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Teil 1: Im Namen des Lichts Teil 2: Im Namen der Wölfin zurück zu Thairis' Geschichten


"Ich bin eigentlich gar nicht hier, ich bin ordnungsgemäß erhängt worden in Gadgetzan"

Sie lachte eisig und reckte den Hals in einer Art obszönem Stolz.

Eine Narbe erstreckte sich wie ein furchtbarer Äquator rund um ihren schlanken Hals. Ohne Zweifel von einem Galgenstrick. Sie fesselte ihn und das ärgerte ihn maßlos.

„Aber wie ist das....“

„Mithril.“

„Wie?“

„Mithril. Wenn man einen verschwiegenen Schmied kennt, der einem ein doppelt daumendickes Mithrilrohr herstellen kann ist das gar nicht so schwer. Nur Mithril muß es sein, alles andere bekommt man nicht in die Luftröhre geschobenweil es nicht glatt genug ist. Dann läßt man sich hängen und zappelt eine Weile herum, man weiß ja was man einem guten Publikum schuldig ist, und dann baumelt man leblos und wird losgeschnitten. Wenn man etwas Glück hat wird man vor die Stadtmauern geschmissen um die Hyänen zu ernähren und kann sich in der Dunkelheit davonschleichen. Man muß nur aufpassen daß einem der Ruck nicht das Genick bricht, also vorher schön abnehmen. Aber im Gefängnis von Gadgetzan ist das eigentlich eh kein Problem. Hat mich nur all mein Mithril gekostet, aber was solls, man kann es ja eh nicht mitnehmen.“ Sie sagte das so unbekümmert als beschriebe sie eine Laubsägearbeit in der Schule.

Stille legte sich über beide wie ein Schneeteppich. Beide Kontrahenten versuchten die Gedanken des anderen zu erfassen.

Dem Priester wurde mulmig, die dumpfe Faust der Übelkeit schlug von unten gegen seinen Magen. Er mußte das Gebiet wechseln, die schrecklichen Dinge die die Wölfin erzählte begannen nicht mehr länger von ihm abzuprallen. Er mußte souverän bleiben. Auf eigenem Grund spielen.

„Mein Kind, ich denke es ist an der Zeit daß Du Deine Sünden bereust, damit das Licht Dir vergeben kann. Ich glaube nach all dem was ich gehört habe wird es das tun und Dich ins Paradies einlassen.“

Lehrbuch, „Wege des Lichts“ von Quarrk Zinnober, Kapitel 5. Standardsatz, aber immerhin. Weiter so. Er nahm sich vor, dem Kerkermeister einen Hinweis zu geben wegen des Mithrilrohrs. Sicher ist sicher.

„Was passiert dann?“ Ihre Stimme schlug um wie ein flüchtiger Aprilschauer, sie klang wie die eines schüchternen kleinen Mädchens. Er war mit sich zufrieden.

„Dir wird vergeben was Du getan hast und alles Schlimme wird vergessen sein.“

„Keine Albträume mehr?“

„Nein, keine.“

„Keine schlaflosen Nächte in der Gosse mehr?“

„Nein.“

„Mein Rheuma?“

„Das Licht wird alles heilen, auch Dein Rheuma, mein Kind.“

Der Priester begann sich wieder wohler zu fühlen. Er war auf dem richtigen Weg. Hinweg von den schrecklichen Geheimnissen, würde er ihr die Beichte abnehmen und in einer guten Viertelstunde würde er im Gasthaus sitzen und einen gemütlichen Schoppen Wein trinken. Das ist doch Pater Zenos, der der berüchtigten Wölfin einfach so die letzte Beichte abnahm, was ein Kerl, würden die anderen sagen.

„Dann, dann.......möchte ich das.“

Er holte ein heiliges Symbol aus der Tasche und hielt es der Gefangenen vor das Gesicht. Es reflektierte mühsam das Licht der kleinen Kerze, als fände es das diesem trostlosen Ort unangemessen.

„Dann beichte jetzt still Deine Sünden vor dem Licht und danach machst Du ein Lichtkreuz und Dir wird vergeben werden.“

Sie begann still vor sich hinzumurmeln. Das mit dem stillen Beichten hatte er dazugedichtet, aber er wollte einfach nichts mehr von ihr hören. Und schließlich war es egal, in Kürze würde diese Beichte ebenso Geschichte sein wie die Gefangene selber. Er betrachtete die Rückseite des heiligen Symboles auf der ein Gedicht eingraviert war. Er wunderte sich immer wieder über die tröstende Kraft des Wortes. Außerdem half ihm das Gedicht, möglichst wenig Notiz von der Schurkin zu nehmen, die gerade ihre schlimmsten Sünden herunterbetete.

Nach einer Weile blickte sie zu ihm auf. „Ich kann kein Kreuz schlagen, meine Hände sind gefesselt.“

„Oh.“ Wieder einmal ärgerte sich der Priester weil sie ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Dieses perfide Spiel begann ihn zu nerven. Gut, dann würde er ihr halt die Fesseln öffnen, wo sollte sie schon hin. Das war eh der letzte Punkt den sie verbuchen würde. Er wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen.

„Gut mein Kind, ich werde Dich losbinden damit Du Dein Kreuz schlagen kannst. Aber versprich mir daß Du keinen Ärger machst und Dich wieder fesseln läßt, ich möchte keinen Ärger von dieser gottlosen Kerkerwache haben.“

„Nein Vater, ich werde mich benehmen, versprochen.“

Er stand auf und löste die Stricke, mit denen ihre Handgelenke hinter ihrem Rücken an die Stuhllehne gefesselt waren, peinlich eine Berührung mit den verkrümmten Fingern vermeidend.

Sie streckte sich und rückte ein wenig von dem kleinen Tisch ab, mit einer Hand den Tisch, mit der anderen vorsichtig die Ziegelmauer betastend. Dann schlug sie die Hände gestenreich zum Lichtkreuz zusammen.

„Großartig, mein Kind! Ich weiß, Dir wird vergeben werden und das Paradies geöffnet sein.“ er freute sich über die Wärme die er in diesem kalten Keller mit seinen Worten allein verströmen konnte. Das Gesicht der Gefangenen strahlte verklärt, ein breites Lächeln lachend. Und er bemerkte trotz des Halbdunkels ihre leuchtend blauen Augen und wie schön sie eigentlich waren. Er malte sich das Gesicht des Schurkin aus, wenn sie leblos am Strick baumeln würde.

„Ich freue mich so Vater, ich freue mich so. Danke.“

„Nichts zu danken Kind, wir alle dienen dem Licht. Es ist weise und gibt uns Kraft.“

„Ohja, das tut es.“

Er bemerkte voller Rührung kleine Freudentränen die sich in ihren Augen bildeten. Wie lange sie wohl nicht mehr geweint hat?

Sie räkelte sich wieder und berührte die engen Grenzen ihres Reiches, die Tischkante und die Ziegelmauer, die Steine dabei fast zärtlich betastend.

Der Priester saß lächelnd vor ihr und freute sich, daß er seinen Auftrag doch noch ohne Gesichtsverlust abhaken konnte.

Hätte er ein wenig mehr Erfahrung mit ihresgleichen gehabt, dann hätte er vielleicht die tödliche Gefahr bemerkt, in der er schwebte. Er hätte das kalte Funkeln in ihren Augen gesehen und wie sich ihre Muskeln bis zum Zerreißen für etwas anspannten. Er hätte bemerkt wie sie ihre Rheumaschmerzen der Anspannung nur mühsam mit einem Lächeln maskierte.

So aber bemerkte er nichts und er lächelt noch als der Ziegelstein in ihrer Faust ihm den Schädel zertrümmerte.

Ohka Stirlander hielt die Luft an. Hatte die Wache das Krachen gehört? Nein, alles im Verlies war ruhig. Ruhig wie auf einem Friedhof. Sie lächelte kalt.

„Adieu mein Freund, ich war tausendmal verderbter als du dachtest.“

Sie wischte sich verspritztes Blut und Gehirnmasse vom Ärmel während sie den Ziegelstein liebevoll wie ein neugeborenes Kind in der Hand wog.

„Lieben Dank mein kleiner Stein, Du hast mir zur Freiheit verholfen auch wenn ich Dich ab und an verflucht habe. Den Rest des Weges schaffe ich allein. Du hast es gut, Du.....fühlst nichts. Ich bin....eine Pflanze und möchte ein Stein sein.“

Ein Hauch von Ekel flog über ihr Gesicht wie ein heißer Windhauch, war jedoch genauso schnell verschwunden wie er gekommen war. Sie steckte den Stein wieder sorgfältig in das Loch in der Mauer zurück, wer weiß wer den noch mal brauchen könnte.

Die Wache würde mit der Robe des Priesters kein Problem sein, und wenn sie erst mal an die Zelle mit ihren Waffen gekommen war würde nichts und niemand die Wölfin aufhalten, das wußte sie. Es würden einige sterben müssen die ihr Gesicht gesehen haben und Hakkars Klinge würde sich freuen sich in ihre Gedärme zu fressen, das war sicher. Sie zog dem Priester die Robe aus und schaffte die Leiche in eine dunkle Ecke des Kellers. Schade eigentlich, dachte sie, bei so vielen dunklen Ecken hätte der Grünschnabel mit einer ganzen Delegation ankomen können und es wäre genug Platz für alle gewesen.

Sie lächelte, hauchte der Leiche einen Kuß zu und begann sich der Zellentür zu nähern.

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