FANDOM


Kürzlich im Brachland

Friedlich lag die Ausgrabungsstätte der Zwerge da, es dämmerte nun rasch ab und schon die ersten Fackeln wurden entzündet um die letzten Aufräumarbeiten zu koordinieren. Die Orc die am Rande der Senke bäuchlings und reglos auf der Erde lag, warf einen prüfenden Blick auf die Wachen die sich in einigen Schritten Entfernung angeregt miteinander unterhalteten:

Senke
Ein Bogenschütze mit einem Hang zu Pfeifenkraut und ein Axtträger der seine Worte stets mit allerlei lebhaften Gesten betonte. Bald würde sich die Dunkelheit weiter herabsenken. Rasch musterte Shetla Gelbmal den Himmel. Sie robbte hinter einen nahen Felsen bis sie sich sicher war nun weit genug hinter dem Schutz des Steines gelangt zu sein, dass sie keine Aufmerksamkeit mehr auf sich zog – der Blick auf ihre Ziele war ihr nun auch verwehrt doch sie wusste bereits, was sie wissen musste - gleich würde es beginnen. Sie griff nach ihrem Wasserschlauch und goss ein wenig davon auf die trockene Erde. Mit ihren Krallen schabte sie die Stelle auf bis eine lehmige Paste entstand die es ihr ermöglichte ihre Tarnung zu erneuern indem sie ihre Haut damit einschmierte. Mit vorsichtigen Bewegungen begann sie nun auch ihre Muskeln zu lockern und zu dehnen. Auf dem langen reglosen Beobachtungsposten hatten ihre Glieder die ersten Anzeichen von Versteifung gezeigt und kribbelten unangenehm.

Die Sonne verschwand immer mehr hinter den Bergen - eine Glocke erklang. Aus dem Graben konnte man aufgeregte Zwergenstimmen hören. Sie überprüfte den Sitz ihrer Maske, robbte zurück zu der Senke und lugte über den Rand. Der Wind wehte ihr den Geruch einer schmackhaften Gemüsesuppe zu und ihre Ohren vernahmen die Geräusche von klapperndem Essgeschirr und herzhaft kehligem Gelächter. Sie sah, wie einige der Zwerge Fackeln aus ihren Halterungen rissen und sich in Gruppen in Richtung des Kochzelts in der Mitte des Grabens versammelten um ihre Essensrationen einzufordern.

Fackel
Hrmpf, das is‘ fast zu leicht, dachte die Orc. Die Fackeln würden verhindern, dass sich die Augen der kleineren Gestalten an die Dunkelheit gewöhnten – das würde Shetla bei ihrem Vorhaben zu gute kommen da sie dadurch auch ihre Gestalt nur schwer in der Dunkelheit ausmachen würden. Sie durfte keine Zeit mehr verlieren. Mit möglichst gleichmässigen und ruhigen Bewegungen befestigte sie das Seil um den Felsen und kletterte die herausgehauene Felswand herab. Sie rannte, zog ihre Messer und… die erste Grubenratte blieb getroffen auf den Boden liegen und regte sich nicht mehr. Ihre Wurfmesser glitten mit einem leisen Pfeifgeräusch durch die Luft und drei weitere Ratten fanden den Tod – nun krochen immer mehr Tiere aus den Versenkungen und Löchern der Erde um sich an dem Festmahl in der Mitte zu beteiligen. Die Zwerge unter
Ratte
dessen, schienen von dem Schauspiel in der Dunkelheit nicht viel mitzubekommen, herzhaft prosteten sie sich zu und beschäftigten sich mit ihrer Mahlzeit. Shetlas Gestalt glitt geschmeidig und Schattenhaft durch die Dunkelheit. Ihre Schritte lautlos und schnell. Ihre Klingen wirbelten durch die Finsternis und glitten mühelos durch Fell und Fleisch so das den Tieren oftmals nicht einmal ein verängstigtes Quieken möglich war bevor sie verendeten und in einen inzwischen blutigen Beutel an ihrem Gürtel endeten. Einige Momente später glitt eine Gestalt wieder die Felswand herauf und verschwand.

Das Lachen der Zwerge drang noch in ihren Ohren als sich Shetla im Trab von der Senke entfernte. Sie zog sich die Maske vom Gesicht und zeigte ein breites Grinsen. Zufrieden klopfte sie auf ihren Beutel mit den erlegten Ratten.

