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Mallaichte/Hintergrund

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Das Mädchen Mallaichte, die Verfluchte Ein Schultag in Dalaran Steinerne Nacht


Lange war sie so durch den Wald geirrt. Es war Tage her, dass sie verletzt aus der Stadt gekrochen war. Die Wunden begannen zu heilen, doch es schmerzte und der Hunger wurde immer größer. Sie brauchte bald etwas zu essen, irgendwas. Kaum ein Mensch war noch übrig. Sie alle waren schon wie sie geworden. Selbst die Tiere flohen vor ihr. Knurrend schlich sie weiter durch den Wald. Sie wußte nicht woher sie kam, oder warum sie hier war. Nicht einmal warum sie so zugerichtet war. Es interessierte sie auch nicht. Sie wollte nur diesen Hunger stillen. Den linken Hinterlauf konnte sie nur noch hinterherziehen, zu tief war die Wunde. Ein Riss, der fast das ganze Bein durchtrennt hatte. Viele kleine Blutströpfchen hinterließ sie auf ihrem Weg durch die Wälder. Sie rannen ihr aus den Schnitten und dem aufgerissenen Fleisch an Schultern, Vorderläufen und dem Bauch.

Leise schnaubte sie und hielt inne. Da war etwas. Ein Geruch. Er hob sich von ihrem eigenen Blut ab, dessen Geruch ihren Hunger nur immer noch mehr steigerte. Rasend vor Blutdurst stürmte sie auf den Geruch zu. Der zerfetzte Hinterlauf und die schmerzenden Schultern wurden ignoriert, nur der Hunger zählte noch. Ihre Augen begannen vor Gier zu glühen, als sie hinter dem Baum hervorsprang. Brüllend riß sie das Maul auf, legte die Ohren an und fletschte die Zähne. Die Krallen wurden wie Messer ihrer Beute entgegengestreckt. Der alte Mann, ahnungslos wie sie glaubte, drehte ihr nur kurz den Kopf zu und grinste. Er grinste. Sie verstand es nicht, doch sie roch sein frisches Fleisch, sah die gesunden Knochen. Blind vor Hunger sprang sie ihn an. Doch gerade als sie glaubte, ihn gepackt zu haben und ihre starken scharfen Zähne in sein Fleisch schlagen wollte, wurde sie geblendet.

Grelle Blitze durchzuckten ihr Blickfeld, gellende Schreie klangen plötzlich von überall her. Worgen, Menschen, Tiere. Sie alle schrieen panisch und voll Todesangst. Wieder stieg ihr der Geruch von Blut in die Nase und trieb sie fast in den Wahnsinn. Menschenblut vermischte sich mit Worgenblut, die Schreie wurden lauter und kamen direkt auf sie zu. Verzerrte Gestalten konnte sie zwischen den Blitzen ausmachen. Der alte Mann war verschwunden. Wo war er hin? Alles verschwamm um sie und ihr Kopf dröhnte. Auf einmal gesellte sich der Geruch von Feuer zu dem Blut. Asche. Feuer! Sie mußte fliehen, wenn sie nicht verbrennen wollte!

Panisch fuhr sie herum und starrte direkt einem völlig zerfledderten Worgenschädel ins Gesicht. Ein Auge hing ihm aus der blutigen Höhle, die Ohren waren abgerissen und hatten nur zwei Fetzen hinterlassen. Einige Zähne waren herausgebrochen, der Unterkiefer gebrochen. Ein klagendes und panisches Brüllen schleuderte ihr der Schädel entgegen. Instinktiv erkannte sie die Warnung und wich nach hinten zurück. Wieder drehte sie sich mit einem Ruck um, nur um in ein Heer von Fackeln zu starren, die schnell näherkamen. Erneut stieg ihr der Geruch von Feuer und verbranntem Fleisch in die Nase. Hinter ihr brüllte noch immer der zerfetzte Schädel, vor ihr rückten die Fackeln rasch näher. Sie hetzte nach links und hielt wieder in der Bewegung inne. Ein grüner Nebel schob sich ihr entgegen. Davor konnte sie einige Gestalten ausmachen, die regelrecht zerfressen wurden, als die giftgrünen Schwaden sie umschlossen. Ein beißender Gestank erreichte sie.

Gehetzt sah sie sich um und ließ sich auf alle Viere sinken. Der Blick huschte panisch vom zerfetzten Schädel zum Fackelmeer und letztendlich zum Giftnebel. Ihre Wunden begannen sich zu allem Überfluß auch wieder zu melden und bluteten wieder stärker. Aufjaulend krümmte sie sich zusammen. Der tiefe Riss im Bauch war am Schlimmsten. Sie glaubte sogar, einmal durch ihren Körper hindurch greifen zu können. Gerade als der Nebel ihre Füße umschließen wollte und das blutige, zerborstene Worgenmaul nach ihr schnappen wollte, als sie das Feuer der Fackeln spürte, wie es ihre Haut zu verbrennen drohte..

..kehrte Stille ein. Als hätte jemand die Zeit angehalten, verstummte plötzlich jedes Geräusch. Die Schmerzen verschwanden, der Geruch von Feuer, Blut und Gift löste sich auf. Doch als sie ihren Kopf heben wollte und sich gerade davonstehlen wollte, kehrte sämtlicher Schmerz zurück, in hundertfacher Intensität, so kam es ihr vor.

