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Anduriel Nachtwind Geschichten & Erinnerungen
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Anduriel Nachtwind von Asaciel

Das Flüstern der alten GötterBearbeiten

(06.03.2014)

„Anu'dorini talah!“ Die Samenkörner in Anduriels Hand platzen auf und schenkten der Druidin ihre Kraft. Geballter Zorn entluht sich in einer sattgrünen Kugel. Alle restlichen Kräfte aufzehrend, schleuderte Anduriel ihren Zauber direkt in das verdrehte und entstellte Gesicht des Monstrums. Sollte es leiden! Sollte es brennen! Um jeden Preis musste die Kreatur vernichtet werden!

Der gerechte Zorn der Druidin fand sein Ziel … doch nichts geschah. Das pulsierende Gewebe riss auf und formte einen Mund. Schrilles, unnatürlich Lachen erfüllte die Kammer, während tausend Augen die Kaldorei verhöhnten. „Gib es auf Elflein. Du kannst mich nicht besiegen! Deine Kameraden gehören längst mir. Es wird Zeit, dass du ihnen folgst!“ Anduriel unterdrückte den Drang sich die Hände auf die Ohren zu pressen. Der dunkelgoldene Blick zuckte durch den Raum. Sie fand Zin, die bereits halb im Fleisch des Organismus versunken war, Laladrie, die regungslos am Boden lag, Milena eine Mahlzeit der Käfer und Skorpione und Nayariel, wie sie durchbohrt von einem Tentakel zu Boden sank.

„Es wird Zeit...“ Das Flüstern hallte in der Kammer wieder. Unwirsch schüttelte die Kaldorei den Kopf. „Nein! Niemals! Ich werde nicht -“ Tentakeln umschlungen sie und setzten sie fest. „Du wirst!“ Tethis Stimme erklang ganz nah an ihrem Ohr. „Es gibt kein Entkommen.“ Anduriel wehrte sich. Doch was einst die Arme eines Nachtelfen gewesen waren, drückten nur umso fester zu. Schritt um Schritt schob Tethis sie dichter an das Monstrum heran. Tausend Augen starrten sie an. Gierig und voller Bosheit.

Die Kreatur hob ihre Auswügse, als der Druck um die Druidin urplötzlich nach ließ. Tethis sprang zurück. Gleich drei Tentakeln bohrten sich in den Leib der Elfe. Schmerz durchzuckte sie und explodierte in einem gellenden Schrei. Schwarze Kälte folgte, die kein Licht, keine Wärme kannte. Sie lähmten der Kaldorei die Glieder. Wie eine Puppe an drei pulsierenden Fäden wurde sie empor gehoben, während das grausame Flüstern in ihren Ohren dröhnte: „Du gehörst jetzt mir! Gehörst mir... mir... mir...“

Ihre Welt verschwand in schwarzer Tinte. Von überall drang sie herein, füllt die gesamte Kammer, schluckte ihre Kameraden und fraß sich an ihr empor. Schließlich schwabte die Dunkelheit über ihr Gesicht, drückte sie tiefer und tiefer. Die Kaldorei wollte schreien, doch da war nur Schwärze, die ihr umgehend in Mund und Nase drang. Es gab keinen Platz für ihre Furcht, keine Luft, kein Entkommen...

Hustend und würgend erwachte die Druidin mitten in den öden Weiten von Silithus. Die dunkelgoldenen Augen starrten minutenlang in die sternenklare Nacht empor, während der Körper verzweifelt nach Luft rang. Es half, dass sie kühl und sandig schmeckte. „Welch Ironie vom Tod im Wasser zu träumen, um anschließend in einer Wüste aufzuwachen,“ schoß es der Kaldorei durch den Kopf. Ihr Atmen fand seine Gleichmäßigkeit wieder, obgleich ihr das Herz weiterhin bis zum Hals schlug. In ihrer rechten Seite, dort wo das Tentakel sich in ihre Haut geschlagen hatte, pulsierte der Schmerz im Takt ihres Herzens.

