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Laufen, laufen...Bearbeiten

Ich wache auf als sich die Tür leise schließt. Ausnahmsweise schrecke ich in der fremden Umgebung nicht hoch und als ich mich etwas bewege, bin ich froh darüber. Jeder Muskel in meinem Körper schmerzt, schreit, quält mich. Doch als die Erinnerungen hochkommen, setze ich mich trotzdem zu schnell auf und sehe mich hastig um. Der Raum ist leer.

Erleichtert sinke ich wieder ins weiche Bett zurück. Regen, meine treue, süße Hündin, legt sich neben mich. Ich stecke die Nase in ihr Fell und beginne zu weinen. Kaum hab ich jedoch die Augen wieder geschlossen, stürzen die Bilder auf mich ein. Mühsam quäle ich mich hoch, sehe mich noch einmal um und verlasse das Zimmer fluchtartig.

Ich laufe...laufe...laufe. Jeder Schritt schmerzt, jede noch so kleine Bewegung bringt mich fast zum Schreien. Aber die Bilder tun viel mehr weh. Wenn ich stehenbleibe. Solange ich laufe, ist es erträglich. Ich laufe...laufe...bleibe stehen. Regen zwingt mich dazu. Sie bleibt jappsend zurück, bellt verloren.

Also muss ich mir anders helfen. Mein Weg führt mich nicht zurück zum Schwein. Ich kaufe bei einem Händler eine Flasche Rum. Keinen Met, der Alkohol soll die Bilder wegbrennen.


Ein alter BekannterBearbeiten

Es ist noch nicht ganz hell, als ich mich durch die Schatten einer Gasse entlangschleiche. Vor einer windschiefen Hütte bleibe ich stehen. Mein Blick wandert zum linken Rand des Türrahmens. Dort befinden sich einige Kerben, die der Zufall ins Holz getrieben haben könnte. Es sind aber Zeichen, die mir sagen, dass der Händler hier alles kauft und verkauft. Ich betrete den Laden leise und ein Glöckchen klingelt. Prompt schnellt ein kauziger alter Mann aus dem Hinterzimmer in den Verkaufsraum.

„Morg'n, Jim“, grüße ich ihn, hebe matt einen Mundwinkel.

Der Alte neigt den Kopf und ein runzliges Lächeln erscheint auf seinem Gesicht. „Kleine, du warst seit Monaten nicht hier. Was kann ich für dich tun?“

Ich trete zum Verkaufstresen, lege eine Schatulle darauf. Nach kurzem Zögern öffne ich sie und hole einen Ring hervor. Er ist schwarz, mit einer goldenen Fassung und einem schwarzen Stein darin. Jim reißt Mund und Augen auf, als er ihn sieht. Seinen Wert erkennt er sofort. „Kleine, so viel kann ich dir nicht geben, beim besten Willen nicht!“

„'ch weiß, Jim. 'ch will 'n bissch'n un' 'n Gefall'n.“
Interessiert schaut er mich an und ich atmet tief durch: „Du gibs' mir soviel wie du kanns'.... Un' 's wir' 'ne Leihe. Du gibs' mir 'n Schul'schein.“ Wieder atme ich tief durch. „'ch schätze jeman' will ihn gern zurückhab'n.“

Jim zögert, nickt langsam. „Für dich, Kleine...“ Kurz verschwindet er hinterm Tresen, es klimpert kurz und dann schiebt er mir einen Briefumschlag zu. Ich schau nicht hinein. Als Nächstes kritzelt er einige Sätze auf ein Blatt, setzt seinen Namen darunter und schiebt auch dieses Blatt zu mir.

„Danke, Jim“, murmel ich, nehme Briefumschlag und Blatt, stecke beides ein.

Erst draußen prüfe ich den Inhalt und Erleichterung und Zufriedenheit breiten sich in mir aus.


FluchtBearbeiten

Ich schlafe. Tief. Traumlos. Und viel zu lang. Als ich endlich aufwache, steht die Sonne schon hoch am Himmel. Die Schwester bringt mir ein spätes Frühstück und erinnert mich mahnend, dass ich versprochen habe es zu essen. Ich spare mir den Hinweis, dass es nie ein Versprechen gab, denn immerhin habe ich vor so viel wie möglich zu essen. Was, wenn ich ehrlich mit mir bin, nicht viel ist, denn ich hab keinen Hunger. Ich esse genug um mich etwas voll zu fühlen und stehe dann auf.

