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Auszüge aus dem Tagebuch Tag 1 bis Tag 6 Tag 7 bis Tag 10 Tag 11 bis Tag 15 Tag 16 bis Tag 23 Tag 24 bis Tag 31 Tag 31 bis Tag 32 Tag 32 bis Tag 41 Tag 41 bis


G027

Tag 7 / 4. MaiBearbeiten

Die GenesungBearbeiten

Nachdem ich nun drei lange Tage im notdürftig errichteten Lazarett des Kreuzzuges verbracht habe find ich langsam wieder zu mir. Heute gehe ich das erste mal wieder ins Freie und versuche langsam wieder zu alter Stärke zu finden. Die Priesterin meinte heute, ich solle vielleicht noch lieber langsam machen. Die Strapazen der letzten Wochen scheinen wohl nicht ganz spurlos an mir vorübergegangen zu sein. Mit einem Gehstock statt meines Schwertes "bewaffnet" wage ich dennoch erste Schritte. Was wohl aus dem Tross geworden ist? Ob sie es bis zur Nordküste geschafft hatten? Und was geschah mit Seréna wirklich?

Einerseits hatte sie mir erneut das Leben gerettet, andererseits erschien sie mir völlig unnahbar. Ich befürchte, sie verliert mehr und mehr die Kontrolle über sich. Wahrscheinlich ein Tribut für das Streben nach immer mehr Macht über die Schatten.

Ich hatte mich ein wenig vom Lager entfernt, um ungestört meinen Gedanken nachzuhängen, als Seréna plötzlich vor mir stand. Ich lächelte sie an und güsste sie mit Namen. Ein Nicken und ein "Hallo Gánndor, wie fühlst du dich?" war ihre Antwort. So viel hatte sie schon lange nicht mehr gesprochen. Überrascht sah ich sie an und bestätigte, dass es mir wieder besser ging.

Dann kam sie sofort auf unseren Grund der Reise zurück. Sie war in Herdweiler gewesen und hatte dort nichts weiter auffälliges gefunden. Die Aktivitäten wären, wie erwartet, recht gering. Der grösste Teil der "Roten" befände sich in Nordend.

Somit war eigentlich unsere Reisegrund erledigt. Ich erzählte ihr noch von den in Floris Brief geschilderten Aktivitäten der Hexe Melaina. Seréna funkelte mich an und gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass sie nicht gewillt war auf Hexenjagd zu gehen. Jedoch schätzte sie die Gefahr, die von dieser Frau ausging, als sehr hoch ein und mahnte mich zur Vorsicht, sollte ich versuchen dem nachzugehen.

Von Floreanna erzählte ich Seréna so wenig wie möglich. Zwar wusste sie um Floris Fähigkeiten, aber mehr sollte sie auch nicht erfahren. Zu gross war meine Sorge, dass Seréna ihr gegenüber nicht so loyal wäre, wie sie es mir gegenüber immer erneut bewies. Zu gross meine Sorge um sie.

Tag 8 / 5. MaiBearbeiten

GedankenBearbeiten

Jeden Tag ging es mir nun wieder etwas besser. Ich ging zu der Priesterin, die mich mit ihren Heilkünsten wieder in das Reich der Lebenden zurückholte und bedankte mich bei ihr. Ihr Name ist Fenia Fernell.

Doch nun war ich in der Zwickmühle. Einerseits wollte ich erfahren, was wohl aus dem Tross geworden ist, andererseits wollte ich Floreanna auch nicht länger alleine lassen, als nötig. Dennoch, die Neugier und die Nähe zu meiner alten Heimat siegte.

Ich lieh mir ein Pferd und machte mich auf den Weg zurück nach Westen. Ich wollte den gleichen Weg abseits der Strassen wie der Tross gehen, um unentdeckt nach Tirisfal zu gelangen. Ich ritt schnell und erreichte schon bald die Berge zwischen den heutigen Pestländern und Tirisfal.

Die Verlassenen hatten in Nordend die Allianz angegriffen, erzählte man sich. Sie wollten sowohl den Lich, als auch alle Lebenden mit einer neuen Seuche zu Fall bringen, hatte ich im Lager des Kreuzzuges gehört. Wenn das wahr ist ... ich traute mich nicht auszumalen, was passieren würde, wenn die Verlassenen die sowieso stark geschwächten nördlichen Ländereien überfielen. Jetzt, da die letzten Bastionen der Menschen im Begriff waren, sich aufzulösen.

Doch wie würde der Rest der "neuen Horde" reagieren? Würde dieser Thrall einfach mit ansehen, wie die Verlassenen jedes Leben vernichteten? Und was würde aus dem wackeligen Waffenstillstand zwischen Horde und Allianz, wenn dieser verdammte Narr von Wrynn weiterhin so gegen die Orks hetzte? Sicher, sie waren einst blutrünstig und haben vielen Menschen, vor allem aus Sturmwind, schweres Leid angetan. Aber ein Krieg mit der Horde würde die Chancen auf einen Sieg in Nordend und Lordaeron nur noch weiter verringern.

Ich hing meinen Gedanken nach und merkte erst, als ich die Türme des Klosters sah, dass ich in Tirisfal war. Es war bereits spät und ich beschloss mir einen Platz für die Nacht zu suchen. In der Nähe des Blendwassersees fand ich einen Ort, den ich für sicher hielt.

Nacht über TirisfalBearbeiten

Kein Auge machte ich zu. Die Nähe zu meiner alten Heimat lies mich über zuviele Dinge der Vergangenheit nachdenken. Je länger ich hier blieb, umso mehr verblasst die Gegenwart. Ich verlies mein Lager und schlich mich am Ufer des Blenderwassersees entlang. Es war ruhig in Tirisfal. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit vor der Seuche. Nichts davon ist mehr übrig. Langsam entfernte ich mich von den Ufern, vorbei an der Totenstadt Brill und näherte mich den Hügeln, an denen mein altes Heim lag. Heute nennen es viele nur noch das verlassene Anwesen. Verlassen, ja das ist es. Als ich die Hügel hochschlich, traf es mich wie ein Blitz. Akena, meine verstorbene Ehefrau und heutige Todesritterin im Dienste des Ordens des tiefschwarzen Schwertes, stand vor mir an ihrem Grab.

Noch schien sie mich nicht bemerkt zu haben und so beobachtete ich sie still aus meinem Versteck. Sie wirkte kalt und sah regungslos in ihr leeres Grab. Ob sie sich an ihre Vergangenheit erinnerte? Als ich mit ihr vor einiger Zeit zusammentraf, kannte sie mich zwar noch, lies mich aber gleichzeitig wissen, dass meine Frau Akena nicht mehr existierte. Jetzt stand diese Todesritterin vor mir und doch sah ich nur Akena, wie sie mit unseren Kindern am Hof spielte.

Plötzlich ein Geräusch. Akena drehte sich um und sah in meine Richtung. Ein Ghul rannte an mir vorbei auf sie zu. Ein einziger Streich mit ihrem Schwert und der Ghul lag in zwei Hälften vor ihr auf dem Boden. Ohne das Schwert abzuwischen, steckte sie es zurück in die Schwertscheide.

Dieses Erlebniss riss mich aus meinem tranceartigen Zustand und brachte mich zurück in die Gegenwart. Dies war nicht mehr meine einstige Ehefrau und Mutter unserer Töchter. Ich zog mich leise zurück. Die Sonne würde schon bald aufgehen und ich wollte mich dieser Akena nicht mehr zeigen.

Tag 9 / 6. MaiBearbeiten

Freud oder Leid?Bearbeiten

Als ich zu meinem provisorischen Lager zurückkehrte, fand ich ein zusammengerolltes Pergament. Es steckte zwischen Sattel und Satteldecke des geliehenen Lastengauls.

Wer beim Licht hat mich hier gefunden? Und wer weiss, dass es mein Lager ist? Ich zog das Pergament raus, rollte es auf und begann stumm zu lesen:

Ganndor,
wisse, dass ich Dich wahrgenommen habe, schon lange, bevor Du die Stelle erreicht hast, von der aus Du mich beobachtet hast. Ich spüre Deine Abneigung gegen das was ich jetzt bin. Einerseits bin ich froh, dass Du vor mir zurückschreckst, andrerseits sind da die Erinnerungen.. die Erinnerungen an unser Haus, die Kinder .. Dich, die in meinem Kopf wie Geister herumschwirren, mir keine Ruhe lassen und mich zu dem Ort zurückgeführt haben, an dem ich einst sehr glücklich war. Aber Glück? Was ist das? Ich habe durch die Erinnerungen eine ungefähre Ahnung davon was es sein könnte, wie es sich anfühlen müsste, wenn man glücklich ist, aber ich spüre nichts davon. Ich spüre auch nichts von der Trauer um unsere Kinder, obwohl ich mich erinnere, wie es mir das Herz zeriss, als ihre kleinen, jungen Körper schneller dem Tod entgegen eilten, als ich. Ich erinnere mich, dass ich in den letzten Augenblicken meines Lebens an Dich gedacht habe, mir Sorgen darum gemacht habe, was aus Dir wird, wenn Du uns findest .. tot. Ich habe gekämpft gegen den Tod, gekämpft, wie ich noch nie zuvor gekämpft habe und es war keine Ruhe und kein Frieden in dem Moment an dem es endlich vorbei war .. das letzte bischen Leben. Dieser letzte Kampf hat mich in den Tod begleitet und als mein Bewusstsein wieder zu arbeiten anfing, habe ich noch immer gekämpft bis .. ja bis eine Stimme in meinem Kopf die Kontrolle über mein Bewusstsein übernommen hat, mir ihren Willen aufzwang, mir befahl meinen sich wehrenden Körper unter Kontrolle zu bringen und Dinge zu tun, die ich bis dahin für unmöglich hielt jemals zu tun. Auch daran gibt es Erinnerungen.. Erinnerungen daran wie ich mit meinen Augen sehend und meinen Händen das Schwert haltend Menschen abgeschlachtet habe. Ja, abgeschlachtet ist wohl das richtige Wort, weil es einfach nicht mein Wille war es zu tun. Ich folgte der Stimme unter Zwang und dann eines Tages war es auf einmal vorbei. Die Stimme verschwand aus meinem Kopf und lies mich mit mir selbst zurück. Mein erster Impuls war mir das blutige Schwert, das ich in den Händen hielt in den Körper zu rammen, um mich selbst dafür zu bestrafen, was ich getan habe, aber ich starb nicht .. konnte nicht noch einmal sterben. Als ich das zu begreifen begann, dass der Tod mir niemals wieder Erlösung bringen kann, brach ich unter der Wucht der Eindrücke zusammen und kroch auf die Menschen zu, die das Gemetzel an der Kapelle überlebt hatten und flehte sie an, mich irgendwie zu erlösen von dem, ja, was ist es eigentlich, dem Undasein wohl. Aber sie konnten, wollten oder durften mir oder den andren meiner Art wohl nicht helfen und so kämpfte ich den innerlichen Kampf ums Leben weiter, den ich seit den Augenblicken kurz vor meinem Tode kämpfte nur unterbrochen von der Zeit mit der Stimme in meinem Kopf und er begann sich gegen diese Stimme zu richten. Diese Stimme, der Lichkönig, er ist schuld an dem, was ich jetzt bin, was andre jetzt sind und er muss und wird für seine Taten bestraft werden und ich werde dabei sein ihn zu vernichten. Es ist schwer in menschliche, lebende Begriffe zu fassen, was mich bewegt und antreibt. Es ist weder Wut noch Hass noch Zorn. Solche Gefühle kenne ich auch nicht mehr. Du selbst hast oft schon dem Tod ins Auge geschaut und weisst wie sehr sich alles in einem an das Leben klammert, das Leben was man nicht hergeben will, weil man nur dieses eine höchste Gut auf der Welt hat. Ich klammere mich auch noch immer an das Leben, auch wenn ich weiss, dass ich es nicht zurückbekommen kann. Mir ist mehr als alles andre bewusst, was ich verloren habe, als ich mein Leben verloren habe und das ist jetzt mein Antrieb. Der Antrieb, dass andre soetwas niemals erleben sollen, auch Du nicht, oder besonders auch Du nicht. Es ist alles, was ich jetzt noch tun kann: Lebende wie Dich zu schützen, kämpfen für die Lebenden und gegen den Lichkönig und die Geissel. Ich weiss nicht, weshalb ich diese Zeilen schreibe. Ich erwarte kein Verständnis von Dir für das, was ich jetzt bin, aber die Akena in mir, die sich noch daran erinnert welche schöne gemeinsame Lebenszeit wir hatten, wünscht sich wohl, dass Du mich auch nicht verdammst für das, was ich jetzt bin. Ich weiss nicht, ob oder unter welchen Umständen wir uns noch einmal sehen werden. Deswegen sage ich Dir jetzt noch einmal: lebe wohl! Dieses „lebe wohl!“ was ich Dir schon damals zum Zeitpunkt meines Todes sagen wollte, Du es jedoch nicht gehört hast. Lebe wohl, aber vergiss mich bitte nicht, vergiss nicht die Akena, die Dich unendlich geliebt hat, so wie Du sie auch. Lebe Ganndor, lebe jeden Augenblick, geniesse das Leben, Akenas zuliebe und ich werde dafür kämpfen Dein Leben schützen!
Mahikaa


Als ich die Zeilen beendete, blieb ich regungslos sitzen. Mahikaa.. und sie erinnerte sich an unsere Vergangenheit..

Das ErbeBearbeiten

Nachdem ich das Pergament wieder wegpackte, dachte ich nochmals über ihre Worte nach: Lebe wohl, aber vergiss mich bitte nicht, vergiss nicht die Akena, die Dich unendlich geliebt hat, so wie Du sie auch. Lebe Ganndor, lebe jeden Augenblick, geniesse das Leben..

Sicher wird sie nach Nordend aufbrechen, um im Kampf gegen Arthas ihren Beitrag zu leisten. Und ich sollte zurückkehren und mein Leben leben? Und sie immer in Erinnerung halten? Wie sollte ich diese Frau auch jemals vergessen können? Es war damals Liebe auf den ersten Blick gewesen. Akena war eine intelligente Ehefrau und Mutter, wie man sie sich nur wünschen konnte.

Auf der einen Seite beruhigte es mich zu wissen, dass sie sich auch an die guten Zeiten erinnerte. Auf der anderen Seite wollte ich laut losschreien, wenn ich daran dachte, was sie hatte erleiden müssen. Auch wenn mir heute klar ist, dass mich keine Schuld an ihrer Vergangenheit trifft, so leide ich doch fast jeden Tag mit ihr. Doch da war auch noch ihr Wunsch, dass ich das Leben geniessen sollte, dass mir vom Schicksal gewährt worden war. Flori... ich musste zurück, musste ihr erzählen, was sich hier ereignet hatte.

Als ich damals Flori mein Familienerbstück schenkte, hatte auch sie zu mir gesagt, ich müsse lernen mit meiner Vergangenheit zu leben. Also werde ich versuchen Akena in Ehren zu halten.

Tag 10 / 7. MaiBearbeiten

Die Erneuerung eines SchwuresBearbeiten

Am nächsten Tag ritt ich nochmals zum Grab meiner Familie. Dort angekommen, kniete ich an den Gräbern und sprach diesen Schwur:


Ihr seid gestorben und ich muss leben. Ohne Euch glaubte ich nur ein halbes Leben zu haben. Dann erfuhr ich von Deiner Rückkehr. Aber nicht, um zu mir zurückzukehren, sondern um dem Willen des Lichkönigs als Marionette zu dienen.
"Wie in guten Tagen, so auch in Schlechten" Das war.. das IST mein Treueschwur. Auch in diesen schlechten Tagen werde ich dein Schicksal teilen und werde hierfür tun, was mir möglich und nötig ist.


Während dieser Worte stellte ich den Grabstein auf, in den ich die Nacht zuvor den Namen meiner Familie graviert hatte. Wissend, was ich nun zu tun hatte, ging ich zurück zu meinem Pferd und ritt davon.

Eine Falle?Bearbeiten

Ich ritt schnell. Mein Gepäck lies ich zurück, um keine unnötige Zeit zu verliern. Meine Wunde schmerzte wieder, während diesen Anstrengungen. Ich tat den Schmerz fort und konzentrierte mich auf mein Ziel.

Als ich endlich die Türme der Kapelle des hoffnungsvollen Lichts sah, pochte mein Herz. Kurz bevor ich jedoch den sicheren Argentumstützpunkt erreichte, stand plötzlich Seréna vor mir. Ich hatte sie seit meiner Genesung nicht gesehen. Ohne Umschweife fauchte sie mich an, was mir einfallen würde einer Todesritterin blind nachzueilen.

Woher wusste sie? Ich kniff die Augen zusammen und entgegnete ihr mit fester Stimme: "Das geht dich überhaupt nichts an." Sie gab mir zu verstehen, ich solle sie nicht für dumm verkaufen. Sie wüsste, wer diese Todesritterin einst war. Doch sei sie nichts mehr weiter, als eine Waffe der Geissel, die sich für einen Moment von dem frostigen Griff des Lichkönigs hatte befreien können. Warum sie mir wohl den Brief geschrieben hatte? Warum sie darin erwähnte, dass sie nach Nordend gehe, ins Reich Arthas'? Wo seine und auch ihre Macht so viel höher wäre?

Ich griff an die Tasche, in der ich den Brief Akenas aufbewahrte: "Was wollte mir Seréna damit sagen? Dass mich Akena in eine Falle locken wollte?" Ich muss diese Worte leise gesprochen haben, denn Seréna schrie mich an: "Mahikaa! Nicht Akena! Akena existiert nicht mehr!"

Ich zuckte zusammen und doch stand mein Entschluss fest. Seréna musste das spüren und verschwand ohne weitere Worte wieder im Schatten.

Als ich mich nun der Kapelle näherte, kam ein junger Mann auf mich zu und fragte nach meinem Namen und Anliegen. Als ich ihm meinen Namen und den Grund meiner Reise erklärte, griff er in seine Tasche und überreichte mir ein weiteres Pergament mit den Worten: "Viel Erfolg, Herr Tolan. Ich habe hier noch einen Brief für sie. Scheint wichtig zu sein."

Akena? Ich stutzte und war erleichtert, als ich Floris Handschrift darauf erkannte. Floreanna.. es ging ihr offensichtlich gut. Da ich mich jedoch nicht von meinem Vorhaben abbringen lassen wollte, steckte ich den Brief ein ohne ihn direkt zu öffnen. Auf dem Schiff nach Nordend würde ich Zeit genug haben ihn zu lesen.

Das Tor nach NordenBearbeiten

Am Abend des 7. Mai erreichte ich den kleinen Hafen des Argentumkreuzzuges. Die Lichtbrecher lag im Hafen und wurde schon beladen. Der Argentumkreuzzug versorgte hiermit seine Truppen mit Waren und beförderte neue Soldaten nach Nordend. Nordend.. das Land des Lichkönigs..

Wollte Akena ihn wirklich vernichten? Oder hatte Seréna doch Recht, dass sie mich dort in eine Falle locken wollte? Ich hatte den Gedanken an Seréna noch nicht beendet, da stand sie wieder vor mir. Es war unheimlich, wie leise sie sich an einen heranschleichen konnte, um aus dem Schatten vor einem zu erscheinen.

Sofort begann sie wieder auf mich einzureden, warum ich Mahikaa nachreisen würde. Sie verstand es nicht. Vielleicht konnte sie es nicht verstehen.. war zu weit von jeder Menschlichkeit entfernt, um es zu verstehen. Doch dann sagte sie einen Satz, der mich noch nachdenklicher werden lies. Sie fragte, warum ich Floreanna und mein "neues" Leben für mein altes aufs Spiel setzen wollte?

Ich stutzte. Das war das erste mal, dass sie über Floreanna in Zusammenhang mit meinem "neuen" Leben zu mir gesprochen hat. Ich entgegnete ihr, dass Floreanna mich verstehen würde, doch sie antwortete nur mit schallendem Gelächter. Ich würde die Frauen nie verstehen lernen, lachte sie. Wieder überraschte mich Seréna. Hatte sie doch noch viel ihrer menschlichen Gefühle in sich. Aber es ging gerade nicht um sie, sondern um Floreanna.. und um mich.

Was ging wirklich in Flori vor? Der Brief... Sollte ich ihn doch schon lesen? Was, wenn sie mich darin bitten würde zurückzukommen? Was wenn sie in Problemen war mit dieser Hexe Melaina? Als ich den Brief vorzog, lächelte Seréna mich wissend an: "Tu dies und denke über deine Pläne nach. Ich werde dich nach Nordend nicht begleiten können." Mit diesen Worten verschwand Seréna und lies mich mit meinem Brief alleine:

Lieber Ganndor,
ich schicke den Brief erneut zum Lager der Argentumdämmerung in der Hoffnung, Du bist noch dort und erholst Dich. Ich bin ja so froh, dass es Dir wieder besser geht und Serena habe ich im Stillen auch Abbitte geleistet, dafür dass ich Ihr Unrecht getan habe. Ich werde mich auch noch bei Ihr bedanken, wenn ich sie einmal wieder sehen sollte, dafür dass sie Dich gerettet hat. Ich hoffe, Du streifst nicht schon wieder in der Gegend herum. Ich kenne Dich und weiss, dass Du nicht lange stillsitzen kannst, aber versprich mir bitte auf Dich aufzupassen ja? Ich kann hier immer noch nicht weg und die Sorge um Dich macht es mir nicht einfacher. Immerhin steht jetzt der Termin für Daiwas Beisetzung fest. Sie wird am nächsten Mittwoch, den 13. des fünften Monats stattfinden. Solange muss ich auf jeden Fall noch hier bleiben und ich wünschte, ich hätte Dich an diesem Tag auch bei mir, obwohl Du wahrscheinlich Schwierigkeiten haben würdest mich zu erkennen. Ich muss lachen, wenn ich mir vorstelle, wie Du gucken würdest, wenn Du mich in meiner Maskerade mit weissen Haaren, faltigem Gesicht und Händen und gebeugtem Rücken sehen würdest. Andre Möglichkeiten habe ich aber im Moment auch nicht, um mich in Sturmwind zu „verstecken“ Ich bin gerade so etwas wie eine Fremde in meiner Stadt. Du fragst Dich sicher erschrocken, was nun schon wieder passiert sei, aber sorg Dich nicht. Reinhold und mir geht es gut. Er hat sich von seinen Verletzungen gut und recht schnell erholt. Seine Rüstung ist repariert und dürfte zur Zeit bei Willi zum Restaurieren in den besten Händen sein. Wir hatten allerdings eine kleine Begegnung mit Melaina in einem Gasthaus und ich habe dort einen Moment ihrer Unaufmerksamkeit genutzt, um sie ein wenig zu manipulieren und anschliessend ins Schattenreich zu entführen. Ja, ja, ich weiss, dass Du mir jetzt am liebsten an den Kopf werfen würdest, ob ich verrückt geworden sei: Magie mitten in Sturmwind und noch dazu in einem Gasthaus anzuwenden, aber die Gelegenheit war so günstig und Du musst verstehen, dass ich Melaina endlich einmal zeigen musste, dass sie Sturmwind nicht einfach zur Spielwiese ihrer macht- und mordlüsternen Machenschaften machen kann, sondern dass ich auch noch da bin und sie gegebenenfalls hindern würde. Naja, so ganz ist der Plan nicht aufgegangen, obwohl ich glaube, ihr schon einen gehörigen Schrecken eingejagt zu haben da in der Schattenwelt. Reinhold ist jedenfalls noch immer schockiert, obwohl er versucht sich das nicht anmerken zu lassen und nachdem Melaina uns nach Verlassen der Schattenwelt auch noch wegen versuchten Mordes angezeigt hat, ist er zur Valianzfeste abgedampft um dort unterzutauchen. Und ich verstecke mich eben gerade in der Maskerade eines Muttchens in Sturmwind und versuche den Leuten Plunder anzudrehen und dabei so hier und da etwas von den Ereignissen in der Stadt mitzubekommen. Dia und Willi sind auch die Einzigen, die wissen, wer ich bin. Ich musste sie ins Vertrauen ziehen und bin ihnen sehr dankbar, dass sie die gesamte Organisation der Beisetzung übernommen haben ohne dass ich dabei grossartig in Erscheinung treten müsste. Ich habe also jetzt ein paar Tage der Ruhe und Entspannung bis zur Beisetzung.
Ich sehne mich nach Dir und ich vermisse Dich so sehr. Ich schaue oft Dein Bild im Medallion an und jetzt bekommt es auch einen Kuss für Dich.
In Liebe Deine Flori

Norden oder SüdenBearbeiten

Der Abend war weit fortgeschritten und ich sass immer noch mit Floris Brief am Hafen und starrte aufs Meer hinaus. Die Lichtbrecher würden am kommenden Morgen ablegen. Immer hatte ich Floris Erzählungen und ihren Leichtsinn vor Augen. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Und jetzt des Mordes angezeigt... ausgerechnet von Melaina. Und dieser Reinhold ist nach Nordend abgehauen und hat sie alleine gelassen. Ich musste zu ihr. Doch war mein Wort in der Öffentlichkeit Sturmwinds seit meiner "Lüge" nicht mehr hoch im Kurs. Was konnte ich dort bewirken?

Und dann waren da auch noch diese Erinnerungen an Akena und die Kinder; dann wieder das Bild der Todesritterin Mahikaa. Die Worte aus ihrem Brief gingen mir ebenfalls ständig durch den Kopf. Was bezweckte sie mit diesem Brief? Wollte sie mich wahrlich in eine Falle locken, wie Seréna vermutete oder waren ihre Worte ehrlich gemeint und sie wollte sich dem Kampf gegen den Lichkönig anschliessen? Wenn ich ihr nicht nachreisen würde, würde ich es vielleicht nie erfahren.. Vielleicht würde ich dann aber auch Flori nie wieder sehen. Vielleicht aber auch schon! Vielleicht würde ich dann sogar endlich in Frieden mit Floreanna leben können, weil ich mit meiner Vergangenheit endgültig reinen Tisch gemacht hatte.

Zu viele "vielleicht", zu viele Ungewissheiten waren in diesen Überlegungen. Warum konnte nicht einfach jemand kommen und mir all diese Entscheidungen abnehmen? Ich rief nach der einzigen Person hier, die mehr als nur meinen Namen kannte: Seréna. Sofort fühlte ich ihre Gegenwart, sie war nicht weit gegangen. Ich wollte ihr gerade erklären, was ich für Flori empfand und was mich immer noch mit Akena verband, als sie abwehrend die Hand hob. Sie wüsste, was ich für diese Hexe Floreanna empfinde und was ich glaubte auch noch für Akena zu empfinden.

Sie sprach ruhig und ohne Emotionen in der Stimme, als sie mir erklärte was sie von Todesrittern halte. Es seien Körper ohne Willen, Waffen des Lichkönigs. Und was passiert, wenn du einem Wolf den Rudelführer wegnimmst? Er wird wild und versucht seine Machtstellung zu verbessern. Genau das und nichts anderes würden diese freien Todesritter jetzt vorhaben. Man dürfe ihnen nicht trauen und müsse sich von dem Gedanken lösen, sie seien noch in etwa die Person vor ihrem Tod. Zwar hatten sie Erinnerungen, aber sie empfanden nichts mehr dafür.

Genau das hatte Mahikaa auch geschrieben. Aber Glück? Was ist das? das waren Mahikaas Worte.. nicht Akenas. Akena wusste, was Glück war. Seréna stimmte mir bei. Ich sei dieser Person nichts schuldig! Lediglich Akena sollte ich in Ehren halten, Akena, nicht Mahikaa.

Und Floreanna... Seréna meinte, sie sei wohl die letzte Person, die ich nach ihr befragen sollte. Sie ist eine Person, die mir nahesteht und deswegen respektiert wird. Mehr wolle sie dazu nicht sagen.

Ich dankte ihr für diese offenen Worte. Die Nacht neigte sich bereits dem Ende zu und ich musste mich endgültig entscheiden: Norden oder Süden?

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