Die anderen Kal'Delar ruhten nahe bei ihr im kühlen Wüstensand. Abgesehen von Windlied. Sie hatte ihren Kameraden den Rücken zugedreht und blickte wachsam über die Dünen und nahen Ruinen hinweg. „Wir haben die Kreatur vernichtet, daran besteht kein Zweifel. Aber warum hat uns der Ammonit hierher gebracht? Ist das hier sein Ursprungsort? Es würde zumindest die widerlichen Käfer erklären. Und was war das für eine Gestalt, die Tethis gesehen hat?“ Leise seufzend drehte sich Anduriel auf ihre heile Seite. Den Ruinen der Aqir so nah zu sein, behagte ihr ganz und gar nicht. Zwar hatte sie bis zum gestrigen Tage noch nie gegen diese widerlichen Kreaturen kämpfen müssen, aber sie hatte Geschichten gehört. Genug, um zu wissen, dass von den alten Ruinen noch immer Gefahr ausging. Die Kreatur im Inneren des Ammoniten hatten sie besiegt. Doch die Kaldorei ahnte, dass das Ende dieser Geschichte noch auf sich warten ließ.

WaldschattenBearbeiten

(22.11.2013)

Regen. Warum musste es ausgerechnet jetzt regnen?! Missmutig zog Anduriel oder auch Ayanris Windreiter, wie sie sich heute nannte, die Kapuze ihres Umhangs tiefer in das Gesicht. Lange schützen würde Sie der Stoff nicht. Dummer Weise hatte sie für Ihre Verkleidung als Händlerin, wie auch Aradai und Asaciel - mit dem kreativen Namen Liecasa Quellblatt - nur schlichten Stoff gewählt. Kein Leder und keine Felle, die vor Regen und Kälte besser hätten schützen können. Allein Neylina schien der Regen nicht zu stören. Sie war ganz ihrer Rolle der grimmigen Leibgarde namens Indis Dornenklinge verfallen und verzog nicht ein einziges Mal die Miene. Das Gefühl verfolgt zu werden ließ die junge Rekrutin trotzdem nicht los, wie sie ein oder zwei Mal den anderen zuflüsterte. Aber das war wohl kaum zu ändern, wenn man Schatten nachjagdte.

In Dolanaar angekommen machten sich Aradai aka Celariel Wollwind – ein interessanter Name, bedachte man die Tatsache, dass sie sich als Kräuterhändler ausgaben – und Anduriel daran, unter dem Deckmantel reisender Händler die Bewohner nach besagten Schatten auszufragen. Doch vergeblich. Niemand wollte etwas gesehen oder gehört haben und schlimmer noch: Die Händlerin mit der Anduriel sprach, entschuldigte sich unvermittelt während des Gespräch und eilte davon. In den Wald natürlich, wie Neylina beobachten konnte.

Umgehend gab die Gruppe daher vor ins Laubschattental weiterzureisen, da hier offenbar kein Handel erzielt werden könne. Die Absicht war, anschließend den Spuren der vermeindlichen Händlerin zu folgen. Kaum war man jedoch außer Sichtweite von Dolanaar, war klar, dass die Tarnung der Kal'Delar schon längst aufgeflogen war. Schatten huschten durch den nahen Wald und Rufe, die allerhöchstens von einer Eule im Stimmbruch stammen konnten, hallten durch die Dunkelheit.

„Genug mit diesen Spielchen! Zeigt euch endlich!“ Asaciels knurriger Aufforderung wurde nur mit einem leisen Lachen und einem Flüstern des Windes beantwortet. Von einem Mysterium sprach der Hauch, was keiner der Kal'Delar als überaus hilfreich empfand. Also blieb nichts anderes, als weiter einem Schatten nachzujagen. Er führte sie zu einem Mondbrunnen in den Tiefen des Waldes. Doch auch hier fanden sie keine Spuren, nur eine Stelle mit blattgedrücktem Gras.

„Es ist genug! Ich werde fliegen. Unsere Tarnung ist doch ohnehin schon aufgeflogen.“ Mürrisch sah sich Anduriel um und begann mit der Verwandlung. Sie flog immer noch nicht gern, hauptsächlich deswegen, weil ihre Landungen selten glückten, aber aus der Luft hatte sie einfach den besseren Überblick. Also begann sie ihre Kreise zu ziehen, sich weiter und weiter vom Mondbrunnen zu entfernen. Schließlich erreichte sie das alte Dorf Sternenhauch. Verlassen, wie es angeblich sein sollte, war es jedoch keinesfalls. Lichter flackerten in einigen der Fenster. Ob dies der Unterschlupf des Ordens war?

Rasch drehte die Sturmkrähe ab und versuchte an Höhe zu gewinnen. Es war schließlich nicht nötig noch weitere Schatten zu wecken. Doch sie war noch keine zwei Meter empor gestiegen, als irgendetwas über ihren Nacken strich, kalt und stofflich. Die Elfe in der Krähe erschauerte und das Tier geriet kurzzeitig ins Trudeln. Was ging hier nur vor sich? Die Krähe lauschte dem Wind, doch er wollte ihr ebenfalls keine Antwort geben. Also entschloss sich die Druidin auf dem schnellsten Wege zu den Anderen zurückzukehren. Wenn sie schnell genug waren, würden sie Sternenhauch vielleicht noch rechtzeitig erreichen, bevor es wieder leer und verlassen war.

Doch kaum hatte sie den Mondbrunnen erreicht – und Neylina beinahe über den Haufen geflogen – gab es eine weitere Überraschung. „Schwester Nebeltau ist in den Wald gegangen,“ teilte Asaciel ihr mit.“Wir sollen hier auf sie warten.“ Bei Cenarius, wohin sollte das alles nur führen? Das Wort einer Priesterin war Gesetz, aber sollten sie Nebeltau wirklich alleine lassen? Und was war mit den Lichtern? Ratlos sahen sich die drei verbliebenen Kal'Delar an. Was sollten sie nun tun?

Flammen am HyjalBearbeiten

(07.07.2011)

Sengende Hitze schlug Anduriel entgegen, kaum da sie das Portal durchschritten hatte. Sie kroch unter ihre Rüstung, biss ihr in die Haut und brannte in ihren Augen. Es kostete die junge Druidin größte Mühe und Selbstbeherrschung nicht direkt wieder umzukehren, um diese tote, feurige Land zu verlassen. Selbst das Atmen fiel hier schwer. Rauch stieg selbst dort auf, wo man eigentlich kalten Boden vermuten würde und insgeheim war sie froh, dass Nebelkraut ihnen vor dem Aufbruch noch dickes, festes Schuhwerk hatte zukommen lassen.

Mit zusammengekniffenen Augen sah die Kaldorei sich um. Das Land, welches sich vor ihr ausbreitete war zerklüftet und zerrissen, als hätte einst ein riesiges Ungetüm dort gewütet. An zahlreichen Stellen schoss Lava aus dem brodelnden Untergrund hervor, floss über das zerklüftete Land und sammelte sich in kochenden Becken. Rauch, in allen Grautönen lag über diesem Anblick und ließ einen die riesenhafte Festung auf der gegenüberliegenden Seite des Landes nur schwerlich erkennen. Mächtige Mauern hoben sich aus dem brodelnden Land empor, an deren Enden sich schwarze Kanten und Spitzen bedrohlich vor dem stetig pulsierenden Rot dahinter abzeichneten. Und mitten in dieser feurigen Einöde tobte die Schlacht.

Die Geräusche waren das Erste, was Anduriel davon vernommen hatte. Die gebrüllten Befehle der Generäle, das Klirren von Waffen, Surren von Bogen und Knistern der Zauber stand dem Donnern der Feuerriesen, dem Brodeln und Brüllen der Elemente und den qualvollen Schreien jener gegenüber, die dem flammenden Inferno zu nahe gekommen waren.

Unwillkürlich erschauderte die junge Kaldorei und wandte sich an den großen, breitschultrigen Druiden, der neben sie getreten war: „Dieses Land ist tot, Bruder! Wieso kämpfen wir hier? Wieso versperren wir Ragnaros' Schergen nicht einfach den Weg nach Azeroth?“ Der Kaldorei, Bärenfels mit Namen, gab ein tiefes Brummen von sich, als er antwortete: „Wir können das Feuer nicht von Azeroth bannen, Kind. Es genügt nicht mehr, die Elementare nur zurück zu schlagen. Wir müssen in ihr Zentrum vorstoßen. Nur so können wir das Gleichgewicht wieder herstellen.“ Stirnrunzelnd sah Anduriel zu dem Älteren auf und bemerkte dessen Lächeln. Sein Blick war auf einen bestimmten Punkt vor ihnen gerichtet, als er brummend hinzufügte: „Und sieh, nicht alles in diesem Land ist öde und tot.“ Beruhigend klopfte Bärenfels ihr auf die Schulter, sodass Anduriel unter der Kraft seiner Pranke beinahe die Beine nachgaben, und trottete weiter. Verwirrt sah die Druidin ihm nach. Welches Leben mochte er nur gemeint haben? Nicht die Druiden und Kämpfer, nein, er hatte seinen Blick auf etwas ganz bestimmtes gerichtet …

Anduriel schloss die Augen und strecke ihre Sinne in die Richtung aus, in welche Bärenfels ging. Zunächst spürte sie nur das, was sie bereits von Anfang an vernommen hatte: den Zorn des Feuers, der alles Leben in diesem Reich verschlungen hatte. Doch dann zupfte etwas an ihrem Bewusstsein, forderte Aufmerksamkeit. Anduriel wandte ihre Sinne darauf und nun sah sie, was sich bisher ihrer Wahrnehmung entzogen hatte: Wie ein pulsierendes Herz lag der Samen Nordrassils im öden Untergrund, stieß mit jedem Schlag das Leben aus sich heraus, trieb die Wurzeln in den Boden und einen jungen Trieb in den Himmel empor. Die Druidin lächelte. Es gab noch Hoffnung.

Schmerzensschreie rissen die Kaldorei aus ihrem Frieden. Eine neuerliche Hitzewelle schlug Anduriel entgegen, als sie die Augen öffnete. Vor ihr entbrannte das leibhaftige Chaos. Ein riesiger Elementar hatte eine Presche in die Verteidigungslinien des Zirkels geschlagen. Mehrere Wächter lagen verwundet oder sterbend am Boden. Das Feuerwesen brüllte seinen Triumph in die öde Wüste hinaus und für einen Moment schienen sie allesamt zu Stein erstarrt.

Bärenfels war der Erste, der sich wieder regte. Mit einem ohrenbetäubenden Brüllen sprang der Druide in seiner Bärengestalt dem Elementar entgegen. „Feuer auf Fleisch, das kann nicht … !“ Der mächtige Bär brüllte erneut, dieses Mal vor Schmerz, als seine Pranken gegen den festen, aber dennoch glühend heißen Panzer des Elementars krachten. Doch hatte er erreicht, was er wollte. Das riesenhafte Flammenwesen schenkte ihm seine ganze Aufmerksamkeit.

Inzwischen waren auch die anderen Kaldorei und Tauren wieder zur Besinnung gekommen. Ein kleiner Teil Krieger stürmten vor, um Bärenfels zu Hilfe zu kommen. Andere sicherten die Frontlinie. Am Rande ihres Geistes nahm Anduriel das bläuliche bis weiße Schimmern ihrer Waffen war. „Eis und Wasser ...“ Sie dachte nicht länger darüber nach, sondern suchte die Reihen der Druiden ab. Was hatten sie vor? Offenbar formierten sie sich in einem Kreis um den Elementar und begannen einen Zauber zu weben. Die Druidin benötige noch einen Moment bis sie begriff. „Feuer lässt sich nicht mit bloßen Pranken oder Stahl bekämpfen. Nur die anderen Elemente können ihm Herr werden.“

Rasch schloß die Kaldorei den Kreis der Druiden. Sie griff nach ihrer Kraft und begann sie mit dem Strom der Anderen zu verbinden. Wind zerrte an ihren Haaren und sie musste beide Beine fest in die Erde stemmen um an Ort und Stelle zu bleiben. Die verstreuten Brocken Stein und erkalteter Lava hatten weniger Glück. Der Wind zerrte sie aus dem lockeren Boden und riss sie in die Höhe, wie tödliche Wurfgeschosse. Bald war aus dem Wirken der Druiden ein schwarzer Wirbel aus Wind und Stein entstanden. Bärenfels und die Krieger waren samt dem Elementar eingeschlossen. Doch darauf konnten die Druiden nun keine Rücksicht mehr nehmen. Schon sah man die Flammen höher schlagen, genährt von Wind und Luft. Sie durften nicht länger zögern. Wie auf ein gemeinsames Kommando zog der Sturm seinen Kreis um den Elementar enger, um dann jäh abzuflauen. Erde, Stein und kalte Lava donnerte herab und begrub alles unter sich, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit hatte bringen können. Letzte Flammen griffen nach dem Geröll, suchten nach Freiheit, doch ein neuerlicher Windstoß fegte darüber hinweg, verschlang, was keinen Halt mehr hatte. Der Elementar war besiegt.

Die Druiden kosteten ihren Sieg nicht aus. Ohne einen Blick zurück, wandten sie sich wieder der Front zu, sicherten die Linie der Verteidiger. Nur zwei blieben mit Anduriel zurück, um die Toten und Verletzten zu bergen. Die junge Druidin fand Bärenfels unter Lava und Fels am Rand des Trümmerberges. Obwohl er dem Elementar am Nächsten gewesen sein musste, hatte er wie durch ein Wunder überlebt. Gemeinsam mit den anderen Verletzten brachten sie ihn zurück durch das Portal, wo Anduriel ihn am Schrein des Malorne in die Obhut der Heiler übergab. Ihr selbst wurde befohlen sich ausruhen und die junge Druidin dachte nicht einmal daran, sich diesem Befehl zu widersetzen. Müde ließ sie sich am Rand des Schreines nieder, nahm das Brot und Wasser zu sich, welches man ihr gegeben hatte. „Das sind also die Feuerlande. Dafür, dass Bärenfels und ich nur einen Blick auf die Schlacht haben werfen sollen, ist unser Ausflug doch sehr … ereignisreich verlaufen.“ Mit einem schweren Seufzer machte Anduriel ihrer Anspannung Luft. Sie würde später einen ausführlichen Bericht an Nebelkraut und auch an den Geist der Wildnis verfassen. Aber zunächst sollte sie meditieren und Ruhe finden. Immerhin, ihren ersten Ausflug in Ragnaros' Reich hatte sie überlebt.


Schlechte TräumeBearbeiten

(21.05.2009)


Ein Pfeil zischte an Anduriels linkem Ohr vorbei und traf den Gnom direkt in die Schulter. Marnik schrie noch auf, bevor sein Körper erschlafte. Die Druidin sah ihn schon nicht mehr zu Boden sinken. Der Kristall! Er war ihm aus der Hand gefallen, rollte den Steg hinab. Wenn ihre Glieder nur nicht so schwer wären! Wie in Zeitlupe sah sie zu, wie der Kristall das Ende des Steges erreichte. Ihre Hände griffen danach, doch er fiel in den Tümpel. Anduriel klammerte sich an das letzte Brett, grub die Nägel in das Holz, bis sie zu bluten begannen. Ein Geruch stieg ihr in die Nase, stank nach Fäulnis und Tod. „Spring!" schrien ihre Gedanken, „Du musst ihn finden! Spring!“ Anduriel sprang. Ein Schmerz durchfuhr jäh ihren Hinterkopf. Etwas Großes, Böses hatte daran gerissen. Dann tauchte sie ein in die tote Brühe des Tümpels. Grüne Flammen sprangen ihr auf die Haut, giftige Glut ihr in die Augen. Und von überall klang Marniks schrilles Gekicher an ihre Ohren.

