, wie man sich zu benehmen hat, was es mit all dem um uns auf sich hat..." Er macht eine ausladende Geste und wirkt dadurch nur noch unheimlicher.
"Und du verschwindest um dich von irgendwelchen Bürokraten ausbilden zu lassen. Was bist du für ein undankbarer Bengel."
"Ich gehe lieber, Magus."
"Nein."
Und er kann es nicht, kann nicht gehen. Vienklau sieht ihn weiterhin an, und der junge Mann begreift, was er früher hätte verstehen müssen, nämlich das der Mann seinen Verstand verloren hat, aufgeweicht, vom Nether genommen... und dann sieht er irgendwas in den Augenwinkeln und konzentriert sich darauf. Keucht auf. Hinter dem Felsvorsprung auf dem die beiden stehen, schwebt eine dritte Person, über dem Abgrund, der immerhin mindestens fünfzehn Meter in die Tiefe führt. Eine junge Frau. Er kennt sie, kann sie nicht genau erkennen, es ist zu dunkel... "Runi?" Er zuckt zusammen als er die Stimme erkennt, schreit vor Schreck und Angst auf. "Magus, lasst sie runter, sie hat damit doch nichts zu tun.."
"Sie hat dir doch die Märchen von allmächtigen Magiern aufgetischt, oder nicht? Von der großen Stadt, die dir so viel bieten kann. Von Jahrmärkten und Händlern. Von Bettlern und Adeligen. Sie hat die Konsequenz zu tragen."
"Magus, sie hat nichts getan, es ist doch kein Verbre..-"
"WIEDERSPRICH MIR NICHT!" Der Satz ist nicht geschrien, er hallt im Kopf des Jungen Mannes, einen Moment lang glaubte er, wahnsinnig vor Schmerz zu werden. Und beinahe beiläufig, noch wärend der junge Mann sich aufrichtet und blintzelnd etwas zu erkennen versucht, richtet Vienklau seine Hand fast auf die junge Frau. Sie keucht kurz auf, ihre Hände verkrampfen sich, ähneln mehr Klauen als Fingern. Sie zieht die Schultern nach oben. Blut beginnt aus Mund, Augen und Nase zu laufen. Ihre Augen verdrehen sich, bis nur noch das Weiße zu sehen ist. Sie schüttelt sich, krampft, kommt zur Ruhe, sackt, noch immer schwebend, in sich zusammen.
"Sie ist tot.", sagt Vienklau fast beiläufig, ein Flimmern ist zu sehen, und sie fällt. Ein platschen ist zu hören. Einige Sekunden lang starrt der Junge Mann den älteren einfach an, nicht fähig zu begreifen, was gerade passiert ist. Dann registriert er, dass er rückwärts über den Boden schleift, unfähig sich Halt zu verschaffen, auf denselben Abgrund zu, der sie soeben verschlungen hat. Seine Füße verlieren den letzten Bodenkontakt und er sieht plötzlich auf Vienklau herunter, von unsichtbaren Händen in der Luft gehalten. Mit einer unglaublichen Anstrengung schafft er es, den Kopf zu senken. Unten im Wasser schwimmt ihre Leiche, das Wasser um sie herum färbt sich rot. Er zwingt sich, zu Vienklau zu sehen. Und ihm ist, als würde er brennen, eine Wut, die zu unbegreifbar ist, um sie zu beschreiben, raubt ihm den Verstand; Und einen Moment lang glaubt er, die wenigen Grashalme um Vienklau herum glühen zu sehen. Der Alte hat jedoch nur Augen für ihn, und jetzt spürt er einen allmächtigen Druck in seinem Kopf, als würden Gewichte von allen Seiten dagegendrücken. Er möchte schreien, kann jedoch nicht. Und irgendwas in ihm zwingt ihn, den Blickkontakt mit dem Alten zu halten. Irrt er sich oder wankt er, wirkt beinahe unsicher? Plötzlich lässt der Druck nach, und bevor er registrieren kann was geschieht, umgibt ihn eisige Kälte, so plötzlich, dass er scharf einatmet. Er atmet natürlich Wasser ein, und die aufkommende Panik führt nur dazu, dass es schlimmer wird. Er schreit ihren Namen, sogar unter Wasser hört man ihn deutlich. Und erneut explodiert die Stimme in seinem Kopf, diesmal jedoch noch lauter und wütender. Die unsichtbaren Hände packen ihn erneut und ziehen ihn tiefer ins Wasser hinein.

Vienklau steht noch lange neben seinem Schilfstuhl, denkt nach. Seine Robe und seine Haare sind zum größten Teil verbrannt. Er hat zwei junge Menschen getötet, und der Vater des Jungen weiß das er regelmäßig hierherkommt... er muss untertauchen, möglichst schnell. Die Leichen kümmern ihn nicht. Sollte der Junge überlebt haben, auch nicht schlimm, schon bei ihrer ersten Begegnung hat er ein wenig an dessen Gedächtnis herumgespielt. "Wenn nicht er, dann jemand anders..." , murmelt er und beginnt, einen Zauber zu weben. Nach einigen Minuten ist er verschwunden, und im Rotkammgebirge sieht man ihn nie wieder.


Runhardt schrak hoch. Sein Herz raste. Einen Moment lang ballte er die Fäuste, bereit, gegen was-auch-immer anzutreten. Er ordnete seine Gedanken. Immer derselbe Traum, immer diese sinnlose Szenerie... so ist es nicht gewesen, Vienklau hat ihn ordentlich verabschiedet, Margerie ist mit ihrem Vater weitergezogen... und der Brief, den er vor einem halben Jahr bekommen hatte, bestätigte das nochmal. Zudem wäre er damals fast im Immeruhsee ertrunken, ja, aber das war ein Unfall gewesen... natürlich gab es keinen vernünftigen Grund, keinen logischen jedenfalls, weshalb er nie wieder etwas von ihr gehört hatte... er runzelte die Stirn. Es war eben bloß ein Traum gewesen. Er schmunzelte sogar ein bisschen. Dann drehte er sich zur Seite, betrachtete die Silhouette der schlafenden Frau neben ihm. Er fragte sich, was sie erlebt hat, wovon sie nachts träumte. Er betrachtet sie noch eine Weile, dann zog er eine zweite Decke über sie , denn es war doch recht frisch geworden.

Nur ein Traum, ist der letzte Gedanke, bevor er wieder einschlief. Am nächsten Morgen erinnerte er sich nicht mehr daran.

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