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Crade Kurzgeschichten
Der Fall von Theramore Test
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Ein langer Fall und ein harter Aufprall, begleitet von einem Platschen. Wo war er? Wasser drang in seine Lungen und etwas zog ihn nach unten. Instinktiv öffnete Crade den Mund und sog vor seinem Untertauchen panisch Luft ein. Er versuchte gegen zu halten, hinauf zu schwimmen. Vergebens. Deine Rüstung., blitzte es in seinen Gedanken auf. Hektisch riss sich Major Crade Jones die Plattenhandschuhe von den Händen und löste die Halteriemen von Schultern und Brustpanzer. Dann, mit letzter Kraft, die Plattenhose und die Stiefel. Dies alles dauerte nur Sekunden, Crade jedoch kam es wie eine Ewigkeit vor. Just in dem Moment, als das Stechen in seiner Brust unerträglich wurde und er instinktiv nach Luft schnappte, durchbrach er mit einem verzweifelten Schwung seiner Beine die Wasseroberfläche. Während die Luft wieder in seine Lungen strömte, meldete sich auch sein Erinnerungsvermögen zurück. Er war auf Theramore gewesen. Hatte es mit einer Vielzahl von Recken verteidigt. Die Horde war durchgebrochen und hatte das Stadttor zerstört. Während sich die Allianz-Kämpfer neu formieren wollten, hatte man einen Goblin-Zeppelin direkt über Theramore bemerkt. Dieser trug ein rundes Etwas mit sich, jedoch hatte sich zunächst keiner einen Reim auf den Zweck der Fracht machen können. Da es jedoch zweifellos ein mächtiges Instrument des Krieges gewesen sein musste, waren sie unverzüglich gen Wasser geflüchtet.


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Sie hatten verzweifelt versucht, im Hafen stand zu halten, doch die Lage war aussichtslos gewesen. Und in dieser unscheinbarsten aller Situationen, hatte sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter gelegt. Major Crade Jones, tätig im Oberkommando der Verteidigung Sturmwinds und derzeit durch eine Verkettung von Zufällen in Theramore gelandet, hatte nicht schlecht gestaunt, als er seine Cousine Varila Zelani vor sich erblickt hatte, ihres Zeichens Magierin der Kirin Tor. Blitzartig hatte man sich über die Gründe der Anwesenheit des jeweils anderen ausgetauscht - Varila war mit einer Delegation der Kirin Tor nach Theramore gekommen - und sich dann auf den Ansturm der Horde vorbereitet. Sie hatten Seite an Seite gekämpft, bis die Zauber, die die Magierin wob, nahezu völlig versagten. In diesem Moment war der Zeppelin über dem Magierturm der Stadt angelangt. Varila hatte mit von Schrecken geweiteten Augen hinauf geblickt und "Das ist es also." gemurmelt. Gerade als Crade nachfragen wollte und zu seiner Verwunderung bemerkte, dass einige Orcs den Zeppelin ebenfalls bemerkt hatten und Hals über Kopf den Rückzug antraten, wandte sich seine Cousine zu ihm um. Sie richtete entschlossenen Blickes und mit mystischen Worten auf den Lippen, ihre Hand auf seine Brust. Dann war die Welt verschwommen und sein Magen hatte sich umgedreht. Dann kam der Fall.

Wie ein Blitz durchzuckte es den schwimmenden Krieger. Theramore! Schnell blickte er sich um, bis er das Festland in der Ferne sah. Von Theramore stieg Rauch auf. Crade schluckte. Er glaubte, Ruinen zu sehen und Gestalten an den Docks. Waren es Menschen? Orcs? Nicht zu erkennen. Wie betäubt wandte er sich um. Seine Arme schmerzten, immerhin hatte er gegen die Horde gekämpft, sich den Schildarm gestaucht und hielt sich nun gerade so über Wasser. Sein Gehirn reduzierte die Denkleistung und richtete sich auf "Überleben" aus. Er erinnerte sich an die Karte der Marschen, rief sich die kleine Insel im Nordosten von Theramore ins Gedächtnis. Arcaz? Ancaz? Egal. Nach kurzer Orientierung wand er sich um und machte die Insel schließlich aus. Er war weitaus näher daran als an Theramore - zumal er dort ungerüstet und ohne Waffen hätte an Land gehen müssen - diese lagen nun wohl entweder am Strand Theramores oder auf dem Grund des Meeres. Zudem war es mehr als wahrscheinlich, dass die Horde bereits den gesamten Uferbereich gesichert hatte.

Mechanisch paddelte er, schluckte einmal salziges Meerwasser hinunter, als seine Arme ihm den Dienst versagten. Mit letzter Kraft und nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit spürte er schließlich wieder Boden und den Füßen und konnte sich an Land schleppen. Dort rollte er sich auf den Rücken und wartete darauf, dass sein Atem sich beruhigte. Schließlich brach alles über ihn herein. Die letzten Tage der Anspannung. Die Konflikte der Adeligen. Die Suche nach dem Spion. Und schließlich die Schlacht um Theramore, deren Ausgang ihm ungewiss war. Langsam verschwamm die Welt um ihn herum und ehe er sich versah, war er eingeschlafen.


Ein wildes Fauchen riss ihn jäh aus seinen unruhigen Träumen. Als Crade erwachte, stand die Morgensonne bereits hell am Himmel und sein Schildarm fühlte sich an, als hätte man ihn als Nadelkissen missbraucht. Nun, ausgeruht und mit etwas Abstand realisierte der Soldat die Geschehnisse des Vortags. Sie hatten höchstwahrscheinlich verloren. Theramore war von der Horde eingenommen worden - nach allem, woran er sich erinnerte, hätte nur ein Wunder ihnen in dieser Situation zum Sieg verhelfen können. Seine Mitstreiter waren höchstwahrscheinlich tot, ebenso Varila. Die sich für ihn geopfert hatte. Und er war gestrandet auf einer einsamen Insel - und das nicht einmal bewaffnet oder gar gerüstet. Erneut vernahm er das Fauchen, das ihn schon zuvor geweckt hatte. Als er sich umsah, erblickte er im seichten Wasser nahe des Strands drei echsenartige Köpfe, deren Hälse immer länger wurden. Eine Hydra stieg aus dem Wasser, offenbar keinerlei Notiz von ihm nehmend. Das vielköpfige Ungeheuer kroch in Richtung des Inselinneren und es dauerte nicht lange, da erblickte Crade noch zwei Hydras mehr im seichten Gewässer vor der Insel.

Ächzend erhob er sich - wieder einmal dankten es ihm seine alten Knochen mit einem gut gemeinten Knacken - und wartete, bis die Hydra den Strand verlassen hatte. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass die Bestien im Wasser weit genug raus geschwommen waren, sprintete er hinüber zur anderen Seite des Strandes - nicht, ohne dabei den kleinen Landesteg und die zwei Aussichtstürme dahinter zu bemerken. Scheinbar war die Insel doch bewohnt. Vielleicht war noch nicht alles verloren. Darauf bedacht, nicht übermäßig laut zu sein, erklomm er einen der Hügel um sich einen besseren Überblick verschaffen zu können. Die Sicht auf Theramore war von dort aus nicht wirklich besser und als er in Richtung des Inselinneren blickte, sank seine Laune erneut. Er machte Naga-Sirenen aus, die die Hydras wie Haustiere streichelten und sich unterhielten. "Naga." , entfuhr es ihm leise und mit unverholener Ironie. Schließlich war er vom Regen in die Traufe geraten. Diese Schuppenmonster würden ihn gewiss in der Luft zerfetzen, wenn sie seine Anwesenheit bemerkten. Doch das Schicksal meinte es nicht völlig schlecht mit dem altem Krieger. Hinter dem Hügel, außer Sichtweite der Inneninsel, befand sich ein alter Leuchtturm mit zugehöriger Hütte. Schnell war Crade hinab geklettert und fand die Tür des Turms unverschlossen vor. Entweder war dieser derzeit nicht besetzt oder aber man hatte ihn aufgegeben, in jedem Fall bot er gewiss bessere Sicht auf die Inselstadt Theramore.

Als Crade ganz oben im Ausguck angekommen war, fand er sogar ein Fernrohr. Sogleich ging er nach vorne an die Abgrenzung und richtete es auf die Insel. Was er erblickte, ließ ihn aufschreien. Die Stadtmauer existierte praktisch nicht mehr. Dahinter schien die gesamte Insel in den Boden abgesackt zu sein, einzig die Ruinen der Wehrtürme standen noch, eher schief als gerade und zudem auch in Flammen. Von Lady Proudmoores Magierturm, der in der Stadtmitte gewisserweise das Wahrzeichen Theramores gewesen war, war nichts mehr zu sehen - einzig ein violettes Glühen zuckte zeitweise von dort in den Himmel hinauf. Theramore war nicht erobert worden. Theramore war zerstört. Das Fernrohr fiel mit einem Klirren zu Boden, als Crade zurück an die Turmwand taumelte, ungläubig in die Richtung blickend, in der sich die Stadt befand. Befunden hatte. Er hatte viele Tode gesehen, viel Zerstörung. Anduin Lothars Tod, der Fall Sturmwinds, Kämpfe gegen die Horde, den Kataklysmus. Letzterer jedoch war von einem uralten, wahnsinnigen Drachen-Aspekt ausgelöst worden, nicht von einem verrückten Orc. Die Zerstörung, die Todesschwinge mit sich gebracht hatte, war natürlich gewesen; sicher, er hatte den Impuls gegeben, aber die Natur hatte den Rest getan. Aber das hier war etwas völlig anderes. Hier war nichts natürliches geschehen. Der bloße Gedanke daran, dass die Horde über derartige Macht verfügte, ließ ihn sich auf der Stelle übergeben.


Krieg war niemals etwas erfreuliches, das wusste Crade als alt gedienter Soldat. Es war ihm klar, dass aus einem Krieg nur Verlierer hervor gehen konnten, denn weinte man nicht wegen der Niederlage, dann um die, die für den Sieg ihr Leben gelassen hatten. Er erinnerte sich an die Zeit zurück, in der Kriege noch mit Armeen geführt worden waren. Ein Sieg über den Feind auf dem Schlachtfeld oder ein ehrenhafter Tod auf selbigem. Taktik statt Magie. Stahl statt Explosionen. Krieger statt Feiglingen. Er erinnerte sich daran, wie er, mit vielen anderen damals um Anduin Lothar getrauert hatte, den letzten Helden der Arathi. Doch jener war kämpfend und erhobenen Hauptes gestorben und niemand hatte bestritten, dass sein Gegner, der Orc Orgrim Doomhammer, ehrenhaft gekämpft hatte. Aber das hier war... pervers. Es hatte zwar auch "altmodische" Kämpfe gegeben, doch als die Horde diese Bombe eingeflogen hatte- dass die Kugel am Zeppelin für diese Zerstörung verantwortlich war, stand für Crade mittlerweile außer Frage - hatten selbst die Krieger der Horde panisch die Flucht ergriffen. Zweifellos musste die Explosion auch eine beträchtliche Anzahl an Grünhäuten getötet haben.


Während stumme Tränen, begleitet von Bildern der Personen und Handlungen der letzten Tage, ihren Weg über seine Wangen suchten, stand Crade langsam auf. Gerade als er sich nach etwas alkoholischem umsah, um die besagten Bilder los zu werden, hörte er ein Flügelschlagen vor dem Turm. Instinktiv ging er in Deckung und spähte hinaus. Was er erblickte, ließ sein Herz einen Sprung machen. Auf einem Greifen, dessen goldweißes Gefieder blutverschmiert war, saß seine Cousine Varila, den Blick auf die Insel Alcaz gerichtet. Sie musste irgendwie überlebt haben und war nun wohl auf der Suche nach ihm. Woher sie das Tier hatte, war ihm allerdings schleierhaft. Schnell trat er hinaus und stieß einen schrillen Pfiff aus. Varila, deren Mimik wie immer nichts über ihr Innenleben verriet, wandte den Greifen in der Luft und flog sogleich zu ihm herüber. "Shhht! Sei still!" , schalt sie ihn. "Oder willst du, dass wir gleich die Naga und ihren Drachen am Hals haben?" Crade, einerseits verletzt durch die mangelnde Freude seiner Cousine, ihn gesund und lebendig zu sehen, andererseits verwirrt, fragte nur: "Was für ein Drache?" Varila deutete ihm erneut, zu schweigen. Dann antwortete sie, beinahe flüsternd: "Das verdammte Biest, das die Insel umkreist. Du hast Glück, dass es dich noch nicht gesehen hat! Und nun schwing deinen Hintern auf den Greif!" Mit diesen Worten reichte sie ihm ihre Hand als Aufstiegshilfe. Crade, der seelisch noch immer die Geschehnisse der letzten Stunden verarbeitete, nickte nur mechanisch und tat, wie ihm geheißen. Sofort startete Varila durch und sie ließen die Insel Alcaz hinter sich. "Wie hast du mich gefunden?" , fragte Crade nach einigen Sekunden. "Ich wusste in etwa, wohin mein Zauber dich schicken würde. Von dort aus war es nicht allzu schwer, zu erraten, wohin du schwimmen würdest." Crade runzelte die Stirn. "Warum hast du das überhaupt getan? Ich bin Soldat, man hat sich auf mich verlassen. Ich hätte weiterkämpfen müssen." Varila schüttelte den Kopf. "Du hättest schwerlich etwas gegen das Kommende tun können. Du hast gesehen, dass ich die Manabombe am Zeppelin erkannt habe. Und ich kenne dich, Cousin. Es war einfacher, dich aufs Meer hinaus zu schicken, als dir zu erklären, was eine Manabombe ist und wie sie meine Zauber beeinträchtigt. Sei froh, dass du nicht in Orgrimmar gelandet bist." Crade nickte nachdenklich. "Abgesehen davon..." , sie setzte an, beendete den Satz jedoch nicht. Crade wusste, was sie sagen wollte. Er hatte im Zweiten Krieg bei der Schlacht um Lordaeron seine Familie verloren und auch Varilas Familie war der Horde zum Opfer gefallen. Er hatte nur überlebt, weil er sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Hauptstadt befunden hatte, Varila war bei den Kirin Tor in Sicherheit gewesen. Sie war alles, was er noch an Familie besaß; ihr erging es nicht anders.

Sanft drückte er die Schultern seiner Cousine, die daraufhin kurz das Haupt senkte - Crade bildete sich sogar ein, ein erleichtertes Aufatmen gehört zu haben. Der Greif überflog mittlerweile das Festland und Crade konnte in einiger Entfernung das tatsächliche Ausmaß der Zerstörungkraft der Manabombe sehen. "Theramore..." , begann er. "... ist nicht mehr." , kommentierte Varila grimmig. Sie blickte starr nach vorne und er konnte es ihr nicht verdenken. Ein solches Ereignis ging an niemandem spurlos vorbei. "Wie hast du eigentlich überlebt?" , fragte Crade vorsichtig. "Nachdem ich dich in Sicherheit gebracht hatte, brach Chaos aus. Die Horde floh und ich sprang ins Wasser. Wo eine Manabombe dieser Größe hinfällt, bleibt nicht viel bestehen, wie du ja gesehen hast." Crade nickte, Varila murmelte nachdenklich: "Die Fokus-Iris in eine Manabombe zu verwandeln... das ist Wahnsinn." "Was?" , frage Crade, sie jedoch schüttelte nur den Kopf. "Schon gut. Jedenfalls habe ich es gerade so geschafft. Der Detonationsradius war enorm und selbst mit einem instabilen magischen Schutzschild unter Wasser hat es mich hinaus ins Meer gespült. Ich habe die Insel dann umrundet und bin an Land gegangen. Das Glück wollte es, dass ich am Nordstrand dieses verletzte Tier fand. Es muss beim Angriff geflohen sein - ein Pfeil steckte in seiner Hinterläufe. Ich habe es notdürftig verarzten können." Erneut runzelte der Soldat fragend die Stirn. "Wieso hast du mich dann erst heute gesucht?" Varila schnaufte. "Ich habe mir die Nacht damit um die Ohren geschlagen, das Meer abzusuchen, mein lieber Cousin. Ich muss gestehen, der Gedanke, von dem Translokationspunkt aus zu suchen, kam mir erst nach ein paar Stunden Schlaf." Crade gab sich mit dieser Antwort zufrieden. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie bereits den Rand der Marschen überflogen. "Wohin fliegen wir eigentlich?" , wandte er sich erneut an seine Cousine. "Zur Mondfederfeste, nach Feralas. Von dort aus sollte man uns zwei gesunde Hippogryphen geben können, mit denen wir nach Teldrassil gelangen. Von dort aus geht ein Schiff nach Sturmwind." Crade konnte es nicht leugnen, Varila hatte ihren Beruf, als Agentin der Kirin Tor, nicht verfehlt. Er war froh, dass er diese lange Reise nicht alleine tun musste und zudem in seiner Cousine noch jemand ortskundigen hatte. Und er wusste, dass sich in den nächsten Monaten viel verändern würde. Und auch er würde sich verändern. Mit diesem feigen und hinterhältigen Angriff hatte der Feigling Garrosh Hellscream mit seiner verdammten Horde den Konflikt auf eine neue Ebene gehoben. So wie er seinen König kannte, würde Varian Wrynn Garrosh nun alles entgegen werfen, was er hatte. Und Crade würde dabei sein. Würde bei den feigen Bastarden, die so viele Leben auf ehrlose und grausame Art genommen hatten, den Blutzoll einfordern.

Und nicht nur das. Er würde sich trotz seines Alters genauer mit den Lehren des Lichts beschäftigen, die ihn schon seit einiger Zeit in seinem Alltag begleiteten. Er würde sich von einem Paladin unterweisen lassen, um die gerechte Strafe des Lichts zu jenen zu tragen, die für diese Katastrophe verantwortlich waren.

Wenn die Horde nach dreißig Jahren des Krieges noch dazu lernen konnte, dann konnte er es auch.

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