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Die Reise/Tag 4-6

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Übersicht Die Reise Tag 1-3 Die Reise Tag 4-6 und das Ende der Reise Irrungen und Wirrungen der Zeit

4.Tag der Reise ohne Widerkehr Bearbeiten

Ich stand an der Reeling, als das Schiff in Theramore einlief und liess die Hafenstadt auf mich wirken. Selbst als ich das Schiff schon verlassen hatte, blieb ich noch eine lange Zeit einfach auf den Bohlen stehen und schaute mich um. Nach Menethil wirkte Theramore auf mich jedesmal, als würde man in einer völlig andren Welt landen. Menethil wies das kühle Flair auf, das auch die Gegend um Sturmwind herum auszeichnete. Sattes, sanftes Grün hoher Bäume und fruchtbarer Wiesen, Gegenden in denen sich unwillkürlich die Lebensfreude hob und selbst die Sonne schien dort so hoch zu stehen, dass sie nichts verbrennen könnte, sondern nur mit ihrem hellen Licht alles überstrahlte. In Theramore war das ganz anders. Der holzig, modrige Geruch der Marschen war in der Stadt immer präsent und obwohl man wusste, dass das sumpfige Moorland nicht weit war, bekam man auch gleichzeitig eine Ahnung, dass sich hinter dem Moor riesige trockene Wüstenflächen fast ohne jede Vegetation anschliessen würden. Der Strand um die Stadt war weiss und feinkörnig und das Meer schien auch ein ganz andres Blau zu haben. Man hatte das Gefühl die Sonne stand viel tiefer und trotzdem es immer wieder kurze heftige Platzregen gab, war es immer warm, viel zu warm.


Ich liess meinen Blick die Küste entlangstreifen und meinte tatsächlich in der Ferne fast den goldenen Strand von Tanaris auszumachen. Tanaris, die heisse Wüstenödnis in die mich meine Reise führen sollte... Ich atmete tief durch und verliess den Hafen, um mich auf die Suche nach Thea zu machen. Immer noch wusste ich nicht, ob ich sie hier antreffen würde und so lenkte ich meine Schritte zuerst Richtung Turm und fragte mich bei den stets präsenten Wachen nach ihr durch und tatsächlich hatte ich Glück, dass man ein junges Mädchen, auf das meine Beschreibung passte in den Turm hatte gehen sehen. Kaum hatte ich den Turm betreten, sah ich Thea auch im Gespräch mit einer wohl älteren Magierin.

Ich war so froh sie zu sehen, dass ich jede Höflichkeit vergass und mich in das Gespräch einmischte und Thea beinahe sogar umarmt hätte. Allerdings schaute sie mich mit so einem verwirrten Gesichtsausdruck an, dass ich es schnell unterliess und im selben Moment fiel mir auch wieder ein, wie ich auf sie wirken musste und dass sie mich sicher auch kaum wiedererkannte. Ich riss mich zusammen, um nicht komplett mit der Tür ins Haus zu fallen und bat sie erst einmal, ob wir einen Ort aufsuchen könnten, an dem wir in Ruhe reden könnten. Während sie mich zu dem Haus ihrer Mutter brachte, musste ich mir bewusst machen, dass ich in Thea längst keine Erwachsene vor mir hatte und ich sie auf keinen Fall mit meinen Problemen überfordern durfte. Gleichzeitig wollte ich aber natürlich auch wissen, was sie von oder über Ganndor wusste und so behutsam wie möglich, brachte ich ihr zuerst einmal bei, dass sie nicht nach Sturmwind in mein Haus zurückkehren könnte, weil ich es für meine Reise versiegelt hätte und sagte ihr, dass sich ausschliesslich Ganndor in Zukunft um sie kümmern würde und dass es besser sei, wenn sie vorerst auch in Theramore bliebe und wie leid mir die ganze Entwicklung täte.


Sie hörte mir schweigend und fast ohne jegliche Reaktion zu und ich war mir nicht ganz sicher, ob sie die ganze Tragweite auch wirklich verstand oder nur ihre Gedanken gut vor mir verbergen konnte. Von Ganndor wusste ich immer noch nichts und erst als ich das Gespräch auf Nica brachte, huschte ein Zucken über ihre Züge, das mir verriet, dass sie im Bilde sein musste. Ich atmete tief durch und verfluchte Ganndor innerlich als gefühllosen Mistkerl. Er hatte es wirklich fertig gebracht Thea auf seine Seite zu ziehen, ohne auch nur ansatzweise auf meine Gefühle für sie Rücksicht zu nehmen und Thea konnte man es auch nicht einmal verdenken, dass sie sich Ganndor mehr zuwandte, war sie ja sowieso auch auf der Suche nach einer Vaterfigur. Nun, andrerseits hatte es natürlich den Vorteil, dass mich Thea so nicht allzu sehr vermissen würde und vielleicht gab Nica ja wirklich eine bessre Ersatzmutter ab, als ich es hätte je sein können, war ich doch dafür viel zu unkonventionell.


Das sollte zukünftig auch nicht mein Problem sein und so setzte ich wieder die Maske der kühlen Überlegenheit auf, liess alle Vorsicht und Rücksicht auf die Jugend von Thea fallen und sprach sie hart und direkt auf Ganndors Verhalten an und was ich darüber dachte. Sie wirkte plötzlich ziemlich verunsichert und leise gestand sie mir nach wenigen Augenblicken, dass Ganndor sie gebeten hätte, wegen ihrer Träume und dem Bezug zu Gadrion ihrem Vater, Nachforschungen über die Höhlen der Zeit anzustellen. Ich erschrak furchtbar. Was hatte Ganndor mit den Höhlen der Zeit zu schaffen, was wusste er davon und noch viel schlimmer: ahnte oder wusste er etwas von meinen Plänen? Das könnte alles zunichte machen und barscher als ich es eigentlich vorhatte, fuhr ich Thea an, dass sie mir sofort alles darüber erzählen sollte.


Eingeschüchtert ging sie zu einem Schrank und holte daraus ein Buch hervor und schlug eine Seite auf. Dann erzählte sie mir stammelnd, dass sie heraus gefunden hätte, dass sich die Höhlen im östlichen Tanaris befinden sollten und dass Ganndor dahin wollte, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Laut Thea wollte er sich dort vergewissern mit wem von uns beiden, Nica oder mir, sich seine Zukunft gestalten würde. Ich schnappte nach Luft und hatte Mühe meinen wachsenden Zorn vor Thea unter Kontrolle zu halten. Was für ein gottverdammter Scheisskerl war Ganndor wirklich? Wie hatte ich nur einen Augenblick daran glauben können mit so jemandem meine zukunft zu verbringen und dafür alles aufzugeben, was mir bis dahin wichtig gewesen war?


Das muss man sich mal vorstellen! Er spannte ein knapp 16-jähriges Mädchen dafür ein, etwas heraus zu finden, was er zu feige oder egoistisch oder was auch immer war, als Entscheidung für seine Zukunft zu treffen. Wie verantwortungslos musste man dafür sein? Hatte er vergessen, dass er schon einmal verheiratet war und Kinder hatte? Hatte er das alles verdrängt? Blosse Angst und Zweifel vor der eigenen Courage konnten es doch wohl kaum sein. Ich hatte schliesslich auch alles dafür getan in der letzten Zeit, um diese Ängste und Zweifel auszuräumen und dieses Kind, unser Kind, sollte der krönende Abschluss dieser Vergangenheitsbewältigung werden!

Ich schüttelte den Kopf und zwang mich jeden Gedanken an Ganndor zu verdrängen. Er hatte es nicht verdient, dass ich ihm auch nur eine Träne nachweinte. Thea schien irgendwie den Gefühlsstrom, der in mir tobte zu spüren und schien immer kleiner und unsichtbarer werden zu wollen. Oh, ich musste mich erneut wirklich zusammen reissen, um sie nicht für etwas verantwortlich zu machen, wofür sie nichts konnte und so bat ich sie mühsam lächelnd um einen Gefallen, den sie mir erweisen könnte, ehe sich unsre Wege für immer trennten. Sie verstand die Situation wohl immer noch nicht, schien aber erleichtert, dass kein Donnerwetter auf sie nieder prasselte und als ich sie bat, ob sie mir ein Treffen mit Gadrion ermöglichen könnte.. so schnell es eben auch möglich wäre, nickte sie und versprach mir, sich darum zu bemühen.


Ich wusste zwar noch nicht genau welche Erklärungen ich Gadrion für mein Vorhaben liefern sollte, oder ob ich ihn möglicherweise austricksen müsste, ich wusste vorerst nur, dass er auch der eigentliche Ideengeber für meinen Plan war. Er und Theas Träume hatten mich ja erst auf die Idee gebracht in die Vergangenheit zu reisen und die Notiz, die ich in Ganndors Unterlagen gefunden hatte, dass diese Höhlen der Zeit existieren müssten bestärkten mich nur. Ausserdem gab es in der Bevölkerung die landläufige Meinung, dass, wenn man die Höhlen einmal gefunden hatte, dort eine Art Portale existieren sollte und dass es angeblich schon Leute gegeben haben soll, die die Burg Durnholde in ihrer vergangenen Pracht gesehen hatten.


Deshalb war ich zuerst zu der Burg gereist, deshalb hatte ich mir die Wege eingeprägt, deshalb würde auch ich versuchen in die Vergangenheit zu reisen und Ganndors Kind ihm wie eine Art Kuckucksei ins Nest zu legen. Das sollte meine Rache werden und das einzige Hindernis, welches mir noch im Weg stand war der Zutritt zu den Höhlen und den sollte mir Gadrion ermöglichen.

Ich umarmte Thea und dankte ihr für ihre Hilfe, wünschte ihr alles Gute für die Zukunft und wollte mich nur noch so schnell wie möglich verabschieden, ehe mich unerwünschte Gedanken wieder einholen konnten. Thea merkte mir meine Eile und den Ernst wohl an, denn leise flüsterte sie mir bei dieser Abschiedsumarmung noch zu, dass ich Gadrion südlich des Dampfdruckpiers in Tanaris am Strand, wo es die vielen Schildkröten gab, treffen sollte. Ich nickte dankbar, drückte sie noch einmal fest und verliess dann eilends und ohne mich noch einmal umzusehen das Haus.


Es war inzwischen dunkel geworden und ich wollte meine Reise forcieren. Nach Möglichkeit wollte ich schon morgen in Tanaris sein, doch ehe ich meine Vorbereitungen abgeschlossen hatte und die Stadt auf einem schnellen, kleinen, angemieteten Segler verlassen konnte, hatte ich noch eine Begegnung mit Sir Fletscher aus Seenhain. Er wirkte verändert auf mich. Seine Rüstung war eine Andre und er erzählte mir, dass er jetzt meistens als Auftragssöldner unterwegs sei. Für ein paar Momente überlegte ich, ob ich ihn vielleicht als Begleitung anheuern sollte, aber irgendwie wirkte er auch nicht ganz bei der Sache und je weniger Leute von meinem Vorhaben wussten, umso besser war es.


So machte ich mich doch allein auf die Reise nach Tanaris. Mal sehen, was der morgige Tag bringen würde....



5.Tag der Reise ohne Widerkehr und das Ende der Reise Bearbeiten

Der gestrige Tag war wohl einer der emotionalsten und aufregendsten, die ich jemals erlebt hatte. Ich sitze in dem Zimmer in Süderstade, das ich für die Nacht gemietet hatte und durch das offene Fenster dringen das Rauschen des Meeres und die morgendlichen Stimmen der Bewohner zu mir herauf.. Stimmen der Vergangenheit. Ich bin jetzt allein, ganz allein und langsam sickert die Tatsache in mein Bewusstsein und lässt mich erschauern vor der unbekannten Zukunft, die vor mir liegt. Aber zuerst muss ich es niederschreiben, wie es kam, dass ich hierher gelangte und vor allem auch schneller und unkomplizierter, als ich es mir erhofft hatte:  

Der kleine Segler hatte mich schnell und bei ruhiger See zum Dampfdruckpier in Tanaris gebracht und mich dort abgesetzt. So musste ich wenigstens nicht stundenlang durch die heisse, trockene Wüste reiten. Es war aber selbst am Strand immer noch warm genug, so dass ich mir am liebsten meine Kleider ausgezogen hätte, um mich in den Sand fallen zu lassen und vor mich hin zu träumen. Es wäre bestimmt herrlich hier Urlaub zu machen, aber der Anblick der Schildkröten erinnerte mich daran, dass ich Gadrion treffen musste. So zog ich also nur die Bluse unter meiner Robe aus, um nicht ganz in der Hitze weg zu schmelzen und wanderte den Strand entlang Richtung Süden. 


Der Stand war lang und ich hatte keine Ahnung, wann, wo oder wie ich Gadrion finden würde und so liess ich meinen Blick immer wieder in die Wüste schweifen, schaute den Strand entlang und sogar aufs Meer, ob er sich von dort nähern würde, als plötzlich ein Sandsturm anhob, mir die Sicht nahm und ich Mühe hatte Nase und Mund vor den feinen Sandkörnern zu schützen. So schnell wie der Sandsturm gekommen war, legte er sich allerdings auch wieder und eine Stimme, die mir entfernt bekannt vor kam, sprach mich an. Schnell blinzelte und rieb ich mir den restlichen Sand aus den Augen und fuhr zu der Stimme herum.


Gadrion, und ich war mir ziemlich sicher, dass es nur Gadrion sein konnte, stand wenige Schritte von mir entfernt auf der Böschung zum Strand und schaute reglos zu mir herunter. Ich war so verblüfft von seinem Erscheinen und seiner Erscheinung, dass mir im Augenblick keine Worte einfielen und ich ihn nur anstarrte. Langsam näherte er sich mir und musterte mich genauso, wie ich ihn, obwohl sein Blick kühl und unbeeindruckt wirkte und meiner bestimmt überrascht und neugierig. Er hatte sich verändert.. und wie und gleichzeitig doch auch wieder nicht so sehr, dass ich es nicht gewusst hätte, dass nur er es sein konnte. Seine Augen glitzerten in einem eisigen Blau, das Gesicht wirkte hart, wie versteinert, ja nahezu leblos, die Bewegungen waren kantiger, nicht so wie bei einem Roboter, aber doch ein bischen ähnlich, eben so, als könne er sich nicht frei und gelenkig bewegen wie ein lebender Mensch, als hindere ihn irgendetwas daran. Die Stimme war dunkel und hatte einen leichten Nachhall, kaum auffällig und doch erinnerte sie unwillkürlich daran, wie die eigene Stimme klingt, wenn man sich in einer Gruft tief unter der Erde auf hält... eine

Grabesstimme und in dem Moment wurde es mir bewusst, dass er ja tatsächlich tot war, oder vielmehr untot, da er ja vor mir stand. Dennoch hatte ich Mühe mich mit dieser Tatsache vertraut zu machen, erinnerte eben immer noch seine ganze Gestalt, die Figur, der Körperbau und das Gesicht an den früheren Gadrion.
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Ich schüttelte verwirrt den Kopf und brachte immer noch kein Wort heraus und erst, als er vor mir stand und sprach, dass er kaum mich hier erwartet hätte, viel mehr Thea oder noch wahrscheinlicher Ganndor, löste sich meine überraschte Starre und ich beschloss ihn einfach als den zu behandeln, als den ich ihn kannte: den Artefaktensammler und Paladin Gadrion Weissklinge. Alles andre hätte mich irgendwie überfordert, wenn ich natürlich gleichzeitig auch neugierig war, wie sich das Leben eines Untoten oder Todesritters, was er ja eigentlich jetzt war, gestaltete.


Vielleicht schien sogar er sich zu freuen mich zu sehen, auch wenn Nichts in seinen Regungen darauf hindeutete, oder er nicht fähig war derartige Regungen zu zeigen. Jedenfalls schien sich irgendwie die Spannung der Situation aufzulösen und bald waren wir in einem angeregten Gespräch. Ich wollte ja auch so viel wissen: von seiner Freundschaft und jetzigen Beziehung zu Ganndor, von Thea und ihren Träumen, von seiner jetzigen Tätigkeit mit den Drachen. Ich hatte einen ganzen Katalog von Fragen im Kopf und ruhig versuchte er mir jede Frage zu beantworten, während ich mich irgendwann in den Sand setzte und er mir gegenüber nieder kniete.


Es mussten Stunden vergangen sein in denen wir redeten und uns dabei langsam aber sicher immer mehr dem Thema, dass mich auch am meisten interessierte, näherten: der Vergangenheit und dem Phänomen Zeit an sich. Wenn er bis dahin noch freimütig geredet hatte, sich auch interessiert an der Entwicklung seiner Tochter zeigte und auch meiner Sicht der Dinge über meine Beziehung zu Ganndor lauschte, so wurde er doch dizanzierter, wenn ich ihn direkt auf die Zeit und die bronzenen Drachen ansprach. Es schien, als wolle er einfach nicht mit der Wahrheit herausrücken und wie er betonte geschehe das alles auch nur zu meinem Schutz und meiner Sicherheit, da er nun mal auch wüsste, was ich war und dass ich eigentlich eine ziemlich geschwätzige Person sei. Geschwätzig? Ich? Ich schnappte kurz entrüstet nach Luft, ehe ich in ein herzhaftes Lachen ausbrach. Im Grunde hatte er ja wirklich recht. Ich redete oft und viel zu viel, aber in Schwierigkeiten hatte ich dennoch noch niemanden damit gebracht. Dafür waren Andre, wie Ganndor prädestinierter, als er zum Beispiel das Gerücht streute, dass ich eine Hexe sei.


Gadrion musste mir widerwillig recht geben, trotzdem war er, wie er sagte lieber vorsichtig. Das Thema Zeit und mögliche Veränderungen in der Vergangenheit oder Gegenwart waren viel zu heikel, um sie nicht mit äusserster Vorsicht zu behandeln. Als ich ihm dann gerade heraus sagte, dass ich genau das vorhätte, in die Vergangenheit zu reisen und dort etwas nach meinen Vorstellungen zu verändern, war er alles andre als begeistert und fast ablehnend, aber er gestand mir zu, dass es nicht in seiner Entscheidungsgewalt liege, sondern der der bronzenen Drachen. So bat ich ihn mich zu ihnen zu bringen und den Drachen mein Anliegen vortragen zu können.


Eine Weile schien er darüber nachzudenken, bis er sich plötzlich erhob und sagte, dass ich ihm folgen sollte. Nicht wissend, was mich weiter erwarten würde, erhob ich mich aber sofort und folgte ihm schweigend. Wir hatten kaum den Strand verlassen und den Wüstenboden betreten, als erneut ein Sandsturm anhob und uns wie eine Windhose umtoste in deren Zentrum wir liefen. Mir wurde klar, dass der Sandsturm vorhin kein normaler Sandsturm war und das wohl Gadrion die Ursache dafür war. Dadurch, dass ich nichts mehr um mich herum sah, ausser einer Wand aus Sand, hatte ich keine Ahnung in welche Richtung wir liefen, oder wie schnell wir uns wirklich fortbewegten. Es kam mir jedenfalls auch gar nicht so lange vor, als sich der Sturm legte und während der Sand zu Boden fiel, erblickte ich riesige Ruinen direkt vor mir.


Gadrion lief weiter und auf die Ruinen zu und ich folgte ihm gespannt, als ich plötzlich auf der rechten Seite einen riesigen Drachen erblickte, der seine grünen schlangengleichen Augen direkt auf mich gerichtet zu haben schien. Mein Schritt stockte, aber Gadrion winkte mich näher heran und erklärte mir, dass dieser Drache der Wächter der Höhlen sei und ich an ihm vorbei müsste, um Zutritt zu bekommen. Ich sollte ihm mein Vorhaben vortragen .. nur, wie sprach man mit einem Drachen? Ich stammelte etwas zusammen, als sich Gadrion zu meiner Erleichterung erbot für mich mit dem Drachen zu reden. Gadrion stellte sich fast zwischen die riesigen Beine des Drachen, schaute zu ihm auf und redete. Was er sagte, konnte ich allerdings nicht verstehen, denn ich war lieber in sicherer Entfernung stehen geblieben, zumal mich diese Drachenaugen noch immer förmlich an der Stelle an der ich stand festklebten.
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vor dem Wächerdrachen


Ich glaubte ein leichtes Nicken des Drachenkopfes wahrgenommen zu haben und ein tiefes Brummen ertönte, das durchaus Worte gewesen sein könnten, die ich nur nicht verstand, als Gadrion sich von dem Drachen abwandte und zu mir zurückkehrte. Ich sah ihn gespannt an und herablassend teilte er mir mit, dass ich Zutritt zu den Höhlen erhalten würde. Ich hatte es geschafft! Wirklich und wahrhaftig schien ich meinem Ziel nur noch Schritte entfernt zu sein und jubelte, als mich Gadrion in meinem Überschwang auch gleich wieder bremste.


Er sagte, dass ich zwar Zutritt erhalten würde, mich dennoch aber einer Prüfung stellen müsste. Einer Prüfung? Ich schaute ihn unsicher an in der Hoffnung, er würde mir erklären, was mich dabei erwarten könnte. Er nickte und sagte, dass für die Prüfung Anchor Bronzebart ausgewählt worden sei. Ich schaute ihn verblüfft an. Ein Zwerg? Dem Namen nach konnte es sich jedenfalls nur um einen Zwergen handeln, meinte ich. Er nickte erneut und bestätigte, dass es sich tatsächlich um einen Zwergen handele, aber nicht irgendeinen Zwerg, sondern einem Drachen in Zwergengestalt, mit dem eigentlichen Namen Anchrodormu, der zudem so etwas wie der Partner von Gadrion sei. Ich blinzelte verwirrt und erinnerte mich an Ganndors Erzählungen über Gadrion, dass er wohl wirklich oft mit einem Drachen oder auf einem Drachen reitend anzutreffen sei. Und diesen Drachen sollte ich jetzt treffen und er würde mich prüfen? Wieso dieser Drache? Wieso nicht irgendein andrer Drache?


Ich wurde noch unsicherer als ich unter dem Blick des Wächterdrachen schon war und mit schlotternden Knien folgte ich Gadrion schweigend ins Innere der Höhle. Dort wurde mein Zustand allerdings um kein bischen besser, als Gadrion nach oben deutete und mir die riesige Weite der Höhle vor Augen führte. Wenn schon Theramore auf mich, wie eine andre Welt gewirkt hatte, so kam ich mir jetzt auf einmal klein und unbedeutetend wie ein Sandkorn in einer mir völlig unbekannten Welt vor. Nein, Welt ist das falsche Wort. Ich schien auf einmal zu schweben, losgelöst von der Erde und trudelte wie ein winziges Sandkorn am Himmel zwischen den Sternen, Kometen, der Sonne und dem Mond ziel- und scheinbar richtungslos im Nichts herum.



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bbeindruckende Unendlichkeit

Ich machte mir vor Angst vor der Grösse meines Abenteuers, das ich hier und gerade bei den Drachen eingehen wollte fast in die Hose und nur die Tatsache, dass mich Gadrion zu einem kleinen, völlig schief an einer Wand klebendem Haus brachte und ich mich dadurch auf meine Balance konzentrieren musste, verhinderte dass ich am liebsten schreiend wieder aus der Höhle gelaufen wäre.


Ich atmete tief durch, als die Erinnerungen an gestern wieder so bildlich vor mir aufstiegen und erhob mich, trat ans Fenster und schaute ein paar Minuten hinaus, bevor ich mich soweit beruhigt hatte, um weiter schreiben zu können....


Ich setzte mich wieder und nahm erneut die Feder zur Hand. Während ich also auf den schrägen Fußbodenbrettern des Hauses stand und überlegte, ob ich jeden Moment auf ihnen herab und gegen die Wand rutschen würde, fegte ein Etwas wie ein Windstoss zur Tür herein und instinktiv liess ich mich auf den Hintern plumpsen, um nicht doch umgerissen und gegen die Wand gedrückt zu werden. Statt meiner war dafür Gadrion gegen die Wand geflogen und dieses Etwas umklammerte ihn, während er in der Ecke am Boden kauerte. Ich wollte aufspringen und mich kampfbereit gegen dieses Etwas stellen, als es ein dröhnendes Lachen ausstiess, Gadrion auf die Schulter klopfte und sich herum drehte. Statt irgendeinem tentakeligen, undefinierbaren Etwas, erkannte ich nun, dass es ein kleiner stämmiger Zwerg war, der Gadrion in die Arme geflogen sein musste und ihn dabei mit umgerissen hatte.


Unwillkürlich musste ich beim Anblick der Beiden kichern, war es doch ziemlich ungewöhnlich, dass so ein kleiner Zwerg den doch eher grossen und kräftigen Gadrion einfach umhauen konnte. Gadrion erhob sich indessen aus seiner Ecke und der Zwerg musterte mich genau. Aus dem zotteligen Kopfhaar, den buschigen Brauen und dem dichten Bart, der fast das ganze Gesicht bedeckte waren es diese grünen Augen, die sofort auffielen und mich wieder an die Augen einer Schlange erinnerten, als sie mich taxierten. Das musste dieser Anchor Bronzebart sein oder vielmehr der Drache in Zwergengestalt. Sofort war meine Angst vor der ausstehenden Prüfung wieder da, aber zu meiner Überraschung, schien der Zwerg keine Anstalten zu machen, gleich auf den Punkt zu kommen, wo wie der Wächterdrachen draussen vor der Höhle. Er schien eher an einer lockeren Konservation interessiert zu sein, denn so wie er da stand, mich betrachtete und die Worte sprach: Ja, wen haben wie denn da? Das kann doch nur Madame Silberwind sein. Lang nix mehr von Euch gesehen und gehört.“ liess das fast keinen andren Schluss zu, wenn auch die Worte mich noch mehr überraschten, als seine lockere Haltung.


Hatte der Zwerg mich gerade eben tatsächlich 'Madame Silberwind' genannt? Hilfesuchend blickte zu Gadrion, aber der zuckte nur mit den Schultern und beobachtete uns ziemlich teilnahmslos. Meine Gedanken rasten. Silberwind war mein Tarnname, den ich immer benutzte, wenn ich irgendwo untertauchen wollte oder musste. Nur sehr wenige kannten diesen Namen und brachten ihn erst recht nicht mit mir in Verbindung. Das letzte Mal, als ich ihn benutzt hatte war beim Einfall der Geissel in Sturmwind gewesen, als wir uns mit Daiwa und Liesl als die Silberwindschwestern weg von Sturmwind in Sicherheit brachten. Diesen Namen wollte ich auch in der Vergangenheit verwenden, wenn ich Ganndor dort gegenüber treten musste, aber das konnte der Zwerg doch unmöglich wissen, es sei denn....?


Ich riss Augen auf bei der Erkenntnis, die mich überfallen wollte und beugte mich gespannt vor, um den Zwerg danach zu fragen, aber er winkte nur kichernd mit den Worten ab: Oh, oh, ich habe mich wohl geirrt. Das ist unser erstes Treffen? Diese Höhle der Zeit bringt mich noch ganz durcheinander.“ Ich wollte es natürlich nun genauer wissen, aber da meine Gedanken sowieso um die Vergangenheit kreisten, lenkte mich Gadrion mit seiner nächsten Bemerkung wieder ab: „Floreanna, sag ihm, was Du willst!“ und als der Zwerg für mich antwortete: „Ich weiss doch schon längst, was sie tun wird, Trottel.“, war ich gleichzeitig erstaunt und erleichtert und die Tatsache, dass der Zwerg Gadrion einen Trottel genannt hatte, liess in mir ein hysterisch, nervös, befreites Lachen aufsteigen. Die Situation war derart abgefahren, dass ich einfach nicht anders konnte, als zu Lachen und lachend fragte ich ihn, Gadrion dabei geflissentlich auch irgnorierend, was er denn davon halten würde, was ich zu tun gedachte.


Schlagartig verschwand der Schelm aus seinem Gesicht und erneut musterten mich die Augen sehr ernst und das Lachen blieb mir im Halse stecken, als er sagte: „Was ich davon halte? Was soll ich schon davon halten. Eure Tochter wird gebraucht!“ Ich brauchte einige Momente, bis mir seine Worte gänzlich ins Bewusstsein sickerten. Was hatte er gerade gesagt? Meine Tochter wird gebraucht? Meine TOCHTER? Ich starrte den Zwerg an, dann auf meinen Bauch und wieder den Zwerg an. Hatte er mir tatsächlich gerade verraten, dass ich ein Mädchen bekommen würde? Eine Tochter? Ich wollte jubeln und hüpfen und schrie es fast auch heraus: „ Ein Mädchen, es wird ein Mädchen und Ganndor weiss es nicht. Ich weiss etwas, was er nicht weiss. Oh, wird ihn das ärgern!“ Triumphierend schaute ich Gadrion an, aber er zuckte nur mit den Schultern. Dann sprach der Zwerg die Worte: „ So, Bleichnase und nun darfst Du sie in ihr neues Zuhause führen.“


Ich nahm kaum noch etwas um mich herum wahr. In meinen Ohren klang nur immer wieder: ein Mädchen..., ein Mädchen..... Egal was passieren sollte, ich wollte einfach jetzt nur noch los in mein neues Zuhause, wie der Zwerg es nannte. Ich nahm kaum wahr, dass der Zwerg so schnell wie er gekommen war, wieder zur Tür hinaus verschwand und als Gadrion sich ebenfalls zum Gehen wandte, stolperte ich ihm hektisch hinterher. Erst als Gadrion stehen blieb und ich fast auf ihn drauf gelaufen wäre, schreckte ich aus meinen Gedanken auf, die sich einzig und allein um die Vorstellung drehten, wie Ganndor ein kleines Mädchen auf den Arm hob, zärtlich an sich drückte und das Kind ihn mit einem herzlichen, strahlenden Lächeln dafür belohnte. Würde es so werden? Würde Ganndor seine Tochter tragen und drücken und .. lieben?


Ich schaute mich um. Wir standen im Zentrum der Höhle und überall zweigten Gänge in den Fels ab, die sich scheinbar bewegten. Dort wo ich gerade noch einen Gang abzweigen sah, war im nächsten Moment rauer Fels und dafür tauchte an einer andren Stelle eine Abzweigung auf. Ich blinzelte verwirrt und glaubte an eine Täuschung, aber, aber die Illusionen blieben. Waren das diese Portale.. diese Zeitportale? Gadrion schien sich ebenfalls nicht sicher zu sein, wohin wir uns wenden sollten und deutete dann in die Mitte der Höhle, in der auf einem riesigen Podest ein ebenso riesiger Drache neben einer noch riesigeren Sanduhr vor sich hin döste und den ich bisher noch gar nicht wahrgenommen hatte. Gadrion erklärte mir, dass wir diesen Drachen fragen müssten, welches Portal wir nehmen sollten und ich sollte ihm sagen, in welche Zeit ich genau zurück wollte.
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die grosse Sanduhr


Man konnte es also steuern? Naja, eigentlich war das auch logisch, wenn die Drachen die Hüter der Zeit waren. Ich war scheinbar der menschlichen Vorstellung aufgesessen, das es feste Portale so wie bei den Magiern sein müssten, die einen nur an einen bestimmten Ort bringen konnten, aber das war scheinbar bei diesen Zeitportalen ganz anders. Ich überlegte hektisch. Wann hatte Ganndor geheiratet? Wann war seine erste Tochter geboren? Ich wollte in eine Zeit, als er schon verheiratet war und meine Tochter mit seinen Kindern aufwachsen konnte. Es musste also etwa 4-5 Monate vor der Geburt seiner ersten Tochter sein. Ja, genau, dann wären Juliana und meine Tochter fast gleichalt, also sagte ich es Gadrion so, wie ich es mir wünschte. Er nickte und ging auf den Drachen zu und sprach leise mit ihm.


Der Drache hob den Kopf und zum drittenmal an diesem Tag hatte ich das Gefühl dieses Paar schlangengleicher Augen würden in mich eintauchen und etwas in mir sehen, was mir selbst verborgen blieb. Dieser Blick dauerte jedoch nur wenige Sekunden, dann legte der Drache den Kopf wieder auf die Beine, schloss die Augen und schlug mit dem Schwanz dreimal kurz gegen die Sanduhr neben sich. Das helle Klingen dieser drei Schläge schien die ganze Höhle in Bewegung zu bringen und als sich Gadrion bedankte und abwandte, stammelte ich schnell einen Dank und lief ihm hinterher. Ich nahm an, dass die drei Schläge sowas wie das dritte Portal bedeuten sollten, wenn ich auch nicht wusste, wo man hier mit Zählen anfangen sollte, aber zum Glück schien das ja Gadrion zu wissen und steuerte auf eine Abzweigung zu.


Wir waren erst wenige Meter in dem Gang verschwunden, als Gadrion mich beim Laufen fragte: „Na, wie fühlt man sich so in der Vergangenheit?“ Ich blieb abrupt stehen und wirbelte auf dem Absatz herum und schaute hinter mich, doch da war nichts, als ein Gang im Fels. Keine Höhle, kein riesiger Drache auf einem riesigen Podest. War ich tatsächlich in der Vergangenheit? Ich hatte es nicht einmal gemerkt! Gadrion war stehen geblieben, als ich mich wieder umwandte und so etwas wie ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Ich starrte ihn völlig perplex an und musste wohl leicht geschwankt haben, denn er nahm mich behutsam beim Arm und sagte: „Komm, ich zeige Dir das Ende dieses Ganges.“


Nach einer scharfen Biegung hatten wir auch nach wenigen Schritten schon das Ende des Ganges erreicht. Der Gang schien aus einem Berg zu kommen, denn vor mir breiteten sich sanft abfallende Wiesen aus. Ich glaubte einen Weg zu erkennen, der sich zwischen Wiesen und einigen Bäumen entlang schlängelte und weit dahinter sogar die Dächer von einigen Häusern ausmachen zu können. Ich liess meinen Blick über die herrliche Gegend schweifen, bevor mir wieder einfiel, wo ich mich befand und drehte mich zu dem Höhleneingang um, aber da war nichts mehr, ausser Fels und Berg. Ängstlich schaute ich zu Gadrion, der noch immer neben mir stand, aber irgendwie anders aussah. Erst als ich nochmal hinschaute, ging mir auf, was es war: er sah .. lebendig aus. Er sah aus, wie der Gadrion, den ich aus Sturmwind kannte, lebendig und lebensfroh und Hoffnung stieg in mir auf, dass ich vielleicht in dieser mir doch so fremden Vergangenheit nicht allein bleiben müsste.


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Süderstade in der Vergangenheit

Er sah es mir wohl an, denn er schüttelte leicht den Kopf und sagte, dass er mich nur bis nach Süderstade bringen würde. Das Süderstade, in dem ich gerade in meinem Zimmer im Gasthaus sitze und diese Zeilen schreibe... in der Vergangenheit. Gadrion brachte mich bis zu diesem Gasthaus. Ich fand, dass Süderstade fats genauso aussah, wie ich es kannte und das machte den Abchied auch etwas leichter. Ich bat Gadrion noch Ganndor auf keinem Fall etwas davon zu erzählen, wohin er mich gebracht hatte, ausser es würde wirklich notwendig sein und er versprach es mir, ebenso, wie ich ihm versprechen musste, mich von dem ewigen Schwarm fernzuhalten. Ich wusste nicht, was er damit meinen könnte, denn ich wollte doch sowieso weiter nach Tirisfal und so versprach ich es ihm leichten Gemüts. Dann trennten sich unsere Wege.


So ist es also, wenn ein neues Leben anfängt. Wieder lauschte ich den Stimmen der Vergangenheit, die aus dem Ort zu mir herauf drangen. Stimmen, die jetzt meine Gegenwart waren.

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