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Cyntall Eisflamme/Das Gegenwärtige

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~ Überlegungen ~

Die kleine Elfe war früh aufgestanden. Obwohl sie völlig erschöpft gewesen war, wollte der Schlaf nicht kommen. So leise wie möglich hatte sie sich aus dem Zelt geschlichen, indem der Magister noch tief und fest schlief. Jetzt jedenfalls. Auch er war lange wach gelegen, das hatte sie an seiner Atmung hören können.

Jetzt saß sie auf dem kleinen Absatz unweit des archäologischen Lagers und starrte über den See und die alten Ruinen. Sie hätten sterben können. Anstatt sie gefangen zu nehmen, hätten die Naga sie auch einfach töten können. Von jetzt auf gleich wäre alles vorbei gewesen. Gut, sie war schon früher in gefährlichen Situationen gewesen, aber da war immer…

Cyntall schluckte. Sie wollte den Gedanken, der ihr die Tränen in die Augen trieb und sie zittern ließ, nicht zulassen. „Du bist erwachsen…reiß dich zusammen“, schimpfte sie mit sich selbst. „Du brauchst ihn nicht!“ Brauchte sie ihn wirklich nicht?

Weswegen hatten sie sich eigentlich gestritten? Ach ja, die Elfe und ihr Sohn. „Du hast völlig überreagiert“, wisperte ihr ihre innere Stimme zu. „Hab ich nicht“, fauchte die kleine Elfe zurück. Er hatte sie belogen, jahrelang belogen, hatte ihr seine kleine Familie verschwiegen. „Du hast ihm keine Zeit gegeben es zu erklären“, flüsterte ihre innere Stimme erneut. „Was gibt es da zu erklären?“, brummte Cyntall zurück. Er hatte sie belogen. Punkt. Sie hatte keinen Vater mehr und somit auch keinen Großvater. Sie hatte niemanden. So wie früher. Und das war auch gut so. Sie wollte Magistrix werden und hatte ihr der Magister nicht gesagt, dass der Weg zur Macht recht einsam war? Irgendwie so hatte er sich ausgedrückt.

„Magister Morgentau“, dachte Cyntall und sah über ihre Schulter zu dem kleinen Zelt. Er war bei ihr. Er hatte gesagt, er würde sie beschützen. „Ich bin also nicht allein“, entgegnete sie ihrer inneren Stimme trotzig.

Die kleine Elfe nahm ein paar Kiesel auf, die sie nacheinander in die Tiefe plumpsen ließ. Ja, ihr Magister war immer für sie da. Auf ihn konnte sie sich verlassen. Er würde sie ausbilden und zur Magistrix machen. Dann hatte sie alles erreicht, was sie je wollte. Er war zu ihrer Ersatzfamilie geworden. Aber er hätte gestern sterben können. Und sie hätte noch ewig in dem Pferch sitzen können. Versklavt und bis zur Erschöpfung zur Arbeit angetrieben. Und er wäre nicht gekommen. Er hätte sie diesmal nicht gerettet.

„Vater…“, heulte Cyntall leise los. Diesmal hatten ihre Gedanken das Wort nicht verhindern können. Ärgerlich ließ sie die restlichen Kiesen den Hügel hinunter fallen und stand auf. Sie wollte nicht an ihn denken. Sie hatte keinen Vater mehr. Sie brauchte ihn nicht. „Ich bin nur da drüben am See“, erklärte sie der fragend schauenden Archäologin. Die kleine Elfe verließ den Hügel und ging zu dem kleinen See auf der anderen Seite der Straße. Sie kniete sich nieder und wusch sich das Gesicht. Im Spiegel des klaren Wassers konnte sie ihre geröteten Augen sehen.

„Hör endlich auf zu heulen“, maulte sie mit sich selbst. Der Magister musste nicht wissen, dass sie geweint hatte. Sie hatte ihm doch gut verkauft, dass sie ab jetzt eine selbständige und eifrige Schülerin war. Dass sie niemanden brauchte und völlig erwachsen war, dass sie sich nicht mehr durch diese blöden Gefühle von irgendetwas abhalten lassen würde. Hatte er ihr das abgekauft? Cyntall verzog leicht den Mund. Er hatte wenigstens nichts gesagt. Er mochte ihren Vater nicht, also war es ihm wohl ganz recht, dass sie ihn verstoßen hatte.

Aber der Magister würde nochmal in die Ruinen wollen, besonders seit sie ihm von den Büchern erzählt hatte. Wie ein juchzendes Kind würde er durch die Bibliothek springen. Und die Naga? Und die Geister? Was, wenn sie wieder angegriffen wurden? Sicher würden die Naga sie dieses Mal nicht entkommen lassen und die Geister waren doch völlig durchgeknallt. Sie würden… Cyntall sprang auf. Sie musste etwas tun. Sie wollte Magistrix werden und da durfte sie hier und heute nicht sterben. Also musste sie etwas tun. Das war völlig logisch.

Aber was? Hilfe anfordern? Dem Magister würde es sicher nicht gefallen, wenn sie hinter seinem Rücken Truppen anforderte. Und sie war sich auch gar nicht sicher, ob sie das einfach konnte. Sie könnte ihrem Vater schreiben….ausnahmsweise. Schließlich war es ein Notfall. Er würde sicher kommen. Das hatte er immer getan. Er würde sie retten.

„Das hast du doch von Anfang an vor gehabt“, flüsterte ihre innere Stimme. „Es ist ein Notfall“, fauchte die kleine Elfe zurück, „das hat überhaupt nichts mit unserem Streit zu tun.“ Cyntall rannte zurück ins Lager. Der Gedanke an ihren Vater und dass er kommen würde, beflügelten ihre Schritte. Vorsichtig linste sie ins Zelt, aber der Magister schlief noch. Sie trat an die Archäologin heran. „Habt ihr Schreibzeug?“, fragte sie und die Elfe nickte. Kurz darauf saß die kleine Elfe an einem Tisch und hatte ein Pergament vor sich und eine Feder in der Hand. Sie stutzte. Wohin sollte sie eigentlich schreiben? Und wie sollte sie ihn anreden? Schließlich sollte es nicht so aussehen, als ob sie ihm verzieh. Sie war immer noch böse auf ihn. Er sollte einfach nur kommen. Er sollte sie einfach nur retten. Sie wollte ihn einfach sehen. Alles Weitere würde sich finden. Sicher würde er sich bei ihr entschuldigen, würde seinen Fehler einsehen und dann…Ja, was dann? „Egal“, dachte Cyntall. Er sollte einfach nur kommen.

Sie adressierte den Brief an das Waldläuferhauptquartier in Dalaran. Sicher gab es da so etwas. Sicher würden sie den Brief an ihn weiterleiten. „Also wie beginnen“, dachte sie. ‚Lieber Vater‘, fiel weg. Schließlich war sie böse auf ihn. Die kleine Elfe kaute überlegend am Ende des Federschafts herum. Nach einer Weile begann sie zu schreiben.

Geehrter Späherhauptmann!

Ich möchte Euch hiermit in Kenntnis setzen, dass wir dringend Eure Hilfe benötigen.

Cyntall setzte die Feder ab. Konnte sie das so schreiben? Schließlich sollte es auch nicht so aussehen, als ob der Magister es nicht allein schaffte. Das würde ihm sicher nicht gefallen. Aber was sollte sie sonst schreiben? Er würde nur kommen, wenn sie tatsächlich in Todesgefahr war.

Wir waren bereits in Gefangenschaft und möchten diesen Ort nochmals untersuchen, sind allerdings nur zu zweit.

„Das klingt auch nicht viel besser“, murmelte Cyntall verzweifelt. Der Magister würde ihr den Kopf abreißen. Aber sie wollte nicht sterben. Sie wollte doch Magistrix werden. Und hatte nicht der Magister höchst selbst gesagt, dass man nicht mit Freundschaft und Nettigkeit weit kommt? Sicher würde er ihren Beweggrund verstehen. Die kleine Elfe kaute wieder zweifelnd an der Feder und schrieb weiter.

Wir sind an einem thalassischen Archäologieposten oberhalb den Ruinen von Nar’thalas in Azsuna. Bitte stoßt umgehend zu uns.

Ich verbleibe mit Dank Adeptin Cyntall Eisflamme

Die kleine Elfe versiegelte den Brief und übergab ihn der Elfe mit der Bitte, ihn umgehend nach Dalaran zu übersenden. „Das ist kein Problem“, lächelte die Elfe sie an. „Es geht täglich Post nach Dalaran, da gebe ich ihn mit.“

Cyntall trat leise in das Zelt und kuschelte sich wieder auf ihren Schlafplatz. Die Angst, die sie seit ihrer Gefangenschaft und der Flucht verspürt hatte, war gewichen. Ihr Vater würde kommen. Sie würde ihn sehen. Er würde sich sicher bei ihr entschuldigen und dann wäre wieder alles gut. Mit einem Lächeln schlief sie ein.

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