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Der UnfallBearbeiten

Teil 1:Der Unfall Teil 2:Der Engel zurück zu Thairis' Geschichten


Irizar hielt in ihrer Rede inne. Der Schlag erschütterte die Exodar und hallte durch die weiten Gänge und Plätze wider, wie eine Welle, die sich langsam am Strand verläuft. Die Gespräche der Leute um sie herum verstummten für einen Moment, als ob ein ungebetener Gast eingetreten war, danach gingen sie mit verminderter Lautstärke weiter.

“Tokiwa, was war das?”

“Nichts weiter, denke ich. Mach Dir keine Sorgen, vielleicht ist irgendwo eine schwere Kiste umgefallen. Wenn die Schule aus ist, kannst Du ja auf Erkundungstour gehen, kleine Geheimagentin. Aber nun beeil Dich, damit Du nicht wieder zu spät kommst.”

Irizar glaubte ihrer großen Schwester nicht, dies war nun schon der vierte Schlag seit dem Frühstück, wenn sie richtig aufgepaßt hatte und er war heftiger als alle davor, ihr Magen federte regelrecht, als die Exodar einen Sprung unter ihr machte. Nein, seit sie aufgebrochen waren ( oder besser seit sie aus ihrer Kryokammer erwacht ist ), war es immer still und besonnen in dem riesigen Schiff zugegangen. Nie hatte es irgendwo geknallt, und erst recht schaute niemand irgendwie besorgt drein. Jetzt aber liefen Draenei mit sorgenvollen Gesichtern an ihr vorbei. Sie erinnerte sich nicht mehr wirklich an Gewitter auf Draenor, dafür war sie zu jung, als sie von dort aufbrachen. Aber sie meinte ähnliche Ausdrücke in den Gesichtern um sich zu entdecken, als ob etwas unangenehmes aufzieht. Etwas bedrohliches.

Sie lügt mich an, aber warum? Was darf ich nicht wissen?

Sie widerstand dem starken Drang, nachzufragen, weil sie spürte daß ihre große Schwester es ihr nicht sagen würde, egal ob sie es nun nicht wußte oder nicht verraten wollte. Sie gab klein bei und wandte sich seufzend der Schulhalle zu.

“Machs gut, Kleine, ich hole Dich nachher ab, sei schön brav, ja?”

Die Ältere lächelte und winkte und Irizar gab ihr ein mindestens genauso gespieltes Lächeln zurück.

Ich werde in der großen Pause die anderen fragen, die wissen bestimmt, was los ist.

Irizar setzte sich an ihren gewohnten Tisch, weit hinten in der Ecke und neben ihrer besten Freundin Luura. Der Unterrichtsraum war hell und aufgeräumt ( beinahe karg, wie es ihr vorkam ) und wenn man sich etwas ablenken wollte mußte man schon hinten sitzen, dann konnte man sich wenigstens die anderen anschauen, mit ihnen Briefchen tauschen oder unbemerkt lesen oder zeichnen.

Luura war eine sehr begabte Zeichnerin für ihr Alter, und besonders liebte Irizar ihre Skizzen von Albonen, dem Jungen vorn in der ersten Reihe. Sie hatte ihr schon mehrere dieser Skizzen abgeschwatzt und grinste heimlich bei dem Gedanken, ihm das mal anzuvertrauen. Albonen hatte schöne Hörner, fast wie ein Erwachsener, und forsche, mutige Augen, wie die eines Kurenai-Panthers.

Irizar geriet ins Schwärmen und dachte an die Skizzen, die sie in ihrer Schulmappe immer mit sich führte. Heute allerdings war Luuras Modell der Lehrer, Anachoret Radil. Die Skizze war mehr eine Karikatur, mit verdrehten Hörnern und einem Ring durch die Nase gezogen sah er fast aus wie ein Weideschaf. Beide Mädchen mußten stark an sich halten um nicht laut loszuprusten, während Radil mit näselnder Stimme über irgendwas sprach.

Seit Tagen beschäftigte sich der Unterricht mit allerlei Dingen, die zur Welt Azeroth gehörten. Pflanzen, Klima, Geographie und dergleichen. Am meisten interessierten Irizar allerdings die Völker dort, Wesen die sie nicht kannte. Es sollten dort große Wesen mit riesig langen Ohren herumlaufen und großen Füßen. Wie fühlten sich überhaupt Füße an? „So etwas unpraktisches!“, murmelte sie in sich. Und kleine Wesen, die ihr vermutlich nur bis zu den Sprunggelenken reichen würden. Sie konnte sich das kaum vorstellen. Wie sollte sie mit einem solchen Wesen sprechen? Ihre Gedanken glitten wieder ab zu Albonen, der sich gerade mit seiner schönen Stimme zu irgendwas gemeldet hatte. Sie nahm sich vor, ihm ein kleines Briefchen zu schreiben, wenigstens bis zur Pause. Danach würde sie dann mit Luura…..

Ein weiterer starker Stoß rauschte durch die Exodar.

