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Ein Adelsnest/9

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Kapitel 7 - FortsetzungBearbeiten

Ohka fluchte. Plötzlich wurde ihr alles klar. Zu spät, viel zu spät wurde es ihr klar. Man hatte sie hereingelegt, sie alle und das komplett! Das war nicht Lord Bosson, das war der Mann auf Vianas kleinem Bildchen.

Der Mann, zu dem sie ihre Karte geschoben hatte, der Prinz selber! Sie war in den Palast des Prinzen eingebrochen, der Brief in der Taverne war eine Fälschung, eine elende Fälschung! Wahrscheinlich hatten die Verschwörer schon Carsons ersten Brief in Sturmwind abgefangen, deshalb auch das neutrale Siegel! Sie stand da mit erhobenem Dolch und die Gedanken flogen durch ihr Gehirn. Der Rausch des Tötens war mit einem Mal verflogen und ihr Körper stand noch so da, wie er ihn verlassen hatte.

"Wer..... was zum..." Frosand erwachte und starrte sie an.

Ohka stand wie angefroren, das Ausmaß der Katastrophe lähmte sie für einen Augenblick vollständig. Alles war aus! Die Bande wusste Bescheid und hätte sie um ein Haar zu ihren eigenen Mordkomplizen gemacht. Das war verhindert, aber was jetzt? Wie sollte sie....

"Wachen! Wachen zu mir! Ein Anschlag!" Frosand war jetzt hellwach und läutete wie von Sinnen eine Glocke. Es war keine Zeit mehr für Erklärungen, sie musste verschwinden und das schnell!

Sie stürmte aus dem Zimmer, riss die Tür weit auf und trat in den Korridor. Von rechts hörte sie im selben Augenblick Schmerzensschreie, etwas in den Tiefen ihres Instinktes sagte ihr, dass jemand in die Krähenfüße getreten war. Von dort also kam tatsächlich Gefahr. Und es waren mehrere Stimmen, der nächste Wächter würde vorsichtiger sein. Ihr war der Weg abgeschnitten.

Sie konnte nur noch zurück in Frosands Zimmer oder nach links, von wo der unglückliche Wächter gekommen war. In ihrem Verstand verdichtete sich schnell ein Bild, wie es unterhalb dieses Balkons aussah: Eine Wiese, freie Fläche bis zur nächsten Mauer. Über die Mauer würde sie kommen, wenn sie sich nicht vorher verletzte. Wenn sie es bis dahin überhaupt lebend schaffen würde. Sie blickte grimmig über die Schulter.

Frosand war aufgestanden und sah in seinem Nachthemd ein wenig lächerlich aus. Sein Schwert allerdings sah weniger lächerlich aus. Er wäre sicher kein Gegner für sie, aber ihn zu verletzen würde es für sie alle nur noch schlimmer machen. Nein, der Fuchs musste raus aus dem Bau, dringend raus! Sie raste um die Ecke nach links. Der Korridor war leer, am Ende die vom Mondlicht erleuchtete bunte Scheibe. Hinter ihr sammelten sich Männerstimmen, ein leichtes Jammern desjenigen, der in die Krähenfüße getreten war, aber mindestens noch drei weitere, sofern ihr Verstand in der Aufregung noch richtig funktionierte. Und das beunruhigende Klicken von Armbrüsten.

Wenn sie schon nicht im Dunkeln hinter ihr herlaufen mochten, weil sie die Krähenfüße fürchteten, so würden sie sie mit Sicherheit schon nach wenigen Schritten abschießen wie einen Hasen auf der Flucht. Ruhe Ohka! Ruhe jetzt! Sie stand kurz still, pumpte Luft in ihre Lungen, die bereits wieder heftig schmerzten.

´Oh bitte, nicht jetzt, jetzt nicht. Nur eine Minute noch, oder zwei!´ sandte sie als Stoßgebet zum Himmel jenseits der Decke dieses Korridors, in dem sich alles entscheiden würde. Sie würde sprinten müssen, nein besser noch ausweichen, sonst hätte sie nach wenigen Schritten Bolzen im Rücken. Ein Flicflac, etwas anderes blieb ihr eigentlich gar nicht, wenn sie die Schützen verwirren wollte. Das würde sie nicht unverwundbar machen, aber ihnen das Zielen erheblich erschweren. Kleine Chance, aber besser als gar keine.

Das hatte sie lange nicht mehr gemacht, erst recht nicht, seit ihre Lungen nichts mehr taugten. Sie peilte kurz die Entfernung. Wie viel Überschläge mochten es sein? Sechs. Wenn sie beim Sechsten nicht mit den Füßen voran in der Scheibe landen würde, wäre es vorbei. Sie lief an.

Sie biss ihre Kiefer fest aufeinander und stürzte sich mit den Händen voran in den ersten Überschlag. Sie landete auf den Händen, der schlanke biegsame Körper erhob sich durch den Schwung, überschlug sich, ihre rheumatischen Finger schreien auf vor Schmerz, sie war sich nicht sicher, ob sie es ihnen nachtat. Erster Überschlag geschafft, die Füße landeten sicher auf dem Teppich.

Sie sprang wieder auf die Hände, zweiter Überschlag, noch immer keine Reaktion von den Verfolgern zu hören. Perfekt, schoss es durch ihr Gehirn, ihre Lehrmeister wären begeistert von der Präzision ihres zerbrechlichen Körpers gewesen.

Dritter Überschlag, ein erster Hustenreiz hätte sie fast durcheinander gebracht, die Beine torkelten einen Moment unschlüssig herum, ehe sie den Schwung mitmachten und die Energie der Bewegung weiter verstärkten. Sie wirbelte wild herum, präzise, geschmeidig. Das Leder ihrer Rüstung knarrte nur leicht unter den Biegungen.

Vierter Überschlag, das hässliche Klicken losgemachter Schüsse ist aus einer Richtung zu hören, die ihr beim Überschlag nicht mehr ganz klar ist, aber es Muss hinter ihr sein. Der Reiz in ihrer Lunge ist jetzt zum Brennen ausgeartet.

Fünfter Überschlag, Armbrustbolzen schwirren wie lästige Insekten an ihr vorbei. Sie wusste instinktiv dass sie sich besser nicht auf das Gefühl eines sie durchbohrenden Geschosses konzentrieren sollte, wenn sie nicht die Konzentration verlieren wollte. Etwas in ihrer Lunge fühlte sich an, als ob es riss, und es war kein Pfeil.

Sechster Überschlag. Als die Füße herumwirbeln, treffen sie präzise die Glassscheibe des Fensters, Tausende kleiner Glassplitter fliegen wie Glühwürmchen funkelnd durch das Mondlicht, als die Scheibe durch den Aufprall zerspringt. Ohka war zu konzentriert um Erleichterung oder gar Befriedigung zu empfinden, sie spürte nur noch den freien Fall und versuchte, sich auf das vorzubereiten was jetzt kommen würde. Sie hustete bereits im Flug, dem Wiesenboden entgegen.


Sie schlug der Länge nach hart auf, der Hustenkrampf hatte es ihr unmöglich gemacht, sich auch nur irgendwie auf den Aufprall vorzubereiten. sie schrie vor Schmerz und blieb mit dem Gesicht nach unten liegen, ihr geschundener Körper wand sich vor Schmerzen. Reflexartig überprüfte sie, ob etwas gebrochen war, was nicht der Fall zu sein schien, aber der Schmerz in ihren Lungen überschattete alles, was sie noch zu denken imstande war. Ein warmer süßlicher Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus, sie hustete Blut! Viel Blut. Sie röchelte, gurgelte, hustete. Aus, vorbei! Sie konnte nicht mehr. So blieb sie liegen und wartete, überließ sich einfach dem Schicksal. Deutlich konnte sie die Kälte spüren, die in ihren Körper kroch. Dann hörte sie eilige Schritte im nassen Gras, die neben ihr stoppten.


Sie machte sich nicht mal mehr die Mühe aufzusehen und blieb einfach liegen. Wie durch einen Vorhang drangen Stimmen an ihr Ohr.

"Da ist der Kerl!"

"Na, wen haben wir denn da?" *Lachen*

"Los, schieß ihn einfach ab, den Bastard!" *Klicken einer Armbrust*

"Halt warte, das ist ein Mädchen, guck dir doch die Titten an!"

"Und wenns Lady Jaina ist, dafür wird die hängen!"

"Und wir kriegen vielleicht mal Sonderurlaub." *Lachen*

Gerne hätte Ohka ihnen etliche Verwünschungen an den Kopf geworfen, aber ihre Stimme erstickte im blutigen Husten, als starke Arme sie packten und fortschleiften.

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