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Ein Adelsnest/8

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Kapitel 7 - FortsetzungBearbeiten

Regungslos stand sie im Dunkel, an das sich ihre Augen über die Jahre so gut gewöhnt hatten. Der Hausflur, zu dessen Ende dieser winzige Balkon gehörte, schien die Form eines T zu haben, wobei der Querbalken deutlich länger war. Sie stand im Dunkel des einen Endes dieses Querbalkens, das andere Ende war durch ein gleichartiges Balkonfenster in ein schwaches Mondlicht getaucht, in dem man......´Verdammte Sch...´ fluchte sie innerlich... in dem man deutlich den Umriss eines dort sitzenden Wächters erkennen konnte!

Dieser Narr sitzt auch noch auf der hellen Seite! Sie überlegte und schob sich instinktiv in den Schatten eines großen Schrankes. Am Fußende des Ts musste Bossons Schlafgemach sein, es war der einzige Raum, aus dem große Schornsteine ragten und auch der einzige, der ein großes Panoramafenster besaß. Menschen haben merkwürdige, immer wiederkehrende Eigenheiten, dachte sie sich schmunzelnd. Wie ein Fuchs zu guter Letzt immer am Ende des Baues sitzt, haben sie alle ihre Schlafzimmer am Ende der Wohnkorridore. Immer ganz hinten, wie berechenbar!

Es waren diese Eigenheiten, die es Nachtwesen wie Ohka leicht machten, man musste sie nur kennen. Und Ohka kannte sie. Sie war keine dahergelaufene Diebin, sie hatte bei Rabenholdt gelernt. In den Zeiten, als sie für ihre Familie sorgen musste. Sie hatte dafür gestohlen, geraubt und auch getötet, aber das nur als letztes Mittel, so wie ihr Lehrmeister es ihr beigebracht hatte.

Lang ist das alles her. Sie hatte nicht mehr aufhören können, als die Familie dann auf eigenen Beinen stand. Zuviel war geschehen. Und nicht zu vergessen, Hakkars verfluchte Klinge, deren Weg sie eines Tages kreuzte. Sie wusste genau, dass diese Klinge etwas in ihr verändert hatte, wenn auch nicht permanent. Aber sie spürte den unstillbaren Hunger, der von dieser unheiligen Waffe ausging sehr wohl. Und heute würde die Klinge des Seelenschinders wieder Blut trinken. Ein leises Kribbeln schoss bei dem Gedanken durch ihre Adern und sie wusste, dass es mehr als nur die Aufregung war. Zu beiden Seiten ihrer Korridorhälfte befand sich je eine Tür. Was mochte darin sein? Gästezimmer? Dienstpersonal? Wächter? Sie lauschte, aber selbst ihre feinen Ohren vermochten nichts zu hören. Risiko eben.

Es müsste möglich sein, an der Ecke des Korridors vorbeizuhuschen, ohne gesehen zu werden, durch das permanente Mondlicht dürfte der Wächter nicht allzu viele Nuancen in den Schattierungen der Dunkelheit erkennen. Anfänger! Sie schnaubte verächtlich, aber leise. Das leise Ticken einer Uhr drang an ihr Bewusstsein, in der Nähe musste eine größere Uhr stehen, vielleicht der dunkle Schatten einige Meter voraus.

Sie beschloss, auf den Zwei-Uhr-Schlag der Uhr zu warten, um dann gleichzeitig an der kritischen Ecke vorbei zu schleichen, der Lärm würde helfen, ihre leisen Schritte vollends unhörbar zu machen. So wartete sie, nach ihrem Zeitgefühl konnten es nur noch ein paar Minuten bis Zwei sein. Sie vermied es, sich den tödlichen Stoß vorzustellen, mit dem sie Lord Bosson kaltstellen würde.

Natürlich hatte sie keine Angst, aber immer wenn der Dolch des Seelenschinders in der Nähe war und sie an das Töten dachte, ging seltsames in ihrem Körper vor. Und sie wusste dass sie jetzt alles brauchen konnte, nur keine seltsamen Dinge. Klaren Kopf bewahren! Ruhe jetzt! Ein Schnarren, in dieser Stille fast dröhnend laut, kündigte an, dass die alte Uhr unwillig ihren Dienst zu tun gedachte. Jetzt oder nie! Ohkas Muskeln spannten sich an, sie richtete sich aus dem Schatten auf, setzte einen Schritt in Richtung der Korridorecke und........ der Wächter stand auf!

