FANDOM


Rakel Rakels Aufzeichnungen Rakels Erlebnisse

Erlebnisberichte Bearbeiten


Leserkommentare und Feedback

Inhaltsverzeichnis nach Datum

Vorgeschichte, August 2013 Bearbeiten

Gemessenen Schrittes kam eine Wache aus dem Portal, die breite Freitreppe herab, querte den Hof vor der kleinen Burg und schritt zum Übungsplatz. Ehrerbietig grüßte sdie Wache Meister Kang, der mit aufmerksamen Blick die Übungen einer jungen, verschwitzten Frau beobachtete, die so flink um die Übungspuppen wirbelte, dass sich ihr goldener Haarknoten schon aufzulösen begann.

"Meister Golddorn?" sprach die Wache. Die junge Frau hielt in ihren Übungen inne, trat vor die Wache und schaute aufmerksam. Ihre Anstrengung war nur am schnellen heben und Senken der Nasenflügel, am Schweiß auf ihrem Gesicht und den dunkleren Flecken in ihrer Übungsbekleidung zu erkennen. "Ihr wünscht?" schaffte sie ohne um atem zu ringen zu fragen.

"Lord Rabenholdt möchte Euch sprechen. "Sofort?" fragte die junge Frau, eine Geste umfasste ihren zu einer Audienz unpassenden Aufzug und verschwitzte Verfassung. "Sofort." Nach einer kleinen Pause setzte er hinzu "Er ist nicht sonderlich guter Stimmung. Er hat sicher nichts dagegen, dass Ihr fleißig trainiert, aber lasst ihn nicht warten."

Die blonde Frau nickte verstehend, steckte die beiden hölzernen Übungsdolche in die passenden Halterungen am Waffenbrett und folgte der Wache auf ihrem Weg zurück zur Burg. Die einzige Maßnahme zur Verbesserung ihre Auftretens, die sie noch vollführen konnte, bestand darin, dass sich schon in vom Knoten welligen Strähnen über Schulter und Rücken auflösende Haar neu zu verknoten und auf ihrem Kopf festzustecken.


Die geladene Atmosphäre in den Räumen von Lord Jorach Rabenholdt war mit Händen zu greifen. Die beiden Wachen vor der Eingangstür hatten schon noch starrer und statuengleicher dagestanden als sonst, vor dem breiten, mit Papieren übersäten Schreibtisch seiner Lordschaft stand ein sichtlich eingeschüchterter Bote.

Die Stimme des Lords trug noch die Tönung, die sie aufwies, wenn er soeben laut geworden war. "Meister ... Rakel!" er stutzte einen Moment, setzte leicht knurrend hinzu "Ihr braucht unbedingt einen Nachnamen!" Er wanderte nun zwischen dem Schreibtisch und der breiten Fensterfront hin und her, vor der sich der Blick über das Tal und auf den Übungsplatz im Vordergrund bot. Auf den Tannen am gegenüberliegenden Berghang lag schon rötlich das Licht der Abendsonne und ließ die Hänge darüber aufglühen. Von diesem Schauspiel nahm der Lord in diesem Moment sicher nichts wahr.

"Rakel! Ihr wisst, wie schwer bedrängt wir sind. Die Ausgeburt der Untoten rückt uns immer näher, immer mal wieder haben wir mit zu neugierigen Streiftrupps von ihnen zu schaffen. Das Syndikat scheint sich auch wieder zu berappeln, erst neulich haben wir zwei Mann verloren." Rakel nickte, sie war bei dem Begräbnis dabei gewesen. Sie setzte an, etwas zu fragen, aber der Lord schien noch nicht fertig, denn seine volltönende Stimme fuhr fort, wobei sich Lautstärke und mitschwingende Wut steigerte:

"Ihr wisst, ich musste gestern drei unserer Spezialisten für .. für diesen Auftrag fortsenden, den ich nicht umhinkam, anzunehmen. Wir sind zu wenige." Die negativen Schwingungen, mit denen diese Worte vorgetragen wurden, ließen die Goldhaarige davon absehen, im Moment noch irgendetwas fragen oder einwerfen zu wollen.

"Und heute kommt dieser Brief. Und was erfahre ich da?" Wenn Lord Jorach bisher nicht wirklich gebrüllt hatte, so tat er es nun: "Die Kampfkunstschule schließt! Als ob wir keinen Nachschub bräuchten. Als ob wir nicht dringend auf die Hilfe angewiesen wären." Er schlug mit der Faust auf den Tisch, so dass Schale mit den wertvollen Schreibutensilien einen kleinen Satz in die Luft machte.

