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Aufbruch in eine ungewisse Zukunft.


Der Pass war gehalten worden. Die Geissel zurückgedrängt. Müde sass Ceviel in Silbermond, ein Ort den die in der Regel selten sah, mag an der Berufung liegen. Sie zuckte mit dem linken verbundenen Arm, "elende Monstrosität". Sie hatten viele Leute verloren, aber es war diesmal nicht umsonst gewesen. Sie hatten den Pass gehalten, Quel'Thalas erhalten - so unschön wie der Zustand in gewissen Gegenden auch war.

Ihre Rüstung lag in der Ecke, blutverschmiert, zerbeult und bedeckt mit einer nicht unbeträchtlichen Menge an Ghulsabber und Eiszapfen. Aber sie lebte. Und er lebte. Die Sonne wird wieder scheinen. Während sich in der Kaserne die verwundeten aber siegestrunkenen Waldläufer langsam dem Sonnentropfen hingaben, erhielt Tynarin bereits die neuen Befehle. Ausruhen ist ein Luxus für Zivilisten.

"Was hast du denn da ?" Neugierig schaute sie ihm über die Schulter, als er seine Post durchging. Er hielt ihr den Zettel gerade soweit hoch, dass sie die wichtigsten Worte aufschnappen konnte. Und ihr Drachenfalke liess auch nicht auf sich warten. Brightwing würde sie in den Norden schicken, ans Ende der Welt. Baldestmöglich aufbrechen hiess es weiterhin im Schreiben. "Nun gut, dann sehe ich mich mal nach Wollunterwäsche um."

Ein Ruck ging durch Silbermond an jenem Abend. Ein gleissendes Licht liess alle kurzzeitig erstarren. Thyrion begann auf einmal zu Lachen. Alle lachten. Er lief wieder. Anders. Aber nicht zu verleugnen. Ceviel liess sich nach hinten sinken, schaute an die Decke und grinste nur mehr vor sich hin. Sicher, sie hatte nie so eine Abhängigkeit gehabt. Aber sie hatte den Verlust schmerzlich gespürt vor sieben Jahren. Sieben Jahre in der Dunkelheit. Und nun schien die Sonne wieder. Und das heller als je zuvor.

Ceviel lachte und packte ihren Bogen. Ehre dem Sonnenbrunnen ! Ruhm und Ehre den Sin'dorei !
Dann betraten Tynarin, Eloriane und sie das Zeppelin in eine ungewisse Zukunft. Rache.


Wärme - Mitten in Northrend.


Nicht dass sie keine Anhaltspunkte gehabt hätte. Aber das Bild vor Ort war doch...anders. Es war kalt. Sicher. Es war nebelig. Ebenso sicher. Die Knochenhaufen waren weitaus schlimmer. Alles leuchtete in einem grünlichen Nebel. Nicht dass die Knochenhaufen sonderlich trauen würde. Die grüne Suppe in Unterstadt war auch nicht gerade vertrauenserweckend. Und die Monstrositäten hätte sie lieber in kleine Stücke zerhäckselt als sich von ihnen die Richtung angeben zu lassen. Sylvanas war anders geworden. Wie anders vermochte Ceviel gar nicht wahrzunehmen. Aber ihr war unwohl bei dem Gedanken. Doch die Verlassenen waren bei Weitem nicht das Seltsamste, was in dieser Welt vor sich ging. Nein, bei Weitem nicht.

Sie sah Layna. Sie sah riesige Menschen. Und sehr seltsame Tauren. Freilich erwartete sie die Geissel. Aber Northrend sollte sich als schlimmer erweisen. Das war ihr zu dem Zeitpunkt nur nicht bewusst. Nach einer ersten Erkundung fanden sie einen verlassenen Turm. Ein ideales Nachtlager für die kommenden Tage. Nunja, bis auf die Spinnweben. Aber Tynarin hatte ja Erfahrung im Beseitigen eben jener. Es war warm. Mitten in Northrend. Noch.

