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Cyntall Eisflamme Das Gegenwärtige Das Vergangene
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~ Annäherungen ~

Cyntall hatte sich in ihren kleinen Turm, der von ihrem Schlafzimmer abging und den höchsten Punkt im Hause ihres Großvaters bildete, zurückgezogen. Sie kauerte mit angezogenen Beinen auf der schmalen Steinbank, die rund um den winzigen Raum verlief und starrte mit an die kühle Wand gelehnten Kopf hinaus. Sie fühlte sich etwas ruhiger. Die grenzenlose Panik, die sie am Abend noch gefühlt hatte war einem Gefühl der Angst gewichen, die sie gerade noch ertragen konnte. Ihr Großvater würde sich nun kümmern. Er und der Arkanist, sie würden ihren Vater finden. Sie mussten einfach!

Die kleine Elfe hörte Getrappel vom unteren Ende der schmalen Steintreppe. „Ich will allein sein“, dachte sie. Wieso konnten sie sie nicht in Ruhe lassen? Ein rotblonder Haarschopf erklomm zuerst den kleinen, runden Raum, daran hing ein Knabe, der sie nun anstrahlte. „Hier war ich ja noch nie“, sagte Kerres und hockte sich ihr gegenüber und schaute hinaus. „Man kann über ganz Silbermond schauen“, rief er verzückt aus. „Nein, kann man nicht“, erwiderte Cyntall recht mürrisch. Was wollte der Kleine von ihr? Reichte es nicht, dass er ihr den Vater gestohlen hatte und zusammen mit seiner Mutter hier wohnte?

Sie hatte noch das Bild dieser kleinen, heilen Familie vor Augen. Ihr Vater mit seiner heimlichen Ersatzfamilie. Einer Familie zu der sie nicht gehörte. Sie vermisste ihn zwar, dass es körperlich weh tat, trotzdem würde sie ihm das nicht so schnell vergeben. Aber um mit ihm zu streiten, mussten sie ihn erst einmal finden.

„Kann man nicht?“, fragte Kerres zurück und lehnte sich weiter aus dem Fenster. „Hey“, griff Cyntall nach seiner Schulter. „Lass das“, blaffte die kleine Elfe den Jungen an und zog ihn zurück. „Das Haus ist zu niedrig“, erklärte sie, „man kann nur in den Immersang schauen.“ Kerres wandte sich der anderen Seite zu und blickte begeistert ins Grün. „Das könnte mein Lieblingsplatz werden“, rief er strahlend und packte einige Holztiere aus und stellte sie auf der Steinbank ab.

„Das ist mein Lieblingsplatz“, dachte Cyntall wütend. Wieso drängte sich diese Frau mit diesem Gör in ihr Leben, in ihr Haus und in ihre Familie? „Wieso weinst du?“, sah Kerres sie fragend an und packte noch mehr Sachen aus seiner Jackentasche aus. Die kleine Elfe fasste sich an die Wangen. Sie weinte tatsächlich. Sie merkte es schon gar nicht mehr. Die Tränen liefen einfach. „Ich weiß nicht“, brummte Cyntall zurück. „Man muss doch wissen wieso man weint?“, entgegnete Kerres. Natürlich wusste sie warum sie weinte. Sie weinte wegen ihrem Vater, der wahrscheinlich tot war und wegen dem Magister, sie weinte weil sie allein war, weil sie hilflos war, weil sie wütend war, weil….weil…weil einfach alles nur furchtbar war.

„Kümmere dich um deinen eigenen Kram und verschwinde“, fuhr sie den kleinen Jungen an. Kerres verschwand nicht. Er packte zwei kleine Tiegel aus und Pinsel dazu. Er nahm zwei der Holztiere aus dem Haufen und stellte sie vor sich hin. Cyntall konnte beim Herüberlinsen zwei Schreiter erkennen.

Einen begann er dann mit schwarzer Farbe zu bemalen und war im Nu an den Händen verschmiert. „Was zur Sonne machst du da?“, fauchte die kleine Elfe ihn an. „Wenn du meine Robe dreckig machst, dann kriegst du Ärger.“ Kerres sah sie etwas hilflos an. „Ich will einen Schreiter weiß bemalen und einen schwarz. Einer soll Piri sein und einer Amriel“, erklärte er und legte den Pinsel ab, der sofort einen schwarzen Klecks auf der Steinbank hinterließ. „Und ich will noch ein Einhorn für Aminurel bemalen. Das gefällt ihr sicher“, fuhr der Junge fort.

„Wieso sollte einer Magistertochter ein primitiv bemaltes Holztier gefallen“, gab Cyntall gehässig zurück. Es tat ihr aber sofort leid, als sie das bestürzte Gesicht des kleinen Jungen sah. „Ich meine“, fuhr sie schnell fort, „du musst es natürlich sehr sauber und ordentlich bemalen, damit es ihr gefällt.“ Kerres starrte auf den halb bemalten und schwarz tropfenden Schreiter, dann sah er sie verzweifelt an.

Cyntall seufzte tief, dann nahm sie die Füße von der Bank und wandte sich dem rotblonden Jungen ganz zu. „Den lassen wir mal trocknen“, ließ sie den halb bemalten Schreiter in die Luft fliegen. Kerres sah begeistert der kleinen Zauberei zu. „Du hältst den Schreiter an einem Bein fest und bemalst dann mit wenig…“, betonte sie das Wort, „…Farbe das Tier und lässt es trocknen. Dann bemalst du den Rest.“

Kerres nickte und machte sich ans Werk. Cyntall legte die Beine wieder auf die Bank und starrte nach draußen, ab und an linste sie zu dem eifrig werkelnden Knaben. Sie durchforschte sein Gesicht. Die Nase, die Augen, den Mund, die Wangen und die Haare. Sie fand nicht eine Spur ihres Vaters in dem Gesicht. Hatte er die Wahrheit gesagt und Kerres war wirklich nicht sein Sohn, sondern wirklich nur der Sohn seines Freundes um den er sich kümmerte? War ihre Eifersucht unbegründet?

„Der ist für dich“, hob ihr Kerres einen weiß bemalten Schreiter hin. „Piri soll das sein, damit du nicht mehr weinst“, fügte er an. Cyntall betrachtete den weißen Holzschreiter. Er hatte sich wirklich Mühe gegeben. Zum ersten Mal seit Wochen lächelte die kleine Elfe aus tiefster Seele. „Aminurel wird sich sicher über das Einhorn freuen. Du kannst noch schwarze Augen malen und die Farben etwas mischen, dann wird das Horn grau“, erwiderte sie Kerres. Der Junge nickte. „Ich gehe heute Nachmittag zu ihr. Bis dahin ist er trocken. Kommst du mit?“

Cyntall schüttelte leicht den Kopf. „Nein“, antwortete sie. „Aber musst du nicht zum Magister? Er ist doch dein Lehrer“, fragte Kerres weiter. Was sollte sie dem Jungen sagen? Würde er es in seinem Alter überhaupt verstehen? Wusste er, dass ihr Vater vielleicht tot war? „Magister Morgentau will die wenige Zeit bis zum nächsten Einsatz mit seiner Tochter verbringen“, erklärte sie. „Da störe ich nur.“

Kerres sah sie zweifelnd an. „Dann störe ich auch?“, fragte er unsicher. „Du nicht“, erwiderte Cyntall. „Wieso ich nicht?“, fragte Kerres weiter. „Weil du…“, überlegte die kleine Elfe wie sie aus der Situation wieder raus kam. Weil der Magister nicht böse auf dich ist? Weil der Magister nicht enttäuscht von dir ist? Weil der Magister nicht gesagt hat, dass er dich nicht mehr sehen will? Keine dieser Antworten schienen ihr geeignet für Kerres. „Weil das etwas anderes ist“, sagte sie schließlich. Das schien ihr nicht falsch. Sagte der Magister nicht auch immer, dass es bei ihm etwas völlig anderes war als bei ihr? Zu ihrer Überraschung gab sich Kerres damit zufrieden. „Dann grüß ich Aminurel von dir“, lächelte er und fing an Farben zu mischen.

Cyntall lehnte sich wieder zurück und beobachtete den Jungen, wie er nun mit Feuereifer das Einhorn verschönerte. Sie lächelte zum zweiten Mal an diesem Tag. „Wieso konnte es nicht alles so einfach sein? Wieso kann ich nicht seine Sorgen haben?“, dachte sie.

Am unteren Ende der Steintreppe wandte sich der alte Magister zu der Mutter des Knaben um. „Ihr habt einen sehr lieben Sohn“, lächelte Nufen die Elfe an. Sein Plan war aufgegangen. Er hatte zwar nicht das ganze Gespräch verfolgt, aber er hörte Cyntall nicht mehr weinen und das war definitiv etwas Gutes.

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