"Ich hätte nicht übel Lust, sie alle hier antanzen und mitkämpfen zu lassen!" Der Lord nahm seine Wanderung wieder auf. Der Bote, der wohl den Brief mit der schlechten Botschaft gebracht hatte, schien immer mehr in sich zusammen zu sinken. Die junge Frau hingegen, die mit den Stimmungen der Lordschaft vertrauter war, blieb schweigsam, aufmerksam, aber weder ängstlich noch duckmäuserisch. Die Wut richtete sich nicht gegen sie.

Nach ein paar Runden zwischen Schreibtisch und Fenster fuhr Lord Rabenhodt fort: "Meister Rakel" kurz zögerte er, es hätte wohl nicht viel gefehlt, sie nochmal zu erinnern, sich doch um einen Nachnamen zu kümmern. Natürlich hatte die junge Frau ein paar Decknamen, aber keinen wirklichen Nachnamen, da sie im Waisenhaus aufgewachsen war und sich nur an ihren Vor- nicht aber an den Zunamen hatte erinnern können.

"Ihr brecht noch heute -" er schaute aus dem Fenster, nun wohl doch die rotglühende Abendstimmung in sich aufnehmend "- morgen früh nach Sturmwind auf. Findet heraus, warum die Schule geschlossen wurde. Wenn möglich, beginnt einen Neuanfang. Wenn nicht, lasst Euch irgend etwas anderes einfallen, das uns in unserer Situation hier helfen kann! Und vor allem: Berichtet mir." Der Blick aus den dunkeln Augen des Lords richtete sich nun genau auf Rakel, kurz trafen sich dunkelbraun mit dem klaren Blau. Meister Jorach hatte ein unglaublich anwesende, geradezu physische Ausstrahlung, die Rakel erst bei wenigen Menschen in dieser Form wahrgenommen hatte. Sie schaute nicht sofort weg, hielt den Blick aber auch nicht zu lange.

"Ich kann in einer Stunde aufbruchsbereit sein, Lord Jorach!" meldete sich Rakel nun das erste Mal zu Wort. Die Besserung der Stimmung seiner Lordschaft ließ sich nur für Menschen erahnen, die schon länger mit ihm zu tun hatten und deutete sich nur in einer Änderung in den Fältchen um seine Augenwinkel an. "Das wird nicht nötig sein. Schlaft ausreichend, nehmt ein stärkendes Frühstück, und reitet gekräftigt und geschwind." Rakel nickte. Dann fragte sie noch: "Habt Ihr einen Vorschlag was ich Schulleiter John bieten oder wie ich ihn dazu bringen kann, die Schule wieder zu öffnen?"

Das Minenspiel der Lordschaft veränderte sich erneut. Es wurde nachdenklicher. Dann fiel sein Blick auf den Boten, der immer noch im Raum stand. "Was steht ihr noch hier? Hinaus!" fuhr er diesen an, zu voriger Unwirschheit zurückfindend. Der Bote eilte hinaus. Seine Lordschaft wandte sich nun wieder Rakel zu. "Meister John wird Vater. Er hat Familie und es wird vermutlich nicht bei dem einen Kind bleiben. Bei einer gut laufenden Schule sicher kein Hindernis. Aber offenbar gab es Probleme." Er wanderte wieder zwischen Schreibtisch und Fensterfront herum. Dann blieb er stehen, sah zu der jungen Frau, die immer noch in ihrer fleckigen, verschwitzten und öfter geflickten Übungsbekleidung vor ihm stand. Er schien ihren Aufzug das erste Mal überhaupt zu bemerken und meinte:

"Ihr werdet immer besser. Ich habe Euch eine Weile beobachtet. Bevor dieser Bote hier ankam." Er wanderte noch ein wenig weiter und fuhr dann fort: "Wenn ihr es für sinnvoll haltet, die Schule fortzuführen, dann werdet ihr sie leiten. Zumindest, bis ihr mir einen noch besseren Kandidaten präsentieren könnt." Nach einer Weile setzte er hinzu: "Oder bis ich euch anderweitig benötige. Aber die Schule wird nicht eure einzige Aufgabe sein. Von Zeit zu Zeit wird es Dinge geben, die ihr für mich tun müsst."