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Nachtlager

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Ceviel & Tynarin

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Baumriesen


Seltsame Begegnungen I.


Die seltsamen Tauren hatten noch seltsamere Vorstellungen. Zu Beginn war Ceviel ihnen wohl - im Gegensatz zu ihrer generellen Meinung über die Horde - doch eher freundlich gesinnt. Eigentlich hatte sie kein Problem mit Tauren. Oder besser: keine Vergangenheit. Sicher, sie waren primitiv und lebten in ihren Zelten, sie hatten nicht einen Funken Ahnung von arkaner Magie und in punkto Architektur kamen sie freilich nicht an die grandiosen Schöpfungen der Sin'dorei heran. Aber auf ihre primitive Art konnte sich Ceviel mit den Fellknäueln eigentlich anfreunden. Auch wenn sie fand, dass sie gelegentlich dann doch spinnen. "Ihr müsst euch reinigen." Reinigen ? Ceviel war Elfe. Natürlich achtete sie auf ihr Äusseres ! Ja, auch Weltenwanderer baden. Und das regelmässig. Denn in jedem Weltenwanderer steckt ein Elf.

Bergwanderer hätte es wohl eher getroffen. Bergläufer. Bis zum obersten Gipfen sollten sie. Zur "Reinigung". Schwachfug. Aber gut, wer widerspricht schon gerne einem doppelt so grossen und mindestens 3-fach so breiten Fellknäuel samt Holzklotz. Sie begaben sich also zu diesem Gipfel. Reinigung. Tzes ! Das Bild des friedlichen schneebedeckten Gipfels wandelte sich rasch in eine flammende Hölle. Eine andere Reinigung wohl. Ceviel sah sich selbst. Rachsüchtig. Von Hass zerfressen. Und erschrak fürchterlich. Das war nicht sie. Auf keinen Fall. Sie war nicht so. Zumindest nicht in seiner Nähe. Niemals. Sie schüttelte sich.

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Reinigung.

Schockfrosten - aber gerne doch. Die verrückten Tauren hatten ja sonst nichts zu tun. Sollte der Frostwyrm das primitive Dorf doch auslöschen. Immer noch besser als dieses Selbstmordkommando. Für Silbermond hätte sie es wohl getan. Mit Sicherheit und ohne zu zögern. Aber für seltsame Fellknäuel ? Zu zweit gegen einen Wyrm ? Sicher nicht. Das war purer Wahnsinn. Sie machten sich dennoch zu der Behausung der Riesenmenschen auf. Gefangene sollten befreit werden. Und der eine oder andere Geisseldiener ausgemerzt. Das war sicherlich nach Ceviels Geschmack. Ruhm und Ehre den Sin'dorei !

Und dann tauchte ER auf. Nun...nicht wirklich. Eher schemenhaft. Ansonsten wäre sie tot, dessen war sie sich bewusst. ER schien sie auch gar nicht wahrzunehmen. Ceviels Kinnlade klappte wohl mit einem beträchtlichen Geräusch hinunter. ER. Sie hasste ihn über alle Massen. Wenn sie irgendetwas abgrundtief hasste, dann IHN. ER der ihr alles genommen hatte. Rückzug schien eine sehr gute Wahl. Nunja, ER hatte sie zwar augenscheinlich nicht sofort bemerkt. Aber den raschen Rückzug schien er ihnen nicht gönnen zu wollen. Ceviel vernahm die Schwingen. Der verfluchte Wyrm ! Und der wiederum hatte sie gesehen und nahm sie mehr als deutlich wahr. Wie auch immer sie es geschafft hatten, sie schossen ihm einen Flügel durch. Das Vieh knallte zu Boden, lediglich um zu seinem nächsten Atem anzusetzen. Sie rannten. Zurück in den Wald.

"Glaubst du wir haben ihn abgeschüttelt ?"
"Ich höre keine Schwingen mehr."

Ceviel zitterte am ganzen Leib. Nicht dass sie nie einen Frostwyrm gesehen hätte. Davon hatte sie freilich zuviele gesehen. Und sie wusste sehr wohl, dass sie begabt war. Schliesslich wäre sie sonst kein Weltenwanderer. Aber...ein ganzer Frostwyrm ? Da braucht es doch mehr als einen geschickten Bogen. Weitaus mehr. Ausser Atem erreichten sie den Turm. Das Nachtlager. Sie fiel in seine Arme.


Seltsame Begegnungen II.


Wie sehr sie "so" war, wurde ihr die folgenden Tage klar. Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollte. Tynarin wollte eine Schlucht erkunden. Eine Schlucht voller verrückter Zwerge. Nun denn, mit gelegentlicher Verrücktheit kannten sie sich ja aus. Ebenso wie mit Stimmen. Die Zwerge redeten wirklich wirr. Noch wirrer als Ceviel unter Manakristallen. Das sollte schliesslich etwas heissen. Und dann kamen sie wieder. Die Stimmen.

"Es WAR deine Schuld." Ceviel zuckte zusammen. Sie hatte doch nichts tun können. Was hätte sie denn tun sollen. Er oder sie. Sie hatte ihn töten müssen. Er war nicht mehr er selbst. Ceviel war freilich nicht alleine "hellhörig" geworden. Und Tynarin machte ihr weitaus mehr Angst, als die Stimmen. An Stimmen gewöhnt man sich über die Jahre, wenn man sie nur oft genug hört. Wie ein stetiges Summen im Hintergrund. Mit einem Mal sah sie alles wieder, was sie so vergessen wollte. Er stellte sich gegen sie. Sie rannte, an den Baum gepresst, murmelte nur noch Bitte nicht.... Sie zog ihre Klingen, schluckte merklich und sah Tynarin an. Nicht noch einmal. Ihr Blick wurde eisig. Das wohlbekannte, sichere Eis. Nein, noch einmal würde sie es nicht tun. Und dann legte sie sich die Klinge an den eigenen Hals und schloss die Augen. Er hielt ihre Hand fest, erschrocken und hilflos zugleich. Sie redeten nicht.

Reden wäre eine Option gewesen. Ceviel wählte das Schweigen und begab sich erneut zu einem der seltsamen Tauren. Und verlor sich in einem sehr seltsamen Traum. Worgs. Eine ganze Menge Worgs. Und Blut.

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In der Schlucht.

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Seltsame Begegnungen.

"Wir sollten reden." Ungewohnte Worte aus Ceviels Mund. Ceviel redete üblicherweise nicht gern. Sei es über Belangloses. Träume werden rasch zu Alpträumen wenn man feststellt, dass man eigentlich nicht geträumt hat. Sie wollte ihn nicht hassen. Nicht dafür.

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Reden.


Wie beschreibt man Northrend ?


Wie beschreibt man Northrend. Kalt ? Sicherlich. Zuweilen seltsam ? Auf jeden Fall. Zermürbend ? JA !

Aber dann standen sie da. Nicht minder seltsam als die gesamte Bevölkerung hier. Aber freundlich - mit Fischgeruch. "Dickerchen" meinte Tynarin. Ja, die Dickerchen. Äusserst primitiv in jeder Hinsicht, dennoch recht gastfreundlich. Mehrfach fanden Tynarin und Ceviel Unterschlupf zwischen Krabben und Krebsen, stets mit einem freundlichen Lächeln gepaart mit der Bitte um Hilfe. Ein beträchtlicher Anteil an Dickerchen wusste, wie man zuschlägt. Sie hatten einige Siedlungen verloren, kämpften aber unermüdlich weiter. Als sie den beiden Elfen schliesslich anboten, mit einem "Schiff" zu einer weiteren Siedlung zu reisen, verneinten diese kaum. Den Fjord verlassen ? Die grüne Suppe und das Gelächter der Verlassenen ? JA ! Das "Schiff" war eine Schildkröte... eine...riesige Schildkröte... aber gut, skurriler konnte es hier ohnehin kaum werden.

Das Küstenbild, was sich ihnen bot, liess Schlimmes erahnen. Nach einer ganzen Weile erreichten sie schliesslich erneut das Ufer. Es war hier nicht ganz so kalt. Dafür hatte es Orcs. Eine Freude also. Zähneknirschend und mit dem falschesten Lächeln was man nur haben kann, durchstreiften sie die Lande bis hin zur Orc-Festung. Entzückenderweise fanden sich dort ebenso Allianzverräter vor - welch eine Überraschung ! - sowie Ceviels "beste Freunde"...Neruber. Und nicht nur zwei oder drei. Die halbe Festung wurde belagert. Ziemlich rasch wurde deutlich, dass die Geissel bereits hier in den Küstengebieten auf einem grossen Vormarsch war.

Eine Überraschung gab es aber durchaus. Ceviel rieb sich etwas verwundert die Augen. Sie hatten einen Nekromanten ausfindig gemacht, ein grosses Feld diente als Brutstätte für Abschaum der seinesgleichen sucht. Deswegen war sie hier. Und deswegen würde sie wohl jetzt sterben. Zittrig erhob sie den Bogen und zielte auf den Nekromanten. Auf einmal lautes Gestampfe. "Ihr seid nicht allein, Elfen." Ein Orc. Ein Orc mit glühenden Augen. Den glühenden Augen. Ceviel erstarrte einen Augenblick. Nachdem der Nekromant erledigt war, machte er sich eiligst davon, bedacht den Elfen noch zu raten keinen Ton zu verlieren. Glühende Augen, grüne Suppe und Worgs. Wer solche Verbündete hat, braucht keine Feinde mehr.


Willkommen im Nexuskrieg, Weltenwanderer


Und die Geissel sollte nicht das einzige Problem bleiben. Weit gefehlt. Im Zuge des "Unterstützt die Kirin Tor als Zeichen unseres Wohlwollens"-Befehls seitens des Generals gelangten Ceviel und Tynarin zu einem ihrer Stützpunkte samt roten Drachen. Willkommen im Nexuskrieg, Weltenwanderer.

"Dein Drachenfetisch bringt uns um !" Was für ein Schwachfug. Seit sie am Posten der Kirin Tor angekommen waren, waren sie rasch über die Situation aufgeklärt worden. Blaue Drachen böse, blauer Schwarm fängt Magister, blauer Schwarm tötet Magister. So ungefähr die Zusammenfassung. Viel mehr musste Ceviel auch nicht wissen. Wer gegen Magister ging, hatte mit ihren Pfeilen zu rechnen. Die Essenz des Volkes wahren, um jeden Preis. Sicherlich, sie waren wegen der Geissel hergekommen. "Sollen unsere Arkanisten mit Stöcken nach Arthas werfen ? Sollen wir gar ohne Magister den Sturm wagen ? Sicher nicht !" Ceviel hatte sich entschieden. Zu dem Zeitpunkt wusste sie nicht, dass Malygos angelockt werden sollte. Und dass Malygos in voller Pracht über ihr schweben würde, und einen roten Drachen binnen Sekunden in einen Eisblock verwandeln würde. "Dein Drachenfetisch bringt uns um."

Waren ihm diese seltsamen Tauren vielleicht lieber ? Ceviel sicher nicht. Die Geissel, die Drachen, glühende Augen, man müsste ein Eisblock sein, um weiterzuleben als wäre nichts passiert. Ceviel war kein Eisblock mehr. Sie begann zu träumen.


(Alb)Träume


Dunkel. Kalt. Der eisige Wind peitschte ihr ins Gesicht. Nur noch ein paar Schritte. Bis zur nächsten Schneewehe. Da wartete er. Die Schritte schienen endlos. Je mehr sie sich anstrengte, desto weiter entfernt schien er. Sie flüsterte seinen Namen. Die Stimme wurde zittriger. Eiseskälte. Sie hätte schreien können. Sie öffnete lediglich den Mund, kein Ton. Immer wieder schlug ihr der eisige Wind ins Gesicht. Weiter, bis zur nächsten Schneewehe. Weiter. Je länger sie durch die düstere Gegend wanderte, umso düsterer wurde es in ihr. Verzweiflung. Hoffnungslosigkeit. Nur bis zur... NEIN ! Ein Windzug. Ein einziger. Er war weg. Einfach weg. Sie wachte auf.

Nur um wieder einzuschlafen. Immer und immer wieder. Sie kam nicht an. Gäbe es Griechen in Azeroth, sie wäre Sisyphos am Ähnlichsten gewesen. Nun gab es aber keine Griechen, und Ceviel war ganz alleine. Im Schnee. In der Dunkelheit. Kein Licht. Unerreichbar. Die Tränen an ihren Wangen froren augenblicklich zu kleinen Eiskristallen. "Eisprinzessin". Weiter. Ich muss weiter. Sie konnte nicht mehr weiter. So nah, und doch so fern. Nunmehr schrie sie. So laut dass er aufwachte, während ihr die Tränen über die Wangen flossen. In Ceviels Welt legten sie sich wie Eiszapfen an ihr Gesicht und sie brach zusammen. Sie würde sterben. Alleine. Ohne ihn. Sie konnte ihn nicht erreichen.

In dem Moment als ihre Knie gen frostigen Boden sanken, spürte sie eine Hand. Eine Hand in Form eines dunklen Handschuhs mit silbernen Ornamenten. Die Hand hielt sie fest. Wärme. Ceviel wachte auf.


Die Schlacht um Unterstadt.


Ceviel hatte in ihrem Weltenwandererdasein eine Menge gesehen. Vielleicht zuviel. Und dennoch übertrafen die Bilder alles bis daher dargebotene. Dass der grüne Nebel nicht wirklich vertrauenswürdig war, war ihr klar. Dass man die Knochenhaufen generell im Auge behalten sollte, predigte sie seit einer Weile. Aber Sylvanas... . Ceviel war unter Waldläufergeneral Windläufer grossgeworden. Sie hatte sich verändert, sehr sogar, aber es war Sylvanas. Ceviel klammerte sich daran wie an einen Strohhalm. Sylvanas würde nach alledem nicht zulassen, dass ihr Volk zu Schaden kommt. Nein, Sylvanas würde... Und dann krachten die Seuchenbehälter am Boden nieder. Während Fordragon nach Arthas schrie, erstickte alles um ihn herum. Und selbst Arthas ging in die Knie. Ceviel starrte wie angewurzelt auf die Armeen. Eine Minute später und sie wäre unten gewesen...eine Minute später und sie wäre tot. Alle wären tot. Silberregen, Athi'yanil...Tynarin. Als sich der Nebel lichtete, rannte sie wutenbrannt hinunter und wurde unsanft von Krasus' Fuss gebremst. Alexstraszas Präsenz war zweifelsohne stark, sehr stark. Ceviel hätte alles in Stücke reissen können, die Augen von Tränen überlaufen, und tat nichts. Sie stand nur da. Und starrte in die Leere.

Mit einem Mal ging ein Ruck durch sie. Unterstadt ! Der Teleporter ! Silbermond !

Vor Unterstadt angekommen starrte sie auf die Mauern. So vertraut. So anders. So falsch. Mit Orcs und Trollen eine Stadt erobern. Es war einfach nur falsch. Sie sehnte sich nach früher. Nein, sie mochte die Menschen nicht. Eigentlich hasste sie sie, Verräterpack. Sie sehnte sich nach der Unabhängigkeit des Reiches, nach Ausrottung der Fremdlinge, nach früher. Und doch stand sie da, starrte gebannt auf die Mauern, und wartete auf Windrunners Befehl. Es mochte eine seltsame Situation sein, sich von der Bansheekönigin befehligen zu lassen. Sie war kalt, unnatürlich und dennoch war sie "sie". Obschon Ceviel den Verlassenen nichts mehr abgewöhnen konnte, war sie doch überwältigt. Es war Sylvanas. Es würde immer Sylvanas sein. Silberregen schien ängstlich. Verständlicherweise. Eine solche Aktion, wie sie vor ihnen stand, war nichts, was man nebenbei erledigt. Ein Trolldorf ausrotten unterscheidet sich dann doch von "eine Stadt stürmen". Sie versuchte ihr gut zuzureden, ihr Mut zu machen. Silberregen kicherte manisch. Und Ceviel konnte es nicht. Über all die Jahre war ein sehr bedeutender Teil gestorben. Zwischenelfische normale Kommunikation, abseits von abgedroschenen Phrasen und militärischen Befehlen. Sie dachte an Icarael, und nahm den Bogen auf, das Kommando ertönte. "Jawohl, General." Ein Satz aus einer vergangenen Zeit, dennoch ausgesprochen an eben diesem Ort.

Horden von Untoten stellten sich ihnen in den Weg, ein Pfeil flog nach dem andern. Immer harrend ob der Befehle des Generals. Des untoten vergangenen Generals. Sie würde immer Sylvanas bleiben. Dann sah sie die Kette auf sich zufliegen und flog in hohem Bogen nach hinten, prallte unsanft gegen die Wand. Ceviel ächzte. Verfluchtes elendes... sie schrie Worte, welche man selten aus elfischem Munde hört. Die Hand an die Rippen gepresst griff sie erneut zum Bogen. Dazu war sie ausgebildet. Es gab keinen Schmerz, es gab nur den Bogen, bis zum bitteren Ende. Für Quel'Thalas. Während ihre Rüstung langsam aber sicher von ihrem Blut getränkt wurde, liess sie weiter einen Pfeil nach dem andern auf die Ausgeburten des Nethers hinabregnen. Eloriane nahm grazil wie es wohl nur Weltenwanderer vollbringen können einen Ghul auseinander. Erst den rechten Arm, dann den linken Arm, schliesslich flog der Kopf. Ihre Augen funkelten. Dazu waren sie ausgebildet. Dafür lebten sie. Inmitten der Klingengeräusche hörte sie das Lied. Sylvanas sang. Elfisch. Vertraut. Ceviel schloss für einen Moment die Augen. Wenn Ceviel Leidenschaft fühlte, so beim Töten.


Und dann hielt sie inne. Sie höre seine Stimme. Wrynn ! Er war dort, und was er sagte, es gefiel ihr. Während die Orcs ihre Haufenformation annahmen, stand sie da, und blickte auf den König von Sturmwind hinab. Und tat nichts. Sie liess den Bogen sinken und sah ihn stumm an. Bilder schossen ihr durch den Kopf. Verräterische Bilder. Ein Wort und sie wäre in Silbermond auf der Stelle hingerichtet worden. Und dennoch blieb sie stehen und sah Varian an. Er war ein Mensch wie viele, nicht sonderlich hübsch und keineswegs einem Elfen gleichzusetzen. Und doch sprach er aus, was aus Ceviels Innerstem seit Jahren schrie. Sie wollte sie töten. Jeden einzelnen der grünhäutigen Mistviecher. Aus Rache, simpler Rache. Rache für Quel'Thalas. Rache für die Verluste. Ceviel taumelte, sicher aufgrund der Verletzungen, die Rüstung war nun gänzlich rot und sie spuckte Blut. Sie presste die Augen zusammen und bewegte tonlos ihre Lippen. "Für...Quel'Thalas...nie für die Horde. Nie."

Als sie die Augen öffnete, befand sie sich verbunden und umsorgt im Lazarett. Müde schaute sie nach links. Tynarin... . Sie streckte die Hand aus, kraftlos, und schlief wieder ein.

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