Mit einem gellenden Schmerzensschrei sank sie zu Boden. Der gebrochene Knochen im zerfetzten Bein bohrte sich durch das Fleisch, auch die Rippen und sogar der Beckenknochen waren mit bloßen Auge unter all den blutigen Fleischfetzen ihres jungen Körpers zu erkennen. Der linke Arm war unnatürlich auf den Rücken gedreht, das Fleisch hing in Fetzen daran hinab. Wimmernd kauerte sie so am Boden, auf dem kalten Stein, der ihr als einziger noch Schutz bot. Plötzlich fiel ihr auch alles wieder ein.

Wie ein tosender Ozean brachen all die Erinnerungen auf sie ein. Wie sie mit ihrer Mutter zuhause gesessen hatte und packen sollte. Draußen waren Todesschreie von Menschen und gieriges Brüllen von Tieren zu hören gewesen. Vater war mitten in dem Lärm heimgekommen und hatte die Tür hinter sich verrammelt, mit Brettern zugenagelt. Voller Panik hatte sie ihn angestarrt, die Angst in seinen und Mutters Augen gesehen. Dann wurde er selbst zu einem dieser Tiere. Er hatte Mutter gepackt und mit zwei Hieben zerfetzt. Unfähig sich zu rühren, hatte sie voller Entsetzen mitangesehen, wie er Mutter den Kopf vom Leib gerissen hatte. Wie er dann über ihren toten Körper hergefallen war und das Fleisch gefressen hatte. Mit blutverschmiertem Fell und Fleischresten im Maul war er dann auf sie selbst zugestürmt. Erst im letzten Moment hatte sie ihre Kräfte wiedergefunden und war zurückgewichen. Doch seine Krallen hatten sich schon in ihr Bein gebohrt, es gepackt und wie ein Streichholz zerbrochen. Schreiend war sie weiter weggekrochen, doch er war schneller und viel stärker gewesen. Seine messerscharfen, langen Krallen hatten auch ihr das zarte Fleisch vom jungen Körper gerissen, hatten sie in die wohlige Umarmung des Todes getrieben.

Doch sie war nicht gestorben. Sie war jetzt hier. Inmitten des Giftnebels, der Fackeln und dem im Brüllen eingefrorenen, zerfledderten Worgenschädel. Sie konnte vor Schmerz und Panik kaum die Augen offenhalten, geschweige denn einen klaren Kopf bewahren. Alle Gedanken schossen ihr gleichzeitig durch den Kopf, sprangen wie Gummibälle von einem Ort zum Anderen.

Da befand sie sich auf einmal an einem Strand. Sie erkannte ihn. Die Sonne blendete sie, das angenehm kühle Wasser des Meeres umspülte ihre Füße. Mutter und Vater saßen neben ihr im Sand und spielten mit ihr. Gerade als sie sich entspannte, stieg ihr wieder der Geruch von verbranntem Fleisch in die Nase. Die Bilder von Mutter und Vater zerflossen und gingen in Rauch auf, der Strand wandelte sich in kalten Stein, das Meer wurde zu flüssigem Feuer. Der Worgenschädel brüllte sie wieder an, sein heißer, stinkender Atem wurde ihr diesmal direkt ins Gesicht geschleudert. Der Giftnebel umschloß sie fast völlig, ihr blieb die Luft weg. Die Fackeln senkten sich auf sie, versengten ihr Fleisch. Die Schmerzen wurden unerträglich, sie bekam keine Luft mehr und ihre Gedanken rasten nur noch weg von diesem Ort. Doch es gab keinen Weg, den sie hätten nehmen können. Sie war gefangen, selbst ihre Gedanken. So kreisten sie ruhelos umher, nahmen all die unsäglichen Schmerzen, den beißenden, fauligen Gestank und das grelle Licht wahr.

Dann war er dort. Gottgleich hatte er über ihr gekniet. Sein Antlitz strahlte eine Wärme und Ruhe aus, die sie so dringend brauchte. Ihr Geist warf sich ihm entgegen, floh zu ihm, fort von all den Qualen. Sie wollte die Hände nach ihm ausstrecken, doch sie gehorchten ihr nicht mehr. Mit einem sanften Lächeln sah er zu ihr hinab. Seine Worte klangen wie aus flüssigem Gold, eine absolute Wohltat nach all den Schreien, berstenden Knochen und zerrissenem Fleisch.

"Willst du mit mir kommen und ewig bei mir bleiben?"

Ja, ja, das wollte sie. Nur fort von diesem schrecklichen Ort. Sie wußte nicht, wie lange sie dort gelegen, gelitten, gekauert hatte. Doch es war zu lange gewesen. Ihre Seele brauchte dringend Ruhe, sei es im Tod oder bei ihm. Mit jeder Faser ihres Seins sehnte sie sich danach. Wieder eilten ihre Gedanken zu ihm. Sie mußte ihn regelrecht angefleht haben, wenngleich sie sich keiner Worte bewußt war, die sie ausgesprochen hatte. Doch er griff nach ihr. Mit warmen, weichen Händen hob er ihren geschundenen, kleinen Körper auf und errettete sie aus den Flammen, dem Gift, vor dem hungrigen, zerfetzten Worgen.

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