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Cazimirs Geschichten/Die Mutprobe

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Cazimirs Geschichten Mutprobe Fleisch Platzhalter lawlz.

"Du traust dich nicht, man.", lachte der kleine, schwarze Kerl vor ihm, schüttelte spöttisch den Kopf, "stimmt doch Leute, oder nich'?", die Kindergruppe lachte, nickte und buhte. Cazimir stand bloß da, viel zu groß geraten für sein Alter, viel zu breit. Normalerweise hatten die Leute Respekt vor Größe und Kraft, aber Kinder nicht. Diese Kinder nicht. Sie waren zuviele. Die Sonne hielt wie ein viel zu großer Scheinwerfer auf das Geschehen mitten am Strand von Lands End, brannte heiß auf der Haut. Cazimir schwitzte, der Schweiß lief ihm kühl den Rücken herunter und die Kinder, die etwa in seinem Alter waren, standen mit triumphierendem Grinsen um ihn rum. "Wenn du nichts fühlst, dann kannst'es ja einfach machen. Dann tut's dir ja auch nich' weh, du Versager.", sagte der vielzuklein geratene Gruppenführer und verschränkte mit fiesem Blick die Arme vor der schmalen Brust. "Du bist nur 'n Schauspieler, man. Du brauchst Aufmerksamkeit oderso. Bitteschön!", ein Mädchen warf mit einem Stein nach Cazimir. Traf ihn am Hinterkopf, er regte sich nicht. Er stand stumm da, sein Blick lag matt und nüchtern auf der Gruppe von Menschen, die ihn nicht ausstehen konnten, weil er zu still war. Neben ihm stand eine Kohlepfanne, ein Feuer loderte zusätzlich zu dem sonst schon so heißen Tag. Etwas Schweiß tropfte ihm vom Kinn, fiel dampfend auf den heißen Sand. Bullenartiges Schnaufen, Protest. Zustimmung.


"Gut.", ertönte die tiefe Stimme des jungen, schwarzen Burschens. Er schaute zu den Kindern hinab, nickte matt. Der kleine Kerl sprach: "Was 'gut.'? Du machst's?", blinzelte er mit leichter Verwunderung, die er aber sofort gekonnt mit einem selbstsicheren Lächeln überspielte. Nicht beirren lassen. Es war Mittag. Die Sonne stand, beschaute sich von oben das Kindertheater, das typische Schauspiel, das sich jeden Tag bot, heute gab es bloß einen Unterschied. Heute gaben sie ihm eine Chance. Es war alles wie immer.


Cazimir wendete sich mit langsamer, schwerfälliger Bewegung der Flamme zu, starrte hinein. Es war windstill, sie loderte brennend heiß vor sich hin, züngelte verführerisch, als wenn sie ihn fordern wollte, die Hand herein zu strecken. Genauso, wie die Kinder es forderten. Es war wohl so. Cazimir betrachtete seine Hände. Sie waren unversehrt, groß und klobig, genauso wie der Rest seines Körpers. Er war Rechtshänder. Feuer zerbrannte die Haut, das Fleisch. Das heißt, er musste die linke Hand nehmen, weil er sie weniger gebrauchen konnte. Ungeduldig stemmte der schwarze Knirps in der Gruppe die Fäuste in die Hüfte, keifte: "Mach' schon, Feigling!". Feige Leute waren schlecht. Cazimir hob langsam die Hand über die Flamme, senkte sie gemächlich. Es wurde still. Der Wind stand, die Gruppe stand, das Bild stand. Das Gegackere der Mädchen hielt inne. Das aufgeregte Tuscheln stoppte, der Atem wurde im Chor tief eingezogen, verstummte. Spannung.


Leises Zischen ertönte. Der Geruch von Fleisch machte sich breit, erfüllte die Luft. Die Kinder schluckten, starrten gebannt in die Flamme, die in furchtbarer Ruhe in das schwarze Fleisch fraß, langsam die Haut von den Fingern schälte. Cazimir stand da, regte sich nicht. Er schwitzte, hielt stumm die Hand ins Feuer, wie sie es gefordert hatten. Er tat es für Respekt. Ein Mädchen fing an zu kreischen, verstummte als es von einem der Jungen umgestoßen wurde und wimmerte schließlich bloß. Es blieb still, bloß Cazimirs Atem ertönte kräftig und tief und ertönte im Einklang mit dem langsamen Zischen. Die Zeit verging in Stunden, Cazimir hielt die Hand auf. Drehte die Handfläche in Richtung der Gruppe. Blut strömte sein Handgelenk hinunter, über die tiefschwarze Haut, über das, was noch übrig war. Es störte ihn nicht. Es war alles wie immer. Nur mit Respekt. Der Gruppenführer ergriff zuerst das Wort, stotterte: "T-Tu nicht so, als würde das nicht weh tun!", schrie er, stolzierte mit zwei großen Schritten auf Cazimir zu.


Er griff mit fiesem Grinsen in die verbrannte Hand, in das verstümmelte Stück Fleisch, den blutgetränkten, verkohlten Knochen, starrte Cazimir an. Keine Regung. Für einen Moment Stille. "Das macht man nicht.", sagte Cazimir, riss die rechte, wohlbehaltene Hand vor, drückte den Jungen zu Boden. Plötzlich wieder Ton, Gekreische, Gemurmel, Gezische, Angst. Der schwarze Riese presste den Jungen in den Sand, schnaufte bullenartig. Er schlug zu. Die Lippe platzte, das sah er, machte weiter. Holte auch mit Links aus, es war alles wie immer. Er wurde provoziert. Wenn man provoziert wurde, konnte man zuschlagen. So erschaffte man sich auch Respekt. Mit Gewalt. Er bespränkelte das runde Gesicht des Jungen vor sich, er heulte auf. Sie packten Cazimir an der Schulter, zerrten an ihm, versuchten ihn zurückzureißen, weg von ihrem Freund. Cazimir schlug erneut zu, legte die Hände an den dürren, knorrigen Hals des Jungen, drückte zu. Gnadenlos. Man provozierte soetwas nicht. Das hatte immer Gewalt zur Folge, Gewalt verschaffte Respekt. Cazimir verschaffte sich Respekt, wenn sie ihn ihm nicht gaben, verschaffte er ihn sich.


Der Junge zappelte erregt, schlug um sich, strampelte. Er wimmerte, die Augen weit aufgerissen. Auf Cazimirs Gesicht keine Regung, keine Emotion. Kein Hass, keine Wut. Er tat es nicht aus dem affekt, weil er das nie tat. Er tat es, weil sie ihn so akzeptierten. Das erhöhte seine Chancen, zu überleben. Sie packten Cazimir mittlerweile zu dritt, an den Schultern. Ein weitere griff ihn um den Hals, zerrte. Cazimir stemmte sich nach vorne, musste nachgeben. Zu wenig Körpergefühl. Zu wenig Gewicht. Zu wenig Kraft.


Er riss die Augen auf, starrte nach oben. Übersicht wahren. Sonne. Sie lachte nicht. Sie weinte nicht. Sie war grau, still. Flackerte vor sich hin. Man konnte blind werden, wenn man in die Sonne sah. Zu lange. Ein Schatten, Cazimir lag auf dem Rücken, ein Schatten über ihm. Zwei Jungen hielten einen Stein, kopfgroß. Sie weinten. Menschen weinten, wenn sie traurig waren. "Er ist tot!", wimmerte ein Mädchen vor ihm, bevor die Buben den Stein an seine Stirn und ihn somit bewusstlos schlugen. Stille.

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