"Wie früher Meister Branwick?" fragte Rakel. "Genau, Rakel. Ich weiß, ihr seid ihm schon als Schülerin dabei ab und an zur Hand gegangen." Die junge Frau nickte nur zum Einverständnis. "Hört Euch um, sucht nach Möglichkeiten, die Schule am Leben zu erhalten. Aber kämpft keinen verlorenen Kampf. Wenn es nicht geht, geht es nicht. Aber ich erwarte von Euch -" die Augen suchten wieder Rakels, um die kommenden Worte zu unterstreichen "- ich erwarte von Euch eine Möglichkeit zu finden, unsere Lage hier zu verbessern."

Rakel hielt den Blick wieder eine kleine Weile, dann erwiderte sie: "Ich werde einen finden, Lord Jorach!". Lord Rabenholdt nickt und wandte den Blick ab. "Es ist bald Abendessenszeit. Geht Rakel, und macht Euch frisch. Ich würde euch gerne in einer halben Stunde an meinem Tisch in der großen Halle sehen."

Die junge Frau machte einen Knicks und verließ den getäfelten Raum. Ihr Leben würde erneut eine deutliche Änderung erfahren. Sie freute sich auf Sturmwind, hoffte, alte Freunde wiedersehen zu können, begann aber schon, die Menschen, die sie hier im Alterac lieb gewonnen hatte, zu vermissen.

Natürlich saß sie zur gewünschten Stunde mit noch feuchten, aber offenen und gekämmten Haaren in frischen Sachen am Tisch des Lords. Das war Ehre und Prüfung zugleich. Auch nach so vielen Jahren noch merkte sie immer mal wieder an Kleinigkeiten, wie viele Dinge sie weder im Waisenhaus noch in ihrer Zeit als Schülerin der Kampfkunstschule gelernt hatte.


Vorwehen des Balls (16.9.13) Bearbeiten

Still schritten Lianera und Rakel durch den imposanten Park derer von Schärf. Keine von ihnen sagte etwas, in beiden wirkten wohl noch die Eindrücke des soeben beendeten Besuches nach. Eindrucksvoll war es gewesen. Imponierend, einschüchternd. Der Park, über den nun Rakels Blicke wanderten, das Anwesen als solches und der Empfang bei Lady... nein, Hochwohlgeboren müsste richtig... nein Moment, es muss Durchlaucht heißen? Rakel kam in Gedanken schon ganz durcheinander. Jedenfalls bei "Herrn und Frau" von Schärf, mit denen Rakel neulich noch gemütlich an einem Tisch im Schwein gesessen hatte. Und mit einer ihr bis dahin unbekannt gewesenen Dame der Familie, deren Blicke nicht gerade angenehm gewesen waren.

Nie hätte sie sonst an die adlige Dame geschrieben. Sie hoffte schwer, dass Lianera sich die Anreden für die Besucher des Balls ebenso gemerkt hatte, hoffentlich würden sie eventuelle Erinnerungslücken gegenseitig füllen können. Ihre Hände wurden ein wenig feucht, als sie daran dachte, dass sie in nicht mal zwei Wochen wirklich auf diesem Ball arbeiten würde. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, dies vorzuschlagen?

So viele Möglichkeiten, sich zu blamieren. Sie blickte kurz zu Lianera hinüber, die fast noch etwas paralysierter wirkte von so viel Ausstrahlung von Macht und Reichtum. Immerhin würde ihnen zugeschickt werden, was sie anzuziehen hätten. Neugierde mischte sich langsam in den Gedanken der jungen Frau mit den Bedenken.

'Und dazu noch diese Weissagung!' ging es ihr durch den Kopf. Luise, eine hellsichtige, hatte ihr gesagt, dass ein nahes Ereignis, dass dieser Ball darstellen könnte, eventuell einen großen Einfluss auf ihr nicht vorhandenes Liebesleben haben könnte. Könnte, würde, hätte. Luise hatte sie gewarnt. Die Zukunft ist ungewiss und alles nur Möglichkeiten. Und wen sollte sie da schon kennen lernen? Vielleicht einen Bediensteten? Oder einen Wächter? Allerdings würde dafür keine Zeit sein. Sie ging davon aus, dass es - was die Arbeit angehen würde - nicht anders sein würde, als damals in der Hafentaverne, in der die sechzehnjährige Rakel zwei, drei Wochen hatte aushelfen dürfen, bevor die wegen einer Niederkunft ausfallende Serviererin wieder arbeiten konnte.