Licht, was ist das nur?

Das riesige Schiff schüttelte sich, als ob eine Herde Elekks herumhüpfen würde. Ein Knacken und Krachen war zu hören, und aufgeregte Stimmen von draußen. Aber kurz danach war wieder alles ruhig.

Radils Stimme wurde nur durch das leise Summen der Lüftung untermalt, aus den Energieleitungen die durch diesen Raum in den nächsten führten war ein schwaches Rauschen zu hören. Niemand schien es erwähnenswert zu finden.

Und dann begann das Schwingen.

Der Raum schwang im Uhrzeigersinn, soweit, bis die Schüler fast von den Stühlen rutschten. Der Anachoret hielt sich mühsam an einem Astralprojektor fest, verlor seinen Satz und versuchte zweimal, wieder anzuknüpfen, bis er es aufgab und sich dem Staunen hingab wie seine Schüler auch. Die Exodar hielt in der Drehung inne, verharrte kurz und setzte sie dann in der anderen Richtung fort. Alle blickten sich ängstlich um. Noch nie während ihrer Reise hatte sich diese fliegende Stadt auch nur merklich bewegt, etwas mußte falsch laufen, gravierend falsch.

Die Drehung stoppte nicht in der Gleichlage, sondern schlug in die Gegenrichtung aus, noch etwas weiter als zuvor, wie ein riesiges Pendel, außer daß ein Pendel sich allmählich beruhigte. Diese Bewegungen schienen sich zu verschlimmern, die Ausschläge zu vergrößern, ein unheilvolles Aufbäumen. Erste Gegenstände fielen um, die Draenei rutschten auf allen Vieren von einer Wand des Raumes zur anderen. Und um das Unerklärliche zu verschlimmern, fuhren weitere harte Stöße durchs Schiff, diesmal mit deutlichem Knall.

Ja, ohne Zweifel, das waren Detonationen! Viele schrien vor Angst, auch von draußen drangen Schreie an Irizars Ohr. Shulhefte und Notizpapier flogen durch den Raum wie eine wilde unsystematische Konfettiparade. Der Astralprojektor zerbrach klirrend an einer Wand. Sie versuchte sich an Luura festzuhalten, aber an ihrer Hilflosigkeit änderte das nichts, sie rutschten als Paket durch den Raum, ängstlich aneinandergeklammert. Sie spürte schmerzhafte Anstöße an Einrichtungen, sie würde nachher über und über mit blauen Flecken bedeckt sein und hatte Angst daß sie Tokiwa nicht erklären könnte woher sie diese hatte. Plötzlich wurde ihr mit Schrecken klar, daß es ja….. vielleicht …kein nächstes Mal geben könnte. Und keine Tokiwa zum Erklären. Ihr wurde kalt. Sie spürte Angst wie einen eisigen Gletscher ihren Nacken hinaufkriechen.

Und dann kam der Aufschlag.

Es krachte ohrenbetäubend, lauter als alles was Irizar je gehört hatte, es schmerzte in ihren Ohren und es schlug in ihre Lungen hinein. Gleichzeitig brach der Boden mit Getöse schräg unter ihr weg, die Wände bewegten sich dazu, wie in einem irren Tanz verloren. Sie wurde flach auf den Boden gepreßt und es blieb keine Luft zum Schreien, obwohl ihr danach war. Das Licht flackerte, fiel aus, leuchtete wieder auf, durchmischt von gleißend hellen Lichtblitzen. Geräusche drangen in sie, die ihr fremd waren, der ganze Raum hatte an Vertrautheit verloren, alles schien feindlich. Stimmen schwebten durch den Raum, angstvoll, schmerzerfüllt, kurzatmig. Und Schreie und Stöhnen. Sie wollte sich zwingen, einfach ihre Augen zu schließen aber es gelang ihr nicht. Sie hob den Kpf und sah sich um.

Der Raum hatte sich verändert, kein Winkel stimmte mehr und krachend lösten sich Träger, Rohre und Verkleidungen noch immer aus ihren Befestigungen. Große Trümmer fielen erbarmungslos auf diejenigen nieder, die sich nicht schnell genug bewegen konnten und zerquetschten sie unter sich. Die Kinder lagen und krochen zwischen den Trümmern und versuchten sich zu sammeln. Aus einer geborstenen Energieleitung strömte gleißendes Kristallfeuer und Unglückliche in deren Nähe brannten wie Fackeln, andere lagen in wildem Durcheinander mit blutenden, verrenkten Körpern. Irizar bemühte sich, wegzusehen, die Schreie und die Gedanken zu verscheuchen. Der heiße Griff der Panik legte sich um sie.

OhLichtohLichtwirwerdenhiersterbenneindasdarfnichtseinichmußhierrausmußrausTokiwahilfmirichmußzuTokiwamußhierrauswoistdieTürLuuraichmußLuurafinden.

