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Das ist ein Krimi mit zwei Toten in vier Teilen

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Das ist ein Krimi mit zwei Toten in vier TeilenBearbeiten

Verdammt, verdammt verdammt! Ich starrte gegen die Decke und hieb die geballte rechte Faust mit Wucht neben mich auf die Matratze und zuckte dann leicht zusammen, als von links neben mir ein unwilliges Brummen ertönte und Norrick sich herumwarf. Ich schlich mich so leise es ging aus dem Bett und legte meine Hände und meine Stirn an die kühlen Scheiben des Fensters und starrte nach draussen.



Bis gestern Nacht, bevor ich eingeschlafen war, hatte es Norrick auf seine unnachahmliche Weise verstanden mich von allen quälenden Gedanken ab zu lenken, aber kaum war ich heute morgen aufgewacht, waren sie auch schon wieder da: Ganndor! Ganndor war wieder da, Ganndor lebte, Ganndor war in Sturmwind.



Der gestrige Tag war sowieso schon wie ein rabenschwarzer Unglückstag gewesen und Ganndor setzte dem Ganzen mit seinem Wiederauftauchen auch noch die Krone auf. Eigentlich war er es noch nicht mal so für mich gewesen, wohl aber für Norrick und was Norrick betraf, ging ja auch nicht spurlos an mir vorüber. Angefangen hatte es damit, dass mir Norrick erzählte, dass man ihn aus dem Krämerladen im Park geworfen hatte.



Weiss der Geier, was das für empfindliche Mimöschen da in dem Laden sind, dass sie sich von einem Norrick o´Riley bedroht oder angemacht oder beides fühlten, um ihn vor die Tür zu setzen und Fizzip, der eigentlich da in dem Laden auch ne Verkaufsecke hat, war natürlich gerade zu dem Zeitpunkt auch nicht da, um eventuell zu schlichten. Norrick war natürlich auch ziemlich aufgebracht über die Behandlung, die man ihm da angedeihen hat lassen und als ich ihn dann abends auf dem Kathedralenplatz traf und er in nicht gerade leisen Worten seinem Unmut darüber Luft machte, blieben auch prompt zwei Wachen stehen, um zu hören, obs bei uns ein Problem gäbe.



Natürlich hatten WIR kein Problem, aber scheinbar haben immer alle andren eins, selbst die Wache. Ich wusste erst gar nicht was los war, als Norrick vor der Wache zurück wich, als wären das zwei giftige Schlangen, die ihn beissen könnten und verstand überhaupt nichts davon, was er mit der Elfenseuche meinte, welche die eine Dame von der Wache angeblich hätte und mit der sich Norrick auf gar keinen Fall anstecken wollte und auch ich ja unbedingt die Frau nicht berühren sollte, um mich nicht zu infizieren. Norrick gebärdete sich so aufgebracht, dass es der Wache wohl angeraten schien uns zu trennen und Norrick an einen ruhigereren Ort zu bringen, da es auch drohte einen neugierigen Menschenauflauf um uns herum zu geben, aber Norrick wollte sich natürlich auch nicht von mir trennen lassen, zumal es dafür ja auch gar keinen vernünftigen Grund gab und so kam es quasi wieder einmal wie es kommen musste:



Während Norrick gleichzeitig versuchte mich zu beschützen und dabei der Wache versuchte auszuweichen, die ihn jetzt tatsächlich anfassen und festnehmen wollte, stolperte er irgendwie über seine Beine und knallte mit dem Gesicht voraus aufs Pflaster. Noch während er sich auf zu rappeln versuchte, sah ich, dass er eine hässliche Platzwunde auf der Stirn hatte und wollte ihm zu Hilfe eilen, aber er ist einfach auch zu gross und zu schwer für mich und als er torkelnd auf den Beinen stand und ich ihn zu halten versuchte, riss es mich dabei fast selbst mit um und so kippte er zum zweiten Mal um, diesmal nach hinten und knallte mit dem Hinterkopf aufs Pflaster und blieb mit geschlossenen Augen reglos liegen.