Plötzlich war das schmiedeeiserne, spitzenbewehrte Tor schon vor ihnen. Waren sie wirklich schon den ganzen Weg durch den Park gelaufen? Rakel knickste noch einmal vor den Wachen, die dort standen, wechselte einen Blick mit Lianera und immer noch schweigsam machten sie sich auf den Rückweg nach Seenhain. Es dauerte noch ein Weilchen, bis wieder ein Gespräch zwischen den beiden aufkam.


18.9.13, Vormittags - Brauen von Mädchentreu Bearbeiten

Am Morgen verschwand Rakel nach einem Seelauf und ihrem üblichen Programm an Dehn- und Kraftübungen, die sie diese Tage noch präziser als sonst ohne hin schon durchführte, immerhin würde sie diese wohl bald lehren, im Keller unter dem Haus, das Meister Stein bewohnte.

Die erste halbe Stunde verbrachte sie damit, das dortige Alchemielabor zu sichten, zu sortieren und die Gerätschaften akribisch zu reinigen, die sie verwenden wollte. Dann strich sie nochmal ihre Aufzeichnungen glatt und las sie ein weiteres Mal ausführlich durch. Ihr stand vor Augen, wie das erste Mal dieses Trank unter Anleitung von Meister Branwick angefertigt hatte. Erneut konzentrierte sie sich. Es wollte nicht so recht gelingen, dieses Mal stand ihr das kurze Gespräch am Morgen vor Augen, das sie mit dem Holzfäller und Schreiner geführt hatte, der in diesen Tagen das winterfesten Holzlager hinter dem Schulhaus errichtete.

Es war eigentlich nichts besonderes an dieser kurzen Unterredung gewesen, und doch wirkte sie in Rakel nach. Er war ein stiller Mann. Vielleicht war es das, was sie reizte, etwas über ihn zu erfahren? Falls es denn da viel zu erfahren gab. Er lebte in Elwynn, im Holzfällerlager dort, hatte einen Hund, der Leute erschrecken konnte und eigentlich ein Wolf war. Nunja... langsam kehrten ihre Gedanken zurück zu den säuberlich bereitgelegten Pflanzen und gläsernen Gerätschaften vor ihr.

Zunächst bearbeitete sie die Traumwinden. Sie waren erfreulich frisch, das hatte sie schon erfreut festgestellt, als Phineas ihr die Bestellung überreicht hatte. Ganz billig waren sie dafür aber auch nicht gewesen. Sie schnitt in die Pflanzen der Länge nach immer zwei Zentimeter lange Ritze und ließ dazwischen einen Zentimeter langen Platz unverletzt. Aus den Winden trat fast augenblicklich der ihr bekannte, milchigweisslicher Saft aus und tropfte in den Trichter, über dem Rakel die Pflanze dann aufhing und begann sich im gläsernen Gefäß darunter zu sammeln.

Es dauerte eine weile, bis die achtzehn Pflanzen angeschnitten und aufgehängt waren. Rakel linste noch einmal in ihre Aufzeichnung und griff dann nach den violetten Blumen, die "Arthas Tränen" hießen. Sie zupfte die Blütenblätter der fünf hübschen Pflanzen ab und gab sie in einen bereitgestellten Mörser. Einzelne Blätter mit braunen stellen fischte sie heraus und warf sie in den bereitstehenden, großen Abfalleimer.

Rakel drehte an einem kleine Rädelrad die Gaszufuhr zum Bunsenbrenner auf und entzündete ihn mit einem langen Kienspan. Zischend brannte die Flamme gelblich flackernd. Geschwind schob sie den Brenner unter eine auf einem Dreifuß ruhende und mit Wasser gefüllte Schüssel.

Während sie darauf wartete, dass das Wasser lauwarm wurde, und immer mal wieder mit einem Finger durchrührte, betrachtete sie ab und an die aus"blutenden" Winden, die über dem Trichter hingen. Es hatte sich schon einiges an weißer Flüssigkeit im Auffanggefäß darunter gebildet.

Als das Wasser die richtige Temperatur - handwarm - hatte, stellte Rakel den Brenner ab, griff mit einer Hand nach dem bereitliegenden, gläsernen Deckel der Schüssel, mit der andren nahm sie die drei Schnurrbärte und war sie in das lauwarme Wasser, um sofort den Decke darauf zu setzen und gut festzuhalten.

