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Angst und neues Leben

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Du vertraust mir nicht.

Von jedem Anderen hätte Eolarios diese Worte erwartet. Nicht jedoch von seiner eigenen Frau. Er hatte sie geheiratet. Sie in sein Haus gelassen, ihre Kinder aufgenommen wie seine Eigenen. Zählte das denn gar nichts? Sie kannte soviel von ihm. Sie wußte, wie es ihm geht. Ja, sie wußte sogar, was er denkt. Wenigstens glaubte er das, in den meisten Fällen. Oft genug hatte sie dafür gesorgt, dass er Dinge tat, die er nicht wollte, die aber dennoch gut für ihn gewesen waren. In letzter Zeit realisierte Eolarios das immer wieder.

Du vertraust mir nicht.

Wie ein Schlag ins Gesicht hatten ihn ihre Worte getroffen. Natürlich vertraute er ihr. Er mußte. Sie war ständig bei ihm und er teilte sogar sein Bett mit ihr. Sie erwartete seine Kinder. Natürlich vertraute er ihr. Wie konnte er sie sonst in seine Nähe lassen. Es war nicht Mißtrauen, das ihn davon abhielt, ihr alles zu erzählen. Er hatte Angst. Angst, sie zu verlieren. Nicht, dass sie ihn verlassen würde. Sie würde nicht gehen, sie liebte ihn, er liebte sie. Dessen war Eolarios sich sicher. Doch die Geburt rückte immer näher und Scarlet erwartete Zwillinge. Es würde schwer werden.

Immer wieder sah Eolarios bei diesem Gedanken Madeleine vor sich. All das Blut, den Moment, in dem sie aufgehört hatte zu atmen. All die Stunden, die er an ihrer Seite gesessen hatte, das kleine neugeborene Wesen in den Armen, das unbedingt zu seiner Mutter gewollt hatte. All die Angst, die er damals um sie durchgestanden hatte. Bereitwillig hätte er sich damals an Madeleines Statt dort hingelegt, wäre gestorben, damit sie leben konnte.

Eolarios konnte und wollte das nicht noch einmal erleben. Vor allem aber wollte er nicht, dass Scarlet so etwas durchmachen mußte. Sie hatte schon genug Schrecken erlebt und am eigenen Leib erfahren. Es war genug. Nie wieder sollte sie Leid erfahren. Zwei Kinder zur Welt bringen würde anstrengend genug für sie werden. Alles würde Eolarios dafür tun, damit es ihr gutging. Immer wieder hatte er in den letzten Wochen versucht, Ärzte aufzutreiben. Hunderte, wenn es nötig war. Er würde dafür sorgen, dass alles bereit war, jede Eventualität bedacht war, wenn die Geburt anstand. Und Scarlet.. Ihr würde er alles erzählen, wenn sie es überstanden hatte. Wenn sie lebte und wieder zu Kräften gekommen war. Nicht vorher.

Er würde allein damit zurechtkommen. Auch vorher hatte er das geschafft. Die Magierin würde er allein mit Darenthin unter die Lupe nehmen. Genauso, wie er sie von seiner Familie fernhalten würde. Scarlet mußte nicht noch jemand Magiefähigen in ihrer Nähe wissen, der nicht zu trauen war. Nicht einmal Darenthin traute ihr. Wie würde es sich da für Scarlet anfühlen müssen? Sie würde davon erfahren, wenn sie nicht mehr in Gefahr war.

Du kannst mich nicht vor der Welt beschützen.