Die Wachen waren wohl auch für Augenblicke genauso perplex gewesen wie ich auch, denn sie erwachten erst aus ihrer Erstarrung, als Norrick da am Boden lag und sich nicht mehr rührte. Zum Glück war auch gerade Talisalia in der Nähe, die es mitbekommen hatte, dass irgendwas los war und sich jetzt auf mein Hilferufen hin, gar nicht lange um die voraus gegangenen Ereignisse, sondern um Norrick kümmerte und befahl, dass man ihn sofort ins Lazarett brächte.



Endlich hatten wir wieder eine fast himmlische Ruhe um uns herum als Norrick in ein Bett verfrachtet wurde, Talisalia sich um ihn kümmerte und ich ein wenig meinen Gedanken nachhängen konnte. Elfenseuche! Ich konnte noch immer nicht ganz glauben, was mir inzwischen aufgegangen war, was Norrick damit meinte und ich konnte erst recht nicht richtig glauben, dass er meinte, man könnte sich damit wirklich bei andren anstecken. Es war doch keine Krankheit, sondern nur eine Gesinnung.



Selbst wenn das für mich auch irgendwie dem Wahnsinn gleichkäme jemandem vom eigenen Geschlecht lieben zu sollen oder zu können und Wahnsinn ja durchaus auch eine Krankheit war, so würde ich die „Befallenen“ vermutlich doch nicht als derart „ansteckend“ befinden, wie es Norrick scheinbar tat. Schliesslich hatten wir ja auch uns, er Mann, ich Frau so wie es gut und richtig war und ich weigerte mich vehement einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es jemals anders sein könnte.



Im Moment war es auch nicht wichtig, weiter drüber nach zu denken. Norrick erwachte aus seiner Bewusstlosigkeit nachdem Talisalia die Platzwunde genäht hatte, einen Verband um seine Stirn gelegt und ein Kissen unter den Kopf geschoben hatte und ihm irgendeinen Trank einflössen wollte. Natürlich bestand sie auch darauf, dass Norrick zumindest über Nacht im Lazarett bleiben müsse, aber das würde sich wohl als schwierigstes Unterfangen entpuppen, so wie ich ihn kannte und kaum da Talisalia auch gegangen war, nachdem sie mir aufgetragen hatte auf Norrick zu achten, versuchte der sich natürlich auf zu richten und das Bett zu verlassen.



Ich stellte auch gar nicht erst grossartige Versuche an, ihn zum Bleiben zu bewegen. Es wäre sinnlos und er würde ja doch tun, was er für richtig hielt und so führte ich ihn eben wieder nach draussen. Etwas schwankend auf den Beinen, was aber ja durch seinen Alkoholkonsum auch nichts Neues mehr für mich war, machten wir uns auf den Weg nach Hause oder zumindest soweit die Kathedralenstufen herab, bis ein paar in Richtung Hafen oder Park vorbei eilende Wachen schon wieder seine Aufmerksamkeit erregten. Ich rollte mit den Augen, als er prompt die Richtung änderte und den Wachen nach laufen wollte.



Ergeben stiefelte ich neben ihm her, während er mir erklärte, dass er doch gerade sehr hoffe, man hätte vielleicht den Krämerladen, in dem man ihn heute so mit dem Rausschmiss geärgert hatte, hoch gehen lassen und so landeten wir im Park. Der Krämerladen hatte natürlich längst geschlossen. Es war ja auch inzwischen verdammt spät und während sich Norrick wieder einmal scherzend mit zwei Draenei anlegte und sie wegen ihrer Figuren und ihrer Kleidung wegen „komplimentierte“, was diese auch mal wieder nicht verstanden oder verstehen wollten, sah ich aus den Augenwinkeln einen Schatten, der mich unwillkürlich an Ganndor erinnerte.



Vielleicht war es wegen der Nähe zur Rückseite und dem Garten meines kleinen Häuschens und der dort herrschenden Dunkelheit, weil ich es schon einige Tage nicht mehr betreten hatte, was mir die Illusion von Ganndor vorgaukelte und als ich genauer hinsah war auch nichts von irgendeinem Ganndor ähnlichen Schatten mehr zu sehen und ich schüttelte nur den Kopf, vor allem, um Ganndor auch wieder aus meinem Kopf zu bekommen. Er hatte dadrin nichts mehr verloren, auch wenn ich mir nichts mehr wünschte, als ihn wieder zu sehen und ihm auf den Kopf zu sagen zu können, wie sehr mich sein Verhalten enttäuscht hatte.



Wieder schwappte das Gefühl in mir hoch einfach nur verraten und verkauft worden zu sein und das ausgerechnet von dem Menschen, dem ich bereit war in der letzten Zeit vor seinem Verschwinden, alles zu geben, wozu ich in der Lage war, selbst auf die Gefahr hin, mich vielleicht dabei zu verlieren oder gar schon verloren hatte? Wie zum Henker hatte es soweit überhaupt kommen können? War es nur der Wunsch endlich auch eine eigene kleine richtige Familie zu haben, der mich so blind hatte werden lassen, wobei selbst dabei mir Ganndor ja noch die schönste Zeit, die man hätte mit einem Kind verbringen können, gestohlen hatte, weil er es vorzog während meiner Schwangerschaft wieder einmal in Zweifel zu verfallen und ich lieber in der Vergangenheit unter tauchte, statt einfach auch einmal endgültige Konsequenzen zu ziehen.



Ich hatte Ganndor gebraucht, ja, so wie ich auch Silvant und Therador und Reinhold glaubte zu brauchen, aber dennoch hatten sie alle eins gemeinsam, wie mir schlagartig klar wurde: sie hatten mich nicht gebraucht. Keiner von ihnen und am allerwenigsten Ganndor hatten mich gebraucht. Immer war ich nur ein Objekt der Begierde gewesen, das, sobald man es hatte zu einer Alltäglichkeit mutiert war und egal, was oder wie ich es anstellte einfach nicht schaffte den Reiz des Einstigen aufrecht zu erhalten, ausser ich suchte mir selbst auch ein neues Objekt der Begierde. Dann wurde ich schlagartig auch wieder begehrt, aber war das normal? War ich der eigentliche Versager und konnte einfach keine Beziehungen führen, aber mit Norrick war es doch anders oder auch nicht? Doch es musste einfach anders sein, obwohl ich nicht wusste, weshalb das so war, aber noch immer seit wir uns kannten, gab er mir täglich das Gefühl das Allerwichtigste auf der Welt zu sein.



Ich wandte mich wieder Norrick zu, war er doch schliesslich inzwischen auch das Allerwichtigste für mich geworden und schob jeden Gedanken an Ganndor zur Seite, als ich plötzlich Thea entdeckte. Ganndors und meine Ziehtochter war hier, obwohl ich sie auch schon Ewigkeiten, wie es schien nicht mehr gesehen hatte. War es Zufall sie ausgerechnet jetzt zu treffen? Ich beschloss umgehend, wenn ich es schon bei Ganndor nicht tun konnte, wenigstens gegenüber Thea reinen Tisch zu machen. Thea schien natürlich auch alles andre als begeistert zu sein einen fremden Mann an meiner Seite zu sehen und es fiel mir anfangs schwer die richtigen Worte zu finden, aber auch hier sprang mir Norrick wie sooft hilfreich bei und erklärte Thea klipp und klar, dass nichts aber auch gar nichts etwas an der Tatsache unsres Zusammenseins ändern könnte und sie sich wohl oder übel damit abfinden müsse.



Sicher überforderten wir Thea gerade auch ein bischen und sie verschwand ziemlich schnell wieder, so wie es aussah mit Hilfe eines Teleportationszauber, aber es war besser, als immer alles auf die lange Bank zu schieben. Wenn ich doch auch nur Ganndor meine Entscheidung endlich so mitteilen könnte. Inzwischen brannte ich regelrecht darauf mit Ganndor reden zu müssen und am liebsten hätte ich ihn mir umgehend vor die Füsse gezaubert, wenn ich es denn gekonnt und gewusst hätte, woher ich ihn überhaupt zaubern sollte. Der dunkle Park machte mich zunehmend nervöser und ich glaubte auch ein Raunen und Wispern in den Zweigen der Bäume und Büsche zu vernehmen und wollte den Ort lieber schnell verlassen, als auch Norrick etwas in der Dunkelheit entdeckte und mit dem Mut und der Zielstrebigkeit eines Soldaten darauf zu marschierte. Zu unsrer beider Überraschungen stellte sich heraus, dass es Thea war, die uns zu belauschen schien, aber wozu sollte sie das tun, wenn sie nicht auch von Ganndor...



Ich kniff die Augen zusammen und schaute mich suchend um und tatsächlich schien eine zweite dunkel gekleidete Gestalt gerade im Schatten der Bäume und Häuser im Park verschwinden zu wollen und ich heftete meinen Blick auf deren Rücken, als könnte ich so das Verschwinden verhindern. Ob es wirklich mein Blick war oder die Entscheidung dieser Person selbst sei dahin gestellt. Auf jeden Fall zog sie die Kapuze vom Kopf und im schwachen Schein einer Laterne sah ich Ganndor auf mich zu kommen. Ich klappte vor Überraschung den Mund auf und starrte ihn einen Moment nur an, aber vermutlich verstand er meine Überraschung vollkommen falsch, denn ich sah deutlich, wie sich ein abfälliges, herablassendes Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete, das ich auch nur zu gut kannte und ohne dass er es sagen musste soviel bedeutete wie: na, bist Du überrascht? Hab ich Dich wieder einmal bei einer Deiner typischen Amorösitäten erwischt?



Seine Gedanken sprangen mich förmlich an, als seien es meine eigenen und ich erschauerte unwillkürlich vor deren Kälte und als er jetzt das Wort sprach, ein einziges nur, wusste ich, dass ich weg musste von diesem Mann, ein für allemal beenden musste, was mich sonst nur wieder in ein Gefühlschaos gestürzt hätte. Dieses eine Wort war 'Floreanna'. Er hatte tatsächlich die Dreistigkeit, den Mut, die Selbstüberschätzung oder was es sonst auch sein möge, mich Floreanna zu nennen. Ich war nicht mehr seine Flori, schon längst nicht mehr, wenn ich es überhaupt je war... ich war Floreanna. Deutlicher als mit diesem einen einzigen Wort konnte er mir in diesem Augenblick tatsächlich nicht sagen, wie wenig ich ihm bedeutete und irgend etwas platze in mir, das sich wie ein Reifen um mein Herz gelegt hatte und bis heute abgeschnürt hatte und fast hätte ich lauthals und befreit aufgelacht, wie leicht es doch war diese Beziehung zu beenden.



Ich konnte es mir auch nicht verkneifen ihn direkt daraufhin anzusprechen, ob sein Gesicht und das eine Wort für ihn tatsächlich auch die Beendigung unsrer Verlobung bedeutete und hoffte nur inständig darauf, dass er „ja“ sagen würde, aber ich hätte mir denken können, dass es Ganndor nicht bei einem einfachen „ja“ belassen würde und mir stattdessen einen Vortrag über meine Beziehungsunfähigkeit halten würde, aber das rauschte irgendwie alles an meinen Ohren vorbei und ich war einfach nur froh und erleichtert jetzt endgültig frei für Norrick zu sein. Ich versuchte Ganndor immer wieder zu unterbrechen und ihm zu sagen, dass er sich das alles sparen könne mir zu sagen, dass alles in Ordnung sei, wenn er es doch auch wollte, dass es vorbei war, aber er hörte mir auch gar nicht richtig zu und so wandte ich mich an Norrick, um einfach mit ihm zu gehen, weil es das Beste wäre, aber ich hatte die Rechnung ohne Thea gemacht, vielmehr sie völlig auch vergessen und wenn ich auch später erst heraus fand, dass sie Norrick nur einen Streich spielen wollte, so war das, was im nächsten Augenblick passierte eine Katastrophe im wahrsten Wortsinne.



Ohne Vorwarnung löste sich plötzlich ein Schuss aus Norricks Waffe, die er auf dem Rücken trug und setzte eine Kettenreaktion in Gang, von der ich einen Augenblick lang glaubte, von ihm selbst würde nichts weiter übrig bleiben als ein Häufchen Asche. Dem Pistolenschuss folgte eine Reihe andrer und verschiedenster grösserer und kleinerer Explosionen und Norrick sah aus, als wäre er plötzlich eine lebende Fackel, ehe er mit einem unterdrückten Aufschrei und wie in Zeitlupe langsam nach vorn zu kippen begann. Ich machte gar nicht erst den Versuch ihn auffangen zu wollen, sondern schrie Ganndor an, er solle mir sofort seinen Umhang geben und weil mir das nicht schnell genug ging, riss ich ihm den Umhang fast vom Rücken und versuchte damit die kleinen Flammen auf Norricks Rücken zu löschen.



Blind und benebelt vor Schreck hatte ich nicht mal einen Blick für Norricks Rücken und griff stattdessen nach den Verbänden, die Ganndor mir reichte und legte sie irgendwie auf seinen Rücken. Erst als meine Hände trotz der Verbände immer nässer von seinem Blut wurden und mein Verstand zu registrieren begann, dass das Harte auf seinem Rücken nicht etwa Teile seiner Rüstung, sondern wahrscheinlich gesplitterte Rippenknochen waren, überkam mich Übelkeit und kurz darauf wohltuende Schwärze. Ich hatte keine Ahnung, ob ich zuvor geschrien und geheult hatte, aber als irgendetwas auf meine Wange klopfte und eine Flüssigkeit widerwärtig mein Gesicht benässte, wusste ich auch wieder, dass ich einfach nicht aus dieser wohltuenden Schwärze auftauchen und mit Norrick sterben wollte. Ich war mir sicher, dass er schon längst tot sein musste und so wehrte ich mich mit aller Macht schreiend und strampelnd wieder ins Leben zurück zu kehren.



Irgendwo schien ich jedoch trotz alledem noch ein Stückchen Verstand gehabt zu haben, das nicht dem Wahnsinn anheim zu fallen drohte und dieses Stückchen Verstand nahm in dem allgemeinen Trubel und Stimmengewirr um uns herum nur eines wahr: es war das schwache und hörbar kraftlose Röcheln eines zum Sterben verurteilten Menschen, aber es war noch immer ein Atem .. oder schon wieder? Schlagartig war ich wieder hellwach und schaute mich um. Es musste eine ganze Weile vergangen sein, in der mir die Erinnerung fehlte, aber nun waren zwei Draenei da, die sich augenscheinlich um Norrick kümmerten und deutlich versuchten, ihn wieder ins Leben zu rufen und auch Reinhold war da, der scheinbar Thea fest nehmen wollte, wogegen sich Ganndor typisch wortgewaltig zu verwehren suchte, weil es, wie ich heraus zu hören meinte nur ein kleiner Streich werden sollte, bei dem Thea Norrick mit einer Feuerkugel erschrecken wollte.



Im Moment war mir das aber alles egal, worüber die Drei diskutieren mochten. Nein, ganz egal war es mir nicht. Die drei standen da und diskutierten und Norrick lag noch immer tödlich verletzt am Boden. Eine Welle fast nicht kontrollierbarer Wut drohte mich zu überfluten und fast hätte ich mich hinreissen lassen Thea, Reinhold und Ganndor in ebensolche lebenden Fackeln zu verwandeln, wie es Norrick noch vor Kurzem eine war, aber dann sah ich das Gesicht des Draenei, der sich um Norrick kümmerte. Er war schrecklich blass. Von dem einstigen und typischen Blau, das die Haut dieser Wesen prägt war kaum noch etwas zu erahnen, ja fast schien es sogar als wirke der Mann irgendwie durchsichtig. Auch seine ganze Haltung wirkte kraftlos und in sich zusammen gefallen.