Sobald die Härchen von Khadgars Schnurrbart das warme Wasser berührten, sprangen die Pflanzen lautstark zischend auf und etwa erbsengroße Samen hüpften wie wild durch die Schüssel und gegen den Deckel. Rakel schmunzelte, das war immer wieder ein lustiger Anblick. Sobald auch die dritte Pflanze aufgesprungen war und die Samen nicht mehr wie verrückt herumhüpften, riss Rakel den Deckel herunter und goss das ganze in ein im Ausguss bereitstehendes Sieb. Flink sammelte sie die Hülsen der Schnurrbärte aus dem Sieb und warf sie in den Eimer zu den bräunlichen Blütenblättern. Sie schaute herein, es war faszinierend, wie schnell die samenlosen Hülsen verrotteten. Es kam ihr immer etwas magisch vor.

Sie runden Samen aus den Schnurrbärten kippte Rakel vorsichtig auf ein auf einem benachbarten Tischchen bereitliegendes Handtuch und trocknete sie vorsichtig tupfend ab, bevor sie das Tuch wieder ausbreitete und den Rest an Feuchtigkeit sich selbst zum Trocknen überließ.

Ein wundervoll minziger Duft verbreite sich in dem kleinen Kellergewölbe, als Rakel die beiden unscheinbaren Minzblätter kleinhackte. Das doppelschneidige Wiegemesser hier war dazu vorzüglich geeignet, bald schon war die Minze in winzig kleine, duftende Stückchen verarbeitet.

Schnell waren zwölf Milliliter Alkohol in einen Destillierkolben abgefüllt. klopfend und schüttelnd gab Rakel die kleingeschnittene Minze hinein. Die widerborstigen Reste schubste sie mit einem kleinen Messer in die Flüssigkeit. Sie gab noch fünfeinhalb Messlöffel Zucker mit hinzu und setzte dann den Stopfen - einen Korken, durch den ein Glasröhrchen führte - auf den Destillierkolben. Behutsam schüttelte sie das Gemisch durch.

Sie stellte den Kolben in eine gepolsterte Halterung und verband das Glasröhrchen mit einem weiteren, das zu einem zweiten Gefäß führte. Erneut entzündete die den Gasbrenner, drehte dieses Mal aber das Gas so weit auf, dass im Kern eine blaue, kegelförmige Flamme zu sehen war.

Während der minzhaltige Alkohl sich erhitzte, zu blubbern begann und langsam verdampfte, um sich im Röhrchen zum zweiten Kolben wieder zu kondensieren und dort zu sammeln, griff Rakel mit hochgeschobenen Ärmeln nach den ausgebluteten Winden und wrang sie nochmal kräftig über dem Trichter aus, bevor sie die schlaffen Pflanzen in den Abfalleimer warf, als diese partout keinen weiteren Saft mehr von sich geben wollten.

Sie gab ein paar ordentliche Schlucke Pflanzenöl in den Trichter und zog diesen dann aus dem Gefäß, legte ihn vorsichtig in das Abwaschbecken und griff nach dem bereitliegenden Schneebesen. Kräftig schlug sie nun das Traumwindensaft-Öl-Gemisch durch. Nach einer Weile kräftigen Schlagens begann es schaumig zu werden.

Rakel schaute zufrieden, warf einen prüfenden Blick zum blubbernden Alkohol über dem zischenden Bunsenbrenner, und griff dann nach den Blütenstöcken von Arthas Tränen, die nach dem Abzupfen der Blütenblätter übrig geblieben waren. Sie krümelte dies über den schaumig geschlagenen Traumwindensaft.

Rakel ließ das schaumige und mit den krümeln übersäte Gemisch eine weile ruhen und stellte in der Zeit drei große Filter mit hohem Rand übereinander, so dass sie von oben nach unten von grob zu fein angeordnet waren.

Die Samen von Khadgars Schnurrbart auf dem Handtuch waren nun trocken, Rakel gab sie in den Mörser zu den Blütenblättern von Arthas Tränen und begann das ganze sorgfältig klein zu mörsern. Als es zu einem feinen, violetten Brei verarbeitetet war, drehte Rakel das Gas herunter. Der Alkohol war fast ganz verdampft, und es bestand die Gefahr, dass der Kolben springen würde.

Nun war es an der Zeit, das bröselige und schaumige Gemisch in die bereitstehenden Filter zu gießen. Es würde eine Zeit brauchen, bis es sich auf die drei Stufen getrennt haben würde.

