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Ein Adelsnest/1-2

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Band 1: Kapitel 1-7 Band 2: Kapitel 8-? Band 3 - Kapitel ?-? Band 4 - Kapitel ?-?
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Kapitel 1: Ohkas KrankenlagerBearbeiten

"Entspanne Dich....versuche es wenigstens." Nicatera strich unendlich behutsam über die schweißnasse Stirn ihrer Schwester Ohka. Diese wand sich in ihrem Bett, ihre Hustenanfälle wurden schlimmer und schlimmer. Fast jede Nacht fuhr Nicatera jetzt hoch von diesen schrecklichen Geräuschen und dann konnte sie nicht anders als sich zu Ohka ans Bett zu setzen, um ihr wenigstens etwas Trost zu spenden. "Wie soll ich das <hust> denn wohl machen bitte? <hust> Wenn mir die halbe Lunge ausm Hals fliegt? <hust,hust> Mach Dich nich lächerlich, Schwesterherz!"


Der Sarkasmus schnitt ihr ins Fleisch wie ein Messer, es tat weh. Aber sie wußte daß Ohka Recht hatte. Als Priesterin und Heilkundige wußte sie es. Sie wußte sehr wohl, daß eine Vergiftung mit "Zanzils Atem", einem tückischen Gebräu, unweigerlich zum Tode führen wird. Ihre Heilkunst konnte es etwas hinauszögern, aber trotz der Macht des Lichtes nicht abwenden. Eigentlich zögerte sie nur Ohkas Leid hinaus. Aber als Mensch, als Schwester, da wollte sie es nicht wissen. Ihr wurde flau im Magen. Wie gedämpft drang der Klang der Kathedrale von Sturmwind zu ihr, Ein Uhr morgens. Die kranke Schurkin lag jetzt still in ihrem Bett, der Anfall war vorbei. Fürs erste. Sie war leichenblaß und erschöpft, das war ihr anzusehen. Ihr frühzeitig ergrautes Haar lag wild ausgebreitet wie eine Kopfunterlage aus Nebel unter ihr und ein dünner Rinnsal Blut war in ihrem Mundwinkel angetrocknet.


Blut. Die Priesterin fröstelte. Es ging zuende mit ihr, das war das Endstadium. Noch zwei oder drei Wochen. Dann würde sie langsam verfallen und schließlich an Blut in ihrer Lunge ersticken. Nicatera sah sich im Zimmer um, das schwache Licht der Tranlampe brachte nur Konturen zum Vorschein. Schreien hätte sie mögen, ihren Kopf gegen die Wand schlagen können, aber es hätte doch nichts geholfen. "Oh Ohka! Hättest Du doch nur aufgepaßt. Hättest Du Dich doch nur..."


"Worauf denn aufgepaßt? Seit wann is ein Schurkenleben denn was wert? Mal von der Belohnung abgesehn. Meinen hübschen Hals wolln nich nur die Behörden durchschnitten sehn, auch sämtliche Defias und Syndikatsleute, und vor denen mußte Dich mehr in Acht nehm als vor den verblödeten Stadtwachen." Sie hatte die Augen leicht geöffnet und ihre Stimme klang fern und schwach, so wie die Kirchenglocken eben. Ohkas Sarkasmus hat ihr immer ein Unbehagen eingeflößt, aber jetzt, wo es um ihr eigenes Leben ging war er kaum erträglich. Sie schien bei diesen Worten sogar etwas zu lächeln!


Es begann zu regnen. Der Herbst war da. Zeit zum Sterben, würde Ohka sagen. Nicatera biß sich auf die Unterlippe. "Hast Du denn wenigstens meine Tränke genommen?" "Natürlich hab ich. Sie wirken längst nich mehr. Oder meinste, ich huste so rum weil mir das Geräusch gefällt?" Die Priesterin ließ entmutigt den Kopf hängen.


"Hey..<räuspert sich> ..war nich so gemeint. Glaub mir, ich weiß was in Dir vorgeht. Wirklich. Ich mach Dir doch keinen Vorwurf, aber Du solltest Dir auch keinen machen. Wir..wissen beide was Sache is, auch wenn uns das nich paßt. Sich hilflos fühln is immer das schlimmste. Ich weiß was mir bevorsteht, aber Du weißt nich was Dir bevorsteht und das trifft Dich. Ich würds gern ändern aber ich kanns nich." Sie richtete sich mühsam im Bett auf und legte ihre Arme um den Hals ihrer Schwester. Soviel ungewohnte Zärtlichkeit überraschte diese, sie nahm sie wortlos in ihre Arme. "Ach Ohka, wenn ich nur könnte würde ich Dir mein Leben schenken." "Oh paß auf mit solchen Angeboten. Nachher nehm ichs und geh leichtfertig damit um!" Die Schurkin mußte schief grinsen über ihre Worte, aber war doch sehr froh, daß ihre Schwester ihr Gesicht nicht sehen konnte.


Der Priesterin kam es wie eine Ewigkeit vor, so wie sich die beiden in den Armen hielten. Gedanken rauschten ihr durch den Kopf, so wie der strenge Herbstwind die Blätter durch die undurchdringliche Nacht trieb. Bis zu jener unglückseligen Stunde vor drei Wochen, als Ohka sich im Kampf die Schnittwunde der vergifteten Klinge zuzog, hatte sie sich eigentlich wenig Sorgen um die Zukunft gemacht. Das Morgen. Der Weg, der gegangen werden muß. Sie war eigentlich ein Mensch, der stets im Gestern festhing, und das hatte sie immer voll und ganz eingenommen. Und jetzt stand sie plötzlich vor diesem Morgen, das so unbarmherzig vor der Tür stand wie der Winter.


Schließlich ließ Ohka sich wieder rücklings in ihr Kissen sinken, schloß die Augen und schlief ohne weitere Worte ein. Nicatera betrachtete sie eine ganze Weile so. Sie wirkte so friedlich und entspannt, beinahe unwirklich. Blut ist dicker als Wasser, dachte sich die Priesterin. Trotz aller Differenzen, trotz aller leidvoller Erfahrungen, sie waren Schwestern, wenn auch ungleiche. Leise blies sie die Lampe aus, erhob sich und schlich sich auf ihren nackten Füßen aus dem Zimmer.


"Was zum Licht treibst Du hier?", zischte sie Katori an. Ihre Halbschwester stand im Morgenmantel im Hausflur, einen kleinen Leuchter in der Hand. "Das gleiche wie Du, denk ich mal?" Nicatera rang nach Worten. Auch das war Familie, sicher. Aber Katori war wie Dawne nur ihre Halbschwester und ihr haftete immer etwas Fremdes an, auch wenn man das nie direkt an etwas festmachen konnte. Es war ihr Fluch. Ihre Mutter ist schließlich bei ihrer Geburt gestorben, nicht bei Ohkas und nicht bei Thairis´. Dieses Zeichen blieb auf ihr haften, auch wenn sie sowenig etwas dafür konnte, wie Katori oder Dawne etwas dafür konnten, daß Vater noch einmal heiraten mußte. Es gab nichts an ihr auszusetzen. Katori war Paladin, diente in der Armee des Königs und hatte früh mit dem scharlachroten Kreuzzug gebrochen, auch um den Preis, jetzt von diesem per Todesurteil verfolgt zu werden. Mumm hatte sie, daran war kein Zweifel. Und doch konnte Nicatera nie dieses gefühl des fremden abstreifen, auch wenn sie sich dafür oft haßte. "Es geht ihr schlecht, sehr schlecht. Es hat keinen Sinn das zu leugnen." "Wie lange wird sie noch....?"


"Ich weiß es nicht...erfahrungsgemäß zwei oder drei Wochen vielleicht." "Und man kann nichts dagegen tun?" "Nein, nicht einmal das Licht kann sie retten." "Ist das nicht furchtbar ungerecht?" In Nicatera stieg der Wunsch auf, Widerworte zu geben, sie spürte, daß sie ihrer Halbschwester auch nicht die Intimität der Anteilnahme gönnte. Und solche Gedanken ärgerten sie, ließen ihren Selbsthaß aufflammen.


"Katori, wir beide dienen dem Licht. Auf die eine oder die..... andere Weise. Du weißt doch genau, daß Gerechtigkeit, wie wir sie empfinden nicht unbedingt mit dem großen Plan des Lichtes zu tun haben muß. Dafür fehlt uns die Weitsicht. Auch Dir!" Den letzten Halbsatz bereute sie schon in dem Moment, in dem sie ihn aussprach. Katoris Augen funkelten sie zornig an. Sie waren von dem gleichen stechenden Blau wie die ihren. Und wie Ohkas. Und wie die ihres Vaters. Warum nur mußte sie immer in solch erbärmliche Denkweisen verfallen, sie, die sie doch Priesterin war? Sie haßte die Selbstgerechtigkeit in sich, aber sie saß fest in ihr verwurzelt wie Unkraut in einem Blumenbeet.


"Es tut mir leid, ich wollte Dich nicht verletzen. Ich wollte sagen..." "Schon gut, laß uns lieber darüber nachdenken ob es nicht doch einen Weg gibt." Ihr wäre es lieber gewesen, sie so wie Ohka in ihre Arme schließen zu können, aber das war ihr nicht vergönnt. Beherrscht ist sie, dachte sie sich. Beherrscht, wirklich. Und aufgeben tut sie offenbar auch niemals. Was für eine Energie, was für ein unbezwingbarer Wille in dieser kleinen rothaarigen Frau steckten. So wie ihre Schwester Thairis ein körperliches Kraftpaket war, mit dem sich so schnell niemand messen konnte, so war es dieser kleine Paladin, was die Willensstärke betraf. Es ist kein Wunder, daß sie beim Kreuzzug angeeckt ist, wo viele andere sich fügten und zu Greueltaten hinreißen ließen.


"Ich weiß keinen Ausweg mehr, Katori, ich wünschte es wäre anders. Ich bete daß das Licht mir eine Inspiration gibt. Ein Zeichen." Sie sah Katori an und begegnete ihren Blick. "Oder Dir natürlich, sicher." "Wir sind auf uns gestellt, Halbschwester." Das Wort ´Halbschwester´ traf Nicatera ins Herz, wenngleich sie doch selbst auch immer den Unterschied betonte. "Thairis ist noch mit der Armee im Feld, Dawne ist wie immer sonstwo und die beiden Draenei sind in ihrer Heimat, um ihre Familie zu suchen.. Mal davon abgesehen, daß sie uns wohl auch nicht helfen können. Ich stimme Dir zu, was wir brauchen ist ein Wunder des Lichtes."


Der Regensturm nahm an Intensität zu. Nicatera hörte deutlich das Rauschen des Wassers über das Dach des alten Hauses. In den Straßen Sturmwinds rauschte es bestimmt schon als kleiner Bach über das holprige Pflaster. Die Fensterläden klopften unruhig, vom Wind gerüttelt in ihren Schließern, gleich unruhigen Pferden in ihren Ställen. Sie stutzte. War da nicht etwas? Oder waren es doch die Fensterläden? Nein, da klopfte doch etwas! "Hörst Du das auch? Klopft es etwa?" "Ja, wo Du es sagst. Es kommt von unten. Aber wer zum Licht klopft um diese Zeit und bei diesem Wetter an unsere Tür?" "Gehen wir nachsehen?"


"Warte, ich will ein Schwert aus meinem Zimmer holen, man weiß nie." Mumm hat sie, die Kleine, dachte sich Nicatera, während sie nach unten zur Haustür ging.


Kapitel 2: Der unerwartete BesuchBearbeiten

Zögerlich schlich Nicatera sich zur Haustür. Ja, ganz deutlich, es klopfte. Eine schwere Faust mußte das sein, eine regelrechte Pranke. Sie schauderte. Katori glitt wortlos neben die Tür, im Nachthemd und mit dem Zweihandschwert machte sie eine wirklich seltsame Figur; die Klinge war ein gutes Stück größer als sie selbst. Sie deutete ihr wortlos an, die Tür zu öffnen. Das Herz der Priesterin klopfte heftig von innen gegen ihre Brust. Zwei Frauen und eine schwerkranke allein in einem Haus, was würde jetzt passieren? Sie war keine Heldin, das war ihr bewußt. Aber schließlich faßte sie sich ein Herz, den Blick auf Katori gewandt und entriegelte die schwere Holztür.


"Beim Licht! Du, Carson?"


Katori hielt den Zweihänder fest in den Händen, konnte aber hinter der Deckung der Tür nicht sehen, was sich abspielte. Sie platzte beinahe vor Neugier, traute sich aber nicht, den taktischen Vorteil aufzugeben und sich zu zeigen.


"Ja, ich. Überrascht, Nica?" Eine tiefe Männerstimme, mehr ein bärenhaftes Grunzen als ein energisches Wort, wälzte sich in den Raum. Sie schienen sich zu kennen. "Was willst Du hier?" Sie kannte diese Stimmlage ihrer Halbschwester. Sie war zornig, ungehalten, gereizt. Der Gast war ihr nicht angenehm, das war klar. Aber es schien keine unmittelbare Gefahr von ihm auszugehen. Sie ließ das Schwert sinken und begnügte sich mit der heimlichen Beobachterrolle. "Hineingebeten würde ich gern werden, draußen regnet es Hunde und Katzen... Nica!" Der Fremde machte einen Ansatz zu lachen, aber es kam eine Art schnorchelndes Bellen heraus, als stünde ein Kernhund dort draußen. "Ungern, das gebe ich zu. Aber gut, komm herein."


Nicatera trat einige Schritte zurück, gleich gefolgt von einem riesigen Schatten, der akustische Vergleich mit einem Bären hatte auch optisch seine Berechtigung. Das massive Etwas folgte ihr bis in die Wohnstube. Katori kickte demonstrativ die Tür zu. Der Fremde sah sie amüsiert an, als ihr bewußt wurde, daß sie nur ein dünnes Nachthemd trug. "Oh, ich wußte nicht daß hier Amazonen wohnen!" Wieder lachte der massige Körper auf, als hätte es ein nahes Erdbeben gegeben. "Das ist meine Schwester Katori. Sie wohnt hier und hackt ungebetenen Gästen gern mal überflüssige Körperteile ab!" Die Stimme der Priesterin trug alle Verachtung, die man ihr nur aufladen konnte. "Oh, Deine Schwester. In dem groben runden Gesicht zeichnete sich ein Grinsen ab. Ich dachte zuerst etwas anderes, ich kenne Dich ja schließlich aus Deinen wilderen Jahren auf der Priesterschule, da hättest Du sowas hübsches nicht...."


"SCHNAUZE!" Sie schrie ihn mit der Macht ihres Soprans an. Ihr Kopf wirbelte so ruckartig in seine Richtung, daß ihr rabenschwarzes Haar wild aufflog wie ein Vogelschwarm "Willst Du wohl Dein Schandmaul halten? Ansonsten warte ich nicht darauf, daß Katori Dir etwas abhackt sondern übernehme das gleich selbst!" Katori lief leicht rot an. Das Wort ´Schwester´ hatte ihr gutgetan, auch wenn ihr klar war daß damit Zusammenhalt demonstriert werden sollte. Aber für einen kleinen Moment lang war es ein schönes Gefühl. Über Nicateras Vergangenheit an der Priesterschule wurde in der Tat hinter vorgehaltener hand so einiges gemunkelt, aber Katori selbst wußte nichts stichhaltiges darüber. Es mußte etwas dran sein, auch wenn wohl gerade nicht der geeignete Moment war, das zu bereden.


"Oh, wie unhöflich, ich habe bei der herzlichen Begrüßung beinahe vergessen, mich vorzustellen." der massige Block Mensch drehte sich zu Katori und machte einen Schritt auf sie zu. Die Bodendielen knarrten widerwillig. "Ich bin Vater Evan Carson, Bischof von Theramore, und wer seid Ihr?" Ihr schlug eine mächtige Alkoholfahne ins Gesicht. Carson war unrasiert und unfrisiert, allerdings weit entfernt von einem Landstreicher. Seine Roben waren in der Tat die eines Geistlichen, abgetragen, aber durchaus noch diensttauglich. Und er roch nicht ungewaschen, wie es ein Landstreicher getan hätte. Nun, der heftige Regenguß hatte ihm dennoch sicher nicht schlecht getan. "Das mit dem ´Vater´ und dem ´Bischof´ kann er sich schenken, er ist vor Jahren schon exkommuniziert worden. Alkohol und Disziplinlosigkeit haben in der Kirche des Lichts keinen Platz!" fauchte Nicatera zurück.


"Oha, meiner Treu, da hast Du es mir aber zurückgegeben für meine Anspielungen auf Deine Ausschweifungen.", grunzte Carson. "Nun, ersteres kann ich nicht leugnen, über letzteres ließe sich bestimmt streiten, andere Disziplinlosigkeiten abseits des Alkohols werden anscheinend von den feinen Herren Erzbischöfen geduldet. Aber naja, bei so schönen Priesterinnen..." Er grinste, nicht einmal spöttisch, es hatte fast etwas liebevolles in seinem breiten Gesicht Platz gefunden. "Ich bin Katori Stirlander, Paladin, angenehm." Katori entschied sich, die Situation zu entschärfen, bevor sie in einen offenen Streit eskalierte. Carson und Nicatera hatten offenbar eine gemeinsame Vergangenheit, an die sich nicht unbedingt beide gleich gern erinnerten.


"Ein hübscher Paladin, das muß ich sagen. Aber gut, ich will Eure Schwester nicht noch weiter reizen, sie ist sehr temperamentvoll, wenn man sie zu nehmen weiß." Er setzte sich schwerfällig in einen Lehnstuhl, der sicher weggelaufen wäre, hätte er das gekonnt. "Nichtsdestotrotz bin ich Bischof in Theramore, wenn auch die Kirche es nicht gern sieht, Lady Jaina unterstützt mich und meine freie Gemeinde durchaus und mit Wohlwollen." Er lächelte zufrieden. "So dient halt jeder auf seine Weise dem Licht. Theramore ist ein ganz anderes Pflaster, als es sich die Pfaffen hier in ihren Spatzenhirnen vorzustellen vermögen. Dort zählt der Glaube, nicht die offizielle Sanktionierung. Ihr habt nicht zufällig etwas zum Aufwärmen im Hause?"


Katori begriff, was er wollte und trat an einen Wandschrank. Sie entlockte dem Schrank eine Flasche mit Sulfurongeist und ein Glas und reichte es dem Geistlichen." "Aaahh Kind, ich sehe, Ihr wißt was sich gehört!" Carson goß sich einen reichlichen Schluck ein und blickte sie lächelnd an . Allein die Dämpfe des Getränkes zogen durch Katoris Nase direkt ins Blut ein. Es fiel ihr nicht schwer, sich die Massen von hochgeistigem Getränk vorzustellen, die dieser Mann in sich hineinschütten konnte. Feinde rote Äderchen zeichneten eine Landkarte der Spirituosenhersteller in sein Gesicht, seine lange Nase glühte rot wie ein Herbstapfel. Möglicherweise ernährte sich der Mann von nichts anderem. "Nun, bevor Nica mich unzweifelhaft gleich auffordern wird, zu sagen, was ich denn wolle, mache ich das lieber von selbst. Setzt Euch doch, es sieht sonst so ungemütlich aus." Die beiden ließen sich in die Sessel fallen und blickten ihn stumm an.


"Nun, wie Ihr vielleicht wißt...oder nicht???...Na egal, jedenfalls ist Lady Jaina zu einer längeren Reise nach Nordend aufgebrochen. Gewiß, das ist in diesen Tagen kein Einzelfall. Viele große Helden brechen dorthin auf, und gelegentlich kommen sie auch wieder. Das Licht möge die Lady schützen, aber mit ihr geht nicht nur eine große Heldin fort von Theramore, nein, es geht auch die aktuelle Herrscherin."


Carson nahm sich jetzt selbst die Flasche und schenkte sich nach. Katori hoffte, daß die Dämpfe nicht das Nachtfeuer im Kamin erreichen würden. "Wer soll Theramore indessen regieren? Soll etwa alles sich selbst überlassen werden? Nein, das würde niemand wollen, oder? Erzmagier Tervosh ist ein sehr fähiger Mann, aber er hat wenig Zeit und nicht allzuviele Kontakte im Leben der... sagen wir... ´normalen´ Leute. Ihr müßt wissen, daß die tagtäglichen Geschäfte von Theramore ohnehin nicht an den hübschen Rockzipfel der Lady gehängt werden, sondern von einem Rat bearbeitet werden. Dieser Rat setzt sich aus vielen Schichten Theramores zusammen. Händlern, Soldaten, Adligen, Geistlichen und einiges andere. Und ja, Nica auch ich bin dort zu finden. Und in ihrer großen Weisheit und Einsicht hat die Lady nun bestimmt, daß der Vorsitzende dieses Rates während der Zeit ihrer Abwesenheit Theramore regiert. Konntet Ihr mir soweit folgen?" Beide nickten zögerlich, Nicateras Augen schickten tödliche Blitze in den Bauch des großen Mannes, aber sie beherrschte sich. "Wer ist der Vorsitzende des Rates?" Katori begann sich für das Thema zu interessieren.


"Ah, kluges Kind. Es ist Prinz Frosand, ein Adliger aus der Region und ein reicher Händler. Holz. Holz und ´Melasse. Gute Partie übrigens!" Er zwinkerte frech in die Runde, es konnte aber auch der Alkohol sein, der seine Lider zittern ließ. "Ein Pfundskerl für ein solch junges Bürschchen. Ein bißchen zurückhaltend vielleicht, aber das läßt sich ja noch trainieren." "Da wärest Du ein prima Lehrmeister, Evan! Und ich bin mir sicher, daß Du für Deine freie Gemeinde ein wenig um Unterstützung werben wirst." "Oh, die habe ich bereits, mein süßes Vögelchen, sei dir versichert." Carson lächelte sentimental. "Hör auf mich so zu nennen oder ich rufe einen Kran und schmeiße Dich raus!" fauchte sie ihn an. "Gutgut, wir wollen die Vergangenheit ruhen lassen."


Katori begann laut zu grübeln: "Warum aber seid Ihr jetzt hier? Erwartet Ihr ein Problem?" "Sehr gut gefolgert! Oh, und wenn Du in dem Nachthemdchen nicht so gut aussehen würdest, würde ich sagen, Du solltest etwas darüberziehen.... aber gut, in der Tat, es wird Probleme geben. In diesem Rat sind nicht alle mit Frosand einverstanden. Oder sagen wir, manche würden jemand anderen dort lieber sehen. Nach alter Tradition ist der reichste Mann des Rates auch der Vorsitzende. Das mag Euch befremdlich vorkommen, aber schließlich ist Theramore tief in alten Handelstraditionen verknüpft, seit dem Tag als das erste Schwert dort ruhte. Nun, um also Vorsitzender zu werden, muß man Geld anhäufen, viel Geld. Oder man kann...."

"...Prinz Frosand ermorden lassen!"

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