Dort, wo einst die Tür nach draußen war, blockierte ein großer Haufen Trümmer den Weg. Dort, wo eine verglaste Galerie nach unten in die große Halle führte, fauchte ein heißer Strahl Kristallfeuer aus der geborstenen Rohrleitung, die verkohlten Körper um die Stelle herum waren eine deutliche Warnung, nicht zu nah zu kommen. Irizar weigerte sich, in den Leichen jemanden zu erkennen, sie hatte ohnehin schon Mühe ihren Verstand zusammenzuhalten.Ein Spalt hatte sich in der Wand aufgetan, aus seinem dunklen Rachen strömte eine Flüssigkeit. Sie kroch in diese Richtung und ihre Handflächen berührten Wasser.

WasserdasistWasserichmußhierrausundwenndasWasserhierreinkanndannkommeichauchaufdiesemWEgrausLuuraLuurawobistDukommwirmüssenwegsonststerbenwirhierneinichweißesauchnichtaberallesistbesseralshierzubleiben.

Ihre Gedanken rasten wie wild im Kreis herum, flammten auf und machten neuen Platz, dicht aneinander gereiht. Was nur Sekunden sein mochten kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Sie kroch, wie von einem Magneten angezogen, von Luura und einem anderen Schüler gefolgt ( WeristdasnurindemRauchsiehtmanjagarnichts ) in den Rachen aus der Wand hinein. Wasser rauschte um ihre Hände und Knie und das Licht wurde schwächer. Tastend schob sie sich vorwärts in das dunkle Loch.

Sie verschwendete keinen Gedanken daran, ob dieser Tunnel irgendwohin führte, sie wollte einfach nur weg, fort von dieser entsetzlichen Stelle, zurück ins Normale, ins Begreifliche. Zurück in die Vernunft. Das Draeneimädchen schob sich mit dem Mut der Verzweiflung vorwärts, erstickt von den beißenden Dämpfen oder einfach nur von der Angst, sie wußte es nicht zu unterscheiden. Es ging ein gutes Stück leicht aufwärts, ihr kam es wie Meilen vor. Nach einer Weile erreichten sie die geborstene Wasserleitung, aus der Wasser strömte, so als ob die Exodar, tödlich verletzt, bluten würde. Sie hörte die anderen hinter sich atmen, Umdrehen war in dem engen Gang kaum möglich und sie war auch unschlüssig, ob sie sich überhaupt umdrehen wollte. Dann hörte sie Geräusche von vorn. Egal, was es war, der Tunnel führte irgendwohin, wo es Geräusche gab, das war gut und wie ein kühlender Schwamm auf heißer Haut, so wie ihre Eltern früher ihren Sonnenbrand gelindert hatten. Früher.... das schien ihr wahrhaft wie ein halbes Leben, jetzt, in dieser Lage. Sie schöpfte neue Kraft.

Eine weitere Explosion erschütterte das Schiff, der ganze Tunnel vibrierte.

Der Gang,erverschiebtsichohneinwirwerdenallezerquetschtschnellerderGangschließtsichOhLichtmachtschnellersonstsindwiralletotLosVorwärts

Sie krochen um ihr Leben, während sich die Wände des Tunnels unter schrecklichem metallischen Stöhnen ineinander schoben. In Irizars Innersten war ein Rest ruhiger Überlegung verblieben, der noch nicht vom Feind, der Panik überrannt war, und dort wußte sie, daß sie tot war, wenn jetzt irgendwo eine Engstelle kam.

NeinbitteNeinohNeinlaßdenGangnocheinbißchenauf,nureinkleinesbißchennochdannkannstDumachendamitwasDuwillst.

Und dann kam die Engstelle.

Im Dunkel sah sie sie nicht, aber noch während sie hitzig nachdachte, stieß sie mit beiden Schultern an. Gefangen!

Angst würgte sie, und ungeahnte Hitze schoß durch ihre Muskeln. Sie zog die Schultern ein und stemmte sich mit aller Kraft vorwärts. Vorwärts, Vorwärts, nur Vorwärts! Weder bemerkte sie, wie sie sich die Kleidung zerriß noch die schmerzhaften Abschürfungen, einzig der Gedanke um jeden Preis ein paar Zentimeter vorwärts zu kommen beherrschte sie, deutlich war zu spüren wie die Wände sich langsam um sie schlossen. Ihre Fingerspitzen ertasteten im Nirgendwo vor ihr eine Kante und sie zog sich daran vorwärts, bis sie mit einem Ruck freikam! Sie fiel, fiel einen kaum faßbaren Augenblick, wie ein ungeschickter torkelnder Vogel durch den freien dunklen Raum. Ihre Gedanken waren leer wie alles um sie herum. Das Geräusch von vorhin wirbelte um sie, oder sie um das Geräusch, sie wußte es nicht und wollte es nicht wissen. Ihr war es egal, wo sie war und wie tief sie fallen würde, mochten es 10 Meter oder 100 sein, sie war der freie Vogel und würde nie mehr landen, nie mehr landen. Sie schrie,

obwohl ihr nicht klar war warum und wie, aber sie hörte sich schreien, aus Leibeskräften.

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