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Nicas Predigten/Siebte Predigt

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Licht mit Euch, Schwestern und Brüder. Ich freue mich, Euch hier zu sehen und ich freue mich, daß wir ein bißchen Zeit gemeinsam verbringen können, indem ich zu Euch sprechen darf. Ich sehe bekannte Gesichter, was mich sehr freut, aber ich sehe auch neue Gesichter, was mich nicht minder erfreut.

Mein Name ist Nicatera Stirlander, ich bin Wanderpredigerin aus Seenhain. Ihr fragt Euch, was ich Euch heute erzählen möchte? Nun, es hat etwas mit der Einsicht in Dinge zu tun. Viele Menschen kommen zu mir, weil sie verbittert sind. Verbittert, weil sie sich vom Licht zu schwer geprüft, wenn nicht gar bestraft oder verlassen fühlen. In Ihren Augen bietet ihnen das Leben nur Gemeinheiten und Ungerechtigkeiten. Nun, das ist nicht grundsätzlich falsch, aber vieles wird auch aus einem verzerrten, persönlichen Blickwinkel gesehen, und die Dinge liegen manchmal ganz anders, als wir uns das ausmalen. Laßt mich Euch dazu diese kleine Geschichte aus meiner Heimat erzählen:


Vor vielen Jahren zog ein alter Priester durch das Land, gefolgt von einem jungen Mönch. Vom alten Priester wurde erzählt, er stünde in engem Kontakt mit dem Licht, ja er könne gar Wunder bewirken. Er selbst machte sich nicht viel aus diesen Geschichten und bestätigte sie nicht, verneinte sie aber auch nicht. Beide kamen eines Abends an ein großes Gehöft und baten den Gutsherren um ein Quartier für die Nacht.

Der Gutsherr jedoch mochte ihnen keine Gästezimmer ohne Miete geben, und so mußten sie sich im feuchten, kalten Keller des Haupthauses ihr karges Nachtlager einrichten. Mitten in der Nacht stand der alte Priester auf und ging zu einer Wand. Dort war ein Loch in der Mauer und er sagte zu dem jungen Mönch: "Komm und hilf mir, diese kaputte Stelle für den Gutsherrn zu flicken." Nach einigem Suchen fanden sie Mörtel und rührten ihn mit ihren knappen Wasservorräten im Schein ihrer alten Laterne an. "Warum tun wir das, wo der Mann uns so schlecht behandelt? Der hat doch keine Wohltat verdient!", sagte der Mönch. "Nun, die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen.", sagte der Priester und lächelte. Der Mönch verstand es nicht, half ihm aber aus Respekt.

Nach getaner Arbeit war es auch schon Morgen und sie verließen das Gehöft, ohne weiter darüber geredet zu haben. Am nächsten Tag kamen sie an einem schäbigen, alten Bauernhof vorbei, deren Besitzer ganz offensichtlich sehr arm waren. Die beiden wurden jedoch sehr herzlich empfangen und die Bauersleute mühten sich, ihre Gäste so gut zu bewirten wie sie es nur konnten. Man bat ihnen als Quartier für die Nacht deren eigene Schlafstube an, da das ärmliche Gehöft keine Gästezimmer besaß. Der Bauer und die Bäuerin schliefen in der Scheune.

Des Nachts kam ein Unwetter über das Land, schwarze Wolken zogen auf und es stürmte. Es war eine der Nächte, in denen man Schlimmes befürchten konnte, der junge Mönch war unruhig und spürte förmlich die Dunkelheit, die sich auf das Gehöft legte. Auch der alte Priester fühlte es und er stand plötzlich mitten in dieser Nacht auf und sagte zum jungen Mönch: "Gib Acht, der Engel des Todes ist unterwegs, ein Unheil wird geschehen. Ich will zum Licht beten." So tat er und nach einer Weile war er wieder ruhig und sein Gesicht voller Frieden. "Ich habe es gerichtet, mein Sohn, mein Gebet wurde erhört." So schliefen beide beruhigt ein.

Am nächsten Morgen jedoch wurden sie von großem Klagegeheul der Bauersleute geweckt. Die einzige Milchkuh, die sie hatten, lag tot in ihrem Stall, sie hatte diese Nacht nicht überlebt. Da sprach der junge Mönch wutentbrannt zum Alten: "Ich verstehe Dich nicht! Den alten Geizhälsen vorgestern hast Du aus Dankbarkeit noch die Wand repariert und hier hast Du zugelassen, daß den armen Bauern die einzige Milchkuh stirbt. Obwohl Du mit dem Licht sprechen kannst! Ist das Deine Vorstellung von Wohltaten, die Du verbreitest? Soll das Gerechtigkeit sein?"

Der alte Priester schwieg und dachte eine Weile nach. Dann lächelte er und entgegnete dem jungen Mönch: "Sieh, mein Sohn. In der Nacht im Keller habe ich bemerkt, daß in diesem Loch in der Wand eine Menge Goldstücke versteckt waren. Dieser Gutsherr war aber schon derart von Gier und Habsucht zerfressen, daß ich mir dachte, es sei ein gutes Werk von uns, wenn wir die Wand neu verputzen. Er wird das Loch nicht mehr so ohne weiteres finden und ist somit vor dem Gift der Habsucht bis auf weiteres geschützt. Die Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen.

Und in der letzten Nacht war tatsächlich der Engel des Todes unterwegs zu diesem Gehöft. Ich habe ihn gefühlt und gebetet, bis ich erhört wurde. Der Tod wollte die arme Bauersfrau holen und ich habe ihn auf die Kuh heruntergehandelt."


Liebe Schwestern und Brüder, die Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen. Mehr noch, sie sind es meistens nicht. Weisheit besteht darin, das Offensichtliche zu bemerken, Glaube dagegen besteht darin, auf das Nicht-offensichtliche zu vertrauen. Alles, was das Licht geschehen läßt, dient einem Zweck, auch wenn wir ihn nicht sehen oder ihn gar als für uns feindlich interpretieren. Der größte Kummer kann irgendwo für irgendwen eine Wohltat sein, wir sehen nur zuwenig, um es zu erfassen. Die größte Annehmlichkeit kann eine Strafe sein, die wir zu Anfang gar nicht bemerken. Viele dieser Dinge erfassen wir erst, wenn ein wenig Zeit vergangen ist oder mit anderen sprechen. Nehmt diese Worte mit auf Euren Weg und lernt, nicht nur weise, sondern auch gläubig zu sein. Habt Vertrauen löst Euch von Eurer alleinigen Sicht, dann wird Euch das Licht Tür und Tor öffnen. Ich danke Euch fürs Zuhören, Licht auf all Euren Wegen.

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