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Die Legende von Weißwacht/Die Geschichte/1522012

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Die Legende Prolog Die Geschichte Epilog

Sie stand am Hafen, ... - von Sinuve, 22.2.2012

Sie stand am Hafen, auf der oberen Plattform, nahe bei der größeren Löwenstatur. Völlige Leere im Kopf. Wann war es das letzte mal her, dass sie rein garnichts im Sinn hatte? Nichts regte sich, kein Bild, keine Erinnerung, nichtmal ein bekannter Geruch oder Geräusch. Nichts. Vollkommene Leere.

Der Wind strich ihr übers Gesicht, kämmte ihr schwarzes, langes Haar. Wann hatte sie es zum letzten Mal offen getragen? Es war so weich, nur vereinzelnd ein paar Locken, die der Glätte trotzten. Sie beobachtete, wie der Wind die Strähnen erst nach hinten, dann nach vorne fegte. Das schwarze Haar umrahmte ihr Gesicht, kitzelten sie auf der Haut. Die Grillen kündigten die Nacht an. Wann hatte sie zuletzt den kleinen Tieren in der Nacht gelauscht? Den Bass übernahmen die knarzenden Bretter der Schiffe. Sopran, das Pfeifen des Windes, wenn er über Taue und durch Löcher in den Segeln wehte. Die Blätter und das Schlagen der Wellen erschafften sanfte Tenorstimmen. Die Musik entlockte ihr ein zartes Lächeln auf den Lippen. Der Mond erhob sich aus seinem Schlaf und spiegelte sich hell auf dem Meer wider. Wann hatte sie zuletzt den Mondaufgang beobachtet? Groß und imposant hing er am Himmel, mit Kratern versehen. Der Mond war überall der selbe, nur von unterschiedlicher Größe oder Farbe. War er in Arathor kaum durch die Wolkendecke gekommen, so schien er einen stetigen Zeitplan in Sturmwind abzuhalten, mit dem Treiben, seine Schönheit immer wieder neu zu präsentieren.

Was war passiert?..., schlich es sich dann doch in ihre Gedanken. Was ist nur passiert?... Sie seufzte tief, als die Leere der Gegenwart wich und sie wieder in die Realität geschleudert wurde. Der Wind wehte eisig um ihren Körper herum, die Grillen waren nur noch leise zu hören und der Mond erinnerte sie daran, wie spät es schon war.  Als erstes kam ihr Tellos in den Sinn, wie sehr er sich verändert hat, wie sehr er ihr aus den Händen geglitten ist. Er war nichtmehr der Selbe, wie früher. War vergiftet von diesem van Haven-Wahnsinn. Unumgänglich hielt er an seiner "Familie" fest, als gäbe es dahinter nichts anderes. Was taten sie nur mit ihm und seinem Verstand, dass er schon genauso war, wie sie selbst. Sie hatte immer Angst davor gehabt, dass er so wurde. Der Tag der letzten Prüfung, bevor er seine Weihe erhalten würde, war fast so, als hätte sie in die Zukunft blicken können. Sie sah Arathor, Krieg und Tellos zwischen all den Leichen. Verzweifelt, ohne Halt. Das Rot in seinem Wappenrock erreichte sogar seine Augen. "Und wo war ich?", flüsterte sie und der Wind riss ihren Satz mit sich.  Der Gedanke an Tellos verschob sich und ein weiterer folgte. Die schwarze Brigade ist wieder in Sturmwind. Jon, Rylie, ein paar andere bekannte Gesichter und Aldo. Sie hatten die Hetzjagd auf die arme Ragelind beenden können. Wieso konnte sie sich also nicht freuen? Lag es daran, dass es Aldo war, der nun der neue Champion wurde oder daran, dass die Brigade auch Erinnerungen mit sich brachte, die sie längst verdrängt hatte. Wohl manches hätte sie gerne ungeschehen gemacht, was ihr im Bezug auf die Brigade einfiel, dann wiederum erinnerte sie sich an die lustigen und schönen Zeiten in deren Lager. Sie hatte den Krieg verlassen und die Leute dort ihrem Schicksal überlassen. Die Briganten hatten sicherlich Mühe Kilkerry abzusichern, hatten gewiss eine weitere, harte Zeit erlebt. "Und wo war ich?", hauchte sie in die kalte Nacht.

Das Bild des Lagers der schwarzen Brigade löste sich auf um Platz für ein anderes zu machen: Ihr kam Arvenya in den Sinn. Kursierten so viele Gerüchte um dieses Artefakt. Angeblich sollte man es erst aus dem alten Lordaeron bergen. Man vermutete, dass der eigentliche Champion garnicht der Gewinner sein würde. Es heißt, dass der Champion, der das Artefakt holen soll- sollte das stimmen- erst wie ein guter Wein abgeschmeckt wird und dann das Urteil von Lord Weißwacht gefällt wird, ob jener überhaupt Würdig genug sei, das Artefakt zu holen. Arveny verhielt sich so komisch. Wusste sie etwa von alle dem? Warum sagte sie nichts? Warum ließ sie die Leute ins offene Messer laufen? Wovor hat sie Angst?... Der Gedanke um Arvenya und die Informationen mischten sich mit der schwarzen Brigade. Aldo bat um Hilfe, bietete aber auch seine volle Unterstützung an. Sie musste lächeln. War sein Angebot wie Honig; süßlich und schmackhaft. "Wo bin ich?", fragte sie den Mond, als sie zu diesem aufsah. "Sag mir, wo ich gerade bin." Sie hoffte nicht auf Antwort, dass wäre lächerlich gewesen, doch wünschte sie sich, irgendwer hätte sie gehört um ihr die passende Antwort zu geben. Nichts geschah. Sie wickelte den Umhang dichter an den Körper, versteckte die mittlerweile kalten Hände darunter. Die kurzen Pausen, die der Wind ihr bescherte halfen kein Stück weiter um klar denken zu können. Ja, wo bin ich nur gerade... Ich stehe hier in Sturmwind... stehe am Hafen... Versuche meine Gedanken zu ordnen.. zu viele... es sind zu viele, als dass ich sie ordnen könnte. Wie gehe ich also weiter vor? Sie sagen, dass Salix, also ich eventuell jener Champion sein könnte, der dieses Artefakt holen soll, aber kann ich das? Will ich das? Für wen mache ich das alles? - Für mich selbst... - nein...- für andere, wegen dem Artefakt, damit es nicht in falsche Hände gerät... Sie schloß die Augen, ließ den Wind gegen sich peitschen, doch lehnte sie sich dagegen. Der Atem ging ruhiger. Einatmen..., sie atmete durch die Nase ein.Ausatmen..., sie atmete durch den Mund wieder aus. Das wiederholte sie mehrmals, bis kaum mehr zu sehen war, dass sie überhaupt atmen würde. Das Turnier... - Die Entführung von Ragelind: Eine Inszinierung der Obrigkeit. - Ragelind selbst: Ein armes Mädchen. - Arvenya: Sie weiß viel, macht es aber nur noch schlimmer, wenn sie nicht bald redet und die Vermutungen bestätigt. Lass uns nicht ins offene Messer laufen, Arvenya...- Zaid und Caryl: Unbedingt versuchen zu beschützen. - Lambert: Paladin, der mir zu berechenbar scheint. Wie er im Buche steht. Viele könnten dies ausnutzen, wenn sie nur wissen wie. - BR: Freund oder Feind? Spielst du mir womöglich auch nur etwas vor? - Andere Teilnehmer: Ich lasse sie nicht aus den Augen.... Kurz herrschte wieder diese Leere in ihr, als die Gedanken mit dem Wind fortgetragen wurden. Dann jedoch kamen ihr wieder Personen in den Sinn: Van Havens: Tellos, ich habe dich an sie verloren, aber ich werde nicht aufgeben, bis du verstehst, nein sogar verinnerlicht hast, weswegen ich dir genau diesen Titel damals ausgesucht habe. Ich habe dich verloren, aber noch nicht aufgegeben. - Die schwarze Brigade: Unerschütterliches vertrauen, ganz gleich was passiert war, ist oder noch kommen mag. Ich werde euch nicht im Stich lassen. - Teyen und Adain: Ich hoffe ihr versteht meinen Entschluss, dass ich gen Norden ziehe, wenn ich die Auserwählte sein sollte. - Falena: Gekauft vom Vertrauen der van Havens. - Rovain: Unparteiisch.. oder doch nicht? - Kadriye: Wirst du mich begleiten wollen, wenn es soweit ist?... Eine ganze Weile stand sie noch so da, den Umhang fest um sich geschlungen und gegen den Wind gelehnt. Sich auflehnend. Waren ihr doch bei manchen Dingen die Hände gebunden, so konnte sie wenigstens jetzt wieder nach dem greifen, was sie eigentlich war, wer sie war, wozu sie da war. 

Sie befestigte den Mundschutz und zog sich die Kapuze über den Kopf. Mit einem gemischten Gefühl ging sie den Hafen hinunter, runter zum Lager des Champions. Ich werde dich nicht herausfordern, weil du ein Konkurrent bist. Ich fordere dich heraus, weil ich weiß, wenn ich verlieren sollte, die Fäden weiterhin in deiner leitenden Hand sind. Genauso, wie sie in meiner Hand liegen würden, falls ich gewinne und ihr mir eine Stütze sein werdet. Wir helfen uns, Aldo, Champion, Fürst Reyn. Wir helfen einander...So sprach sie die Herausforderung aus und der Champion, Aldo Reyn willigte ein. 


Die Sonne, die, wenn auch nicht mit ganzer Kraft, ...- von Ragelind, 22.2.2012



Die Sonne, die, wenn auch nicht mit ganzer Kraft, auf die Zeltplane schien, kitzelte Ragelind an der Nase und brachte sie zum Niesen. Wohlig räkelte sie sich noch ein bisschen auf dem Feldbett, das zwar auch nicht das Bequemste war aber besser als die feuchten, kalten Bretter in der dunklen Höhle. 

Mit einem Ruck setzte sie sich auf und liess die Beine über die Bettkante baumeln. Sie war wieder in Sturmwind. Soweit war das klar, ebenso, dass sie einen neuen Champion hatte. Fürst Aldo Reyn hatte sie „erworben“, der zukünftige Gemahl von Lady Jourone von Weißwacht...!

Sie schnaubte leise. Wieso ausgerechnet dieser Mann, weshalb sie gezwungen war quasi Lady Jourone mit zu dienen, wenn sie in seiner Nähe war? 

Die Hände auf die Bettkante gestützt schaute sie nachsinnend ihren nackten, baumelnden Füssen zu.

Es war vorgestern. Sie war aufgewacht und nur das schwache Licht einer kleinen Laterne beleuchtete die Umgebung ein wenig. Ansonsten war es dunkel, feucht und kalt. Sie wusste weder wo sie war, noch wie sie hergekommen war. Das leise Schaben und Kratzen, das manchmal zu hören war liess darauf schliessen, dass sie nicht ganz allein war. Irgendwelche Tiere vielleicht. Hoffentlich keine Ratten! Sie erschauerte und wickelte sich fester in die Decke ein, in der sie aufgewacht war. 

Eine Decke? Sie schaute sich um und fand nicht weit von der Laterne entfernt auch einen Rucksack. Sie angelte nach dem Rucksack und schaute hinein. Brot, etwas Käse und zwei Wasserschläuche waren darin. Kein Messer, kein Seil oder irgendein andrer hilfreicher Gegenstand. War das alles was sie hatte? Eine dunkle Höhle, eine Decke, Licht und etwas zu essen? Wie war sie hierhergekommen und wie kam sie wieder hier weg? 

Die Decke um die Schultern gewickelt und in der Hand die Laterne wagte sie ein Stück zu gehen. Vielleicht war der Ausgang ja nicht weit. Den Rucksack liess sie erst einmal als Markierung zurück. Es war unheimlich. Es war offenbar ein etwas grösserer Höhlenraum wo sie sich befand. Wasser tropfte von der Decke und bildete einen kleinen Teich, eher so gross wie eine Pfütze, aber wohl nicht nur knöcheltief, wie es aussah. 

Sie entdeckte zwei Gänge, die von der Höhle abzweigten und auch eine alte Minenlore, die verlassen neben einer auf Pfählen ruhenden Holzschräge stand. Vielleicht eine alte Erzrutsche oder so etwas. Jedenfalls entschied sie sich ihre wenigen Habseligkeiten erst einmal auf dem Holz unter zu bringen. Da war es jedenfalls relativ trocken und nicht so kalt wie auf dem nackten Boden. Sie rollte sich wieder in die Decke ein und überlegte. Welchen von den beiden Gängen sollte sie nehmen? Während sie noch überlegte hörte sie plötzlich Geräusche. Ferne Stimmen und dann das Tappen von Füssen auf dem Boden. 

Sie hielt die Luft an und machte sich in ihrer Decke so klein wie möglich. Das Licht! Sie sollte es löschen, aber wie würde sie es dann wieder anbekommen? Waren es die Entführer, die zurückkamen, Fremde oder vielleicht auch ihre Retter? Angestrengt lauschend und mucksmäuschenstill wartete sie erst einmal ab, als die Schritte vor ihrer Holzinsel anhielten. „Ist sie das?“, erklang es und „Ja, das muss sie wohl sein!“ kam als Antwort, was sie dazu brachte die Nase unter der Decke hervor zu stecken und sich vorsichtig umzuschauen. 

Das Licht einer viel stärkeren Laterne blendete sie und viel konnte sie nicht erkennen von den Leuten, die sie plötzlich umringen. Waren es drei oder vier oder noch mehr? Ein Mann kletterte zu ihr auf die Holzinsel und meinte, er sei Arzt, ein ander, der unten stehen geblieben war, stellte sich als Fürst Reyn vor. Dem Licht sei Dank! Wenigstens jemand, den sie kannte, wenn auch eher nur vom Namen her, aber der ja auch quasi zur Familie seiner Lordschaft gehörte als zukünftiger Ehemann von Lady Jourone. Hatten seine Lordschaft und Lady Jourone ihn ausgeschickt, um sie suchen zu lassen? Wie auch immer. Die Fragen würden sicher noch Antworten finden. Erst einmal war sie nur heilfroh aus dieser Höhle weg zu kommen und sicher zu sein. 

Zwar etwas wackelig in den Beinen, versicherte sie dem Doktor, dass es ihr gut gehe. Sie wollte jetzt auch nur noch einfach hier heraus und nach Sturmwind und zu ihrem Champion zurück. Dass sie sich nicht genau erinnern konnte, was die letzten Stunden oder Tage passiert war, versuchte sie zu verdrängen, ebenso erst einmal die Gedanken zurück zu halten, wie alles nun weiter gehen würde.

Nachdem sie schon fast das Licht am Ende des Tunnels sehen konnte, kamen ihnen andre Menschen entgegen. Noch mehr Retter? Welch ein Aufgebot für sie allein, aber es schmeichelte auch ihrem angekratzten Selbstbewusstsein. Die Personen entpuppten sich als Miss Dia und Sir Antonius von Mariengrad, die sie schon einmal getroffen hatte. Zumindest Miss Dia hatte schon öfter einmal kurz mit mijn Herrn B-R gesprochen und ihn auch bei den Duellen angefeuert gehabt. Fürst Reyn und Herr von Mariengrad schienen sich ebenfalls zu kennen, aber sie liess die ganze Unterhaltung nur wie eine Woge schwappender Zufriedenheit über sich hinweg spülen. Alles war gut!

Sie wäre gern auf das Angebot Herrn Mariengrads zurückgekommen und lieber geritten, aber Fürst Reyn wünschte, weil Greifen schneller wären, zu fliegen. Angenehm war der Flug nicht, aber natürlich hatte er auch Recht damit, dass Lord Weißwacht und die Organisatoren so schnell als möglich informiert werden sollten, damit das Turnier weiter gehen könnte. 

Zeit für Erholung und Entspannung blieb keine. Natürlich nicht, wie hätte sie das auch erwarten können? Wenn sie schon an der Unterbrechung zwar nicht mitschuldig, aber zumindest beteiligt war, so erwartete man sicher definitiv trotzdem von ihr, dass sie ihrer Pflicht nachkam. Und wie sich herausstellte, war sie automatisch an der Seite des amtierenden Champions gelandet, der gleichzeitig ihr Retter war. Ein ziemlich genialer Schachzug, wenn es nur nicht ausgerechnet Fürst Reyn gewesen wäre... 

Der Mann selbst konnte natürlich nichts dafür, aber inwieweit hatte da eben auch Lady Jourone ihre Finger im Spiel? Auf eine Erklärung musste sie eigentlich nicht lange warten, als sie natürlich auch Lady Jourone im Lager des Fürsten traf. Sie hatte ihren Haaren wieder den Originalfarbton gegeben von dem sie genau wissen musste, dass er seiner Lordschaft ein Dorn im Auge war und überhaupt benahm sie sich wie eine .. eine … typische Sturmwinderin eben. Das bischen Haltung, das sie nach aussen hin zu bewahren versuchte bröckelte längst im Umgang mit diesem Titularadel, wie sie selbst von Fürst Reyn erfuhr. War es dann nicht natürlich, dass sie ihren zukünftigen Mann möglicherweise zu protegieren versuchte? 

Wie es auch sei, ihr blieb diese Wahl jedoch nicht, denn als Pfand musste ihre Loyalität weiter Lord Weißwacht gelten und sie irgendwie sehen, wie sie mit dem Umstand klarkommen würde Lady Jourone öfter als unbedingt nötig wäre zu begegnen. Was auch immer Lady Jourone ihrem künftigen Manne erzählt haben mochte, es führte ausserdem dazu, dass er sie nahezu zu diskriminieren versuchte. Die gute Schule ihrer Erziehung sollte sie vergessen und sich gefälligst benehmen, wie man es hier überall tat. 

Welcher Trogg sie geritten haben mochte diesem Befehl umgehend und öffentlich nach zu kommen, war ihr im Nachhinein nicht mehr ganz klar, aber er führte zu einem persönlichen Desaster. Just in dem Augenblick, als sie es dem Gefolge des Fürsten gleichmachen wollte und doch einfach auch einen Whiskey zur Beruhigung herunter kippte und sich dabei auf die Holzbank flegelte tauchte das riesige Aufgebot aus Organisatoren, Ringträgern, Wachen und Schaulustigen auf, um die offizielle Ernennung vorzunehmen. 

Konnte ein einzelner Tag noch schlimmer sein? Von den Organisatoren aufgefordert musste sie sich von Lady Sinuve und Jon Teagan auch noch Blut abnehmen lassen, aber wenigstens dann hatte sie endlich Ruhe … 



Der Tag danach begrüsste sie mit einer strahlenden Sonne und einem Lächeln, als wäre nie etwas passiert. Gut, sie fühlte sich auch fast so und an dem Umstand mit Fürst Reyn und Lady Jourone im selben Lager am Fusse der Hafenmole zu campieren, musste sie hinnehmen und das Beste draus machen. Lady Jourone tat ihr, wenn auch vielleicht unbewusst den Gefallen ihren Weg nicht all zu häufig zu kreuzen und Fürst Reyns Briganten, wie sie sich nannten, waren doch recht umgänglich und liessen sie machen, während Fürst Reyn selbst auch weiter irgendwelchen Geschäften nach ging und sie ihn kaum zu Gesicht bekam. 

Ein Grillfest sollte es zum Abend geben und so hatte sie auch genügend zu tun, um sich zu beschäftigen und davon abzulenken, dass ihre Erinnerungen an die Tage der Entführung nicht zurückkehren wollten. Ihre Dienstbarkeit wurde nach wie vor zwar immer noch missinterpretiert, wie es ihr zuvor schon bei den andren Champions so ergangen war und sie fühlte sich in dem lauten Trubel und der Freude der Feierlichkeit recht fehl am Platze, aber dann gab es diesen Herrn Archer. 

Einen Menschen wie ihn hatte sie bis dahin noch nie gesehen. Er wirkte nicht heruntergekommen wie ein Bettler, aber auch nicht wie jemand von Stand. Er war exotisch, bunt und schillernd wie ein Paradiesvogel. Er verstand es diesen Abend zu einem Erlebnis zu machen, einem Abenteuer sogar in dessen Verlauf sie sogar die hässliche schwarze Farbe aus den Haaren wieder los wurde indem sie ganz unkonventionell ihren Kopf in ein Wasserfass tunkte und als das allein nicht half, das Grillfeuer umfunktioniert wurde um Wasser in einem Kessel zu erhitzen und sie quasi mitten in der Nacht, mitten im Hafen Sturmwinds, inmitten von feiernden Menschen, die zuschauten wieder zu sich selbst wurde und ihre goldblonde Haarpracht zurück erhielt. 

Sie musste schmunzeln, wenn sie daran dachte, auch wenn es zwischendurch eigenartiger Weise immer Momente gab, die drohten die ganze friedliche Stimmung sich auflösen zu lassen, wie eine Rauchfahne im Wind. Wenn sie geglaubt hatte, zum zweiten Mal in diesen Tagen, dass das Turnier ohne Zwischenfälle weitergehen konnte, so war dem längst nicht so. Sturmwind war nicht nur ein summender Bienenstock. Dieser Bienenstock schlief auch niemals. Es war erstaunlich wie viele Menschen selbst des Nachts noch um das Lager schlichen oder mit irgendwelchen Begründungen anhielten. 

War es Fürst Reyn der innerhalb weniger Tage zu einem Sensationsobjekt geworden war, oder war sie es? Es war unangenehm wie mitten auf einem Präsentierteller zu sitzen, aber am Unangenehmsten war die Begegnung mit dieser Wache. Die Frau, die mijn Herr B-R in der Taverne festgenommen hatte war offenbar von Fürst Reyn angefordert worden, um zusätzlich Ruhe und Ordnung um das Lager herum zu schaffen. Innerlich gab es ihr einen Stich, wenn sie daran dachte, welcher Aufregung gerade auch die Champions ausgesetzt waren, obwohl sie sich doch nur und ausschliesslich hätten auf die Duelle vorbereiten sollen. 

Sie wollte das klären mit dieser Frau von der Wache. Helma Böttcher hiess sie wohl, aber sie wusste nichts. Wusste nur, dass dieser Herr Brandt, der sie zur Wache bringen sollte überfallen worden war und dabei ums Leben gekommen sei. Hätte sie nicht auch etwas von Verfolgern oder den Entführern mitbekommen müssen, aber das Letzte an was sie sich erinnerte, war, wie eben genau dieser Herr Brandt auf sie zukam....Und da war dieser Mann, der in Begleitung von Miss Böttcher war... Er musste plötzlich niesen und als sie ihm ein „Wohlsein“ wünschen wollte, zog er ein Taschentuch hervor und sie erstarrte innerlich. Er benutzte ein weisses Damentaschentuch...!

Sie konnte nicht sagen, ob das noch jemand ausser ihr mitbekommen hatte und es war auch nur wie ein kleiner Lichtblitz einer schwachen Erinnerung, dass sie dieses Taschentuch so aus der Fassung brachte. Sah sie jetzt schon Gespenster? Sie brach die Unterhaltung ab und zog sich grübelnd auf ihre Bank zurück. Sie wollte mit all dem einfach nichts mehr und nicht wieder zu tun haben. Archer bemühte sich redlich sie wieder aufzumuntern, obwohl er offenbar auch genug eigene Probleme hatte über die er aber nicht sprechen wollte, die ihn nur augenscheinlich wütend und unausgeglichen machten. 

Natürlich sollte sie Fürst Reyn trotzdem über ihr Verhalten Rechenschaft ablegen. Vielleicht hatte sie diesen Mann doch auch etwas unterschätzt und nur weil er der zukünftige Mann von Lady Jourone war, hiess das ja nicht, dass er ähnlich gedankenlos, labil und manipulierbar wäre wie sie Lady Weißwacht immer nur gekannt hatte. Zumindest nahm er seine Pflichten als Champion sogar so genau, dass ihr fast alle Einblicke in sein Tun und Handeln und seine Gedanken auch verwehrt blieben. Sie war geneigt daran zu glauben, dass er sie möglicherweise tatsächlich abzuschotten versuchte und ihre Sicherheit nur ein vorgeschobener Vorwand war. Was hatte Lady Jourone ihm erzählt? 

Und dann gab es auch noch dieses Streuner, Franky, der, etwas früher von der Stadtwache schon untersucht und vom Lager verscheucht wurde, der aber noch einmal zurück kam und mit Fürst Reyn einen Handel abschliessen wollte. Zum Glück war Archer gerade etwas melancholisch, so dass sie wenigstens ein bischen was von der Unterhaltung mitbekommen konnte. Dieser Franky hatte Informationen zu ihrer Entführung zu verkaufen. Es fiel ein Name und der Name einer Organisation, was Fürst Reyn aber offenbar auch nicht gefiel und er eine Reaktion zeigte, als seien ihm die Hände gebunden. 

Was ging hier alles vor, von dem sie Nichts mitbekam? Selbst B-R hatte bisher sein Versprechen nicht eingelöst, um sie besuchen zu kommen, obwohl er doch eine deutliche Einladung dazu auch von Fürst Reyn erhalten hatte. Sie fühlte sich plötzlich wieder recht einsam und verloren und nur Archer war es zu verdanken, dass sie sich nicht einfach ins Zelt verkroch, die Decke über den Kopf zog und sich am liebsten versteckt hätte. 

Archer war auch am nächsten Tag wieder da. Brachte ihr sogar frische Krapfen mit, auch wenn er wohl darauf gesessen hatte, so platt wie sie waren. Bis auf die Wachen war sie sich in dem Lager wieder mehr oder weniger vollkommen selbst überlassen. Natürlich durfte sie das Lager auch auf Fürst Reyns Anweisung hin nicht verlassen und er hatte sie einfach wieder nicht mitgenommen. Hätte sie dagegen aufbegehren sollen? Gerade Lady Jourone hätte auch wissen müssen, dass sie eigentlich immer in der Nähe des Champions bleiben müsste, aber sie tat einfach nichts dafür oder dagegen, dass es so wäre. Wenn sie ihr Status nicht gehindert hätte, würde sie Miss Jourone ja am liebsten in der Luft zerpflücken, aber einen derartigen Eklat konnte sie natürlich auch nicht herauf beschwören und so blieb ihr Nichts andres, als sich zu fügen auch wenn es im Grunde gegen das Regelwerk verstiess. Eine verflixte Zwickmühle aber auch!

Wenigstens Archer interessierte sich auch so gar nicht für das Turnier und konnte es sogar einfach vergessen. Es kümmerte ja doch Keinen und er zeigte ihr eine Welt, ähnlich der von B-R, aber irgendwie auch noch grösser und weiter als das güldene Land es war. Er wollte sie sogar mitnehmen auf eine Schiffsreise wenn das Turnier vorbei wäre. Er war so niedlich in seiner Unbedarftheit, aber andrerseits hatte er auch Erfahrungen gemacht, die sie nur erahnen konnte, die aber auch so wunderbar reizvoll waren. Konnte sie ihn bitten ein paar solcher Lebenserfahrungen mit ihr zu teilen? 

Sie kam nicht mehr dazu, sich weiter Gedanken darüber zu machen und ob sie gerade wollte oder nicht, das Turnier holte sie doch auch wieder ein. Eigentlich hatten sie es sich zum Abend hin an einem Feuer gemütlich machen wollen. Vielmehr wollte er ihr auch zeigen, wie man Stöcke sammelt und welche, um das Fleisch aufzuspiessen, welches vom Vortage noch übrig war und es über einem selbst entzündeten Feuer briet, aber Ihre Aufmerksamkeit wurde von Miss Caprea abgelenkt, die erschien, um den Champion heraus zu fordern. 

Einerseits freute sie sich diese Frau zu sehen, bewunderte sie sie doch fast, andrerseits ärgerte es sie, dass sie sich erneut ins Duell werfen wollte. Wobei, nur weil sie ebenfalls eine Frau war, wie sie selbst, hiess das nicht, dass sie ebenso denken und handeln würde, wie sie und vielleicht, ja vielleicht war es doch auch gar nicht so verkehrt, wenn ausgerechnet eine Frau den endgültigen Championstitel erringen würde. Was wussten die Leute überhaupt, wie es danach weiter gehen würde, wenn der Champion erwählt würde? Jetzt fand sie es wieder einmal mehr von Nachteil, dass sie in diesem Lager fest sass und so wenig davon mit bekam, welche Gerüchte kursierten. 

Salix Caprea … Fürst Reyn... vielleicht kam er ja auch noch in Frage, aber nein, da waren die zukünftigen familiären Banden … oder gerade deswegen..? Was trieb Lady Caprea an? Dieselben Gründe wie schon bei Tellos van Haven, denn auch Fürst Aldo Reyn kannte sie definitiv. 

Natürlich würde sie das Duell beobachten, wie schon zuvor alle andren auch. Sie musste ja dabei sein, aber im Moment störte es sie, dass Fürst Reyn noch immer nicht zugegen war. Er liess Miss Caprea sozusagen mit ihr warten! Sie hätte Miss Caprea ja gern irgendeine Art von Zuvorkommenheit gewährt, aber sie war in diesem Lager nicht zu Hause. Man schickte nicht einmal jemanden nach Fürst Reyn! Durfte er sich diese Privilegien anmassen, war er doch andersherum gesehen auch NUR Lady Jourones zukünftiger Mann? 

Sie war erleichtert als er dann doch endlich auftauchte und die Herausforderung offiziell ausgesprochen werden konnte. Ja, das Turnier würde weitergehen und dieses war bestimmt auch noch nicht das letzte Duell. Sie freute sich wirklich, besonders als sie nach der Herausforderung von Archer erfahren musste, dass sein Schiff wahrscheinlich die nächsten Tage auslaufen würde und sie ihn vielleicht nie wieder sehen würde. Er versprach, dass er schreiben würde. Natürlich würde er das tun, aber trotzdem blieb ihr nur wieder das Turnier als einzige stetige Komponente. Sie war und blieb das, was sie von Anfang an gewesen war... der Pfand!


„Kaffee ... - von Growling, 22.2.2012


Kaffee. Die Militärqualität ließ irgendwie zu wünschen übrig, aber immerhin hielt die schwarze Brühe den Geist wach. Es geschah nicht oft, dass Johnathan des Abends noch in der Garnison in seinem Büro saß und die Berichte überprüfte – der Dienst einer Stadtwache ist eben nie so wirklich beendet. Stadtwache. Er schmunzelte leicht – mit dem Wort Stadtwache assoziierte man zumeist die schwer gepanzerten Soldaten, die durch die Stadt ihre Patrouillen gingen. Seine dunkle Rüstung wirkte hingegen alles andere als offiziell – aber immerhin war er gerade auch nicht im Dienst. Er schüttelte den Kopf über sein kleines Paradoxon und warf einen Blick auf das Schachfeld, welches vor sich aufgebaut auf dem Tisch lag, inmitten einiger geöffneter und geschlossener Akten, Kaffeebechern, einer Zigarrenkiste und einem Aschenbecher, welcher scheinbar seit Tagen auf eine Leerung wartete. Die offiziellen Mitteilungen. Zuerst war Brandt gestorben. Dann hatte man die ‚Leiche‘ Ragelinds in Eisenschmiede gefunden. Eine magische Untersuchung ergab, dass es unzweifelhaft das Pfand des Turniers war. Dann wurde die Leiche nach genauerer Untersuchung als Fälschung identifiziert. Irgendwie machte das ganze keinen Sinn – die Arbeit wirkte in seinen Augen fast schlampig, überhastet, übereilt. Als hätte man keine Zeit gehabt, alles genauer zu planen. Oder hätte geradezu gewollt, dass man die Spur nachvollziehen kann – wäre die gefälschte Leiche nicht gewesen, hätte man kaum vermuten können, dass das Pfand dort gefangen gehalten wurde. 

Läufer auf A4.

Er hatte vorigen Tages ein altes Schachbuch bei einem Antiquitätenhändler erstehen können – Protokolle aus den Partien großer Schachmeister Gilneas, welcher er sich langsam aber sicher einverleibte. Abermals glitt der Blick über das Schachfeld, die Platzierung der Spielfiguren und die sich daraus ergebenden Züge analysierend. Wo waren während der gesamten Angelegenheit um Ragelinds Entführung die Informanten des Turniers gewesen, die doch sonst geradezu allwissend zu sein schienen? Als die erste Herausforderung gegen ihn im Beisein des Pfands ausgesprochen wurde, waren beide Organisatoren ohne ersichtlicher Benachrichtigung binnen weniger Minuten in der Taverne erschienen, geradezu so, als hätten sie ihre ominösen unsichtbaren Spitzel überall und nirgends – und nun waren diese Leute auf einmal derart ineffizient, dass man die Champions nach dem Pfand hatte suchen lassen? Dass es einen Fürst aus Arathi brauchte, um das Pfand zu befreien?

Eins zu null für den Sturmwinder Geheimdienst.

John drehte die Patrone bedächtig in der rechten Hand zwischen den Fingern, während er weiter in Gedanken versunken einen Schluck aus seinem Kaffee nahm. Patrone. Das großkalibrige Geschoss war eines der explosiven Geschosse, die vom letzten Feldzug übriggeblieben waren – Bartilus Schraubzang hatte unter Reisebedingungen die nicht eben unbeeindruckende Leistung vollbracht, die Infanteristen mit ein paar explosiven Extras gegen die Zombies Lordaerons auszurüsten. Ein paar davon waren immer noch liegengeblieben, wenngleich Schraubzang bislang nicht den Eindruck machte, als habe er vor, mehr davon zu produzieren – sagte er nicht irgendetwas von instabil? Zumindest taten sie ihren Dienst.

Turm schlägt Läufer.

Nun, wo die Dame wieder befreit war, sollte alles seinen gewohnten Gang gehen – nach außen hin. Aldo Reyn war Champion. Es war mutmaßlich nur eine Frage der Zeit, bis er herausgefordert werden würde und das Turnier sich fortsetzte. Die Woche war bisher recht ereignisreich gewesen – dennoch fast eine Woche wie jede andere auch. Man hatte Garry Triados zum Korporal befördert – eine Beförderung, die in Johns Augen längst überfällig gewesen war. Zu spät oder nicht, so hatten sie zumindest einen hochmotivierten Rekruteur und Ausbilder, der die Neuen Rekruten hart rannahm und langsam aber sicher Soldaten aus ihnen machte. Das Training wurde allgemein gut aufgenommen.

Training. Patrone. Zombies. Die Gedanken schweiften kurz ab. Die neuen Rekruten schienen recht vielversprechend zu sein – zumindest diejenigen, welche eine Aufnahme ins Späherkorps beantragt hatten. Das Training zu späterer Stunde in den Dämmerwald zu verlegen, war zugegebenermaßen ein überaus fragwürdiger Befehl seitens des Marschalls – mit nur einer Hand voll Frischlingen des Nachts über einen von Untoten Friedhof zu gehen und sich den Weg nach Rabenflucht im wahrsten Sinne des Wortes freizuschießen war beileibe nicht dass, was er sich unter Training vorgestellt hatte – einige hatten vorher offenbar noch nie eine Schusswaffe in Händen gehalten. Dafür, dennoch alle unbeschadet und frei von Zombiebissen durchgebracht zu haben, hatte er sich seiner Ansicht nach einen Orden verdient – aber jeder tat eben nur seinen Job.

Es klopfte an der Tür. "Herein."

Ein Mann trat in das Büro – zivil gekleidet, schwarzes Haar, zu einem lockeren Zopf gebunden, grüne Augen, schätzungsweise Anfang zwanzig. „Ruhm und Ehre Gilneas.“ Ein zackiger Salut folgte, welches John ein leichtes Schmunzeln abrang – er würde es ihm vermutlich nie ganz austreiben können. Alte Gewohnheiten vergisst man nicht einfach…

"Rühren, Neffe." Sprach er ruhig zu Alewar, der vor ihm eine lockerere Haltung annahm und ihn fragend ansah. "Dies ist kein dienstliches Gespräch…" Die Mundwinkel Johnathans hoben sich ein dezentes Stück weiter, während seinem Neffen über den Schreibtisch einen kleinen Briefumschlag zuschob. "Ich denke, ich habe hier etwas, was für dich von Interesse sein könnte." Er fischte sich eine Zigarre aus dem Munitionsgurt, sich diese in den Mundwinkel klemmend. Sein Neffe diente früher in der gilneeischen Armee und nun im Hundertzweiten Infanterieregiment – wie er selbst. Alewar würde ein guter Schütze werden, wenn er sich hielt wie bisher. John zog ein Zündholz hervor und entzündete den kezanschen Tabak, ehe ein tiefer Schwall Rauch seine Lungen füllte, nur darauf wartend, zusammen mit den nächsten Worten hinausgelassen zu werden. "Das Späherkorps braucht die Dienste eines seiner Anwärter."

Wenig später saß er wieder alleine in seinem Büro, das Schachbrett vor sich, der Becher Kaffee wie ein Fels in der Brandung durch die auf der alten Eiche der Tischplatte ausgebreiteten Akten und Berichte emporragend. Das Geräusch Metalls auf Holz – klackend setzte er die Patrone mitten ins Spielfeld, während sich ein selbstzufriedenes Schmunzeln auf seinen Lippen bildete. 

"Schach." 

Aldo schüttelte den Kopf .... - von Reyn, 23.2.2012


Aldo schüttelte den Kopf, als er das Lager verließ. "Unglaublich..." murmelte er und stiefelte durch die Hafenanlage. Er hatte Jon noch nie so sauer erlebt. Auch als er nochmal gründlich nachdachte war er sicher, dass sowas noch niemand geschafft hat. 

"Ich lach mich tot....gute Erziehung. - Befehle untergraben, Offiziere verprellen..." Er spie aus und brummte. Die Insubordination die Ragelind an den Tag legte spotteten Jeder Beschreibung. Auch wusste er nicht, wann er selbst das letzte Mal einen Menschen derart gefaltet hatte. Beinahe wäre ihm die Hand ausgerutscht. Bei einer Frau! Noch nie in seinem Leben hatte er eine Frau geschlagen. Dieser "Pfand" unterminierte das ganze militärische System seiner Einheit. Und er war diesem Treiben fast machtlos ausgeliefert. Auch wenn sie wirkte, als hätte sie verstanden, bezweifelte er das.

"Bald bist du frei..." raunte er sich selbst zu, als er durch das Steinportal trat.

"Kaffee....schnell..."


Lord von Weißwacht übergab dem Botenjungen ... von Barachiel, 23.2.2012


Lord von Weißwacht übergab dem Botenjungen den versiegelten Brief für Sturmwind. Dieser Marschall schien nach Berichten der Organisatoren sehr bestimmt und unfreundlich gewesen zu sein. Er war gespannt auf ein zusammentreffen. Wahrscheinlich würde der gute Mann sich allerdings sowieso nicht selbst her bemühen. So war es eben mit den hochrangigen Sesselfurzern der Armee der Allianz. Bei den wilden Völkern wurde so etwas anders geregelt. Dort waren es die stärksten, die mutigsten und von der Natur begünstigten, die ihre Truppen und Clans anführten. Das hatte er schon immer an diesen Völkern respektiert und gefürchtet. Hier zu Lande gaben jene den Ton an, die am besten Papiere ausfüllen konnten oder wortgewandt den Höherstehenden ins Ohr flüsterten oder das Erbrecht genossen. Er konnte sich schon vorstellen, wie dieser Marschall aussah. Aufgesetzt ernst, steril, glatt. Ohne Herz bei der Sache. Die Pflicht erfüllend. Darauf wartend das die Uhr zur vollen Stunde schlägt und er im geheimen seinen Sünden nachgehen kann. Solche Männer waren irgendwann der Untergang der Allianz. Als Varian Wrynn den Thron bestieg hielt Lord von Weißwacht das für ein gutes Zeichen. Rache war sein Antrieb. Mit Herz war er dabei. Ungezügelter Zorn. Wenn man den Gerüchten von dem Nethergarde-Vorfall glauben darf, schlug er sich an vorderster Front durch Unterstadt. Die Allianz braucht mehr Männer wie ihn. Weniger Korruption. Mehr Glaube. An ihre Führung, an sich selbst und an das heilige Licht. Viele dachten zu kurzfristig, sie kehrten allerhöchstens vor ihrer Haustür - alles schön sauber halten, zum Eigennutz. Die Straße betrachteten sie sich schon gar nicht mehr. Helden waren anders.

Jedoch, ihm war es nur recht.  Half ihm doch genau das, seine eigenmächtigen Pläne durchzusetzen. Die Soldaten wollten das Artefakt sehen? Natürlich vermutete er, das etwas ganz anderes dahinter steckte als die Sicherheit des Volkes. Das Artefakt stand für Macht. Und Macht wollten sie alle. Immer griffen sie nach dem leichten Weg. Wie einfach es doch wäre, wenn sie so ein Artefakt in Händen hielten. Nach eigenem gut dünken für Ruhe und Ordnung zu Sorgen, nicht wahr? Wieso sonst interessierten sie sich mehr dafür, was es beim Turnier zu gewinnen galt, als dafür wer einen ihrer Männer tötete und eine Zeugin verschleppte. Um zu guter Letzt auch ungesehen davon zu kommen. Falls es nicht gar von ihnen selbst inszeniert wurde um an die gewünschten Informationen zu kommen.

Lord von Weißwacht senkte die Lieder und ein feistes Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus während er die dunklen Regenwolken betrachtete die den Tag in ein Dämmerlicht tauchten. So waren sie, die Menschen. Sie wollten das Artefakt sehen? Sie sollen es bekommen.


Keuchend erklomm sie zum x-Male die 30 Stufen ... - von Ragelind, 23.2.2012

Keuchend erklomm sie zum x-Male die 30 Stufen die zum oberen Hafen führte, drehte um und lief die Stufen wieder herunter. Die Wache hatte es längst aufgegeben mit ihr Schritt halten zu wollen und beobachtete sie nur noch von der Mitte der Treppe aus, wie sie hoch und wieder herunter marschierte. Das war eben der Nachteil an einer Rüstung. Da hatte sie es in ihrem einfachen Kleid viel einfacher. 

Eigentlich lief sie nur, um vor unterschwelligem Zorn nicht zu platzen, aber der Zorn allein war es auch nicht nur, der sie antrieb. Vor allem lief sie für Archer mit, der unten im Zelt der Briganten auf einem Feldbett lag und sich nach dem Bolzenschuss in seine „Flanke“, wie es Jon Teagan zu nennen pflegte, nicht bewegen durfte und konnte. 

Wenn sie nicht schon so ausser Atem gewesen wäre, würde sie vermutlich auch fluchen. Archer hatte offenbar ein schier unerschöpfliches Repertoire von hübsch klingenden Beschimpfungen, die sie aufgesogen hatte, wie ein trockener Schwamm das Wasser. So richtig wusste sie eigentlich nicht, wen sie am meisten verwünschte: Archer, weil er sich überhaupt geprügelt und sich anschiessen hatte lassen, Fürst Reyn, weil er tat, was er tat, wo, wie und mit wem auch immer das sein mochte, oder all die andren Sturmwinder, die es nicht lassen konnten immer wieder ihre Nasen in das Lager der Brigade zu stecken. 

Konnte man denn nicht einmal allein und ungestört sein und war es nicht schon genug ständig von Wachen umgeben zu sein, als wäre man eine staatsfeindliche Kriminelle? 

Schon als sie nach dem ganzen Geschrei, hektischem Fussgetrappel, Schieben und Rutschen von irgendwelchen Gegenständen das Zelt endlich doch verliess, um sich einen Überblick zu verschaffen und Archer dabei am Boden, eingewickelt in eine Decke, entdeckte, war schon so ziemlich klar, dass der Tag nur in einer Katastrophe enden konnte oder würde. 

Archer oder Fürst Reyn? Für wen sollte sie sich entscheiden? Einen diplomatischen Mittelweg zu finden, wenn man zwischen zwei Stühlen sass, war unmöglich. In einer Stadt wie Sturmwind sowieso. Es schien sogar fast, als würde man von Seiten der Briganten erwarten, dass sie sich auf Archers Seite schlagen sollte, oder weshalb erwartete man sonst und gab ihr den Auftrag sich um den kranken Mann zu kümmern? 

So hatte sie sich das allerdings nicht vorgestellt! Was sollte sie mit einem verwundeten und noch dazu wegen dieser Verletzung griesgrämig wirkenden Kerl anfangen? Sie hatte sehr Vieles und auch Dinge wovon andre Mädchen wahrscheinlich nur träumen konnten im Hause Weißwacht lernen dürfen und wusste sehr genau um diese Privilegien, die ihr da zugute gekommen waren, aber einige Dinge gab es trotzdem, von denen sie höchstens nur eine vage Ahnung hatte. 

Archer selbst hatte es Tags zuvor auf den Punkt gebracht, indem er sie gefragt hatte, ob sie dem Champion tatsächlich JEDEN Wunsch erfüllen würde und sie natürlich frei heraus zugegeben hatte, dass dem so wäre. Prompt hatte er sie weiter ausgehorcht, ob sie denn auch wisse, was da möglicherweise auf sie zukäme und sie hatte nur die Schultern gezuckt und geantwortet, dass sie es schon merken und sich darauf einstellen und dabei lernen würde. Daraufhin hatte sie dieser Mann, der ja aus eigenen Erzählungen schon eine Menge Lebenserfahrung hatte, sie mit einem derart entsetzen und ungläubigen Gesichtsausdruck angesehen, dass ihr schliesslich doch auch Zweifel kamen. 

Was war, wenn es sich doch nicht so leicht umsetzen liesse, wie sie sich das vorstellte und sie bisher einfach mehr Glück als Verstand hatte, um diesen Erfahrungen aus dem Weg gegangen zu sein? Dann würde sie es eben jetzt lernen und Archer schien sogar das passende Objekt zur Umsetzung dieser Pläne zu sein. Unverfänglich, ungezwungen und ungebunden. Weshalb also lange zögern, wenn es hiess Ideen auch Taten folgen zu lassen und wer weiss, wieviele Möglichkeiten sie noch hatte, wenn sein Schiff bald ausliefe? 

Sie nahm sich vor noch eine Nacht darüber zu schlafen, um zu überdenken, wie sie ihr Anliegen vorbringen könnte, um nicht gänzlich wie ein dummes Gänschen oder eine verrucht, korrupte adelige Städterin da zu stehen und nun lag er hier vor dem Zelt der Briganten und ihre ganzen schönen Pläne waren mit einem einzigen Bolzenschuss zunichte gemacht. Sie hätte heulen mögen und tatsächlich liefen ihr auch Tränen über die Wangen herunter, als sie sich neben Archer niederkniete. Sie könnte warten, bis er wieder gesund wäre, natürlich, aber was nutzte ihr das, wenn sie vielleicht schon morgen die Erfahrungen brauchen würde? Es war vertrackt und im Grunde nützte es ihr überhaupt nichts mehr, dass er jetzt in dem Lager herumlag und sie sich auch noch um ihn sorgen musste. Menschlich gesehen hatten die Briganten ja auch nur Gutes im Sinn gehabt, als sie anboten ihn in ihrem Lager zu behandeln und ihr vielleicht sogar auch Gutes damit zu tun, damit sie nicht nur so unnütz und fehl am Platze herumsässe, aber sie wünschte trotzdem er wäre irgendwo anders, nur nicht hier. 

Sie hätte diesen Umstand noch nicht einmal erklären können, ohne sich dabei lächerlich zu machen. Wer kam schon auch auf die Idee sich dafür zu interessieren, wenn man schon als Jungfer in ein Turnier geschickt wurde, ob man es lieber gezwungenermaßen oder freiwillig nicht mehr als solche verlassen wollte. Und sie sollte nicht fluchen? 

Ja, sie hatte sich über alle Anweisungen hinweg gesetzt und diesen Sir Mormont zu Archer geführt, obwohl es weder der der Arzt Jon Teagan, noch Archers Freund, der Herr Coty, noch Archer selbst ursprünglich gutgeheissen hatten. 

Nachdem sie Fürst Reyn jedoch wieder einmal auch den ganzen Tag sich selbst überlassen hatte und erst zu den Diskussionen um Besuchsrechte oder keine Besuchsrechte dazu kam und sich Sir Mormont schon dafür entschieden hatte an einem andren Tag wieder zu kommen, bereitete es ihr ein fast diebisches Vergnügen gerade im Beisein von Fürst Reyn, sich diesen Sir Mormont zu schnappen und zu Archer zu bringen. Sie hätte es vielleicht nicht getan, wenn es zu diesem Zeitpunkt Archer nicht selbst auch verlangt hätte. Vielleicht nahm Sir Mormont Archer auch einfach mit, dann wäre sie aller Gedanken ledig. 

Allerdings wollte Sir Mormont ihr diesen Gefallen offenbar nicht tun und Archer blieb wo er war – im Zelt und im Lager. Sir Mormont verabschiedete sich auf ein Wiedersehen und sie .. sie durfte von Fürst Reyn eine Schimpfkanonade über sich ergehen lassen, die sich gewaschen hatte! 

Was wollte er eigentlich von ihr? Eigentlich hätte sie vor Zorn und Frust fast wieder angefangen los zu heulen, aber je mehr er polterte, desto ruhiger und gelassener wurde sie. Die Ausrede nur im Interesse des Turniers zu handeln und selbst für Ruhe und Ordnung zu sorgen, wenn sonst anscheinend niemand dazu fähig oder in der Lage war, zog nicht mehr so wirklich. Die Menschen waren zu aufgebracht und schienen endlich wissen zu wollen, was es mit diesem Artefakt auf sich hatte. Die Spannungen innerhalb der Stadt waren mehr als greifbar geworden und sie steckte da mittendrin. 

Was kümmerte es sie also bei dem herrschenden Tohuwabohu, was der Fürst von ihr hielt, oder über sie dachte? Es war schon fast lächerlich, dass er sie sogar mit ihrem vollen Namen ansprach, ohne das „von“ weg zu lassen, wie sie es gewöhnlich sogar selbst tat. Wenn er schon ihr Adelsprädikat mit benutzte, dann sollte er zumindest wissen, dass ihr Stand im Adelshause der Weißwachts doch nicht ganz so gering war, um sie mit einer Küchen- oder Dienstmagd auf die selbe Stufe zu stellen. So ganz von ungefähr hatte Lord Weißwacht eben doch nicht soviel Ausbildung in sie gesteckt, wenn er nicht sicher sein konnte, dass sie auch zum selbstständigen Denken und Handeln fähig wäre. Und dieser aufgeblasene Fürst von Gockel zu Kickeriki unterstellte ihr mangelnde kognitive Fähigkeiten! Und sie sollte nicht fluchen? 


Am Fusse der Treppe hielt sie noch einmal an und warf einen Blick zu dem Steg auf welchem das nächste Duell stattfinden würde. Alter Champion – neue Herausforderung – unbekannter Ausgang! Es wurde Zeit! 

Archer war bei Coty in den besten Händen, um Fürst Reyn konnte sich Lady Jourone von Weißwacht sehr gut selbst bemühen und sie würde sich ganz selbstverständlich ein andres schönes Kleid anziehen, da Lord Weißwachts grosszügiges Geschenk leider abhanden gekommen war und ganz gelassen und hübsch aussehend dem Duell die reizende Note der unschuldigen, weissen Lilienblüte verleihen. Alles war gut!

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