Rastlos streiche ich nach dem Verlassen des Ärztehauses durch die Stadt. Regen springt japsend neben mir her, erleichtert darüber nicht mehr angeleint und allein zu sein. Ohne es zu merken führen mich meine Schritte zum Schwein, wo ich nach kurzem Überlegen ein Blatt Papier aus meiner Tasche suche, ebenso den Schuldschein. Diesen lege ich in das zusammengefaltete Papier, schreibe einen Namen darauf.

Dann betrete ich erst die Taverne, tausche am Tresen den improvisierten Brief und eine Münze gegen das Versprechen, dass er erst ab dem nächsten Tag abgestellt wird. Anschließend laufe ich zum Baumhaus, packe einige Dinge ein. Bis ich also beim Greifenmeister bin, ist es schon später Nachmittag. Die untergehende Sonne liegt links hinter mir, da durchbreche ich hoch über Elwynn mit einem verzweifeltem, schmerzvollem Schrei die Stille des Abends. Nur das Jaulen Regens erklingt zur Antwort.


Freund und FeindBearbeiten

Meine Hand umklammert den Dolch, als hinge mein Leben daran. Aber dann fährt meine Hand vor, mein Arm hernieder. Kaltes Metall dringt in warmes weiches Fleisch. Ich kann nicht wegschauen, sehe aber nur verschwommen. Es dauert einige qualvolle, angestrengte Atemzüge bis sich mein Blick klärt.

Avanors Gesicht schwebt über mir. Seine Lippen sind zu einem gehässigen zufriedenen Grinsen verzogen.

Mein Blick sinkt langsam hinab zum Dolch. Der Dolch, der tief in seinem Bauch steckt.

Ein heiserer Schrei erklingt. Ich weiß es nicht, doch ahne es. Es muss meine Stimme sein. Mein Schrei.

Als ich wieder aufschaue, verschwimmt mein Blick in den Tränen, die ich weine. Dazwischen blitzt Riams Gesicht auf. Es ist nicht Avanor. Es ist mein Bruder, dem ich soeben meine Waffe tief in den Körper gestoßen habe.

Wieder ein Schrei und die Welt kippt als ich zu Boden sinke.

Ein paar Mal blinzel ich, um die Tränen, die meinen Blick verschleiern, loszuwerden. Ein weiteres Mal sehe ich hoch, sehe wieder dieses gehässige, zufriedene Grinsen. Auf den Lippen meines Vaters.

Zu seinen Füßen liegt Riam, sein Oberteil von Blut durchtränkt. Ich krabbel zu ihm, lege meine Hände auf die Wunde, die ich ihm zugefügt habe. Doch es hilft nicht. Überall ist Blut. Und ein weiterer Blick auf sein Gesicht, lässt mich wieder Avanor sehen, der mich traurig und enttäuscht ansieht. Aber auch die Gestalt über mir sieht mich noch an. Auch diese Gestalt trägt Avanors Gesicht, jedoch den gehässigen und zufriedenen Ausdruck.

Dann versinkt alles in Blut.

Mit einem leisen, spitzen Schrei, bei dem ich nicht weiß, ob ich ihn noch träume oder in das dunkle Zimmer hinausschreie, fahre ich hoch und stöhne leise auf. Mein Bauch schmerzt fürchterlich und als ich nach der Ursache suche, fällt es mir wieder ein. Der Dolch ist nicht in Avanors Bauch gelandet, sondern in meinem. Meine Finger schieben sich in den Spalt, den die Waffe in das Kleid gerissen hat, halten ihn auseinander, sodass ich einen vorsichtigen Blick auf den Verband werfen kann. Er ist blütenweiß. Zitternd lasse ich davon ab.

Erst jetzt fällt mir wirklich ein, wo ich bin und mein Blick huscht zur Seite. Dorthin, wo Avanor liegt und schläft. Sein Gesicht ist angespannt. So etwa muss ich auch aussehen, wenn ich schlafe. Eine Weile beobachte ich einfach nur stumm seinen Schlaf, ehe ich mich erhebe. Regen schaut erst jetzt wirklich auf, auch sie muss erschöpft sein. Ich mache jedoch nur einige wenige Schritte, bis ich meine Tasche gefunden habe. Nach kurzem Suchen habe ich die richtige Phiole gefunden.

