FANDOM


Inhaltsübersicht Der Engel vom Schwarzfels Die Eterniumspange, Kapitel 1: Die Konferenz Die Eterniumspange, Kapitel 2: Der Besuch Die Eterniumspange, Kapitel 3: Die Idee Die Eterniumspange, Kapitel 4: Der Angriff Die Eterniumspange, Kapitel 5: Das Duell

Langsam schwebte der Greifenzerstörer über dem Landeplatz ein, eine schwarze Silhouette gegen die untergehende Sonne auf der Höllenfeuerhalbinsel. Er tauchte ein in die länger werdenden Schatten der Gebäude, die sich wie tastende Finger über den öden Boden streckten, setzte auf und kam nach einigen stolpernden Schritten zum Stehen. Ein Reiter löste sich von dem Tier, während ein Greifenwart auf den späten Gast zugelaufen kam, Konturen, spielend im schwindenden roten Licht.

Ein paar Worte wechselnd, ging der Reiter dem Fingerzeig nach, auf die Offiziersmesse zu. Helles Licht drang wie fremd aus der Türöffnung und fiel auf die Gestalt noch bevor sie eintritt, die Umrisse einer hochgewachsenen blonden Frau ausleuchtend.

Die Ordonnanz in der Tür schlug übereifrig die Hacken zusammen, als die Frau eintrat und sich schweigend zur Runde am Tisch setzt.

“Melde Hauptmann Thairis Stirlander, 4. Kompanie, 212. Bataillon, 8. Infanterieregiment!” meldete der Junge, der nicht aussah, als hätte er in seiner Militärlaufbahn schon mehr erlebt als das Ansagen von Stabsoffizieren.

“Stirlander, schön daß Sie da sind....nun dann wären wir ja komplett."

"Bitte um Verzeihung, Marschall, ich konnte am Portal keinen Greifen bekommen, offenbar herrscht Mangel an den Tieren hier, oder?"

"Ich wäre verdammt nochmal glücklich, wenn man nur von einem Mangel sprechen könnte. Wir brauchen die meisten der Tiere, um Versorgungsbehälter über dem Kessel abzuwerfen, aber selbst dazu sind es bei weitem nicht genug." Der Marschall lehnte matt in seinem Stuhl am Kopfende des Besprechungstisches, die Anstrengung der letzten Wochen, die er in dieser Einöde verbracht hatte, war ihm deutlich anzusehen.

Stirlander sah sich um, erkannte in dieser abendlichen Runde viele Gesichter, ihre Kameraden aus den anderen Kompanien und Bataillonen, aber auch viele fremde Leute, Offiziere aus Einheiten die von überall zusammengekratzt wurden, um hier zu kämpfen. Sie nutzte die Pause in der Adjutanten servierten, um die Einheitsabzeichen zu lesen. Alle Kommandeure ihres 8. Regiments, der Süderstader Pioniere waren da. Dazu das Sturmwind-Garderegiment, Gebirgsjäger aus Khaz Modan, Greifenreiter der Ehrenfeste, Marineinfanterie aus Menethil ( was für ein Witz in dieser Wüste, dachte sie sich und schmunzelte ) und dazu Draenei-Kommandanten von Einheiten deren Namen sie nie gehört hat. Sie spürte auch mehr als einen Blick auf ihren Abzeichen, und ihr wurde klar, daß jeder dieser Blicke sich auch auf ihrer Eternium-Frontspange verlor, der höchsten Auszeichnung die sich ein Offizier im Feld verdienen kann. Es war nie so daß sie nicht stolz auf diese Spange war, aber sie allein wußte auch um das Blut das ihr um die Füße floß, als sie sich die Spange verdiente. Sie ist "die" Stirlander, der Engel vom Schwarzfels, den jeder zu kennen glaubt. Jeder. Jeder, der...

"Stirlander? Hören sie zu?"

"Oh..äh...ja, selbstverständlich!" Sie setzt sich ruckartig gerade auf, sich selbst für ihre Träumerei verfluchend.

"Also, wie Sie eben alle vernommen haben", ihr schien, als schmunzelte Marschall Kardon in ihre Richtung, "ist die 29. Infanterie-Division komplett eingekesselt. Die Vorratslage, insbesondere die der Medikamente ist knapp und kann momentan nur durch den Abwurf aus der Luft entspannt werden, wobei wir kaum von Entspannung reden können bei der geringen Zahl an Greifen, die uns zur Verfügung steht."