Mir wurde schlagartig klar, dass der Mann alle seine Energien in die Rettung Norricks gesteckt haben musste und die Wut in meinem Bauch verschwand, um einem Gefühl unendlicher Dankbarkeit Platz zu machen. Am liebsten hätte ich den Draenei sogar in diesem Augenblick umarmt, wenn er nicht noch immer die Hände auf Norricks Rücken liegen gehabt hätte. Noch immer sah Norricks Rücken zwar aus wie ein Explosionskrater, aber das kam augenscheinlich von den verstärkten Metallstreben seiner Rüstung, die zusammen mit den Lederüberresten diesen bizarren ausgefransten Kraterrand bildeten. Sein Rücken selbst wirkte dagegen wie neu. Zu neu. Ich musste mehrmals blinzeln, ehe es in mein Bewusstsein drang, dass sein Rücken tatsächlich wie neu war.



Glatte wie frisch über eine Trommel gespannte rosarote Haut überzog seinen Rücken. Sie wirkte zwar extrem empfindlich und wie entzündet, aber sie war da. Von den Wunden, oder dem eigentlich gänzlich zerfetzten Rücken war nichts mehr zu sehen, ausser Blut, sehr viel Blut. Der Blutverlust musste enorm gewesen sein, lag doch sein Körper in einer regelrechten Lache davon, aber er atmete. Während ich noch immer Norricks Rücken anstarrte und das Wunder irgendwie zu fassen versuchte, wurde dieses Atmen auch immer kräftiger. Das tödlich klingende Röcheln machte mehr und mehr erst schwachen, dann immer gleichmässiger werdender Atemzüge Platz und mit einem Mal wusste ich auch, dass er weiterleben würde.. dank dem Draenei, der so schnell geholfen hatte.



Ich wusste nicht so recht, was ich tun sollte, tun konnte. Irgendwie fühlte ich mich etwas hilflos und überflüssig und so kramte ich in meiner Hosentasche auf der Suche nach etwas zu Essen. Wenn der Draenei schon so kraftlos aussah, würde ihm etwas Nahrhaftes vielleicht auch wieder auf die Beine helfen, aber ich fand nur ein reichlich zerdrücktes, nicht mehr ganz sauberes und wohl auch schon ziemlich altes Törtchen. Ich bot es ihm trotzdem an. Ich fragte ihn auch nach seinem Namen. Er hiess Handuur und ich nahm mir vor mich in den nächsten Tagen irgendwie nochmal bei ihm erkenntlich zu zeigen, wenn dann Norrick auch wieder ganz auf den Beinen war. Norrick selbst schien es von Minute zu Minute besser zu gehen und nach einiger Zeit schlug er sogar die Augen auf.



Der Kerl musste auch die Natur eines Bullen haben. Nicht nur, dass er kaum die Augen geöffnet schon wieder fluchen konnte wie ein Rossknecht, er versuchte sich sogar auch gleich wieder auf zu rappeln. Mir wärs zwar lieber gewesen, wenn er liegen geblieben wäre und man ihn nach Hause getragen hätte, aber der Draenei beruhigte mich dahingehend, dass Norricks unverwüstliches Naturell ihn jetzt nicht so schnell wieder umhauen würde. Ich war beruhigt und half Norrick so gut es ging auf die Beine. Er stand zwar extrem wackelig darauf und sein Gewicht, mit dem er sich auf mir abstützte zwang mich fast selbst in die Knie, aber er stand und er wollte nur noch eins: nach Hause! Ohja, das wollte ich selbst auch nur noch. Ich bedankte mich noch einmal bei dem Draenei, würdigte dabei aber Thea, Reinhold und Ganndor, die noch immer in ihre Diskussion verstrickt waren, keines Blickes und erst recht keines Kommentares mehr.

Beim Weggehen hörte ich zwar gerade noch, dass Reinhold Ganndor fragte, ob unsre Beziehung tatsächlich nun auch beendet sei und als Ganndor mit einem einfachen knappen „ja“ antwortete, hätte ich schon wieder fast laut aufgelacht, aber Reinholds folgende Worte schnitten mir dieses Lachen gleich wieder ab. Hatte er wirklich gerade gesagt, dass er sich dann wieder um mich bemühen könnte? Das konnte doch unmöglich jetzt sein Ernst gewesen sein, so etwas zu sagen...



Kopfschüttelnd schwankte ich mit Norrick endgültig ausser Hörreichweite. Nahm dieses Beziehungsgerangel denn niemals ein Ende? Verdammt, verdammt, verdammt!

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