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Ein Adelsnest/7

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Kapitel 7 - Munari, Nord DreiBearbeiten

"Wir sollen WAS?" Nicatera Stirlander sprang ruckartig von ihrem Bett auf und sah mit großen Augen in die Runde, als hätte sie gerade eine große Tablette geschluckt. Und in gewisser Hinsicht stimmte das auch.

"Hast ´n schlechtes Gedächtnis? Ich habs doch grad eben gesagt, in dem Brief stand, dass wir die Schlagzahl erhöhn müssen.", maulte Ohka finster in den nicht weniger finsteren Raum hinein. Sie saß noch in ihrer "Berufskleidung" auf dem Bett, Katori hockte voll gespannter Erwartung auf der Bettkante, während Nicatera zeitgleich mit Ohkas Worten Ameisen in ihrer Matratze gefunden zu haben schien. Katori sortierte in ihrem Kopf, was Ohka wohl mit "Schlagzahl" meinen könnte, Schloss aber mit einem heiteren Gesicht, dass es wichtig war, jetzt zu handeln, was ihrem Wesen entgegenkam wie ein Reiter auf der falschen Wegseite.

"Du willst sagen, wir sollen einfach morgen losgehen und jemanden ermorden?" "Nee, so war das nich gedacht."

Nicateras Miene erhellte sich wieder ein wenig.

"Ich wollt sagen, wir werdens noch heut Nacht machen." Das Gesicht der Priesterin hätte gern mehr Missfallen ausgedrückt als ihre Gesichtsmuskeln jetzt hergaben.

"Nu hör mal zu, Schwesterchen, wir sind doch alle hierhergefahrn, weil wir einen Auftrag haben, oder nich? Klar, wir wolln den Rubin holn, aber wir sind auch in ein Komplott reingesumpft, und die anderen Vögel wolln schließlich auch wen umbringen."

"Ja, aber rechtfertigt das etwa, dass wir das auch tun?" Nicatera redete mit den Händen, während sie Sätze formulierte, eine Geste die so selten war wie Seegang in Silithus.

"Ja.", schnappte Ohka.

"Aber... aber...", jetzt redeten die Hände bereits mehr als die Stimme, das Gesicht der Priesterin nahm zusehend verzweifeltere Ausdrücke an.

"Willst Du etwa mit den Typen diskutieren, dass sie sich freiwillig unterm Dachbalken aufknüpfen, weil Du so herrlich gerecht bist?", fiel Ohka ihr barsch ins Wort, sofern es da noch ernsthaft etwas zu fallen gab. Sie machte eine zudrückende Handbewegung an ihrem Hals, was bei ihrer Galgenstricknarbe durchaus abstoßend und durchaus berechnet wirkte.

Die Priesterin ließ den Kopf sinken. Es war nicht so, dass sie sich der Tragweite ihrer Entscheidung, den Auftrag anzunehmen, nicht bewusst gewesen ist. Aber sie hatte bis zuletzt gehofft, alles würde sich ohne Konflikte mit ihrem Herzen lösen lassen. Bis zuletzt hatte sie gehofft, den Kurs über die gegensätzlichen Geschwister bestimmen zu können, aber ihr wurde klar, dass die Ereignisse sie überrollten, das Heft anderen, Entschlosseneren, in die Hand gaben. Ihre Knie wurden weich und sie ließ sich wieder auf das Bett sinken, von dem sie eben noch so energisch hochgefahren war.

"Ich.... ich... kann so was nicht...". Die Stimme klang weich, zerbrechlich, beinahe eingeschüchtert.

Katori sah sie mit verwunderten Augen an. Die große Nicatera, die immer alles beherrschte, so unschlüssig und geknickt zu sehen, tat ihr irgendwie weh. Auch der kleine Paladin war ein Streiter des Lichts, dem Mord als Prävention fern lag wie kaum etwas anderes, aber sie wußte auch, dass es immer Zeiten zum Handeln gab, in denen keine Zeit blieb, alle Grundsätze auf den Prüfstand zu stellen. So hat auch Fordring gehandelt, das war ihr klar, falsche Entscheidungen zu treffen war ein notwendiges Übel.

Aber Nicatera tat ihr leid. Sie hätte es nie in deren präzisen Worten beschreiben können, aber sie spürte, wie schmerzhaft die Konflikte ihre konservative ältere Schwester quälten. Sie hatte zulange unter Kaldorei gelebt, dachte sie sich und war mit dieser Erklärung hochzufrieden.

"Ich hab auch nich erwartet, dass Du mir noch den Dolch reichst. lass mich nur machen."

"Ohka, Du..."

"...Du bist ein Scheusal, wolltest Du das sagen?" Ohkas Worte klangen hart, aber ihr kaum merklicher Ansatz von Lächeln deutete ihren gewohnten Zynismus an, der stets mehr sie selbst als andere treffen sollte.

"Wenn Du nur wüsstest, wie Recht Du hast. Und jetzt legt Euch lang, bevor wir in Gefühlsduseleien ausbrechen. Ich werd auch noch ne Weile ausruhn, bevor ich aufbreche. Die Munari-Siedlung soll pittoresk bebaut und voller gartenbaulicher Attraktionen sein, durchmischt vom gediegenen Flair seiner Bewohner", Ohka äffte auf eben jene zynische Art den Tonfall eines schlechten Reiseführers nach.

Nicatera hob erst gar nicht mehr den Kopf, sondern rollte sich wortlos wieder ins Bett und vergrub das Gesicht in dem großen weichen Kissen, das sie beinah verschlang. Katori vermutete, dass das durchaus ihr Wunsch gewesen sein mochte in diesem Moment.


Kapitel 7b - GeschwisterliebeBearbeiten

Als Katori aufwachte, lag der Raum still und dunkel im matten Sternenlicht, welches es irgendwie geschafft hatte, die schmierige kleine Fensterscheibe zu überzeugen, es einzulassen. Ohka war verschwunden und eigentlich hatte sie auch geahnt, dass Ohka das tun würde. Sie war nicht sehr empfänglich für Anspielungen und Feinheiten der Sprache, aber Ohkas Warnung vor Gefühlsduseleien hatte sie durchaus verstanden. Wahrscheinlich hatte diese nur gewartet, bis sich alles beruhigt hatte, um dann sofort aufzubrechen. Die ruhelose entschlossene Art der Schurkin beeindruckte sie auf eine gewisse Weise. Sie blickte in Richtung von Nicateras Bett, aber es war so dunkel, dass sie nur vage Umrisse erkennen konnte.

Es schien, als läge sie noch genauso, wie sie sich vorhin in das Kissen geworfen hatte, nicht wie ein atmendes Wesen, eher als hätte jemand etwas achtlos dort abgelegt. Sie wusste nicht, warum sie es tat ( und konnte es sich auch später nicht erklären ), aber sie stand leise auf und näherte sich dem Bett auf Zehenspitzen. Je näher sie kam, desto mehr erhellte das Sternenlicht die Szene, auch wenn das Wort "Erhellen" mehr wohlwollend das beschrieb was sich mühevoll, beinahe widerwillig aus dem Schatten löste.

Und wirklich, sie lag noch immer genauso da, als wäre jeglicher Impuls aus ihr gewichen, auf der Seite, das Gesicht im Kissen vergraben. Ihre Halbschwester, von der sie so vieles trennte. Katoris Herz begann zu klopfen, ohne dass sie genau wusste warum, sie fühlte nur instinktiv, dass sie etwas tun musste, wenn auch ahnend, dass es ungeschickt sein könnte. Sie fühlte, dass es von ihr ausgehen musste. Schließlich legte sie sich vorsichtig zu ihr, seitlich liegend an deren Rücken geschmiegt, bis das pechschwarze Haar in ihrem Gesicht war. Wärme durchströmte sie. Wenn sie Nicatera jemals nah, endgültig nah kommen wollte, dann war es jetzt der Moment. Sie fasste sich ein Herz.

"Ich hab Dich lieb, Schwester!", flüsterte sie leise, beinah erschrocken über die eigenen Worte.

Eine Weile geschah absolut nichts, sie war sich fast nicht sicher, ob sie wirklich etwas gesagt hatte. Plötzlich regte sich der Körper vor ihr, drehte sich langsam zu ihr um. Katori wusste nicht wie ihr geschah und blieb regungslos. Die Ältere sagte nichts, legte der Jüngeren nur einen Arm um und blieb dann ruhig liegen.

Katori war in dieser Umarmung außer sich vor Glück. Worte Fordrings gingen durch ihren Kopf. Zu den wenigen Sätzen die sie aus den alten Schriften behalten hatte gehörte, dass die unausgesprochenen Worte manchmal die schönsten und ehrlichsten waren. So schliefen die beiden ungleichen Schwestern friedlich Arm in Arm ein, wie eine kleine Insel, während die düsteren Wolken um sie herum aufzogen.


Kapitel 7 - FortsetzungBearbeiten

Die Munari-Siedlung war ein Begriff, nicht nur in Theramore selbst. An wenigen Orten konzentrierten sich die Prachtbauten der reichen Leute so dicht, wie in diesem Teil der Hafenstadt. Neugierig strömten Besucher Tag für Tag durch die gepflegten Gässchen und bewunderten die Vorgärten, die Pavillons, die schmucken Paläste. Soweit man sie eben strömen ließ. Die reich verzierten Eingangspforten waren mit nicht weniger reich verzierten Pförtnern versehen und auf den meisten Anwesen patrouillierten Wachen.

Dies natürlich weniger der neugierigen Tagesbesucher wegen, sondern mehr im Hinblick auf die ebenso neugierigen, nächtlichen Besucher. Die Bewohner der Munari-Siedlung waren sich ihres Reichtums bewusst und schützten sich dementsprechend, ein Einbruch war also faktisch unmöglich.

Leise wickelte sich der Wurfanker um die Balkonbrüstung des Hauses Munari Nord Drei. Die Umhüllung aus Stoff und Leder ließ ihn nur dumpf gegen das Metall des Geländers schlagen und, so das Kalkül seiner Werferin, keinen Verdacht erregen. Jeder Fensterladen schlägt auffälliger. Langsam zog sich Ohka an dem Seil nach oben. Sie wusste, dass sie genau fünfeinhalb Minuten hatte, um hineinzugelangen, dann würde an exakt dieser Stelle eine Patrouille auf ihrem ewigen Rundgang aufkreuzen. Dafür brauchte die Wölfin keine Uhr, in ihren Bewusstsein war, wie bei den meisten Schurken, ein Kurzzeitmesser instinktiv verankert. Wer ihn nicht hatte, war beim Urkundenfälschen oder Falschmünzen besser aufgehoben. Oder versuchte sich gleich als Innendekorateur, wenn nicht gleich als Prüfgewicht für Galgenstricke.

Sie zog sich mühelos auf das Geländer des kleinen Balkons und löste den Wurfanker vom Geländer. Minute drei, also etwa zweieinhalb Minuten, um die verzierte Glastür vor ihr zu öffnen, der einzig unbekannte Faktor dieses Teils vom Plan. Sie konnte sich in aller Ruhe an der Tür zu schaffen machen, sie würde keinen Schatten durch das Buntglasfenster abgeben. Schließlich war sie nicht umsonst an der mondabgewandten Seite aufgestiegen. Hinter dem verzierten Glas der Tür war keinerlei Lichtschein zu entdecken.

Sorgfältig schob sie ihre kleine Federstahlklinge durch den Türspalt, bis sie den Widerstand des Riegels spürte. Sie fuhr mit einem Finger eine Horizontale von dieser Höhe aus nach innen zum Glas. Ritzend fraß sich der Glasschneider aus gehärtetem Draenit in das bunte Glas der Türscheibe. Ihre Finger hatten durch das Rheuma einiges an Gefühl verloren, aber auf eine hundert- und tausendfach eingeschärfte Übung konnte auch ein Rheuma nur wenig schlechten Einfluss ausüben. Geschafft, fast durch! Sie setzte den Schneider ab und legte ihre Lippen auf die Mitte der runden Fläche. Ein kurzes Saugen, wie ein inniger Kuss und die ausgeschnittene Scheibe hing sicher an ihren Lippen. An dieser Stelle musste sie wie immer ihr Schmunzeln über diesen kleinen Trick unterdrücken, sonst hätte es doch noch gescheppert.

Sie schob ihre schlanke Hand durch das Loch und fasste den Riegel, schob ihn beiseite. Minute fünf, reichlich Zeit. Dreißig Sekunden konnten eine Ewigkeit sein. Nur keine Sekunde durch Ablenkung verschwenden, nirgends sonst hinsehen. Wenn die Wachen nur annähernd so zuverlässig waren wie sie selber, war die Sache geritzt. Sie hielt kurz den Atem an. Die Tür bewegte sich, machte aber kein Geräusch dabei. Fünfeinviertel Minuten. Ihr Körper schob sich hinein und verschmolz mit den Schatten, die Tür Schloss sich so leise, wie sie sich geöffnet hatte. Die Wölfin war im Schafstall.

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