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Kapitel 4 Bearbeiten

Nun war er da, der bewusste Tag. Ich hatte die ganze Nacht nicht schlafen können und mich schon im Morgengrauen frisch und ausgehbereit gemacht. Extra für diesen Tag hatte ich mir ein einfaches Kleid und eine Bluse zurecht gelegt und mir eine Krone aus Blättern und Zweigen geflochten, die mich jünger erscheinen lassen sollten. Ausserdem verwendete ich einen kleinen Zauber, um die übelsten Spuren der letzten 15 Jahre wenigstens ein bischen abzuschwächen. Julakema würde sich sicher wundern, wenn sie mich so sah, aber es war mit Akena so abgesprochen, dass heute der Tag sein sollte, an dem Julakema auch mein Zuhause kennen lernen sollte. Ich konnte Akena ja unmöglich sagen, dass Julakema nie wieder zurückkehren würde, beziehungsweise es auch Akenas Todestag sein würde. Kein Wunder, dass ich nicht schlafen konnte. Ich war viel zu aufgeregt ob mein Zeitplan funktionieren würde oder ob ich womöglich zu spät kommen würde und so machte ich mich auch schon etwas früher als eigentlich geplant auf den Weg zum Hof und beobachtete ihn von einem Versteck in einem Gebüsch aus.


Wenn alles so einträfe, wie ich es mit Gadrion und dem Drachen abgesprochen hatte, müsste Gadrion ebenfalls auf dem Hofe auftauchen. Es würde das eintreffen, was ich schon aus Theas Träumen und Ganndors Erzählungen kannte: Gadrion würde Ganndors Familie und ihn selbst angreifen und ich hatte nur diese Gelegenheit Julakema in Sicherheit zu bringen, während Akena und die Kinder starben und Gadrion mit Ganndor kämpfte. Ich hatte eiskalte Hände und mir zitterten die Knie, würde ich doch so gern auch selbst Akena und die Kinder vor dem Schicksal bewahren, das ihnen bevorstand, aber der bronzene Drache hatte mich ja nur unter der Bedingung in die Vergangenheit gelassen, dass ich unter keinen Umständen in das Geschehen eingreifen würde.


Vor 15 Jahren schien es mir noch ein Leichtes gewesen zu sein dieses Versprechen zu geben, kannte ich Akena oder die Kinder ja gar nicht und Ganndor lebte bei und mit mir in meiner damaligen Gegenwart. Also musste zumindest er überlebt haben. Aber es hatte sich im Lauf der Zeit verändert. Inzwischen kannte ich Akena und den jungen Ganndor, die sich rührend um die drei Mädchen kümmerten. Ich hatte zwar keine besondere Beziehung zu dieser Familie aufgebaut und selbst Ganndor zu sehen, schmerzte überhaupt nicht mehr. Es war, als hätte ich diesen Mann niemals geliebt und er war ein Fremder, genauso wie Akena und doch .. sie waren lebendige Menschen.


Lebendige Menschen, die in wenigen Stunden tot sein müssten. Ich wurde fast verrückt bei dem Gedanken und versuchte mich abzulenken, indem ich immer wieder nach Gadrion Ausschau hielt. Als ich ihn endlich auf einem abgesägten Baumstamm sitzen sah, tönte plötzlich Ganndors Stimme durch den Wald. Mir blieb fast das Herz stehen vor Schreck und sogar Gadrion hob lauschend den Kopf. War ich doch schon zu spät? Ganndors Stimme dürfte noch gar nicht hier sein und was rief er überhaupt? Ich strengte mich an, Akenas oder den Namen der Kinder zu hören, aber er rief nach ...Willowby!


Was zum Henker ging hier vor? Ich rannte aus meinem Versteck und machte einen Bogen um den Hof auf die Stimme zu. Wieso rief Ganndor nach Willowby? DIE Willowby Grünbuddel von DEN Grünbuddels, konnte und durfte doch erst recht nicht hier sein, genauso wenig wie Ganndor schon hier sein dürfte. Ein schrecklicher Verdacht keimte in mir auf, als ich quer durch den Wald laufend und immer wieder Deckung suchend mich den Stimmen näherte: Der Ganndor aus meiner Gegenwart würde es doch nicht gewagt haben, in die Vergangenheit zu kommen und wie überhaupt sollte er das angestellt haben und wieso hatte er auch noch Willowby mitgebracht?


Keuchend blieb ich hinter einem Baum stehen und presste die Hand auf mein Herz. Da stand er tatsächlich. Der Ganndor, wie ich ihn kannte und einst liebte und redete nicht nur auf Willowby, sondern noch eine andere Gnomin und eine Menschenfrau ein. Ich konnte gar keinen klaren Gedanken fassen, um die Leute auch sofort erkennen zu können, statt dessen begannen sich die Bäume wie im Kreis um mich zu drehen und schreckliche Angst schnürte mein Herz zusammen. Ganndor durfte einfach nicht hier sein. Es war schon genug, dass ich heir war und niemals in die Gegenwart zurückkehren konnte, aber Ganndor musste da bleiben. Ich tat das doch alles nur wegen ihm und Julakema, damit er sein Kind behalten konnte...!


Verzweifelt starrte ich den 4 Personen hinterher, als sie sich auf den Weg zum Hof machten und als sie bei dem Baumstumpf ankamen, auf dem Gadrion sass, löste sich auch meine Starre etwas und ich lief hinterher. Gerade als ich mich durchgerungen hatte auf die Gruppe zuzugehen, stürmte Ganndor auf einmal an Gadrion vorbei und stürzte sich auf einen Ghul, der einzeln und wankend über das Feld auf das Haus zu kam.


Ganndor schrie irgendetwas, Gadrion und die drei andren riefen Ganndor ebenfalls etwas hinterher, aber all das hörte und verstand ich nicht im Angesicht des Ghuls und hatte nur noch den einzigen Gedanken im Kopf: ich muss zu Julakema. Ich lief Ganndor also hinterher und wollte an der Gruppe, die um den toten Ghul herum stand auf das Haus zu, als mich Ganndors Stimme bremste. Erst schien das „Flori!“ nur ein Flüstern, aber dann schrie er das Wort noch einmal heraus und ich blieb stehen, als erwache ich gerade und wandte mich zu ihm um. Ich hatte noch nie so einen verzweifelten Ton in seiner Stimme gehört, wie gerade eben, als er meinen Namen rief. Ich konnte einfach nicht anders, als ihn noch einmal anzusehen, meinen Ganndor, den ich so unendlich liebte..immer noch, wie mir genau in diesem Moment auch bewusst wurde.


Alles, sogar mein Leben hätte ich in diesem Augenblick für ihn gegeben, wenn er nur nicht da gestanden hätte, keine drei Schritte mehr von mir entfernt und mich angesehen hätte. Ich habe keine Ahnung, woher ich die Kraft genommen habe, aber ich musste ihm sagen, dass er zurück gehen musste, dass er nicht hier sein durfte. Mit krächzender Stimme sprach ich zu ihm und obwohl ich sah, dass sein Blick immer verzweifelter und mutloser wurde, musste ich weiter sprechen. Unerwartet bekam ich plötzlich Beistand von seinen Begleiterinnen und Gadrion. Irgendwie nahm ich im Unterbewusstsein wahr, dass ich sie alle kannte. Da waren noch neben Willowby auch Tsaja, die Wahrsagerin und Yesaria von der „Flamme der Hoffnung“ da.


Während ich einen nach dem andren anschaute und meine Stimme brach, übernahmen sie für mich zu reden und Ganndor zu überzeugen, dass es falsch war, dass er hier war. Jeden Moment glaubte ich, dass Ganndor unter der Wucht der Worte zusammen brechen würde und mir zeriss es fast das Herz diesen grossen starken Mann, den ich so sehr liebte, womöglich auf die Knie fallen zu sehen und wieder entstand Julakemas Gesicht vor meinem Auge, das Ganndor gar nicht so unähnlich war und irgendwie schaffte ich es mich von Ganndor abzuwenden und auf das Haus zuzuwanken...


Seine Freunde würden sich um Ganndor kümmern. Sie würden es schaffen. Dieses Opfer konnte ich ihm nicht auch noch bringen, wollte es auch gar nicht. Ich musste einfach nur zu Julakema. Akena öffnete mir die Tür und schaute erst mich, dann etwas verwirrt auf die fremden Leute auf ihrem Feld, aber Julakema kam auch schon aus dem Haus gesprungen, drängte sich an Akena vorbei und schien sehr freudig aufgeregt zu sein, mich begleiten zu können. Mit gepresster Stimme verabschiedete ich mich hastig und wandte mich dann schnell vom Haus ab. Nur keinen Blick mehr zurück werfen. Es gab kein Zurück! Julakema an meiner Hand plapperte freudig drauflos und lenkte mich mit ihren Fragen etwas ab, obwohl ich mich an keine einzige mehr erinnern kann oder daran, ihr überhaupt eine beantwortet zu haben.


Wir liefen quer durch den Wald auf Süderstade zu. Irgendwie mussten wir Süderstade erreichen. Von dort sollte uns ein Schiff wegbringen. Äste von Bäumen und Sträuchern streiften mich, ohne dass ich es merkte und erst, als ich Julakema mehr hinter mir her ziehen musste und sie schien anfangen zu wollen zu weinen, blieb ich abrupt stehen und beugte mich zu meinem Kind herab, um es tröstend in die Arme zu nehmen und auf sie einzureden. Sie schien sich wieder zu beruhigen und sicherheitshalber legte ich ihr meine Hände so um das Gesicht und auf die Ohren, dass sie möglichst wenig von den uns umgebenden Geräuschen hören sollte.


Sie sah mich mit ihren grossen, vertrauensvollen Augen an und plötzlich war da auch wieder Ganndors Stimme, die durch den Wald schallte. Er rief nach mir, dass ich zurückkommen sollte und ich weiss auch nicht mehr, ob ich ihm laut geantwortet habe, oder nur geflüstert habe, dass ich es nicht könnte. Ganndors Stimme hallte noch immer in meinen Ohren, als mir bewusst wurde, dass es auf einmal still war. Ganndors Stimme war verstummt, aber mit ihr auch alle anderen Geräusche. Es war nahezu totenstill um uns herum. Ich hatte keine Ahnung, woher dieser plötzliche Stille gekommen war, aber aufatmend liess ich mich ins Gras sinken, lehnte mich mit dem Rücken gegen einen Baum, zog Julakema an mich und schloss für ein paar Augenblicke die Augen. Ausruhen.. nur ein kleines bischen...und nicht denken!


Als ich die Augen wieder öffnete, hatte sich die Umgebung verändert. Ich lehnte zwar immer noch an einem Baum und hatte Julakema bei mir, aber unweit sah ich das Haus und … Ganndor, der auf mich zu kam. Ich rappelte mich erschrocken hoch und presste Julakema an mich. Was würde nun wieder passieren? Konnte ich nicht wenigstens jetzt eine Zukunft mit Julakema haben, ohne dass sich Ganndor noch immer in mein Leben einmischte?

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