Stirlanders Gedanken rotierten, der General der 29. Inf. saß doch hier am Tisch? Wieso sind seine Leute eingekesselt und er sitzt hier? Diese Frage konnte sie unmöglich hier stellen, aber sie nahm sich vor, sich zu erkundigen.

"Wir gehen nominell von etwa 2000 einsatzfähigen Leuten aus, allerdings ohne Pferde oder Belagerungsmaschinen, dazu kommt ein erheblicher Teil Verwundeter den wir nicht im Kessel zurücklassen können. Somit scheidet also ein klassischer Ausbruchsversuch aus. Bitte sehen Sie sich hierzu die Karte der Gegend an." Der Marschall stand mühsam auf und trat an eine große Wandkarte, die mit Nadeln, Markierungen und Beschriftungen übersät war. Sie sah, daß bereits vor dieser Runde erhebliche Planspiele stattgefunden haben mußten.

"Nach allem, was wir bisher herausfinden konnten, handelt es sich bei dem Feind um ein enormes Kontingent Höllenorcs ( bei dem Wort "Orc" zogen sich Stirlanders Muskeln reflexartig zusammen ), mindestens 5000 Mann stark, wenn auch mehr oder weniger kreisförmig um unsere Truppen verteilt. Viele Kampfworgs, viele Barrikaden und Abwehrmaschinen, mobile Schanzen und ähnliche Dinge."

"Vergessen sie nicht, daß es sich trotz ihrer Zahl um einen Haufen dummer brutaler Monster handelt, es sollte also eigentlich kein Problem für so hochgelobte Einheiten sein, endlich dort aufzuräumen, wie es uns immer zugesichert wird."

Das war der General mit den Abzeichen der 29. Inf., der ihr schon aufgefallen war. Der stichelnde Ton paßte ihr nicht.

"General Wolfsgrund, wir sind uns im Klaren darüber, daß es sich beim Feind nicht um ausgebildete Truppen handelt.", warf ein Leutnant der Greifenreiter ein.

"Sie sollten lieber ihre Bemühungen intensivieren, meine Einheiten aus der Luft zu versorgen, statt mir Ihre Klarheiten zu schildern, Herr Leutnant!" Das Wort Leutnant war derart überbetont, daß die Verächtlichkeit deutlich zu fühlen war. Der Leutnant ballte die Faust. Stirlander erriet ohne viel Mühe, wie sehr sich diese Einheit wohl bereits bemühte, mit den über dem Kessel abzuwerfen. Sicher würde es bei den Orcs auch einige Flugeinheiten geben, die sich nur zu gern um die Greifenreiter kümmern würden, wenn diese sich nur lange genug über dem Kessel aufhielten, und gewiß konnten auch einige der Verteidigungsanlagen hoch genug feuern, um solche Versorgungseinsätze zu einem gefährlichen Unternehmen zu machen.

"Im Übrigen könnte Ihr fliegendes Personal ja auch einmal von den schweren Area52-Bomben Gebrauch machen, die Ihnen zur Verfügung stehen, anstatt Rundflüge zu machen."

"Sie wissen ganz genau, daß wir gerade mal ein halbes Dutzend schwere Bomben zur Verfügung haben!"

"Das zeigt nur, daß Sie nichts von Munitionslogistik verstehen. Und darüber hinaus wenigstens diese Bomben einsetzen könnten, um eine Bresche für den Entsatz meiner Truppen zu schlagen."

"Ihnen ist klar, daß die wenigen Bomben dazu nicht ausreichen werden, allen Widerstand an einer Stelle niederzukämpfen. Wer auch immer dort angreift, läuft dann in einen bestens vorgewarnten Gegner und wird ein Blutbad erleben!"

"Herr....Leutnant...das waren Sie doch, oder? Sie haben meines Wissens nach nicht über Blutbad oder Kampfesmut zu entscheiden, wenn Sie für ein Kommando nicht kompetent genug sind, so müssen andere es übernehmen. Nun denn, ich sehe ja schon länger, wie es um den Beitrag der Ehrenfeste steht, wer also sollte Sie schon ersetzen?" Der General seufzte mit gespieltem Langmut.

"Meine Herrschaften, bitte bleiben Sie sachlich. Wie Sie unschwer erkennen können, gibt es eine interessante Stelle im Belagerungsring, nämlich gegenüber der Höhe 122 genau im Osten. Hier zieht sich das Rund ein wenig ein, um unterhalb des Hügels zu verlaufen. Dort ließen sich also durchaus größere Truppenteile ansammeln, ohne daß es der Feind sehen könnte."

"Na also, diese Bastarde haben seit Lordaeron nichts dazugelernt, ein Verteidigungswall unterhalb einer Höhenlinie, typisch Horde!"

Stirlander begann sich über die maßlose Selbstsicherheit Wolfsgrunds aufzuregen. Es juckte sie, den General zu fragen, wo er denn in Lordaeron gedient hatte. Der ganze Lordaeron-Feldzug ging ihr wie ein schneller Film durch den Kopf, die Schlachtfelder, auf denen sie sich als junge, unbedarfte Soldatin ihre ersten Auszeichnungen verdient hatte. Sie konnte sich nicht erinnern den Namen dort gehört zu haben, aber das mußte nichts heißen, und selbst wenn war es gefährlich, ihm öffentlich zu unterstellen, er wisse gar nicht wovon er rede. Voller Zorn biß sie sich auf die Unterlippe, aber schließlich konnte sie nicht mehr an sich halten.

"Herr General, ich mache sie darauf aufmerksam, daß es sich hierbei nicht um Hordentruppen handelt. Außerdem darauf, daß der Feind immerhin schlau genug ist, unterhalb dieser Höhe seine Verteidigungslinien mindestens doppelt so stark zu bemannen wie andernorts. Ist Ihnen das entgangen?"

"Frau...nun...wie war gleich nochmal der Name?" General Wolfsgrund grinste so süffisant, daß sie mit Vergnügen quer über den Tisch gesprungen wäre. "Die wenigsten Hauptleute haben mich bisher auf etwas aufmerksam machen können, das ich nicht selber schon wußte, eine Frau wie sie wird da keine große Ausnahme machen, da seien Sie sich sicher. Nun, auch wenn sie -offenbar in ihrer jugendlichen Unwissenheit- die Ehre der Horde gern verteidigen, erstaunt mich schon, daß sie ihren Truppen offenbar ein Gefecht gegen doppelt besetzte Posten ersparen wollen, ich dachte, bei den Pionieren handelte es sich um Elitetruppen? Oder bezieht sich der mangelnde Kampfgeist mehr auf Sie persönlich?"

Sie kochte vor Wut und grub ihre Fingernägel in die Tischdecke. Sie bot ihre ganze Selbstbeherrschung auf, um nicht loszuschreien oder ausfallend zu werden. Ihre Nackenmuskeln begannen vor Anspannung zu schmerzen. Sie atmete einige Male unhörbar durch, bevor sie antwortete.

"Herr General, ich danke für Ihre freundlichen Hinweise, was Ihre Mutmaßungen anbelangt, so muß ich sie bis auf weiteres vertrösten. Am meisten bedaure ich jedoch, daß Ihre eingeschlossenen Truppen nicht von Ihrem Erfahrungsschatz profitieren können, gerade jetzt, wo sie ihn so dringend benötigen würden." Sie musterte ihn mit herausfordernden Blicken.

"Leider, Frau Hauptmann, befand ich mich im Troß, als meine vorderen Linien abgeschnitten und eingeschlossen wurden, so sehr ich mir auch gewünscht hätte, mich mit ihnen zu vereinigen."

Das war es also! Sie konnte sich nur zu gut vorstellen, wie der General sich voller Panik auf das nächstbeste Pferd setzte, um sich zu seiner Nachhut, Versorungs- und Diensttruppen zurückzuziehen, während seine Frontsoldaten eingeschlossen wurden. Kein Anführer ist im Moment der Gefahr in den Troßkompanien hinten zu finden, wenn doch, dann entweder weil er die Gefahr nicht erkennt oder weil er sie erkennt und sein eigenes Wohl ganz obenan stellt. Aber beides auch nur anzudeuten würde für einen einfachen Hauptmann wie sie sicherlich ein Kriegsgerichtsverfahren bedeuten.

Sie schwieg und dachte nach. Der Marschall hatte seine Augen auf ihr, das spürte sie genau. Was hatte er im Sinn? Kardon war der Inbegriff eines Soldatenführers, kein Adliger und kein Verwaltungsbeamter, ihm mußte der Hintergrund genauso klar geworden sein wie ihr, wenn er ihn nicht schon lange vorher wußte. Warum rief er nicht einfach zur Mäßigung auf wie vorhin?

Ihr kam ein Gedanke und sie setzte alles auf eine Karte.

"Herr General, ich habe einen Vorschlag. Auch wenn die Orcs dumme brutale Schläger sind, so werden sie doch sicher erwarten, daß unsere Truppen angreifen, um die 29. Inf. zu retten. Mit einem kleinen Kommando von 2-3 Leuten jedoch würden sie nicht rechnen, erst recht nicht, wenn diese sich in den Kessel hineinschleichen, und nicht hinaus. 2 oder 3 Mann sollte es ein leichtes sein, diese einfältigen Kreaturen zu täuschen. Einer davon könnten Sie sein und so wieder zu Ihren Truppen stoßen um Ihre Erfahrung voll ins Spiel zu bringen, und einer der anderen werde ich sein!"

"Hauptmann, Sie sind ja vollkommen durchgedreht!" Wolfsgrunds Gesicht lief dunkelrot an.

"Aber nein, Herr General," rief Marschall Kardon dazwischen, "ich finde Hauptmann Stirlander hat da gerade eine vortreffliche Idee gehabt. Bevor wir angreifen vereinigen Sie sich mit ihren Truppen, die Sie sicher schon sehr schmerzlich missen werden. Und Stirlander wird Sie begleiten und Ihren Durchbruch decken! Der erste gute Beschluß des Abends, ich bin sehr zufrieden!" Kardon lächelte erstmals, während Wolfsgrunds Gesichtsfarbe von dunkelrot nach aschfahl wechselte.

Der Abend in der Offiziersmesse ging vorbei. Es wurden einige Details der Lage besprochen, aber kein weiterer Beschluß gefaßt. Man ging auseinander, um sich am nächsten Tag weiter zu beraten. Kühle Nachtluft drang durch die geöffnete Tür in die Messe ein, während der Raum zusehends einsamer wurde, ein Spiegelbild der Naturen die hier aufeinander trafen.

Sie wandte sich zum Gehen, in Gedanken über ihr Kräftemessen mit dem General.

"Stirlander, bleiben Sie bitte einen Moment!"

Die Stimme des Marschalls riß sie aus den verlorenen Ebenen ihrer Gedanken. Wortlos blieb sie stehen, als er sich ihr näherte.

"Sie beeindrucken mich, mehr als die Geschichten, die man sich über Sie erzählt. Ich habe darauf gewartet, daß Sie Wolfsgrund Kontra geben und ich wurde nicht enttäuscht."

"Danke, Marschall....ich konnte nicht anders, es war nicht richtig, was er erzählte und es war auch nicht richtig, Kameraden zu beschuldigen die ihr Bestes tun, oder tun würden, nur um sich selber aufzuwerten."

"Sie haben Mumm, nicht nur auf dem Schlachtfeld, das gefällt mir."

"Es ist manchmal nicht leicht, vor allem außerhalb des Schlachtfeldes."

"Es ist nie leicht, eine lebende Legende zu sein, Stirlander. Aber Sie haben noch mehr als nur Mumm, Sie haben auch Ideen. Setzen Sie sie um, und zeigen Sie mir, daß sie das Zeug zum....Major haben. Wie würde Ihnen dieser Gedanke gefallen?" Er sah sie an, lächelnd, aber auch den Hauch einer Provokation in seiner Miene. Er sah auf eine Stelle an ihrer Schulter, dort, wo sich die Abzeichen eines Majors der Infanterie befinden würden. Sie wollte es nicht, sie haßte sich dafür, aber sie konnte nicht verhindern daß ihre Gedanken zu wirbeln begannen. Er lächelte immer noch wie ein gütiger Vater und sie wußte nicht was sie sagen sollte. Unsicher fuhr sie sich durch ihr Haar. Lebende Legende hatte er sie genannt, und sie wußte daß es stimmte, ob sie es nun wollte oder nicht. Sie war die Soldatin, die die einzigen 24 Überlebenden der Bataillone 210 und 212 aus dem Schwarzfels geführt hatte. Sie war es, die die Bataillonsfahne gerettet hatte. Sie war es, die den Kriegshäuptling der Orcs getötet hatte. Einige Überlebende, die den Ausbruch verwundet und unter Schock mitgemacht hatten, behaupteten auch heute noch steif und fest, sie hätten in dieser Nacht einen Engel gesehen, der sie herausgeführt hatte. Wie sieht ein Engel aus?, fragte sie sich und wurde durch die Stimme des Marschalls abermals aus ihren Gedanken gerissen.

"Stirlander? So antworten sie doch. Wie würde Ihnen der Gedanke gefallen?"

Sie faßte sich schnell wieder und blickte ihn an. Er grinste zu ihr hinauf, sie überragte ihn um einen Kopf.

"Ein reizvoller Gedanke, aber lieber wäre mir, einfach nur die Kameraden herauszuholen."

"Sie sind eine Soldatin, Stirlander, das merke ich. Sie sind etwas, das man heute mit der Lupe suchen muß. Eine Haltung, die heute eher hinderlich als förderlich ist das weiß ich. Ich bin kein Narr und ich weiß was sie denken. Ich schlage Ihnen etwas vor, etwas unerhörtes und ich wünsche daß davon kein Sterbenswörtchen nach außen dringt, ist das klar?"

Der Engel nickte.

"Schön. Also: Sie planen die Aktion und ich führe sie durch, so wird es keine Kompetenzprobleme mit den Dummschwätzern geben. Ich werde sie zu Ruhm und Ehre führen, Stirlander, sind sie einverstanden?"

"In den Tod werden Sie mich schicken."

"Natürlich, aber auch zu Ruhm und Ehre führen. Es ist nicht leicht, eine lebende Legende zu sein, sagte ich das schon?" Er schien immer noch verschmitzt zu grinsen wie ein listiger Lausbube.

"Eine tote zu sein, ist wohl einfacher." Sie rang sich ein Lächeln ab. Was geschah hier nur?

"In der Tat, also sehen Sie sich vor. Ich brauche Sie noch. Verstehen wir uns?"

"Ja, Marschall!" Sie nahm Haltung an.

Der Marschall trat aus der Tür und ließ sie mit ihren Gedanken allein.

Die Messe war schon lange verwaist, nur Stirlanders hochaufragende Silhouette stand noch lange unbewegt vor dem niederbrennenden Feuer, dem zweiten Sonnenuntergang. Kaum schien sie sich zu bewegen, eins mit den Schatten, nur ab und an trat sie von einem Bein aufs andere. Die kleinen Flammen spiegelten sich in ihren bernsteinfarbenen Augen, die sie so sehr von den Schwestern unterschieden. So weit weg schien alles, so unwirklich.

Ihre Gedanken drehten sich, aber sie fanden nicht mehr zusammen. Der Kessel, die viel zu wenigen Greifen und Bomben, die Frage wie sie Wolfsgrund hinter die Linien bringen wollte und viele Details mehr.

Schließlich gab sie das Nachdenken auf und begab sich zur Offiziersbaracke. Eine drückende Stille lastete felsengleich auf dem Heerlager. Mißmutig schweifte ihr Blick über die vielen jungen Gesichter. Zu lange war sie schon im Krieg, um sich Illusionen zu machen. Der Wunsch, hinauszutreten, Illusionen zu zerstören, Legenden zu begraben, und......Ängste? Zu schüren...nein, es gab Dinge, die sie nicht beeinflussen konnte, Dinge die so kommen mußten, das wußte sie. Das trug nicht zu ihrer Gemütslage bei. Still ging sie die Treppen hinauf in den ersten Stock, wo ihre Quartiere lagen.

Da hörte sie ein Geräusch.

Noch auf der Treppe blieb sie stehen und zog unendlich langsam und leise ihr Schwert. Sollten die Orcs tatsächlich gewagt haben, Auftragsmörder mitten in ihre Quartiere zu schicken? Es wäre unerhört und dreist, aber durchaus vorstellbar. Die Höllenorcs waren bei weitem nicht so dumpf und hirnlos wie Wolfsgrunds lächerliche Ansichten sie machten. Und dennoch....es wäre ein Husarenstreich. Vorsichtig schob sie sich zur Ecke, der letzten Ecke hinter der sie sich verstecken konnte. Ein Atmen war es, ein schweres Atmen. Auch wenn sie nie gegen Höllenorcs gekämpft hatte, so wußte sie um ihre enorme Größe, und das Atmen war schwer, kehlig, fast ein Röcheln. Und es kam aus dem Korridor vor ihr. Kein Zweifel, wer oder was auch immer dort atmete, es wartete auf sie.

Sie dachte an damals, den furchtbaren Schlag des Orcs, der ihren Kopf nur knapp verfehlte und ein Loch in den Steinboden schlug. An den anderen Treffer, der ihren Schildarm brach, so kräftig daß der Knochen weit aus ihrer Haut hervortrat. Diesmal würde sie sich nicht überraschen lassen.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki