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Auszug aus den persönlichen Notizen von Vitari West:


Heute Morgen quälte mich kurz vor dem Erwachen der gleiche Albtraum, der mir nun schon seit mehreren Wochen folgt. Ich war wieder auf der Anhöhe, die sich Corrahns Dolch nennt und sah, wie das Inferno den kläglichen Rest meiner Streitkräfte verschlang. Das Feuer brannte im Traum so heiß, dass ich selbst, nachdem ich dem Albtraum entflohen war, glaubte die Hitze auf meiner Haut zu spüren. Doch das ist natürlich Unsinn. Es sind nur die Narben in meinem Gesicht, die unauslöschliche Erinnerung an das Vergangene, die mir Schmerzen bereiten. Ich versuche krampfhaft zu vergessen, dass es mal eine Legion Hydra gab, doch es gelingt mir nicht. Wenn ich die Augen schließe, kann ich ihre Gesichter sehen, so deutlich, als stünden sie wahrhaftig vor mir, als wären sie nicht den alles verschlingenden Flammen zum Opfer gefallen. Wird mich dies auf ewig verfolgen? Oder finde ich eines Tages Erlösung von dieser Marter?

Wenn ich mich so umsehe, erscheint es mir fast wie ein schlechter Scherz des Schicksals, eine grausame Laune irgendwelcher Götter, dass ausgerechnet ich, Vitari West, überlebt habe und in meine Heimat zurückgekehrt bin. Ich, die ich einst eine ganze Legion zum Sieg über die Verlassenen führen sollte, bin nun allein und stehe wieder dort, wo dieser ganze makabere Wahnsinn seinen Anfang nahm. Gilneas, der zerstörte Graumähnenwall, Lohenscheit, das vordere Basislager der Befreiungsfront, all dies sind Orte, in denen meine Vergangenheit begraben liegt und doch erkenne ich diese Orte, obschon kaum verändert, nur schwer wieder. Selbst mein altes Zelt, welches ich noch genauso vorfand, wie ich es am Tag meiner Abreise zurückgelassen hatte, wirkte mir eher wie das Lager einer fremden Person, die jeden Augenblick wieder kommen könnte. Verrückt, ich weiß, doch es ist, wie es ist. Der vergangene Kampf lässt sich nicht einfach so abschütteln. Man kann nicht knapp dem Tode entrinnen, hunderte Menschen dem sicheren Ende entgegenführen und dann so weiter machen, als wäre nichts gewesen. Ich habe versucht mir was vorzumachen, als ich hier ankam. Ich dachte ich könnte anfangen zu leben, anstatt nur zu kämpfen. Ich hatte Unrecht und KyaranKyaran hatte Recht. Mit allem.

Bei meiner Ankunft fand ich das Lager in dem sich einst die Streitkräfte des Eisenwolfs befanden verlassen vor und auch sonst waren die Ruinen völlig leer. Kam ich bereits zu spät? Hatte ich diesen Krieg für ein Land geführt, dass schon längst verloren war? Ich wagte kaum daran zu denken, als ich meine Suche fortsetzte. Immerhin fand ich Spuren, die auf die Anwesenheit verbliebener Widerstandskämpfer hinwiesen. Ich bin also nicht ganz allein. Zumindest, wenn ich sie gefunden habe. Ich habe versucht den Spuren so gut es geht zu folgen, doch ich komme nur langsam voran und der Silberwald, denn in ihn führten die Spuren letztendlich wieder hinein, ist immer noch voller Patroullien der Verlassenen. Viel öfter als früher musste ich Pausen einlegen, da mein Bein mir den Dienst versagte und mich am fortkommen hinderte. Auch das wird eine ewige Erinnerung an mein Versagen sein. Ich bin zu recht verkrüppelt.

Die Spur führte knapp am Grabmahl vorbei, auf welches ich einen flüchtigen Blick werfen konnte. Ich hatte Verlassene erwartet, sicher, doch ich fand zudem noch mehrere Kreaturen vor, die ich nach einem genaueren Blick als Todesritter identifizieren konnte. Was mag das bedeuten? Was könnten ausgerechnet ein paar Todesritter an diesem Ort zu suchen haben? Sagte ich „ein paar“? Nun, ich habe mich falsch ausgedrückt, denn ihre Zahl ist nicht zu unterschätzen. Ich konnte mir noch keinen Reim darauf machen, werde aber ihre Bewegungen im Auge behalten. Wenn sie tatsächlich den Verlassenen dienen, wie ich vermute, so täte ich gut daran sie aufzuhalten. Ich habe gesehen, was einer von ihnen ausrichten konnte und zu diesem Zeitpunkt war ich froh, dass er auf meiner Seite war. Was vermag erst ein ganzer Trupp dieser Monster auszurichten? Ich werde mich bemühen sie zu stoppen, auch wenn ich nicht weiß, wie ich es momentan überhaupt auch nur mit einem von ihnen aufnehmen sollte.

Manchmal packt mich das Verlangen wieder umzukehren, nach Stromgarde, wo ich meine Begleiter zurückließ. Vielleicht ist es aber besser, dass ich diesem Verlangen bislang noch nicht nachgab. Die Leute dort, zumindest zwei von ihnen, wenn nicht mehr, haben allen Grund mich zu verachten. Ich habe sie benutzt, um nahe an Gilneas heranzukommen, etwas, dass ich ohne Hilfe in meiner derzeitigen Verfassung nicht geschafft hätte. Nein, es ist besser wenn ich in meinem Sumpf bleibe.

So lebe ich denn, wie ich zuvor lebte. Ich ernähre mich von dem wenigen, das ich finde, bleibe nie lange an einem Ort und schlafe dort, wo ich glaube, dass es sicher ist. Sie dürfen nicht auf mich aufmerksam werden. Noch nicht. Ich überfalle kleinere Wachpatroullien der Verlassenen und töte sie, wann immer ich kann. Nicht viele, immer nur einen, oder zwei. Mehr vermag ich sowieso nicht zu tun. Ich kann Mühlenbern, das Grabmahl, oder den Kommandoposten nicht allein bezwingen, daher bleibe ich bei den kleinen Dingen, die ich zu tun vermag. Kaum mehr als Nadelstiche für die endlosen Armeen der Verlassenen, doch was könnte ich sonst tun? Und wenn nicht ich…

…wer dann?

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