Sie lehnte sich eine Weile an die Rückwand. Schließlich war das Destillat fertig und Rakel konnte es mit einem dicken Lappen geschützt von der noch heißen Apparatur lösen und in das bereitstehende Gefäß gießen, dass sie schnell verkorkte. Auch so breitete sich der starke Minzgeruch im ganzen Keller aus.

Eine Weile noch konnten ihre Gedanken kreisen und die Blicke auf dem Arbeitstisch umherwandern. kurz wurde sie etwas rot, als sie an den Vortag dachte. Es wirkte etwas surreal auf sie, hatte sie das wirklich getan? War das noch die Rakel, die sie kannte? Provokativ hatte Lianera es genannt. Und doch hatte eben diese Rakel dazu bestärkt. Nunja. Sie zuckte mit den Schultern und wendete sich dann den drei Filtern zu.

Im oberen hatten sich die festen Stoffe besammelt, die, wie ihr Meister damals sagte, für berauschenden Tabak verwendet würden. Rakel hatte dafür keine Verwendung. Weder wollte sie, dass irgendjemand sowas an ihrer Schule rauchte, noch das Zeug verkaufen. So landete es im Abfalleimer.

Die zweite Schicht, eine breiige Masse, war ebenfalls halizugen und würde für Tees Verwendung finden, war aber in erster Linie für andere Mittel brauchbar. Am berauschenden Tee hatte sie ebenso wenig Interesse wie am berauschenden Tabak. Sie hatte in der Zeit im Alterac ihre alchemistischen Fähigkeiten vertieft und hoffte, die Mischung noch gebrauchen zu können. Sorgsam goss sie sie in ein schwarzes Gefäß und verkorkte es. Mit einem kleinen Band und etwas Siegelwachs verschloss sie den Stopfen so, dass sie sehen würde, ob jemand daran gegangen war.

Im untersten Filter stand ein klarer Saft. Dieser war es, den sie jetzt brauchen würde. Sie gab ihn in ein feuerfestes Gefäß und erwärmte ihn sehr behutsam auf der schwächsten Flamme des Brenners. Würde er anfangen zu kochen, wäre die ganze Arbeit für die Katz, abgesehen vom Minzdestillat.

Als es köchelte, streute sie unter fortgesetztem Rühren den Inhalt des Mörsers hinein. Sie schnupperte immer wieder prüfend über dem Gemisch, das sie durchrührte. Plötzlich stieg ein intensiver Geruch wie von gebrannten Mandeln auf, vorher hatte es noch grasig süßlich geduftet.

Sie zog den Brenner weg und drehte das Gas zu. Sie tupfte eine Fingerkuppe hinein und schleckte sie ab, vorbereitet auf das, was kommen würde. Zunächst einmal schmeckte das Gemisch wie warmer Honig auf Mandeln, um dann zu einem abscheulichen Nachgeschmack überzugehen. Rakel verzog angewidert das Gesicht, war dennoch zufrieden, so musste es schmecken!

Sie goß das eigentlich fertige aber geschmacklich unbefriedigende Gemisch in ein Gefäß mit Skala. Knapp zwei Liter hatte sie fabriziert. Rakel kannte sich. Sie ließ mit einer Pipette unter Rühren vier Tropfen aus der süßen Minzlösung hineintröpfeln. Schon das Öffnen des Korkens auf dem Minzextrakt tauchte den Raum erneut in eine minzige Aura.

Noch einmal rührte sie kräftig durch und probierte dann von dem abgetropften Löffel. Gebrannte Mandel mit Minze war nicht unbedingt die Traummischung, aber der scheußliche Geschmack war fort.

Sie ging mit der Mischung zu einer Vorrichtung herüber, in der mehrere 100 ml Gläser bereit standen und befüllte diese auf den Eichstrich genau, bis knapp 200 ml in ihrem Kolben verblieben.

Nachdem die andren Gefäße, achtzehn Stück an der Zahl, die letzten Zwei waren leer geblieben, hob die das Gefäß wie prostend an und trank den Inhalt langsam aus. Es war nicht unbedingt ein Genuss, aber nun wäre sie gewappnet, was auch immer an Abenteuern in der so lange unbeachteten Männerwelt auf sie warten würde.

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis alles wieder ordentlich, sauber, abgewaschen und getrocknet war. Schließlich konnte Rakel den Eimer auf den Komposthaufen entleeren und die gewonnenen 18 Mädchentreu-Fläschchen, das Minzdestillat und den breiigen Traumwindensaft aus der mittleren Filterung mitnehmen.

Sie schloss alles zusammen mit ihrem Büchlein wieder ein.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki