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Eisenwolf/Tagebuch des unbekannten Soldaten

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Das Tagebuch des unbekannten Soldaten umschreibt grob die Ereignisse um den Eisenwolf zwischen der anfänglichen Rekrutierung und der Schlacht gegen die Verlassenen im Silberwald aus der Sicht eines gewöhnlichen Rekruten. Selbstverständlich schwingt aufgrund dessen auch zu jeder Zeit ein gewisses Maß an Subjektivität mit. Das Tagebuch umfasst fünf Kapitel mit je drei Einträgen; insgesamt also 15 Einzelbeiträge. Im Tagesrhythmus wird dabei je ein Neuer veröffentlicht. Zusammen mit verschiedenen Screenshots soll dem interessierten Leser dadurch ein Bild über den alten Eisenwolf vermittelt werden. Nun wünschen wir viel Spaß beim Lesen.


Wollof.png Kapitel I: RekrutierungBearbeiten

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Wollof.png I. Ankunft – oder: Der gemeine RekrutBearbeiten

- Tag Eins in den Reihen des Eisenwolfes

F-Gilneas21.jpg

Gegen Abend kam ich an. Der Himmel war vergleichsweise ruhig; einige Wolken stoben über den mattgrauen Himmel. Hin und wieder tröpfelte eisiger Niesel über meine bereits vollkommen durchnässte und schmutzige Kleidung. Mir war kalt und ich hatte Hunger; so wie all die Wochen zuvor. Aber ich hatte andere Sorgen. Sorgen, derer Antworten ich hier zu finden hoffte.

Im Lager hatten sich bereits einige Wartende versammelt. Viele der Augen in die ich sah, sprachen von Trübsal und Elend; aber auch von Zorn und dem Wunsch nach Vergeltung. Gefühle, die ich in den letzten Wochen nur allzu gut kennen lernen durfte – vertraute Gefühle. Es waren größtenteils Männer, jung wie alt, die hier Schlange standen, um ihrem Vaterland angemessen dienen zu können… „Dem Vaterland angemessen dienen“…ich frage mich, für wie viele der hier Anwesenden dies der tatsächliche Grund ihres Erscheinens ist. Die letzten Wochen und Monate seit der Invasion waren nicht gerade erquickend. Sowohl für zurückgebliebene Zivilisten als auch das Militär selbst ging es um nichts weiter als das blanke Überleben. Für diejenigen jedoch, die vor dem Krieg keine Lehre über das Leben in der Wildnis erlangen konnten, war letzteres noch die sicherste Zuflucht – insoweit man überhaupt von so etwas wie „Sicherheit“ zu reden vermag. Da auch ich seitdem ich denken kann ausschließlich in zivilisierter Umgebung verweilte, kam mir der Rekrutierungsausweis des Eisenwolfes nun gerade recht. Ich bin mir sicher; vielen der hier Verweilenden ergeht es nicht anders. Doch so viel Eigennutz möchte ich uns gar nicht unterstellen. Schließlich hätten wir auch mit den anderen fliehen können. Freunde, Familie…Hab und Gut. Dies alles ließen wir zurück. Um zu bleiben; um zu kämpfen. Zu kämpfen für ein freies und sicheres Gilneas, wie wir es einst kannten. Wenngleich ich mir darüber im Klaren bin, daß nicht ein jeder aus derlei hehren Gründen hier zurückblieb. In den letzten Wochen gelangten immer wieder neue Geschichten über Wegelagerer, Banditen, Söldner und sonstigen Abschaum an meine Ohren…als hätten wir nicht schon genug Probleme…

Die Zeit verging langsam auf dem großen, kargen Platz. Neben dem unaufhörlichem Prasseln des Niesel waren hin und wieder auch vereinzelte Worte von einem der in der Nähe befindlichen Lagerfeuer zu vernehmen. Während ich darauf wartete, von einem der zuständigen Offiziere gemustert zu werden, suchte also auch ich das Gespräch zum ein oder anderen meiner Leidensgenossen. Mein schlimmster Verdacht sollte vorerst nicht bestätigt werden. Denn neben altgedienten Soldaten, ehemaligen Handwerkern und Tagelöhnern fanden sich nur wenige zwielichte Gestalten darunter. Eine marodierende Bande aus Taugenichtsen und Nichtsnutzen war das Letzte, das unser Vaterland nun gebrauchen konnte. Doch nur die Zeit wird letztendlich zeigen, aus welchem Metall der Eisenwolf geformt worden sein wird.

Wolfo.png II. Erste TageBearbeiten

- Tag Drei in den Reihen des Eisenwolfes

Sturmwind0.png

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Das Wetter klart nach wie vor nicht auf. Der Himmel ist noch immer trist und wolkenverhangen und auch der Regen prasselt weiterhin auf die wenigen verbliebenen Irrlichter herab. Die neuen Uniformen halten jedoch angemessen warm, wenngleich sie von besserer Machart sein könnten. Auch die Nahrungsversorgung kann sich bestenfalls rar nennen, doch will ich mich in Anbetracht der derzeitigen Gesamtsituation nicht beschweren. Am gestrigen Tage traf erneut ein Grüppchen neuer Rekruten ein – einer hagerer als der andere. Doch besser als nichts. Die Aufnahmeprozedur verlief gewohnt schnell und reibungslos; wie auch kühl und distanziert. An Worten der Hoffnung wird nach wie vor gespart. Strategie oder Kalkül? Ich habe keine Antwort darauf. Viele von uns erwarteten mehr; und sei es nur ein freundlicher Händedruck. Jedoch nichts dergleichen. Name – Geburtsort – Werdegang.. „Bitte belästigt mich nicht mit weiteren Details.“. Einreihen. Ernüchterung macht sich breit. Aber wir halten stand. Womöglich steckt doch mehr dahinter.

Heute schließlich ergriff uns eine magere Welle der Euphorie. Die Nachhut aus Sturmwind traf ein. Nachdem wir mit entsprechendem Lasttier von unserem Hauptquartier am Kathedralenviertel aus gen des Hafens von Kielwasser gezogen waren, erwartete uns dort bereits nach kurzer Zeit ein mit Waren, Gütern und neuen Rekruten voll beladenes, gilnearisches, Handelsschiff. Angeführt wurde die Eskorte von Stabshauptmann von Wolfenfels und dessen Unterstehenden, Leutnant von Rabenstädt. Neu hinzu kamen Stabsärztin von Wolfenfels – der Frau des Generals – sowie Frau Hauptmann von Falkenstein. Zwei „Damen“, denen Dinge wie weibliche Tugenden völlig fremd zu sein scheinen. Ihrem Gemüte nach hätte man sie ebenso gut dem herrschenden Geschlecht zuordnen können. Man verzeihe mir meine Worte.

Gegen Abend trafen wir wieder am Hauptlager ein. Nach dem Entladen der Güter zogen sich die Offiziere für einige Zeit in ihre Baracke zurück, während wir Rekruten uns selbst überlassen wurden; ein bisher seltenes Vergnügen. Wir nutzen die Chance und ließen uns in ausgelassenen Plauschen und Scherzen darnieder, ehe wir zurück auf den Platz beordert wurden. Zu meinem – und nicht nur meinem – Erstaunen, begannen bereits am heutigen Tage die ersten Drillübungen. Zwar beschränkte es sich auf einfaches Marschieren und Formationsstehen, doch offenbar scheint man nicht gewillt, auch nur einen Tag mehr als nötig zu verlieren. Ich begrüße diese Entwicklung, finde damit jedoch nicht überall anklang.

Die Nächte selbst sind ruhig; noch, wie ich meinen möchte. Derzeit finden sich noch genug Zelte und Lagerplätze für jeden Rekruten, jedoch dürften wir mit der Zeit immer weiter zusammenrücken müssen, wenn man der anhaltenden Entwicklung folge leistet. Ich genieße die Nächte bis dahin und lege mich vorerst schlafen.

Wolfo.png III. ErinnerungenBearbeiten

- Tag Elf in den Reihen des Eisenwolfes

Gilneas19.jpg

Es wird kälter. Vor ein paar Tagen fielen die ersten Schneeflocken vom Himmel. Anders als früher blieb jedoch keine Zeit, um sich daran zu erfreuen. Im Gegenteil, die Arbeit erschwerte sich nur unnötig. Neben den herkömmlichen Ordnungsmaßnahmen hatten wir nun zusätzlich den Platz von Schnee und Eis zu befreien; eine wahre Knochenarbeit, wie ich meinen möchte. Doch wie immer fanden wir uns gehorsam damit ab und taten unsere Pflicht. Währenddessen schwelge ich für gewöhnlich in wohligen Erinnerungen meiner Vergangenheit. Für manch einen eine halbe Ewigkeit, kommt es mir wie gestern vor, als ich vor acht Jahren den ersten Winter mit meinen beiden Söhnen verbrachte. Beide waren sie noch zu jung, als daß wir sie hätten den Gefahren, wie auch Freuden, von Eis und Schnee hätten aussetzen können. Wir…meine Frau und ich. Sie ging, ich blieb. Es war eine gemeinsame Entscheidung. In Gedanken bin ich seither jeden Tag bei ihr – ihr und meinen beiden Kindern; meinem eigen Fleisch und Blut. Es ist nicht immer einfach. Doch mich tröstet der Gedanke, daß eines Tages alles anders wird…besser. Nicht immer fühle ich mich wohl, während ich an sie denke. Hin und wieder kommt es mir gar so vor, als ließe ich sie in der Stunde ihrer größten Not im Stich. Im selben Moment jedoch rechtfertige ich mich. „Was ich tue, tue ich für sie.“. Unter anderem, wenn ich ehrlich bin. Seit Ausbruch des Krieges stehe ich zwischen den Fronten. Familie oder Vaterland. Es ist ein ewiges, elendes Hin und Her. Ein Suchen von Kompromissen und Arrangements. Das Schlimmste jedoch ist, zu keiner Zeit zu wissen, das Richtige getan zu haben. Zwar mag es nobel sein, seinem Pflichtbewusstsein derlei nachzukommen, doch der Preis dafür ist hoch. Ich kann nicht sagen, wie lange ich noch vermag, diesen waghalsigen Balanceakt aufrecht zu erhalten. Wieder einmal bleibt mir nichts weiter als zu Hoffen und Bangen.

Meinen Beobachtungen zu Folge scheine ich nicht der Einzige zu sein, welcher in gewisser Weise mit vergangenen Entscheidungen ringt. Einige Kameraden – auf den ersten Blick lassen sie sich nur selten etwas anmerken – berichteten mir bereits von ihren Hinterlassenschaften. Hin und wieder sieht man es ihnen gar direkt an. Die Frage jedoch, woher sie die Kraft beziehen, ihren Willen gegen jeden Widerstand durchzusetzen, kann ich ohne Weiteres nicht beantworten. Es ist dies ein schwacher Trost, zu wissen, mit seinen Gedanken nicht alleine zu sein. Doch wieder einmal – es ist besser als nichts. „Besser als nichts“…allmählich habe ich es satt, mich unablässig nur mit dem Geringsten zufrieden geben zu müssen. Doch was bleibt mir anderes übrig? Weglaufen und dem eigenen Seelenheil hinterher jagen? Dann bin ich nicht besser als all die Söldner und selbstverliebten Egoisten dort draußen in den Weiten der Welt. Ganz zu schweigen davon, meine Kameraden im Stich zu lassen. Nein, all dies soll nicht umsonst gewesen sein. Davon ab war ich mir von Anfang an darüber im Klaren, daß der Weg kein leichter sein würde. Bereits jetzt erste Zweifel an diesem zu bekommen, überrascht mich selbst… Möglicherweise sollte ich in nächster Zeit darauf achten, mehr der Zukunft denn der Vergangenheit zu gedenken.

Wollof.png Kapitel II: Dienen unterm Schwarzen BannerBearbeiten

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Wolfo.png I. AlphawölfeBearbeiten

- Tag 21 in den Reihen des Eisenwolfes

Eisenwolf1.0.jpg

Routine. Ewige, allumfassende Routine. Tag ein, Tag aus. Aufstehen – Antreten - Marschieren. Übung. Es ist ein Spiel ohne Ende. Wenigstens eine kleine Pause oder ein Anzeichen der Freundlichkeit – doch nein, schließlich wäre es schon wieder zu viel des Guten. Jedoch möchte ich nicht behaupten, daß der anhaltende Drill keine Berechtigung hätte. Allmählich wächst die Gemeinschaft zusammen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, so sagt man. Wir unterstützen uns mehr als noch zu Beginn; geben aufeinander Acht. Auch in Sachen Disziplin scheinen wir Fortschritte zu machen. Denke ich an die ersten Tage zurück, kann ich bei der Erinnerung an unsere frühen Formationsversuche und Marschkünste nur heiter schmunzeln. Es geht voran, so möchte ich meinen.

Die Ausbildung selbst leitet der Stabshauptmann. Lord Fangar von Wolfenfels. Nicht gerade der angenehmste Zeitgenosse. Die meisten von uns haben bereits gelernt, ihn zu hassen. Ich selbst weiß noch nicht so recht, was ich von ihm zu halten habe. Hin und wieder habe ich den Verdacht, er handelt aus reinem Sadismus heraus. Doch sicher bin ich mir dabei bisher nicht. Glücklicherweise übernimmt er die den Drill nicht allein. Je nach Einheit stehen einzelne Trainingseinheiten unter der Leitung von Leutnant von Rabenstädt, Frau Hauptmann von Falkenstein oder Stabsärztin von Wolfenfels. Ersterer scheint das zu sein, was man für gewöhnlich einen Lebemann nennt. Zwar möchte ich nicht anmaßend klingen, doch hin und wieder könnte man fast den Eindruck gewinnen, ihm fehle es selbst an Disziplin. Selbstverständlich hätte niemand den Mut, ihm dies direkt ins Gesicht zu sagen. So bleibt es bei einer vagen Vermutung. Zu den anderen beiden Herrschaften gibt es nicht viel weiter zu sagen. Mein Ersteindruck hat sich nur weiter bestätigt. Im Körper eines Mannes wären sie deutlich besser aufgehoben. Andererseits kann man ihnen nicht vorwerfen, ihrer Pflicht nicht hervorragend nachzukommen. Der ihnen entgegengebrachte Respekt ist enorm. Möglicherweise ist meine Abneigung ihnen gegenüber auch nur ein Zeichen von Unverständnis. Verhielten sie sich wie Frauen, würden wir sie vermutlich auch wie eben jene behandeln. Letztlich ist es nur ein seltenes Bild. Eine Frau zum Führer…nicht ein jeder von uns findet Gefallen an diesem Umstand. Im Gegenteil. Doch sie wissen sich durchzusetzen.

Weniger zu berichten gibt es dagegen aus anderen Abteilungen des Eisenwolfes. Der Oberst zeigt sich nur selten. Hin und wieder können wir einen Blick auf ihn erhaschen, während er das Geschehen aus der Distanz beobachtet oder einen kurzen Plausch mit einem der anderen Offiziere führt. Ähnlich verhält es sich um den General, Lord Viktor von Wolfenfels. Dieser hielt vor einigen Tagen eine donnernde Rede, um uns Rekruten auf die bevorstehenden Ereignisse und den Eisenwolf einzuschwören. Wortgewandt scheint er in jedem Falle zu sein. Ansonsten jedoch hält auch er sich weitestgehend bedeckt. Was sie sich dabei denken, vermag ich nicht zu ergründen. Es hat mich auch nicht weiter zu interessieren. Für uns gemeine Soldaten gibt es mehr als genug zu tun.

Auch für heute habe ich vorerst genug. Das wie immer spärliche Abendessen liegt mir unangenehm im Magen und die Glieder schmerzen von all der Schinderei. Wer weiß schon, was die nächsten Tage bringen werden...

Wolfo.png II. Der Tyrann - oder: Der Fisch stinkt immer vom Kopf herBearbeiten

- Tag 29 in den Reihen des Eisenwolfes

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Genug! Zur Hölle mit diesem arroganten Scharlatan! Stabshauptmann nennt er sich - das ich nicht lache. Sklavenschinder wäre die korrekte Bezeichnung! Er und seine Speichellecker – allmählich können sie mich alle mal kreuzweise. Soll er nur von „Disziplin“ und „Zusammenhalt“ faseln, so lange er will. Mich führt er damit nicht hinters Licht! Sämtliche seiner sogenannten „Übungen“ sind nichts weiter als Alpträume, entsprungen aus den Tiefen seiner seelischen Abgründe. Er folgt keinem höheren Ziel – Sadismus ist das Einzige, was ihn antreibt; dessen kann ich mir mittlerweile sicher sein. Alleine stehe ich mit dieser Ansicht bei weitem nicht. Das halbe Regiment hat er bereits gegen sich aufgebracht…was rede ich; niemand unter uns kann für ihn auch nur ansatzweise so etwas wie Sympathie empfinden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis zu seiner Absetzung – wenn nicht durch die anderen Offiziere, dann durch uns.

Ein Wunder, daß wir überhaupt noch bleiben. Unser Ehrgefühl ist sein Glück. Ich gebe den derzeitigen Umständen höchstens noch eine Woche, ehe etwas passiert. Auf eine Änderung seinerseits zu hoffen können wir uns sparen. Vermutlich merkt er noch nicht einmal, was er uns zumutet. Ginge es nach ihm, würden wir allesamt halb tot an die Front marschieren. Das zumindest scheint seine Auffassung von einer gut ausgebildeten Armee zu sein. Erstaunlich, daß es die meisten der Schwächeren unter uns überhaupt soweit geschafft haben. Bruch, Krankheit, Ermattung, Lebensgefahr…es gibt nichts, das er noch nicht heraufbeschworen hätte. Die Leidtragenden sind selbstverständlich zu jeder Zeit wir. Wir, die wir hier her kamen, um etwas zu lernen. Nicht, um den sadistischen Neigungen eines elenden Tyrannen ausgesetzt zu werden! So haben wir uns das Dienen unterm Schwarzen Banner nicht vorgestellt. Nein, das haben wir nicht nötig – keiner von uns!

Die nächsten Tage werde ich mich noch einmal genauer mit den anderen in Verbindung setzen, um mich mit ihnen in der Angelegenheit zu beratschlagen. Die anhaltenden Umstände jedenfalls sind so nicht weiter tragbar. Klar ist nur eines: Es muss etwas getan werden. Nicht zum Wohle des Einzelnen; zum Wohle aller. Mit einer Armee aus Schwachen und Kranken kann man keinen Krieg gewinnen. Ganz zu schweigen von der niedergeschmetterten Moral innerhalb unserer Reihen. Ich frage mich ohnehin, wie all die anderen Offiziere nichts weiter zu tun vermögen, als das gesamte, grausige Schauspiel ruhigen Gemütes zu verfolgen. Vermutlich können sie selbst nicht den Mut aufbringen, diesem Aasgeier entgegen zu treten. General und Oberst von Wolfenfels zeigen sich nach wie vor kaum – offenbar haben sie bereits jegliches Interesse am Schicksal des Regiments verloren. Doch das soll nicht länger unser Problem sein. Es wird Zeit, zu handeln.

Wolfo.png III. Nacht und NebelBearbeiten

III. Nacht und Nebel - Tag 31 in den Reihen des Eisenwolfes

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In der gestrigen Nacht beging ich die Schwerste in einer ganzen Reihe von Fehlentscheidungen. Desertieren…niemals hätte ich mir etwas derart ehrloses und feiges zugetraut. Das Schicksal meiner Kameraden ging mir dabei dezent am Allerwertesten vorbei. Nur einem glücklichen Umstand habe ich es noch zu verdanken, nun nicht irgendwo in der Einöde zu sitzen – ohne der Chance auf eine Rückkehr; ohne der Möglichkeit, meine Fehler wieder gut zu machen. Es war bereits nach Mitternacht, als ich voller Frust und Abscheu meine Sachen packte, um mich auf den Weg zu machen. Kaum war ich hinter den Grenzen unseres Lagers in den dichten Baumreihen des Nordtorwaldes verschwunden, tauchte aus dem Unterholz überraschend Soldat Einschlag auf. Ich habe bis heute keine Ahnung, was er dort um diese Zeit trieb, doch er muss mir vom Schicksal gesandt worden sein. Während ich wutendbrand meinen Gedanken und Worten freien Lauf ließ, um ihm meine Situation zu erklären, folgte er jenen nur ruhigen Gemütes. Als ich mit meiner Litanei an Verwünschungen und Todesflüchen endlich zum Ende kam, wartete er einen Augenblick, ehe er seinerseits ansetzte. Jedes einzelne seiner Worte war ein Treffer ins Schwarze.

Ich habe mich geirrt. Die ganze Zeit über. Sowohl in meinen Betrachtungen gegenüber dem Stabshauptmann, als auch der Meinung meiner Kameraden zu dieser Angelegenheit. Ich habe mir selbst etwas eingeredet, das zu keiner Zeit der Wahrheit entsprach. Aus Eigennutz, aus Arroganz – wer weiß, weshalb. Freilich gibt es nach wie vor Gram und Verdruss gegenüber den Methoden des Ausbilders. Ich selbst habe es lediglich meinem Kameraden zu verdanken, den gegebenen Umständen nun mit einem neuen Blick entgegen zu treten können. Der Stabshauptmann mag ein Sadist sein, ja. Dennoch sind die Dinge nicht ohne Grund, wie sie sind. Die ganze Zeit über lag die Lösung direkt vor unseren Augen. Doch aufgrund persönlicher Eigeninteressen waren die meisten von uns außer Stande, sie wahrzunehmen. In Lord Fangar von Wolfenfels fanden wir Rekruten unser gemeinsames Feindbild. Etwas, das wir aus verschiedensten Gründen mehr als notwendig haben, wie mir Soldat Einschlag eröffnete. Es schweißt uns nicht nur zusammen; es schafft uns obendrein eine ungeahnte Stärke, so lange wir als Trupp zusammen stehen. Zueinander halten. Wenn ich aus meiner jetzigen Warte heraus die Veränderungen der letzten Tage und Wochen innerhalb des Eisenwolfes neu bewerte, komme ich unweigerlich zu dem Schluss, nicht zuletzt aufgrund eben jener zuvor verteufelten Methoden enorme Fortschritte innerhalb unserer Reihen festzustellen. Nicht nur was unsere Disziplin betrifft. Auch die gegenseitige Unterstützung und Kameradschaft – all jenes, wovon unser Ausbilder die ganze Zeit über sprach – nahmen in ihrer Intensität erheblich zu. Von einigen wenigen Schwachen vielleicht abgesehen.

Schwachen wie mir. Ich schien für den Eisenwolf noch nicht bereit zu sein. Ein weiterer Effekt unserer Ausbildung. Selektion der Ungeeigneten – Wappnung der Geeigneten. Sein Plan geht auf. Es gibt kein besseres Beispiel als meinen eigenen Werdegang.

Fortan muss ich vorsichtiger sein, möchte ich nicht untergehen. Besser ich halte mich in Zukunft mehr an Soldat Einschlag. Man merkt ihm sichtlich an, bereits seit längerem an der Seite der von Wolfenfels‘ zu streiten. Man kann ihnen vertrauen; denn sie wissen, was sie tun. Und ich weiß, wo mein Platz ist.

Wollof.png Kapitel III: Waffen auf AnschlagBearbeiten

Wolfo.png I. Frischer WindBearbeiten

Folgt.

Wolfo.png II. FeuertaufeBearbeiten

Folgt.

Wolfo.png III. BlutdurstBearbeiten

Folgt.


Wollof.png Kapitel IV: Blut und EisenBearbeiten

Wolfo.png I. An die FrontBearbeiten

Folgt.

Wolfo.png II. Leben und Leben lassenBearbeiten

Folgt.

Wolfo.png III. Das Tier in mirBearbeiten

Folgt.


Wollof.png Kapitel V: Nichts währt ewigBearbeiten

Wolfo.png I. Der längste TagBearbeiten

Folgt.

Wolfo.png II. Wappnende GedankenBearbeiten

Folgt.

Wolfo.png III. An meine LiebeBearbeiten

Folgt.

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