Die Welt war grausam. Er hatte es nicht gekonnt. Sie hatte ihr so Schreckliches angetan. Er würde sie beschützen. Er mußte. Er durfte Scarlet nicht verlieren. Um keinen Preis würde er sie sterben lassen. Eher würde er sich selbst opfern. Alleine würde er diese Kinder nicht großziehen können. Sechs Kinder. Es war zuviel. Jamie würde den Verlust seiner Mutter vermutlich ohnehin nicht überstehen. Eolarios durfte nicht darüber nachdenken. Es würde nicht geschehen. Nichts davon. Sie lebte auch nach der Geburt noch weiter und sah ihre gemeinsamen Kinder aufwachsen. Natürlich. Eolarios war sich sicher, er mußte sich sicher sein. Wäre er es nicht, könnte er sich ein weiteres Mal an den Abhang in Elwynn stellen. Hinter ihrem alten Haus. Das, was er ursprünglich für Daraline und Leryla gebaut hatte. Einige Male hatte er damals an diesem Abhang gestanden, nur wenige Schritte von der Klippe entfernt. Unten hatten die Wellen getost, sich am schroffen Felsen gebrochen. Jedesmal, wenn er so dort gestanden hatte, hatte er mit dem Gedanken gespielt, diese Welt einfach zu verlassen. Es wäre so leicht gewesen. Sein Leben hatte ohnehin schon in Gilneas geendet. Damals hatte er Mia auch noch tot geglaubt.

Erst mit den Mädchen hatte sein Leben wieder begonnen. Dann kam Madeleine und hatte es fertiggebracht, dass er sich wieder lebendig fühlte. Doch was in ihm vorging, hatte sie nie interessiert. War es damals, in der Zeit mit ihr, geschehen, dass er sich so abgeschottet hatte? Soviel von seiner Verzweiflung hatte er damals mit ihr teilen wollen, doch ihr war es egal gewesen. Damals hätte er jemanden gebraucht, der ihm zuhört. Sogar zu diesem verdammten Sturmwinder Priester war er gegangen und hatte sich sagen lassen, er sollte dem Sturmwinder Militär beitreten. Er hatte sogar den Fehler gemacht und hatte Leryla erzählt, was in ihm vorging. Es hatte nur dafür gesorgt, dass das Mädchen nun noch mehr an ihm hing. Nicht, dass Eolarios es schlimm fand, doch für Leryla war es nicht gut. Irgendwann hatte er sich daran gewöhnt, dass niemand da war, der ihm zuhörte. Dass er sich niemandem anvertrauen konnte. Varwin war auch nur selten in der Stadt. Ohnehin hatte der auch genug eigene Probleme. Inzwischen fand Eolarios es auch besser so. Es reichte, wenn er selbst diese Last trug. Er mußte sie nicht noch jemand anderem aufladen. Und Madeleine?

Nun, wo er den Abstand zu ihr hatte, den sie sich damals gewünscht hatte, wollte sie, dass er mit ihr redet. Nun, da er sich endlich damit abgefunden hatte, dass es sie nicht interessierte. Schon damals hatte er ungläubig abgelehnt. Bis heute fragte er sich, was sie damit bezwecken wollte. Wollte sie ihn nun mit aller Macht zurück? Oder wenigstens soweit kriegen, dass er sich für einige schöne Momente mit ihr traf, weit weg von seiner Familie? Sein Vater hätte das vermutlich getan. Einige Male hatte Eolarios ihn früher, als Kind, mit anderen Frauen gesehen. Auch den Gesichtsausdruck seiner Mutter hatte er bis heute nicht vergessen, wann immer es um dieses Thema ging. Sie hatte davon gewußt, doch keine Wahl gehabt, als es zu tolerieren. Eolarios würde seiner Frau niemals dasselbe antun. Das hatte er sich schon damals geschworen und daran hielt er sich.

Scarlet hatte ohnehin genug mit ihren eigenen Sorgen zu tun. Sovieles mußte sie verarbeiten. Sie mußte nicht auch noch erfahren, was in Eolarios vorging. Sie mußte nicht wissen, dass er manchmal immer noch mit dem Gedanken spielte, alles hinzuschmeißen. Dass er immer noch daran dachte, was mit Madeleine gewesen war. Und auch um Mia sollte sie sich nicht sorgen müssen. Sie war seine Tochter, er würde sich um sie kümmern.

Du vertraust mir nicht.

Eolarios vertraute ihr. Aber er hatte Angst um sie. Vielleicht konnte sie das irgendwann verstehen.

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