Auf der Fensterbank finde ich einen Wasserkrug und ein Glas, das zwar schon benutzt aussieht, aber da ich kein weiteres finde, fülle ich es mit Wasser und lasse etwas aus der Phiole hineintropfen.

Das Traumblatt wirkt schon bald, sodass ich nur noch kurze Zeit auf dem Bett liege und abwechselnd die Decke und Avanor ansehe.


FrostBearbeiten

Mit rasendem Herzen und bebendem Leib bleibe ich einige Momente im Dunkel des Flures stehen, nachdem die Tür krachend hinter mir zugeflogen ist. Nur das leise Hecheln meiner geliebten Regen neben mir beruhigt mich nach und nach ein wenig. Dabei dauert es einige Momente bis alles zu mir durchgedrungen ist. Du hast ihn enttäuscht, wispert es in meinem Kopf. Du hast es wieder mal kaputt gemacht. Den einzigen Menschen, der dich mag, vor den Kopf gestoßen. Und doch kann ich Regen neben mir hören. Regen. Nichts anderes zählt. Avanor ist nur ein weiterer Mensch, auf den man sich nicht verlassen kann, der mir am Ende eh nur wehgetan hätte. Nun habe eben ich ihn zuerst verletzt und er hat sich von mir abgewandt. Langsam setze ich mich wieder in Bewegung, schleiche den Flur entlang zum Schankraum. Dort ist zum Glück niemand mehr zu sehen, sogar Reese scheint gerade für kurze Zeit den Raum verlassen zu haben.

Die Kälte der Nacht klärt meinen Verstand ein wenig und ich atmet die klare Luft begierig ein, als stünde ich vor dem Ertrinken. Ehe ich mich zum Baumhaus begebe, wander ich durch die Stadt Richtung Markt. Nie ist es hier ganz still. Selbst zu so später Stunde, bauen manche ihre Stände eben ab, während andere sie für den morgigen Tag aufbauen. Ich laufe zwischen ihnen umher, bis ich suche, was ich finde. An dem Stand einer Jägerin kaufe ich genug Fleisch für die nächste Woche. Dem Ärztehaus statte ich einen kurzen Besuch ab. Glücklicherweise ist nur die Bereitschaftsärztin anwesend, die mir nach einer kurzen Erklärung die gewünschten Phiolen aushändigt.

Sowohl die Phiolen, als auch das Fleisch lege ich am Baumhaus angelangt in den Korb, der über eine Seilwinde gezogen werden kann. Auch Regen ist inzwischen so schwer, dass ich sie dort hinauf ziehen muss. Aber zum Glück habe ich früh genug begonnen, ihr das Ausharren im Korb beizubringen, sodass sie auch dieses Mal ohne Probleme ankommt. Zuletzt hänge ich statt des Korbes einen Eimer an die Winde, lasse ihn hinunter und kletter hinterher. Am See fülle ich ihn dort auf, wo das Wasser klar ist. Zurück im Baumhaus stelle ich alles bereit, lege die Verbände und Salbe, die Gerdan mir mitgegeben hat auf den Tisch. Morgen müsste ich zur Nachsorge, aber das wird warten müssen. Ganz zum Schluss entknote ich die Strickleiter und lasse sie in das Gebüsch unten fallen. Niemand wird sie dort durch Zufall finden. Dann endlich krieche ich zwischen die Decken und Kissen, Regen an meiner Seite.

Als ich aufwache, sitzt er mir gegenüber, beobachtet mich. Wie lange er wohl dagesessen und mir beim Schlafen zugesehen hat? Er rührt sich kaum, während ich zu ihm hinüber gehe, meine Hand nach ihm ausstrecke. In seinem Blick liegt die Liebe, die ich so sehr vermisse. Aber noch etwas anderes. Enttäuschung. Natürlich. Ich habe ihn enttäuscht. Mein Blick wandert zum Boden. In seiner Gegenwart fühle ich mich so wertlos. Er ist alles. Ich bin nichts. Warum habe ich ihn so enttäuscht? Dann spüre ich die Berührung, die ich nicht zu Ende gebracht habe. Kalt legen sich seine Fingerspitzen an meine. Eiskalt. Und so sehr mich die Berührung schmerzt, kann ich sie nicht unterbinden. Im Gegenteil umgreife ich seine Hand noch, sodass meine schon bald taub vor Kälte ist. Die Kälte breitet sich aus, fährt meinen Arm hinauf in meine Brust und den anderen Arm entlang. Langsam sickert sie hinunter in meinen Bauch, dann in meine Beine, bis mein ganzer Körper gefühllos ist. Hilflos stehe ich dort, seine Hand in meiner, und kann nicht verhindern, dass die Kälte mich umfängt, einfängt, festhält. Meine Lippen formen seinen Namen, bevor auch sie einfrieren: „Riamon“

