Fandom

Die Aldor Wiki

Avaniel: Kinderzeiten

15.295Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Diskussion0 Teilen

Versunken saß das Elfenmädchen auf dem Fußboden eines luxuriös eingerichteten Zimmers, vor sich auf dem Boden ausgebreitet eine stattliche Anzahl von Asseln, Spinnen, Käfern und sogar ein (offenbar toter) Falter, dazu ein paar Blätter, Steinchen und anderer... Unrat, der Inhalt der Taschen des kleinen Blondschopfes. Konzentriert beugte sie sich über ein großes Buch, das aufgeklappt auf ihren elegant untergeschlagenen Beinen ruhte, und schob einen schillernden Käfer auf den farbenbrächtigen Bildern in dem Buch hin und her. Langsam buchstabierten ihre Lippen fremdartige Worte: Ta-na-ris... Un-go-ro... Sie stellte sich vor, ihre Käfer wären groß, und von weit her, stellte sich vor, sie würde einen entdecken, den noch niemand vor ihr gefunden hätte, oder... oder sie würde sie alle finden, jede Käfersorte in ganz... ganz Tanaris, jawohl! Wo auch immer das sein würde... Aber es wäre bestimmt spannend, es zu sehen.

"Prinzessin Avaniel! Prinzessin Avaaaaaniel!" Schritte hallten draußen, und das Kind klappte eilig das Buch zusammen, plättete dabei vor lauter Eile den Käfer zwischen den Seiten, und versuchte hastig, die anderen Viecher mit dem Fuß unter das Bücherregal zu schieben, jedoch es war zu spät. Die Tür ging auf, und eine ältere Elfe erschien. Deren Blick verfinsterte sich sofort, als sie den Dreck auf dem Boden und dem Kleid der Kleinen bemerkte. "Eirinnonve Avaniel! Ihr seht wieder einmal absolut unvertretbar aus. Ihr werdet euch SOFORT umkleiden, und zum Essen erscheinen, sobald ihr wieder präsentabel seid. Habt ihr etwa schon wieder Insekten aus der Gartenmauer geklaubt?"

Das zierliche Mädchen senkte den Kopf, und sah zur Seite. Sollte sie doch reden, bald würde sie auf die Schule kommen, und dort.... "Ihr werdet eurem fürstlichen Herrn Vater beichten, daß ihr wieder einmal seine Bücher durcheinander gebracht habt. Verstehen wir uns, Prinzessin? Was für ein Glück für euch, daß er euch auf die Schule schicken wird. Dort wird man euch sicher angemessene Manieren beibringen, und ihr werdet zu wenig Zeit haben, um noch mit Käfern und... und ASSELN...", sie sprach das Wort voller Abscheu aus, "...zu spielen."

Avaniel schob die Insekten auf dem Fußboden zusammen, und steckte sie murrend in ihre Rocktasche zurück, was ein empörtes Zungeschnalzen auslöste. Das Elfchen kicherte. Zack, hatte sie sich eine Kopfnuss eingefangen.

Gesenkten Hauptes, jedoch die hinter ihr fortdauernde Tirade ihrer Erzieherin weitgehend ignorierend, trabte das Mädchen in ihr Zimmer, um sich umzuziehen, und hing ihren eigenen Gedanken nach. Wenn die Schule wirklich so streng war... vielleicht wollte sie doch lieber hier bleiben, wo man sie den Tag über weitgehend vergaß, sobald sie ihre morgendlichen Stunden absolviert hatte? Sie würde ihren Vater fragen, am besten gleich heute, da sie ihm ja ohnehin den zerquetschten Käfer in dem Prachtband erklären mußte, und noch bevor er wieder abreiste.

Frisch gewaschen und sauber angekleidet erschien sie einige Zeit später zum Abendessen, und grüßte mit einem höflichen Knicks ihre Eltern. Ihre Mutter lächelte ihr wohlwollend zu, während ihr Vater sie von oben bis unten musterte. Hinter ihr erschien wie ein drohender Schatten ihre Erzieherin.

"Du wolltest mir etwas sagen, mein Kind?"

Avaniel trat die Flucht nach vorn an. "Herr Vater, mir ist..." Sie legte sich ihren Satz sorgfätig zurecht, bevor sie weitersprach. "Herr Vater, mir ist beim Studium in eurer wundervollen Bibliothek wohl ein Käfer in einem Buch ...kaputtgegangen... und ich glaube, er hat einen Fleck hinterlassen."

Der Fürst machte ein ernstes Gesicht, ihre Mutter schüttelte nur den Kopf. "Soso, ein Fleck in einem Buch, ja? Mein Kind, Bücher sind kostbar, und du mußt lernen, mit ihnen respektvoll umzugehen, wenn du sie benutzen möchtest. Sonst werde ich die Bibliothek abschließen, wenn du das nicht schaffst."

Die kleine Elfe ließ die Ohren hängen und nickte schuldbewußt. "Ich werden den Fleck entfernen, ganz gewiß. Und in Zukunft aufmerksamer sein!" Eirinnon Fhirannor streckte die Hand nach seiner jüngsten Tochter aus und legte den Arm um sie. "Tue das, es wäre doch schade, wenn die Bücher alle voller zerdrückter Käfer wären. Und den Fleck... lasse besser in Ruhe, sonst wird er noch größer." Der Fürst drückte sein Töchterchen an sich, und wuschelte ihr über das Haupt, welches ihn, obwohl er saß, noch nicht überragte.

