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Die Aldor Wiki

Kein Neuanfang ohne Erinnerungen

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Als die Frau aus ihrem Albtraum erwachte, klangen ihr noch immer die Worte in den Ohren, die ihren Traum beherrscht hatten.

"Es wird nie wieder so sein, wie früher. Nie wieder, nie wieder..wieder.."

Mit einem schwerfälligen Ächzen erhob sich die Frau, die man in diesem Land "Wietarie Ost" nannte und schleppte sich mühsam zum Höhleneingang um die frische Nachtluft einzuatmen. Draußen regnete es, doch eigentlich war das kaum verwunderlich, da es in diesen Landen häufig regnete. Zuvor hatte sie den Regen gemocht. Er hatte ihr das Gefühl gegeben, sich von allem Schmutz und aller Schmach reinwaschen zu können. Mittlerweile jedoch hasste sie den Regen ebenso wie das Feuer, die Verlassenen, die Bäume oder irgendwas anderes, an dem sie etwas auszusetzen fand. Heute hasste sie eben den Regen.

Sie fluchte leise, als sie nach draußen eilte und das wenige Feuerholz einsammelte, was sie nur wenige Stunden zuvor eingesammelt hatte. Natürlich waren die Äste von unterschiedlicher *@@@e und Länge schon vollkommen durchnässt und damit für ein Feuer nicht zu gebrauchen.

"Aber wer weiß...?", grübelte sie um ihre aufkeimende Wut im Zaume zu halten. "Vielleicht kennt Dunkelforst ja einen Weg um nasses Holz brennbar zu machen..."

Dunkelforst. Wo stecke sie überhaupt? In letzter Zeit hatte sie oft und gerne ihre Nase in das Buch gesteckt, das sie bei dem Überfall auf den Karren der Verlassenen erbeutet hatten. Sie war völlig aus dem Häusschen gewesen, hatte was von einem Arkanisten gefaselt, dessen Namen Vitari längst schon wieder vergessen hatte und war damit sogleich in einer Ecke verschwunden um zu studieren. Magier eben. Wahrscheinlich saß sie auch jetzt in irgendeiner Ecke und las dieses Buch. Dieses verdammte Buch. Immerzu dieses Buch!

Die Frau trat das restliche Feuerholz in einem Anfall von blinder Wut den kleinen Abhang herunter und sah den einzelenen Ästen dabei zu, wie sie in der Finsternis der Nacht verschwanden. Sie wusste das sie das nicht hätte tun sollen. Es war mittlerweile gefährlich geworden draußen nach Feuerholz zu suchen und sie hätte es eigentlich besser wissen sollen, als die gesammelten Äste achtlos fortzutreten. Die Verlassenen hatten aus den vergangenen Pleiten gelernt, sodass Vitari ganz und gar nicht überrascht gewesen war, als immer mehr Konvois der untoten Monster stärker bewacht waren, als noch vor zwei Wochen. Auch hatten sie und Dunkelforst immer mehr Patroullien gesehen, die auf den Straßen und neuerdings auch in den Wäldern marschierten, immer auf der Suche nach Anzeichen von Feinden.

Sie atmete tief durch und strich sich eine klatschnasse Strähne aus dem Haar. Ja, hatte sie denn wirklich gedacht, dass es ewig so weiter gehen konnte? Das sie und ihre Partnerin ungehindert durch den Silberwald streifen und einen Transport nach dem anderen überfallen könnten, ohne das die Verlassenen reagierten? Schwach entsann sie sich ihren Worten, die sie einst an einen gewissen Todesritter gerichtet hatte.

"Wie viele können wir töten...bis sie uns aufhalten? Wie viele können wir vernichten, ehe sie uns gnadenlos jagen werden?"

Als sie diese Worte murmelte musste sie unweigerlich den Kopf schütteln. Realtität. Schlecht. Verdrängen. Gut. Nicht an sich ranlassen. Nicht ablenken lassen. So gewann man keine Kriege. Tatsache war, dass die Verlassenen angefangen hatten zu reagieren. Sie passten sich an, wurden aktiver in ihrem Vorgehen. Es war nicht mehr wie vor zwei Wochen. Nichts war mehr so, wie zuvor. Wie früher.

"Wie früher. Nichts mehr...so wie früher...so wie...früher...früher..nichts mehr.."

Die Worte aus ihrem Albtraum drängten sich ihr wieder auf. Würden diese Worte sie jetzt für immer verfolgen? Gab es kein Entkommen vor ihnen. Warum hatte sie sich auf dieses Gespräch eingelassen? Warum war sie nicht bei Dunkelforst in Gilneas geblieben? Und warum las diese überhaupt wieder und wieder dieses verdammte Buch?!

Sie wusste, dass ihre Wut auf ihre Partnerin ungerecht war. Aber wem sollte sie sonst die Schuld geben für ihr Elend? Außer den Verlassenen. Und letzendlich war es egal, denn Dunkelforst war momentan nicht hier und würde ihr Verschwinden vermutlich erst in ein paar Stunden bemerken - auch wegen diesem Buch, dass sie so sehr ablenkte. Dieses verfluchte Buch. Bis dahin aber würde Vitari längst wieder zurück sein. Würde sie ihr treffen mit "ihr" erwähnen?

Nein. Das würde sie nicht. Es ging sie nichts an. Vermutlich würde sie es ohenhin nicht verstehen. Vitari verstand es ja selbst nicht so ganz. Warum hatte sie nicht so gehandelt, wie sie bei jedem anderen Verlassenen gehandelt hätte?

"Weil das nicht irgendein Verlassener war..", gab sie sich selbst die Antwort. Einen namenlosen Verlassenen hätte sie getötet. Ohne Reue. Ohne Mitgefühl. Ohne Zögern. Es fiel ihr allzu leicht. Das Töten. Früher hatte sie sich davor geziert, eine Maus, die sich an den hausvorräten gütlich tat, zu erschlagen. Nun bestand ihr Leben aus nichts mehr, denn blutvergießen. Doch dieses eine Mal, hatte sie nicht getan, was sie sich geschworen hatte zu tun. Sie hatte eine Verlassene verschont. Anike...

"Dein Leben für meins...Damit ist meine Schuld beglichen...", flüsterte sie in die Nacht hinaus. Der Regen hatte sie mittlerweile komplett durchnässt, doch sie spürte die klamme Kälte nicht. Sie entsann sich nur ein weiteres Mal der Worte, die sie zu Anike gesprochen hatte. Sie hätte nicht mit ihr reden sollen, dass war ihr klar. Es war nicht gut, wenn man alte Wunden aufriss und man sich vor Augen führte, was man verloren hatte. Es ist gefährlich und destruktiv. Ein weiteres Mal würde das nicht geschehen. Sie würde sie nicht wieder verschonen. Oder doch? Was wäre wenn...vielleicht könnte sie ja...oder gibt es da einen Weg...?

Vitari West kniff die Augen zusammen, als sie ihren Weg antrat um nach Gilneas zurückzukehren.

"Es wird nie wieder so sein, wie früher..."

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