Tod und Teufel, er stand wahrhaftig auf! Ohka zuckte wie ein schwarzer Blitz zurück in den schützenden Schatten des Schrankes, der Uhrschlag verhallte ungenutzt im Gang. Ihre Gedanken rasten. Was hatte er vor? Warum sprang auch er beim Uhrschlag auf? Hatte er sie überhaupt gesehen? Wohin würde er gehen? Was sollte sie jetzt tun? Fliehen?

Wie alle Schattenwesen war auch Ohka in der Lage, in Windeseile ihre Gedanken zu sortieren, eine Eigenschaft die manchen kommandieren General neidisch gemacht hätte. Nicht, dass es eine angeborene Eigenschaft aller Schurken gewesen wäre, aber diejenigen ohne diese hatten sich eben schon lang selbst aussortiert. Ohka kannte nur allzu viele von ihnen. Und manche, die einfach nur Pech hatten, nicht jede Situation ist durch blitzschnelles Nachdenken lösbar. Ein kalter Schauer glitt über ihren Rücken. War auch diese Situation nicht lösbar? Grimmig und entschlossen biss sie die Zähne zusammen, eine Hand am Griff ihres Dolches.

Der Wächter blickte kurz nach links, verharrte. Dort schien die Treppe nach unten zu sein. Dann ging er weiter geradeaus, genau auf sie zu! Nein, so genau auch wieder nicht, er blieb in der Mitte des Ganges und wenn er sie gesehen hätte, wäre er nicht so kerzengerade marschiert und erst recht nicht ohne eine Waffe gezogen zu haben. Sie sah aber im Umriss des Mondlichtes genau, dass er dies nicht getan hatte, beide Arme schlenderten mit freier Hand längsseits seines schmächtigen Körpers. Nein, sein Aufstehen hatte nichts mit ihr zu tun, wahrscheinlich hatte auch er auf den Zwei-Uhr-Schlag gewartet.

Vielleicht war es sein Zeichen, wieder mal eine Runde durch den Palast zu drehen, vielleicht war aber auch seine Wache jetzt vorbei und er holte die Ablösung. In beiden Fällen musste sie handeln, denn er ging unweigerlich genau an ihr vorbei und der Schatten des Schrankes würde sie dann nicht länger verbergen, in letzterem Fall würde es sogar bedeuten, dass eine der Türen hinter ihr zu einer Wachstube gehörte. Sie musste handeln, er war vielleicht zehn Schritte von ihr entfernt. Jetzt war sie der Fuchs im Bau.

Aber sie würde sich zu wehren wissen. Er war groß und schmächtig, entweder noch ein junger Bursche oder ein schwächliches Exemplar, auf jeden Fall ein Mann, wie sie aus den Bewegungen Schloss. Sie ließ von ihrem Dolch ab und griff an ihren Gürtel. Mit finsterem Lächeln zog sie eine Würgekordel heraus. Die Gurubashi benutzten die feinen Luftwurzeln der Yla-Pflanze zum Herstellen von Würgekordeln, die zäh wie Eisendraht waren. Ließ man ein Stück Hauptwurzel an einem Ende, so erhielt man einen äußerst handlichen Griff, um den man das andere Ende wickeln konnte. Man benötigte dann nur noch eine Hand zum Erdrosseln, während man mit der anderen Hand Abwehrbewegungen des Opfers verhindern konnte. Was für ein schlaues Völkchen, dachte sich Ohka lächelnd, während der Wächter auf fünf Schritte herangekommen war.

Vier. Sein Gang war fließend, er trug keine schwere Rüstung.

Drei. Er drehte das Gesicht zur von ihm aus rechten Tür, das war also sein Ziel.

Zwei. Ein Schwert an der linken Hüftseite, also ein Rechtshänder.

Eins. Sie spannte alle Muskeln an und machte sich bereit.

Null. Der Wächter war gerade auf Höhe des Schrankes, als Ohkas Schatten auf ihn zuschoss, geräuschlos, blitzschnell und absolut zielsicher. Die Kordel legte sich um den Hals des überraschten Wächters, der in diesem Moment nicht einmal an Gegenwehr dachte. Die Hände in seinem Nacken zogen die Kordel zu, er begann zu strampeln.