Weinend wache ich auf. Es ist Morgen, sogar schon hell. Als ich mich ein wenig bewege, spüre ich die Kälte, die meinen Körper wirklich gefangen hält. Es ist nicht nur die Kälte draußen, sondern auch der Lotus, der fehlt. Mühsam rappel ich mich auf, Regen neben mir schaut verschlafen. Am ganzen Leib zitternd gehe ich zur anderen Seite hinüber, nehme ein paar Holzstücke aus der Wanne und werfe sie in den Ofen. Die Zeit, die es dauert, bis er warm wird, nutze ich, um mir die einzelnen Schildchen auf den Phiolen durchzulesen und schließlich von einer einige Tropfen einzunehmen. Erst als es am Ofen angenehm warm wird, wandert mein Blick wieder zur Wanne hinüber. Das Holz, das noch darin ist, wird auf keinen Fall reichen. Und die Strickleiter liegt unten. Am ganzen Leib bebend, weiß ich, dass meine Vorsichtsmaßnahme zwar reicht, sodass ich kaum eine Möglichkeit habe, mir neuen Lotus zu besorgen. Aber auch neues Holz für den Ofen kann ich nur unter der Gefahr holen, vom Baum zu fallen.

Abschied

Ich erwache früh, wie ich es fast immer tue. Jedoch muss ich heute nicht aus unruhigen Träumen schrecken. Wie immer hat die Art von Abendbeschäftigung für einen ruhigen Schlaf gesorgt. Etwas, auf das ich mich immer verlassen kann. Langsam öffne ich die Augen und schaue mich um, indem ich nur die Augen bewege, nicht jedoch den Kopf. Ich liege eng geschmiegt an Avanor, was mich im ersten Moment nicht wundert, im zweiten allerdings verärgert. Was habe ich mir dabei nur gedacht? Gar nichts, wispert die hinterhältige Stimme in meinem Kopf. Leider muss ich ihr Recht geben.

Ganz langsam, um Avanor nicht durch plötzliche Bewegungen zu wecken, stehe ich auf. Mein Kleid liegt noch dort, wo ich es am Abend hinwarf. Ich ziehe es über den Kopf und tappe leise zum Kamin hinüber. Das Feuer ist fast erloschen und so schiebe ich noch ein wenig Holz hinterher, damit Avanor nicht friert. Dann greife ich nach meinem Skizzenbuch, das noch immer auf dem Stuhl liegt. Während ich vorsichtig eine leere Seite daraus trenne, denke ich ein wenig erschrocken daran, dass Avanor es vermutlich komplett durchgeblättert hat. Aber daran kann ich nun nichts mehr ändern, ebenso wenig wie an der letzten Nacht. Ich schiebe das Buch in meine Tasche und hinterlasse ihm eine Nachricht auf dem Blatt, die ich auf dem Stuhl liegen lasse. Zum Schluss nehme ich den Umhang und das Stiefelpaar. Regen hat meine Vorbereitungen still beobachtet und auch sie erhebt sich vom Bett, als ich leise die Tür aufziehe. Genau so weit, dass sie nicht quietscht. Genau so weit, dass ich mich hindurchschieben kann. Hinter Regen schließe ich die Tür ebenso leise wieder. Auch mein Weg durchs Haus ist beinah lautlos, habe ich mir doch gemerkt, welche Stufen an welcher Stelle knacken um diese Stellen nun zu umgehen. Das Knarren der Haustür kann ich leider nicht unterbinden, sodass das leise Geräusch die Stille der Nacht zerreißt. Doch bevor jemand davon wirklich wach werden kann, bin ich längst weg.

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