Mit einem Ruck fuhr Anduriel aus dem Schlaf und verfing sich mit Kopf und Ohren in den zahlreichen Kräuterbündeln, die überall von der Decke hingen. Noch panisch wischte die Elfe sie mit den Händen fort, starrte in die absolute Finsternis, die sie umgab. Es dauerte einige Momente, bis sie zu Atmen kam und begriff, dass sie sich nicht in völliger Dunkelheit befand. Ihre Hände tasteten nach der Augenbinde. Für einen Augenblick war sie versucht, die Binde herunter zu reissen. Wie ihr das Herz immer noch bis zum Hals klopfte! Mühsam zog sie die Beine aus dem Bett, richtete sich auf und tastete sich mit langsamen Schritten zum Ausgang. Ihre Glieder fühlten sich so schwer an, wie an dem Tag im Felwood. Wie oft er ihr wohl noch in ihre Träume folgen würde?

Kühle Morgenluft umfing die Druidin, als sie nach draussen trat. Sie tat einen tiefen Atemzug und spürte wie der frische Wind ihr die Angst fortwischte. Die Kaldorei blieb stehen und lauschte. Sie lauschte den Vögel, die ihre ersten Lieder probten, dem Wasser wie es untermüdlich über die Steine sprang und dem Wind, wie er ihre Ängste in die Luft erhob und mit ihnen über die Blätter der Bäume tanzte um sie weit weit fort zu bringen.

„Du hast wieder geträumt, nicht wahr?“ Die tiefe, sanfte Stimme erklang direkt neben ihr. Anduriel hatte den Druiden nicht kommen hören, doch nun spürte sie seine Nähe. Sie beruhigte, wie sie es immer getan hatte. „Ja. Von Marnik und dem Seelensplitter. Es ist verrückt, nicht wahr? Da habe ich sie endlich wieder, aber ihr Verlust verfolgt mich trotzdem noch in meinen Träumen." Sie hörte die Sorge in seiner Stimme, als er antwortete:„Du hast viel durch gemacht, Anduriel. Die Ketten der letzten Jahre, waren schwer zu sprengen und der Tag deiner Befreiung ist noch jung. Habe Geduld mit dir. Die Träume werden vergehen. Vielleicht … sollte ich doch einmal diesen Elfen suchen. Womöglich beschleunigt das den Heilprozess.“ Ein Lächeln schlich sich auf Anduriels Lippen. Mit welcher Beiläufigkeit er Keel erwähnte. Oh, er kannt sie so gut. „Ich erzähle dir eindeutig zuviel, Shan'do Mithrar. Vielleicht sollte ich das in Zukunft ändern.“ Aber Mithar lachte nur gutmütig und griff sanft nach ihrem Arm. „Komm, junge Thero'Shan. Ich möchte mir deine Augen ansehen.“ Er führte sie zum Mondbrunnen, der direkt neben dem kleinen Häuschen in Nighthaven stand. Gehorsam setzte sie sich auf den kühlen Stein. Das Rascheln seines Kilts verriet ihr, dass er sich neben ihr niederließ. Die Elfe löste die Binde von ihren Augen und wandte ihm das Gesicht zu. „Dann wollen wir einmal sehen …" Das Wasser plätscherte leise, als Mithrar etwas in den Brunnen tauchte. Rauhe Hände berührten sanft ihr Gesicht. Mit einem feuchten Tuch befreite der Druide ihre Augen von der Kräuterpaste und dem Schlaf, der ihr die Lider verklebte.

Anduriel blinzelte, dann öffnete sie zögernd die Augen. Das Licht des Morgens brannte ihr so hell in den Augen, dass sie glaubte, selbst dann nichts sehen zu können, wenn dieser Gifttümpel im Felwood ihr nicht die Sehkraft geraubt hätte. „Sie sehen immer noch entzündet aus. Aber das Gift scheinen wir entgültig herausgefiltert zu haben,“ brummte Mithrar zuversichtlich, „wie geht es?“ „Sie brennen immer noch fürchterlich. Aber ich sehe schon deutlich besser, glaube ich.“ Blinzelnd musterte sie Mithrars verschommene Gestalt. „Das Tageslicht ist noch zuviel für sie. Aber es wird heilen“, versicherte der Druide ihr, während er eine neue Augenbinde mit einer zähen Kräuterpaste bestrich.

Anduriel hielt still, als Mithrar ihr die Binde wieder um die Augen legte. Ihre Gedanken kehrten zu dem Tag am Tümpel zurück und zu ihren Rettern. „Hat Bewahrer Remulos mittlerweile denn entschieden, ob ich in zwei Tagen nach Auberdine darf?“ „Ja, das hat er. Mondpriesterin Deliantha hat mit ihm gesprochen. Du darfst gehen.“ Die Kaldorei lächelte erfreut. Die Priesterin hatte bereits so viel für sie getan und nun schien sie sich erneut für die Druidin eingesetzt zu haben. Doch Mithar sprach weiter. „Du hast bereits viele Aufgaben ausgeführt und sie auch dann akzeptiert, wenn es sich scheinbar um Nichtigkeiten handelte. Dir ist sicherlich klar, dass dies alles dazu diente, deinen Willen zu prüfen. Bewahrer Remulos ist der Ansicht, dass dein Wille dich dem Zirkel als Druidin zu beweisen groß und fest ist. Darum lässt er dich gehen. Du bleibst in den Augen des Zirkels jedoch weiterhin eine Schülerin und wirst regelmäßig nach Moonglade zurückkehren, um weitere Aufgaben von den Druiden entgegen zu nehmen. Dies wird solange so bleiben, bis der Hüter gewillt ist dich als vollwertige Druidin anzuerkennen.“ Was redete Mithrar da? Anduriel kannte die Bedingungen unter denen der Cenariussohn ihr Hilfe zugesagt hatte bereits. Sie wollte doch nur die Geschichtsstunden der Nor'Ishur besuchen und sich endlich auch bei Kiza persönlich für ihre Hilfe bedanken. Immerhin war es die Jägerin gewesen, die ihre Seelensplitter gefunden hatte.

„Akzeptierst du Remulos' Entscheidung, Thero'Shan?“ Wie ernst er klang! Erst da wurde der Druidin klar, dass der Hüter Mithrar aufgefordert haben musste, sie noch einmal an ihre Position zu erinnern. Hastig nickte sie. „Natürlich, Shan'do. Ich stehe tief in der Schuld des Hüters und ich werde vor lauter Dankbarkeit nicht die Chance vertun, die er mir verschafft hat. „Gut, gut. Er hat mir nahe gelegt, dich daran zu erinnern. Aber nun wirst du mir erst einmal helfen, die Kräuter zu verarbeiten, die wir getrocknet haben. Sofern, sie noch zu gebrauchen sind, so wie du unter ihnen gewütet hast.“

Mit einem gespielten Seufzer rappelte Anduriel sich auf, um ihren Shan'do zurück ins Haus zu folgen. Der Gnomenhexer war fürs Erste vergessen. Der Fluss hatte ihn verschlungen und so bannte auch die Druidin ihn aus ihren Gedanken. Aber wer wusste schon, ob er wirklich tot war.

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