Ein wuchtiger Tritt von hinten in seine Genitalien ließ ihn schwarz vor Augen werden und zusammensacken, der Schmerzensschrei blieb in der zugeschnürten Kehle stecken. Die freie rechte Hand der Schurkin ergriff sein rechtes Handgelenk, so dass der Weg zu seiner Waffe versperrt war, noch bevor er sich überhaupt bewusst wurde, in welch tödlicher Umklammerung er sich befand. Ohka drehte die Kordel aus Leibeskräften enger und der Wächter sackte langsam in die Knie, hilflos zitternd. Als die Wölfin seinen Todeskampf spürte, begann eine eigenartige Veränderung in ihr, eine Veränderung vor der sie sich jedes Mal fürchtete, seit sie die verfluchte Klinge trug.

Sie begann zu zittern, aber nicht vor Anstrengung, sondern in einer Art Erregung, einer unerhörten morbiden Faszination, die ihr wie heißes Feuer durch die Adern rauschte. Je mehr die Lebenskraft des Wächters schwand, je mehr sein Entsetzen greifbar wurde, desto unruhiger und heißer wurde es in ihr, ihr Blut rauschte wie ein tosender Wasserfall in ihren Ohren. Wer die Schurkin in diesem dunklen Moment hätte beobachten können, hätte ein grausam verzerrtes Lächeln auf ihrem Gesicht gesehen, dem Wächter blieb wenigstens dies erspart.

Die Bewegungen des Mannes wurden langsam schwächer, bis er schließlich zusammensackte und wie ein erschöpfter Liebhaber in ihre Arme sank. Sie hielt ihn noch eine Weile so, die Kehle fest zugeschnürt, um absolut sicher zu gehen, dass er tot war, dann ließ sie ihn sinken. Am ganzen Körper flogen ihre Muskeln, ihr Herz schien die Rippen vor sich sprengen zu wollen, so heiß floss der Rausch des Tötens durch ihren schlanken Körper. Schließlich ebbte es ab, was auch immer es war und das Lächeln auf ihrem Gesicht wandelte sich zu einem Ausdruck des Ekels und des Abscheus. Es war vorbei. Hasserfüllt blickte sie auf den Dolch, der in seiner Scheide an ihrer Hüfte hing.

Sie verharrt, lauschte. Kein Geräusch. Wer auch immer noch in der Nähe war, er hatte nichts von dem Kampf mitbekommen. Sie steckte die Würgekordel weg und betrachtete den Wächter. Junger Bursche. Schade um ihn, aber er war zur falschen Zeit am falschen Ort, dachte sie sich. Sie zog ihn in den Schatten des Schrankes, der bis eben noch sie selbst verborgen hatte. Sie überlegte fieberhaft. Wenn er in diese Tür wollte, dann ist dort mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Wachpersonal und er wollte sich ablösen lassen.

Es wird nicht lang dauern, und da drin wird man sich fragen, warum man nicht zur Wachablösung gerufen wird. Ein paar Minuten wird man sich das gern gefallen lassen zu dieser nachtschlafenden zeit, aber irgendwann werden sie misstrauisch werden. Ein paar Minuten. In diesen Minuten musste sie alles erledigt haben. Ruhig, Ohka. Massig Zeit. Sie griff in eine Tasche ihres Gürtels und griff hinein, streute ein paar Krähenfüße vor die Tür, in die der Wächter treten wollte. Nur zur Sicherheit, man weiß ja nie.

Dann schob sie sich wieder vorwärts, ihrer eigentlichen Aufgabe entgegen. Sie wusste nicht recht, was sie erwartet hatte, aber sie lächelte zufrieden, als sie am Ende des kurzen Korridors eine große Doppeltür erblickte, als sei die Existenz einer großen Tür schon der Strich unter der Tagesrechnung. Sie zögerte. Nein, sie würde noch einmal töten müssen. Kurz flog der Gedanke durch ihr Bewusstsein, wie es wohl wäre, wenn sie nie wieder töten müsste. Der Rausch in ihren Adern war verklungen, und sie empfand Abscheu. Vor ihrem "Beruf", vor ihrer Aufgabe, vor sich selbst. Ihre Familie würde sie nie lieben, bestenfalls achten. Oder.... vielleicht doch?

Sie, ein Monster? Mit welcher Berechtigung? Ein Bild huschte durch ihre Gedanken, Nicatera als Neugeborenes in ihren Armen. Wie alt mochte sie da gewesen sein? Sieben? Acht? Nicht alt genug, um zu begreifen, dass bei dieser Geburt ihre Mutter gestorben war. Das einzige Leben, dass mein Schwesterherz je auf dem Gewissen hatte, dachte sie und lächelte zynisch, während sie sich im selben Moment schon bitter für diesen Gedanken hasste. Es hätte alles so anders kommen können.

Sie blinzelte einige Male, dann schob sie sich zur Tür und lauschte. Ein leises Schnarchen war zu hören. Sie ergriff unendlich langsam die Klinke. Abgeschlossen. na, warum denn auch nicht? Idiot, das hilft Dir gar nichts. Sie bückte sich, bemüht, nicht an die verbleibenden Minuten zu denken, die vergehen mochten bis sich ein Wächter über die ausgebliebene Ablösung wunderte. Leise schob sie ein kleines stiftförmiges Gerät in das Schlüsselloch und drehte einige Male daran. Dann zog sie es heraus und betrachtete die wirre Anordnung der Bolzen und Kerben auf dem Gerät, die dem Benutzer wohl etwas über das Innenleben des Schlosses verraten sollten.

Ohka brauchte die mitgelieferte Tabelle nicht, um aus dem Bild die nötige Information herauszulesen. Rückhaltschloss, Bauart Tassenflink mit gesperrter Ankerklinke. Zu Öffnen mit Nachschließdorn, Bauart Tassenflink Extra mit Klinkensuspensor. Gegen Gnomentechnik hilft Gnomentechnik, alter Hut. Fast enttäuscht holte sie ein weiteres Werkzeug aus ihrer Gürteltasche und stellte es nach einem Muster aus ihrem Kopf ein, dann schob sie den Dorn in das Schloss. Sie hielt kurz die Luft an, als das Schloss satt aufschnappte und die Tür sich bewegte.

Mondlicht, das durch das große Panoramafenster hinein schien, erhellte den Raum. Es machte das Verschmelzen mit den Schatten unmöglich, aber angesichts des einzigen schnarchenden Bewohners dieses Raumes war das auch unnötig und mehr eine Stilfrage denn echter Nutzen. Sie zog die Tür nicht zu, denn sie dachte bereits an den Rückweg, ihr würde nicht viel Zeit bleiben, den kleinen Balkon zu erreichen und mit einem Sprung auf das Nachbargrundstück zu gelangen. Bis die Wächter sich gesammelt und das Nachbargrundstück erreicht hatten würde sie verschwunden sein.

Doch eins nach dem anderen. Das große Bett schien wie eine Insel um den Mann in seiner Mitte. Weißes Leinen und Seide mischten sich zu einer Traumunterlage für ein müdes Haupt. Der Lord war unzweifelhaft reich. Zeig mir wie Du schläfst und ich zeig dir, wie wohlhabend du bist, dachte sich Ohka, zynisch lächelnd ihre rheumagekrümmten Finger betrachtend. Langsam, fast wie in einer finsteren Zeremonie zog sie Hakkars Dolch aus seiner Scheide. Ein unirdisches Schimmern ging von ihm aus, statt Licht zu verbreiten, waberte nur noch dunklere Schwärze um die Waffe. Ein Anblick, der schon manch zarter besaiteten abgestoßen hätte, aber Ohka hatte sich daran gewöhnt. Und mehr noch, seit die Schurkin sich nicht mehr von ihr trennen konnte, hatte sich die Klinge langsam an Ohka gewöhnt. Sie holte aus. Ohkas Blut begann wieder zu rasen.

Die gleichen tosenden Ströme zerrten an ihr, verliehen ihr eine unheilige Kraft und Entschlossenheit, wie weggeblasen waren ihre schmerzenden Lungen, die Kopfschmerzen, die brennenden Finger. Sie war eine Einheit mit der Waffe, ein tödliches Konstrukt. Mit Wucht würde sie zustoßen, genau ins Herz, keinen Laut würde er von sich geben. In diesem Moment der Erregung gab es keinen Gedanken an Morgen, keinen an Gestern, nur der Moment zählte, in dem sich der dunkle Stahl in sein Herz bohren würde. Alles würde leichter sein, zu Ende sein, nur dieses eine Mal noch, jetzt wo sie ihre Armmuskeln spannte und........

Frosand! Frosand!

Frosand!

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