Endlich ma‘ wieder Grubenrattn’eintopf! Nirgends werdn‘ se‘ so fett und leckert wie bei den Zwergen. Ehehehehe…


Gefangen in der Mine (Plot: Shetlas Suchaktion)

Das flackernde Licht
Höhle
der Fackeln vermochte die Dunkelheit der Bergstollen nur unzureichend zu erhellen doch das unablässige Hämmern und Meisseln unzähliger Bergwerkzeuge und deren Echos erfüllte stets den betäubten Verstand der Arbeiter die in ihrer Anzahl eigentlich wenig waren - vielleicht ein Duzend. Doch das Widerhallen ihrer Schläge mochte einem selbst so vorkommen als wären derer Hunderte die hier ihr Dasein fristeten und alle schienen sie dazu verdammt in den Eingeweiden dieses Berges in Vergessenheit zu versinken. Ein Husten durchbrach die monotone Geräuschkulisse… eine magere Orcgestalt sank zuckend zu Boden. Die leeren entzundenen Augen weit aufgerissen und verklebt versuchte sie röchelnd wieder zu Atem zu kommen was in ihrer Hektik nur wieder einen neuen Hustenanfall zur Folge hatte, die Ketten an ihren Hand- und Fussgelenken rasselten. Ein Mensch erschien in ihrem Blickfeld, trat näher und begutachtete sie abschätzend. Sie begann bereits blau anzulaufen. "Wasser " formten ihre Lippen flehentlich in der Menschensprache als sie ihn entdeckte. Sie versuchte auf ihn zuzukriechen doch auch ihre Stimme versagte ihr den Dienst. Angewidert drehte sich der Morras weg und verschwand aus ihrem Blickfeld. Mit weit aufgerissenen Augen stierte sie ungläubig auf die Stelle, der leere, stumpfsinnige Blick verschwand und verwandelte sich in gefährliche Wut in der sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein Funken klaren Verstandes zeigte… sie konnte nicht mehr aufhören zu Husten… der Staub selbst schien ihr die Luftröhre immer mehr und mehr zu verengen - so sollte sie also ihren Ahnen begegnen... Ihr Körper fing an unkontrolliert zu Zucken, langsam wurde ihr schwarz vor Augen…

In einer letzten Anstrengung riss sie ihre Hände hoch und ihre Zähne schnappten nach ihrem Handgelenk, bohrten sich in das Fleisch ihres Unterarms. Warmes Blut füllte ihren Mund und rann ihre Kehle herunter, spülte ihr den Staub aus den Atemwegen. Sie trank gierig… und erbrach sich… doch der lebensspendende Atemzug der danach ihre befreiten Lungen füllte war köstlicher als alles was sie sich je vorgestellt hatte. Shetla’s Augen verengten sich entschlossen…

"Verfluchte Scheisse nochma‘… so schnell werdet ihr mich nich‘ los ihr dreckigen Windpisser!"


Echos der Erinnerung

Korpnac schritt mühselig über den kleinen Hof. Der Gestank nahm sein alkoholbenebeltes Hirn nur ansatzweise wahr. Der Kummer sass noch tief in seinen Knochen und der gebeugte Rücken des Orcs, welcher eigentlich erst Ende mittleren Alters war, deutete darauf hin, dass ihn eine unsichtbare Last immer mehr niederzudrücken drohte. Er holte tief Luft und brüllte.
"Shetla!"
"Was willst von mir, Alter?" erklang plötzlich eine gehässige junge Stimme hinter seinem Rücken und liess ihn herumfahren. Sie wird immer besser, dachte er.

Ein leises Unbehagen beschlich ihn was er jedoch sofort wieder unterdrückte. Er runzelte die Stirn und musterte sie abschätzig und mit unverhohlener Abneigung. In letzter Zeit war sie schneller gewachsen und reichte ihm schon knapp bis eine Handbreite unters Kinn. In betont lässiger Haltung und verschränkten Armen stand sie da, eine schlacksige dürre Gestalt bei der sich die Muskeln deutlich abzeichneten, ihr Gesicht zu einer nichtssagenden Maske erstarrt. Ihre linke Backe war geschwollen, eines der Augen blutunterlaufen - er wollte gar nicht wissen wo sie sich herumgetrieben oder mit wem sie sich wieder geprügelt hatte...
Noch jung war sie, doch genug alt für das was er zu tun gedachte. Die Zeit war gekommen für das Ritual das jeder Orc ihres Klans durchlaufen musste und nicht jeder von ihnen überlebte... und er würde dafür sorgen, dass sie es bekam so wie er es versprochen hatte und dann, dachte er, soll sie zum Nether fahren. Ein Grinsen verzog seine Lippen was Shetlas Augen verengen lies, instinktiv griff sie nach ihrem Dolch was ihm ein noch breiteres Lächeln entlockte. Korpnac räusperte sich "Meine Liebe Shetla..." nun zog sie die Waffe blank und starrte ihn an, er beachtete dies nicht weiter und führte seine Ausführungen fort. "...es ist Zeit, dass du das Ritual deiner Sippe kennenlernst..." mit feierlicher Stimme schwafelte er weiter "Danach, wirst du einen neuen Namen erhalten und fortan nicht mehr als klanlos gelten." Die junge Orc blinzelte verwirrt und senkte die Waffe. "Wirklich?" ihre Stimme klang fast kindlich und ihre zur Schau getragene Maske begann zu brökeln als sie ihn hoffnungsvoll und mit grösser werdenden Augen anblickte.

Korpnac Messerfaust blickte weg und schluckte: "Dabu... so wie es die Tradition verlangt..."