Avaniel wagte aufzuatmen. Aber da war ja noch etwas.... Sie sah zu ihrem Vater hoch, blickte in die blauen Augen unter dem hellblonden Haar. "Vater? Vatiiiii? Die Schule... muß ich da schon hin? Ich bin doch eigentlich noch etwas zu klein dafür, oder? Fhiranduriel war doch auch älter, das weiß ich." Hinter sich hörte sie das scharfe Einatmen ihrer Erzieherin. Jedoch ihr Vater schaute zu ihr herab, und seine Antwort erleichterte sie. "Wenn du Angst hast, können wir das sicher noch ein paar Jahre verschieben... Es eilt ja nicht bei dir." Nein, bei ihr eilte es nicht, wer war sie denn schon? Das vierte Kind, die zweite Tochter... da konnte man das alles wohl etwas entspannter sehen, zumal ihre Schwester Fhiranduriel vermutlich in wenigen Jahren eine vielversprechende Verbindung eingehen würde, und ihr ältester Bruder schon vorteilhaft verlobt war. Vielleicht würde er auch bald einen Erben haben, und Avaniel hoffte nicht ganz unbegründet, daß ihr Vater unter all den bedeutungsschweren Ereignissen, die in den kommenden Jahren anstanden, es schlicht vergessen würde, sie auf die Schule zu schicken. Immerhin waren zwei Hochzeiten und ein Thronfolger zu erwarten.

Der Elf küßte seine Tochter liebevoll auf die Stirn, und drückte sie nocheinmal kräftig. "Das werden wir dann alles sehen, wenn die Zeit kommt. Jetzt setze dich zum Essen, deine Mutter wartet schon."

...

In der Tat geschah es des öfteren, daß Fürst Eirinnon Fhirannor die Existenz seiner jüngsten Tochter vergaß. Nun ja, vielleicht nicht ganz ihre Existenz, aber die nächsten Schritte ihrer Erziehung ins Werk zu setzen, das schon. Kam sie ihm unter die Augen, betrachtete er sie mit großer Zuneigung, und konnte ihr kaum lange böse sein, fand er doch trotz ihres zarten Alters soviel von sich selber in ihr wieder. Er verfolgte ihre Entwicklung mit einem leicht distanzierten Interesse, etwa so, wie man einen exotischen Käfer beobachten würde: Neugierig, aber ohne ihn groß zu stören. Und ein kleiner Käfer, das war sie. Sie hatte das strohblonde Haar des Fürsten geerbt, und nicht die wunderbaren seidig-schwarzen Kaskaden ihrer Mutter. Ihr Gesichtchen war ebenmäßig, aber es verriet schon jetzt, daß es niemals die nahezu perfekte Schönheit aufweisen würde, die ihre Schwester und ihre Mutter besaßen. Auch begann das Kind, obzwar noch jung, jetzt schon in die Höhe zu schießen. Vermutlich würde es nicht so einfach werden, einen passenden Gatten für sie zu finden, wie es bei ihrer anmutigen Schwester gewesen war, und ihre Angewohnheit, sich die Taschen mit Krabbeltieren zu füllen oder stundenlang den Wuchs einer Pflanze zu studieren, half auch nicht eben.

Allerdings konnte Eirinnon Fhirannor in dieser Hinsicht gelassen bleiben: Sein Erstgeborener, welcher ihm dereinst als Familienoberhaupt nachfolgen würde, hatte eine annehmbar intelligente und durchaus liebenswerte Gattin aus guter Familie, und die beiden erwarteten zur Freude aller Nachwuchs. Auch seine ältere Tochter hatte vor wenigen Jahren ihren Bund zelebriert und das Haus verlassen. Sie hatte ihre Wahl klug getroffen, und der Fürst hatte der Verbindung nur allzu gern zugestimmt. Und selbst sein zweiter Sohn, obgleich bislang ein wenig eigenbrötlerisch, begann Interesse an der Damenwelt zu zeigen. Eine junge Frau, die wie er bei den Waldläufern diente, hatte seine Blicke auf sich gezogen, und sein Vater wußte wohl von der sich anbahnenden Affäre, und billigte sie durchaus.

Blieb also seine Jüngste. Das vierte Kind. Eine Seltenheit in den Adelshäusern Quel'Thalas', und ein lebhaftes Zeugnis der anhaltenden Zuneigung des Fürsten für seine Gattin Valmadea. Auch wenn sie sich in den Augen ihres Vaters gut entwickelte, so würde ihr doch eine weitergehende Ausbildung als sie hier im Hause möglich war nicht schaden, zusammen mit etwas gesellschaftlichem Schliff. Vielleicht ließe sich später ein Platz an einer Akademie für sie finden, das würde ihr sicher gefallen und ihrer unersättlichen Neugierde entgegenkommen. Und wer weiß, vielleicht würde sich ja eines Tages jemand finden, der das seltsame Kind mit genausoviel Zuneigung betrachtete, wie ihr Vater es tat.

Eine Schule also. Die Auswahl fiel nicht schwer, war eigentlich schon vor Jahren gefallen, und überhaupt kamen nicht mehr als zwei in Frage. Jedoch war Fürst Eirinnon immer wieder darüber hin gekommen, sein Nesthäkchen dort auch anzumelden. Seufzend erhob er sich, und rief nach Meister Sonnentau, seinem Verwalter. Es wäre gut, diese Sache noch vor seinem Aufbruch in das Arathigebirge unter Dach und Fach zu bringen, damit sie nicht wieder in Vergessenheit geriete. Einige Jahre wäre die Kleine dann aus dem Haus, aber das war wohl von Nöten. Und vielleicht, ja, vielleicht würde sie ihn nach ihrer Schulzeit auf seinen Studienreisen begleiten. Er sah jetzt schon vor sich, wie ihre Augen da strahlen würden...

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki